So long, and thanks for all the fish

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Von Boris, Di, 4. Jan 2011 00:32

Dies ist, chronologisch betrachtet, der letzte Eintrag auf dem Blog “dreisechzig.net”, welches am 13. Mai 2005 ans Netz ging (frühere Einträge wurden auf einem früheren Blog veröffentlicht). Ich eröffnete die Webseite damals in Kenntnis des Produktnamens “Xbox 360” und der intern abgemachten deutschen Aussprache “dreisechzig” (und nicht dreihundertsechzig, wie man immer wieder mal hört. Die Hundert verschluckt man auch bei Porsche und BMW Modellen). Mein Hintergrundwissen als Produktmanager für Xbox 360 floß hier in viele Artikel ein, immer die Balance suchend, keine plumpe Werbung, sondern Information zu sein und dabei keine Firmengeheimnisse zu verraten. Zwischendurch gab es Film- und Plattenkritiken, Softwaretipps, Eingeständnisse zur Iphone-Benutzung und viel privaten Zynismus.

Natürlich hat mir das Ganze Spaß gemacht und ich schließe dreisechzig.net nicht, weil ich des Bloggens müde, aber weil ich innerhalb von Microsoft in eine andere Abteilung gewechselt bin und damit den Anschluß zu Xbox wohl oder übel verlieren werde. Dann bin ich nur noch “normaler Kunde” – und aus der Perspektive bloggen und schreiben andere viel besser über Xbox als ich.

Ein besonderes Resümee möchte ich zum Thema “Privates Blog” versus “Firmen Blog” stellen. In den letzten fünf Jahren bin ich immer wieder damit konfrontiert worden, daß die für mich eigentlich recht klare Position eines privaten Blogs, dessen Inhalte nicht durch Microsoft kontrolliert oder vorgeschrieben werden, für den einen oder anderen unklar war, und es doch als “Marketingblog” mit “PS3-Gebashe” bezeichnet wurde. Aber dreisechzig.net war immer meine ungefilterte private Meinung – und ja, die ist nun mal grundlegend positiv gegenüber Xbox und Microsoft. Ich stehe zu allem, was hier steht, so wie es zum jeweiligen Zeitpunkt geschrieben war.

Ohne Zweifel: Microsoft ist einer der besten Arbeitgeber, was das Thema Blogging angeht. Soviel Freiheiten gäbe mir kaum eine andere Firma. Ein einziges Mal (im Sommer 2010) habe ich einen Artikel aus dem Blog rausgenommen – die Aufforderung dazu kam nicht von Microsoft, sondern einem anderen Unternehmen. Aber als ich hier vor vielen Jahren ein Xbox-Feature “geleakt” hatte (durch einen Kommunikationsknoten) gab es für mich keine Probleme außer einer Menge Referrals von kotaku.com und anderen.

Ich habe insgesamt zehn Jahre für Xbox gearbeitet, dies ist in den meisten modernen Berufsleben eine Ewigkeit. Sehr viele Kollegen in der Spieleindustrie Deutschlands haben in diesen zehn Jahren, oft auch unfreiwillig, manchmal mehrfach, den Arbeitgeber oder das Produkt gewechselt. Ich durfte zehn Jahre lang Xbox in verschiedenen Positionen betreuen und bin gerne dabeigeblieben. Nicht zuletzt, weil ich das Produkt wirklich liebe. Für Karriere oder finanziellen Fortschritt wäre es sinnvoller gewesen, schon früher in eine andere Sparte bei Microsoft oder zu einem anderen Arbeitgeber zu wechseln.

Nun, der Wechsel steht jetzt an und ich schalte hier nicht, wie mal befürchtet, das Licht komplett aus. Aber dreisechzig.net ist jetzt nur noch eine statische Seite, in der keine weiteren Artikel erscheinen und in der auch keine Kommentare mehr geschrieben werden können. Wenn es in Deutschland rechtliche Einschränkungen für den Betrieb eines Blogs in Form beispielsweise eines Staatsvertrags geben wird, werden aber auch diese statischen Inhalte verschwinden. Nicht aus Protest, sondern einfach nur, weil ich nicht die Zeit und Energie habe, ein statisches Blog an neue Gegebenheiten anzupassen.

Kondensierten Boris gibt es weiterhin auf Twitter – wer sich da nicht anmelden will, kann einfach unter http://twitter.com/BorisSchnohne ansehen, was ich da in 140 Zeichen quetsche. Und wenn mir, als Spieler, was interessantes oder philosophisches in der Spielewelt auffällt, kann ich das bei den www.spieleveteranen.de loswerden, mal im Podcast oder dann auch als gebloggten Artikel.

Famous last words: Danke fürs Lesen. Danke für die Kommentare (ich hab jeden einzelnen gelesen und viele beantwortet).

Hat Spaß gemacht.
Würd’ ich wieder tun.
Muß jetzt aber los.

 

Ich bin durchaus nicht zynisch, ich habe nur meine Erfahrungen, was allerdings ungefähr auf dasselbe herauskommt.
Oscar Wilde, Lord Arthur Saviles Verbrechen, 1. Akt / Lady Windermere

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