"Zensur" nervt (Update!)

Aufreger, Online Fundstücke Kommentar hinzufügen

Und noch mehr nerven angebliche Journalisten, die was schreiben, ohne sich zu informieren. (Update: Eigene-Nase-Faß - etwas weiter unten war eine halbe Stunde lang eine Fehlinformation zu sehen. Danke für die sachdienlichen Hinweise). Auf Chip Online schreibt ein mir bisher unbekannter David Hain seine Top-10-Liste der nervigsten Spiele-Zensur. Mal abgesehen davon, daß er das Wort Zensur falsch verwendet (in den meisten Fällen handelt es sich eben nicht um Zensur sondern um eine Selbstbeschränkung des jeweiligen Herstellers) hätte der gute Mann vielleicht mal ein klein wenig Recherche betreiben sollen, statt sich nur seinen Frust über geänderte Spieleversionen von der Seele zu schreiben. Und dabei sogar als frustrierend bemängelt, daß Mario sich in Mario Kart keinen hinter die Binde kippen darf (was kein deutsches Phänomen ist, sondern weltweit außerhalb von Japan zu beobachten ist).

Der große Knaller: So deutet Herr Hain doch tatsächlich an, daß die Spieleindustrie seine geliebten Weltkriegsspiele endlich wieder mit Hakenkreuzen ausstatten soll. Extrem unglücklich ist es, dieses Ansinnen auch noch mit solchen Worten zu beginnen:

Dass der Zweite Weltkrieg tiefe Wunden in der deutschen Geschichte hinterlassen hat, ist bekannt. So sehr, dass es schon eines Fußball-Sommermärchens bedarf, um Landesflaggen auf öffentlicher Straße zu sehen und so etwas wie Nationalstolz zu wecken.

Haben die keinen Lektor oder Chefredakteur bei Chip Online, bei dem nicht die Alarmglocken klingeln, wenn das Wort Nationalstolz in Zusammenhang mit Hakenkreuzen auftaucht? Und wenn der Autor entweder mutwillig verschweigt oder ihm völlig unbekannt ist, daß die Verbreitung nationalsozialistischer Symbole in Deutschland ein Straftatbestand ist? Und nur dank des Bundesgerichtshofs nicht, wenn man die verfremdet, um Kritik an Neonazis zu üben? Hallo Herr Hain, ich war der Mann, der bei “Indiana Jones und der letzte Kreuzzug” mit Deluxe Paint alle Hakenkreuze übermalt hat, um Geld- oder Gefängnisstrafen zu entgehen. Die Gesetzeslage dabei hat sich meines Wissens nach in den letzten 14 Jahren nicht geändert…

Aber wahrscheinlich ist das alles nur ein Ausrutscher eines frustrierten Spielers, der sich noch nicht mal mit der Geschichte von Mortal Kombat und dem Paragraphen 131 auskennt. Der ernsthaft glaubt, die Namensänderung in Obscure sei von der USK veranlasst worden (dabei hätte jeder vernünftige Lokalisierer die unfreiwillige Komik des Namens “Wickson” für eine deutsche Version jedes beliebigen Spiels geändert. Außer bei Leisure Suit Larry.) Ein haarsträubender Artikel, der genau so schlecht recherchiert ist wie eine typische Frontal-21-Killerspiel-Dokumentation. Aber da regt sich sicher kein Spieler drüber auf, nur wieder ich.

Guter Update: Autor und Chefredakteur des kritisierten Artikels äußern sich in den Kommentaren. Wir haben hier unterschiedliche Standpunkte - die Kollegen sehen das von der sachlicheren Ebene, ich bin halt inzwischen arg auf meiner Ansicht nach Recherchefehler, unsaubere/unglückliche Formulierungen und Spieler-Gemotze (”Ich will das aber…”) geeicht. Ich will, daß beide Seiten diese Thematik mit der größtmöglichen Sorgfalt anfassen und halte solche Artikel deswegen nicht gerade für die Sache förderlich. Daher bleibe ich bei meiner Kritik, weise aber sehr gerne auf den Standpunkt des Autoren hin!

Oh, und ein lustiger Kommentar, der mir persönlich unterstellt ich würde die Spiele vom Markt halten, ist auch aus Jux freigeschaltet. Normalerweise lösch ich solchen Schwachfug kommentarlos. Warum die Firma Microsoft international Spiele, die in den jeweiliegen Ländern keine Altersfreigabe kriegen, dort auch nicht auf dem Markt zuläßt, ist hier im Blog in epischer Breite beschrieben.

37 Antworten to “"Zensur" nervt (Update!)”

  1. mad dog 336 sagt am March 28th, 2008 um 14:31

    Komplett d’accord.

    Aber bitte keine Fehlinformationen über Anti-Nazi Symbole verbreiten: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,471880,00.html

  2. fuxx1.0 sagt am March 28th, 2008 um 14:43

    “Aber da regt sich sicher kein Spieler drüber auf, nur wieder ich.”

    Stimmt nicht, ich bin auch Spieler und ich reg’ mich über so was auch sehr gerne auf. :)
    Aber es ist nun Mal einfach und cool sich über die böse Bevormundung und Zensur aufzuregen. Das ist nämlich der Pseudo-Widerstand vom Sofa aus. Statt sich für wirklich wichtige Dinge auf die Straße zu stellen, befasst man sich damit, dass in manchen Computerspielen das Blut Grün oder die Hakenkreuze entfernt sind und braucht dazu noch nichtmal seinen Hintern aus der Sitzkuhle zu heben, sondern setzt sich an den PC und schreibt einen Beitrag in ein Forum (”BPJS und USK sind voll die Nazikommunisten, Alter!”) oder einen Artikel bei Chip-Online (Nationalstolz durch Hakenkreuze). Danach kann man sich als Erhalter des Grundgesetzes oder so was fühlen und hat allen gezeigt, was man für ein krasser Demokratie-Kämpfer ist. Prima. :)

  3. ScipioIII sagt am March 28th, 2008 um 15:06

    Wegretouchierte Hakenkreuze sind teilweise für die Atmosphäre des Spiels etwas ärgerlich (Indiana Jones 3), meist aber meiner Meinung nach völlig egal (Call of Duty). Was ich nicht nachvollziehen kann ist, warum der Film zum Spiel :-) (Indy 3) die Hakenkreuze zeigen darf aber das Spiel nicht, obwohl man im Spiel nicht die Deutschen spielen kann… Aber was soll`s - die Spiele leiden nicht wesentlich darunter…
    Was ich wirklich ärgerlich finde ist, dass z.B. der Leveleditor von “N+” in seiner Sharing-Funktion so stark beschnitten wurde (laut Aussage der Entwickler), nur damit irgendwelche Spinner keine Penis- oder Hakenkreuzlevel basteln… Das war sicher etwas zu übereifrig und nicht rechtlich notwendig, oder MS?
    In den USA mögen ja irgendwelche Moralapostel alle XBoxen bei Auftauchen eines “Genital- oder Satan-Levels” verbrennen aber in Deutschland würde so etwas doch niemanden jucken…lasst es doch hier zu!

  4. xaan sagt am March 28th, 2008 um 15:29

    Also auch wenn der Herr sich dort etwas ungeschickt ausdrückt, hat er da doch ein interessantes Thema am Wickel. Man erkennt nämlich wiederinmal, dass für Videospiele restriktivere Maßstäbe gelten als für andere Medien.

    Während die Hakenkreuze aus dem Indy-Adventure komplett raus mussten, dürfen sie in der dazugehörigen Filmvorlage völlig offen gezeigt werden. Mir möge niemand erzählen, Indy und der letzte Kreuzzug betreibe Aufbereitung der deutschen Geschichte. Ja selbst zu behaupten, der Film enthalte Kritik am Nationalsozialismus ist wohl streitwürdig. Der Film verwendet die Nazis einfach nur, weil sie sich gut als die bösen Widersacher des Helden anbieten. Na boohoo, wenn Nazis = böse schon reicht um als Kritik am Nationalsozialismus zu gelten und Hakenkreuze offen zeigen zu dürfen, dann kann man das für die Adventureversoftung ja wohl exakt genauso gelten lassen.

    …tut man nur leider nicht. Aus Videospielen müssen die Dinger immernoch konsequent raus. Selbst dann, wenn es nichtmal um Blödelklamauk geht wie in Indy sondern um ernste historische Simulationen (Silent Hunter 4)

    Das ist absurd und inkonsequent.

  5. DoctorJohnSmith sagt am March 28th, 2008 um 15:42

    Dem was xaan sagt, kann man nur zustimmen.

    Aber wer mißt denn hier überhaupt mit zweierlei Maß? Ist das wirklich der Staat, der Spielbergsche Filme unangetastet läßt und Lucasartsche Computerspiele
    verfolgt? Oder ist das nicht doch der Hersteller des Spiels, der hier freiwillig
    Schwierigkeiten aus dem Weg geht?

    Ich möchte das nicht als Vorwurf an die Hersteller verstanden wissen: Selbst
    wenn man ein Indy-Spiel mit genauso vielen Hakenkreuzen auf den Markt bringen könnte wie einen Indy-Film ohne dafür belangt werden zu können, gibt es eine Menge (für mich guter) Gründe, dies nicht zu tun.

  6. DraMaticK sagt am March 28th, 2008 um 16:14

    Ich kann den Schneiderschen Aufreger nicht unbedingt nachvollziehen. Dass man deutsche Gesetze befolgen muss ist zwar klar, das man sich aber auch über Sinnhaftigkeit solcher Gesetze streiten kann, darf und muss sollte aber auch in Betracht gezogen werden (Stichwort hier: Meinungs- und Kunstfreiheit). Der Chip Autor ist sicherlich etwas unbedarft an die Sache herangegangen, aber im Kern hat er mE doch Recht. Die Altersfreigaben und Indizierungen gibt es nicht umsonst; den Inhalt sollte man dementsprechend unzensiert genießen können. Das aber auf der anderen Seite ein Hersteller seinen Absatz nicht durch eine KJ Freigabe schmälern will leuchtet auch ein.

    Da hilf im Endeffekt nur eins: Importieren! ;)

  7. Froschi sagt am March 28th, 2008 um 16:26

    Hi Boris.

    Zunächst einmal sollte vielleicht darauf hingewiesen werden, dass der Artikel an sich nicht auf/für chip.de geschrieben wurde, sondern ursprünglich auf gamona.de erschien (http://www.gamona.de/article/detail/id-verteufelt_unvollstaendig_wir_entlarven_607677.htm) - chip.de scheint Kooperationspartner zu sein.

    Darüber hinaus denke ich, dass du Davids Ansinnen falsch verstanden hast - keiner wünscht sich ein »Mein Nazi-Coach« für den DS. Es geht einfach um ein erwachsenes, vernünftiges Umgehen mit einem Symbol, das hierzulande nach wie vor im Spielesektor ein unwirkliches Tabu darstellt. Und zwar die Art Tabu, die einen Chefredakteur den Job kosten und ein ganzes Magazin kippen kann, nur weil es für anderthalb Sekunden in einem Trailer zu sehen ist (Stichworte: Turning Point, PC Powerplay, Martin Deppe).

    Wie schon Xaan schrieb: Die Inkonsequenz des Gesetzgebers ist das eigentlich Verwerfliche an der Thematik. Wenn ich unseren Lesern ein neues Screenshot-Set eines WW2-Shooters anbiete, muss ich vorher jedes einzelne Bild genau durchforsten - nicht, dass sich da etwa 20 schwarze Pixel in verbotener Art und Weise zusammenrotten! Das würde ja die Augen und den Verstand des jugendlichen Betrachters völlig versauen; er würde sich stehenden Fußes den Schädel rasiern, seinen IQ zehnteln und »Bombt Israel in die Steinzeit!!«-skandierend durch die Straßen ziehen.

    Das ist einfach schrecklich dumm.

    Und die Aussage mit dem Nationalstolz mit den Hakenkreuzen in Verbindung zu bringen sollte dir eigentlich selbst bizarr vorkommen. Es ist doch ziemlich offensichtlich, dass sich David hier auf die 2006er Fußball-WM samt ihrer vielen Deutschland-Flaggen, den Erfolgen der deutschen Mannschaft und dem sich daraus ergebenden »Nationalstolz« bezieht.

    Grüße aus Hamburg
    Paul Kautz

  8. Urgs sagt am March 28th, 2008 um 16:32

    Der zitierte Satz ist so unfassbar dämlich, dass er bereits gut und gerne als freudscher Versprecher durchgeht. Wenn es bereits eine “tiefe Wunde” darstellt, dass auf offener Straße demonstrierter Nationalstolz jahrzehntelang als peinlich oder verpönnt galt, wie bezeichnet man denn erst jene Wunden, die Hakenkreuzbinden tragende Deutsche anderen Völkern im 2.Weltkrieg zugefügt haben? Dass Deutsche sich heute von den Greueltaten ihrer Großväter distanzieren und nicht mehr verantwortlich machen lassen wollen, ist ihr gutes Recht. Doch kaum hat man sich von dieser Last befreit, beruft man sich im selben Atemzug gerne, mit trampelhafter Pietätlosigkeit, auf das scheinbar selbstverständliche Recht auf Nationalstolz. Die traurige Wahrheit ist doch: Das Mitgefühl mit den deutschen Opfern des Krieges war noch nie besonders groß in der Bevölkerung. Heute jedoch darf man sogar wieder empört über sie sein, weil es das Volk angeblich in seiner gesunden Entfaltung beeinträchtigt, wenn man immer wieder daran erinnert.
    Der neu “erwachte” Nationalstolz des sogenannten Fußball-Sommermärchens war der Erfolg einer groß angelegten Kampagne, eine Inszenierung, wenn man so will und kein spontaner Ausbruch. Das Volk soll wieder stolz sein dürfen, da man ihm in den letzten Jahren viele der sozialen Errungenschaften genommen hat, die nach dem 2. Weltkrieg für ein gutes Klima gesorgt haben. Ein wirklich schlechter Tausch, wie ich finde.

    Nun ja, sorry für den Abrutscher ins Politische, aber sowas regt mich echt auf!

  9. ChiefJudy sagt am March 28th, 2008 um 17:01

    Da kann ich Froschi und Vorredner nur zustimmen. Und da ich wie auch immer verfremdete/geschnittene Spiele nicht ausstehen kann, wir eben eifrig importiert ;) .

  10. ltl.vamp sagt am March 28th, 2008 um 17:53

    Stellt sich nur die Frage, warum in Filmen diese durch die Verfassung verbotenen Flaggen und Symbole nicht entfernt werden… obwohl, diese Frage stellt sich nicht: Filme herzustellen ist als Kunst oder Kultur anerkannt, im Gegensatz zur Herstellung von Unterhaltungssoftware auf Basis reeller Ereignisse.

  11. Link sagt am March 28th, 2008 um 18:55

    Mir stoßen viele Teile des Artikels auch übel auf. Das mit den Hakenkreuzen - Hakenkreuze dürfen nur zu Bildungszwecken (Schulbücher, sachliche Dokus wie Wikipedia, Kriegsdokumentationen einschließlich Filme, die auf echter Recherche basieren - wie zum Beispiel die Gustlof oder das Boot) abgebildet werden, zur Kriegsverherrlichung illegal.

    Die Mario Kart-Sache - bei Nintendo lief es doch schon fast immer so - ein Spiel läuft von Japan nach USA und von dort nach Europa - dass in USA Dinge wegfallen, über die man Europa hinwegsehen würde ist klar - so ist Gewaltdarstellung dort ein geringeres Problem, während jedoch sexuelle Darstellungen und Alkohol dort deutlich ernster genommen werden. Wäre Mario Kart von Japan direkt nach Europa gekommen, denke ich, dass hier der Schnitt nicht sichtbar wäre - ist zwar Spekulation, aber naja.

    Auch der von Boris zitierte Satz zum Thema Nationalstolz ist übel - wer verbietet mir, dass ich auch heute eine Deutschland-Flagge an mein Auto hänge - gewiss, Nationalstolz ist in Deutschland deutlich seltener als in USA, wo man doch an einigen Stellen die Flagge des eigenen Landes sieht. Aber das ist in Deutschland weder verboten noch irgendwas! Und wer es wissen will - in meinem Zimmer hängt eine Deutschland-Flagge - warum nicht? Deutschland ist bestimmt nicht das beste Land der Welt - wobei man sich hier auch die Kriterien überlegen müsste wie man nun das “beste Land der Welt” festlegt - aber ganz unten mischen wir auch nicht mit - und auf einige Dinge seines Landes darf man doch vielleicht ein bischen stolz sein!

  12. DarkVamp sagt am March 28th, 2008 um 20:37

    Nunja ist halt die Chip :-(

    War das nun ein Leserbrief dort oder ein Redakteur ?

  13. Rizzo sagt am March 28th, 2008 um 22:47

    Nach §86 StGB Abschnitt 3 müßte das Hakenkreuz auch in den Indiana Jones Filmen strafrechtlich relvant sein… Auf der anderen Seite dürfen Hakenkreuze in der Öffentlichkeit gezeigt, verbeitet werden, “wenn das Propagandamittel oder die Handlung der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient.” ( §86 StGB Abschnitt 3 )

    Indiana Jones, um beim genannten Beispiel zu bleiben, es gibt ja hunderte Filme mit noch weniger Bezug auf geschichtliche Ereignisse, in denen dennoch Hakenkreuze beinahe inflationär gezeigt werden, fällt wohl eher in den Bereich Fiction / Fantasy, also nicht in einen der genannten Bereiche …

    Wenn es also bei dem Film kein Problem ist, warum in einem Spiel? Ich denke, dass das schon eine berechtigte Frage ist. Warum werden hier nicht die gleichen
    Maßstäbe angewendet? Indiana Jones, so sehr ich die Filme auch mag, ist sicher auch keine Kunst…

    Nun gut, ich kann auch auf Hakenkreuze verzichten, in meinem inneren Auge sehe ich die “Ersatzsysmbole” eh schon als das, was sie nicht sein dürfen… Es schadet nur der Atmosphäre…

    Zum Thema Zenur: Ich mag eigentlich keinen Unterschied darin erkennen, ob der Staat aktiv zensiert oder Gesetze so gestaltet, dass die Hersteller im Grunde genommen dazu nötigt, “freiwillig” zu zensieren…

    Aber auch das kann mir eigentlich egal sein ( wenn es nicht ums Prinzip ginge) , dank Internet, EU und Post bekommt man auch in Deutschland alles vor die Haustür geliefert…

  14. Bash sagt am March 29th, 2008 um 3:32

    Ja ich muss auch absolut und überhaupt zustimmen.

    Sechs Millonen Menschen in die Gaskammern gesteckt und 60 Jahre später darf man immer noch nicht seinen Stolz auf seine eigene Nation zeigen. Schockschwere Not. Gott sein Dank waren damals die Hakenkreuze im “KZ Manager” nicht wegeditiert. Wäre ja auch noch schöner gewesen…

    Obiges war pure Ironie. Ich markiere es mal sicherheitshalber so.

    Dass der Artikel vorher auf Gamona.de erschienen ist, scheint mir bezeichnend. Es zeigt mir, dass auf der gegenüberliegenden Seite, auf der der Spieler, aus denen sich meines Empfindens nach die Gamona-Redakteure rekrutieren, die Sensibilität in Richtung der Kritik an der USK und den deutschen Gesetzen genauso wie der Recherchewillen Seitens des ZDF (Frontal 21) bzw. der ARD (Panorama) im unteren Promillebereich bewegt. Es gibt GRÜNDE für diese Gesetze genauso wie es GRÜNDE für USK-Bestimmungen gibt. “Das ist uncool” ist kein Argument!

    Wie oft musste ich mir auf LAN-Parties in Diskussionen, die ich angstoßen habe, die hahnebüchensten Ausflüchte anhören, warum denn Counterstrike nicht aggressiv mache. “Ist doch so”. Nachfrage: “Warum” - “Ja is doch so. Guck Dich um, sind alle friedlich hier.”. Ahja.

    Mein Fazit ist schon lange: die Gamer denken über ihre “Probleme” (”Ich will mein echtes Nazi-Feeling” - “Warum kann ich in D keine Finishing-Moves einsetzen?” - “Warum ist mein Blut nicht rot?”) meist gar nicht nach, und formulieren ihre Kritik nur in Form von lautstarkem Gemaule.

    Die Medien hingegen betreiben Sensationsjournalismus für Einschaltquote und Auflage.

    Von daher habe ich auch schon lange das Gefühl, dass die Artikel in Gamestar und Co.weniger den Gamern zeigen, was man als Argument gegen die Killerspiel-Gegner anbringen kann. Sie vermitteln eher das Wissen, warum das _Gefühl_, dass Killerspiele nicht so gefährlich sein können, wie sie gerne gemacht werden, tatsächlich berechtigt ist. Über das Warum und Weshalb macht sich der Dauerzocker doch die wenigsten Gedanken. Genau so wenig wie über die Regeln und Gesetze in Deutschland und deren Ursprung.

    So zeigen mir die netten Kommentateure über mir herrlich, wie faul der Spieler denn sein kann. Wie wär’s denn mal mit der Suche “Hakenkreuz” in der Wikipedia?

    Das führt den geneigten Gamer auf:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Swastika#Verbotsgesetze
    § 86a des Strafgesetzbuches
    Absatz 3 definiert Ausnahmen:
    (3) Absatz 1 gilt nicht, wenn das Propagandamittel oder die Handlung der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient.

    Und damit kann man sich dann die Frage selbst beantworten.

    Filme sind Kunst und/oder Berichterstattungen über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte.

    Spiele nicht.

    Ich ergehe mich dann den Rest der Nacht in Kopfschütteln.

  15. daniel c w sagt am March 29th, 2008 um 9:46

    Das Spiele anders behandelt als andere Medien, ist logisch und konsequent, denn alle Medien formen unterscheiden sich in vielen Punkten voneinander.
    Dass Spiele im Gegensatz zu Filmen interaktiv sind, dürfte wohl der größte Unterschied sein.
    Er rechtfertigt den strengeren Umgang mit Hakenlreuzen.

    Und ich würde es schön finden wenn man endlich aufhören würde, das Wort “Zensur” zu benutzen, wo es doch in den meisten Fällen falsch ist.

  16. xaan sagt am March 30th, 2008 um 10:01

    @ bash
    Du hast dur ja viel Mühe gemacht, Gesetzestexte rauszusuchen. Hättest du dir doch genausoviel Mühe gemacht, hier mal ein oder zwei Kommentare über deinem zu lesen, wüsstest du, dass der wirkliche Grund fürs unzufrieden sein mit geschnittenen Hakenkreuzen ein anderer ist, als du glaubst.
    Im übrigen ist deine Art, die gesamte Gamercommunity anhand eines einzigen Gamona Artikels zu verurteilen nicht viel besser als die Argumentation der LAN-Teilnehmer die du selbst so sehr kritisierst.

    @ daniel c
    Ich würde dein Argument verstehen, wenn man im Indy-Adventure den Part der deutschen Nazis selbst spielen könnte. Kann man aber nicht. Selbst im Spiel sind die Nazis die Gegner. Ich sehe also weiterhin absolut keinen Grund, weshalb man das Spiel anders behandeln sollte als den Film.

  17. Jürgen sagt am March 30th, 2008 um 18:13

    Ich stelle immer wieder entsetzt fest, dass es gerade den “Freiheits-” und “Selbstbestimmungsverteidigern”, die in diversen Foren ihre polemischen und egoistischen 08/15-Phrasen streuen, an Reife und Weitsicht fehlt.
    Aber wenn es nur um das eigene Vergnügen geht, zählen allgemeine ethische und moralische Werte heutzutage wohl nicht mehr.

    Es ist erschreckend, wenn Leute, die sonst noch nicht mal wissen, wie man “Museum” oder “Picasso” richtig schreibt, im Computerspiele-Kontext auf einmal “künstlerische Freiheit” fordern und ständig unseren Staat, der seine Werte verteidigt und schützt will, als diktatorisches Zensurregime á la “1984″ hinstellen.

    Ich hoffe nur diese Leute engagieren sich in anderen diskussionswürdigen Bereichen unserer Gesellschaft genauso. Allerdings da dann mal zur Abwechslung mit guten, nachvollziehbaren und ernstzunehmenden Argumenten.

  18. daniel c w sagt am March 31st, 2008 um 9:30

    @xaan:
    leider kenne ich das Indi Spiel nicht.
    Meine Aussage war allgemeiner gemeint.
    Mittlerweile wünschte ich, ich hätte Hakenkreuze nicht erwähnt…

    Eigentlich wollte ich nur darauf Hinaus, dass Spiel anders sind als Filme, beide anders sind als Bücher, …

  19. xaan sagt am March 31st, 2008 um 14:09

    Das will ich auch nicht weiter abstreiten. Aber man sieht doch an diesem Einzelbeispiel (Indy Film vs. Spiel) sehr gut, dass man nicht stur von oben herab sagen kann “Spiel ist eben was anderes als Film”. Man muss im Einzelfall und mit gesundem Menschenverstand entscheiden. Und da kommt man nunmal unweigerlich an einen Punkt, an dem man von deiner allgemeinen Aussage ausgehend weiter ins Detail rücken muss. Sich mal genau ansehen muss, “macht der Unterschied zwischen den beiden Medien denn tatsächlich härtere Restriktionen notwendig?”. Und zwar in diesem Einzelfall. Nicht allgemein, sondern nur dieses eine Spiel betreffend ohne Anspruch darauf, auf die Bewertung anderer Spiele übertragbar zu sein.

    Das geschieht momentan aber nicht wirklich. Bei Filmen ist das längst völlig normal. Spiele hingegen werden immernoch mit deinem Argument “sind eben anders als Filme” über einen Kamm geschert. Und darin liegt dann auch die Ungleichbehandlung der Medienformen. Ich will ja nicht, dass ein Spiel zum Film ohne wenn und aber genauso behandelt wird wie der Film. Wie du sagst kann die Interaktiviät es notwendig machen, anders zu werten. Wenn mir jemand plausibel erklären kann, wieso die Hakenkreuze aus dem Indy-Spiel verschwinden mussten und im Film nicht, akzeptiere ich das. Aber das Schlüsselwort im vorletzten Satz ist “kann”. Das muss im Einzelfall entschieden werden, anstatt dass man mit dem Holzhammer druffhaut und sagt “in spielen sind Hakenkreuze generell tabu - weil ist halt so”.

    Nachtrag: Das oben Geschriebene betrifft nur die Hakenkreuzthematik. Was Gewalt angeht macht imo die USK einen ordentlichen Job, ohne Spiele über einen Kamm zu scheren. Das sei nur gesagt, nicht dass das jemand reininterpretiert.

  20. Yoshi sagt am March 31st, 2008 um 14:20

    Echt unfassbar wie Microsoft seine erwachsenen Kunden in Deutschland gängelt, Sony hat sowas doch auch nicht nötig.
    Boris Schneider-Johne ist echt schlimmer als alle Jack Thompsons und Pfeiffers dieser Welt zusammen, wenn Google China einen neuen Chef sucht, wissen sie wo sie suchen müssen.
    Ich bin kein großer Fan oder Freund von gewalttätigen Videospielen, aber diese Dämonisierung von Videospielen in Deutschland geht mir echt gegen den Strich. Und Typen wie Boris Schneider-Johen spielen den Killerspielgegnern noch in die Hände, wenn die Spiele für Erwachsene unbedenklich wären, würde sie Microsoft ja in Deutschland veröffentlichen.

  21. David sagt am March 31st, 2008 um 15:31

    Da muss ich doch glatt mal für mich selbst Partei ergreifen:

    Natürlich ging es mir, also dem werten Herrn Hain, nicht darum das Nazitum zu propagieren oder “Mehr Hakenkreuze für Computerspiele” zu fordern. Eigentlich schade, dass Boris - selbst ehemaliger Redakteur, da nicht etwas differenzierter argumentiert. Ich glaube hier geht es eher um persönliche Ansichten, als um die Qualität des Artikel.

    Der Artikel hatte eigentlich nur einen Sinn: Mit einem leichten Augenzwinkern soll auf die Zensur-Problematik in Computerspielen aufmerksam gemacht und dabei die zehn skurrilsten Vertreter zusammengetragen werden. Es ging mir nie darum, die “fiese USK” oder die “bösen Publisher” dafür abzustrafen. Von dem völlig indiskutablen Vorwurf, ich würde mehr Nazisymbolik in Spielen fordern, brauchen wir wohl gar nicht erst anfangen.

    Ich könnte hier jetzt eine politische Diskussion beginnen und meine persönliche Ansicht verbreiten, die Nazi-Thematik würde in den Medien zum ideologischen Treppenwitz geraten, spare mir das aber.

    Fakt ist trotzdem: Wenn ein Johannes B. Kerner in schönster Scheinheiligkeit seine Gäste schon bei der Erwähnung des “bösen Themas” vor die Tür setzt, auf dem selben Sender aber in regelmäßigen Abständen von “Hitlers Helfer” bis “Hitlers Hamster sein Tierarzt” eben diese Problematik als Quotenbringer genutzt wird - da kriege ich das Kotzen.

    Eben genau darauf zielte der (sicherlich bewusst provokativ formulierte) Einstieg ab: Auf ein Volk, das vornherum angewidert die Nase rümpft und insgeheim entweder null Interesse an der Nazithematik hegt (weil nicht selbst erlebt, vergessen oder nicht sensibilisiert genug) oder sich frei an dessen Erbe bedient (Filme, Dokuentationen). Letzteres mit dem Argument “Filme und Dokus sind Kunst, Spiele nicht” totzuschlagen, halte ich für äußerst fragwürdig.

    Wenn, wie im von Paul angesprochenen Fall der Powerplay, ein ganzes Magazin wegen zwei Sekunden brisanten Materials eingestampft wird, im Fernsehen aber “Turning Point: Fall of Liberty - The Movie” drei Minuten frontal auf Hitlers Schnäuzer gezoomt werden darf, muss ich mich doch fragen, wo und weshalb da die Grenzen gezogen werden.

    Und nur nochmal zur Klarstellung: Mir geht es nicht um das Verbot der Nazisymbolik ansich, sondern um den scheinheiligen Umgang damit - der selbst diesen ansonsten doch sehr feinen Blog erreicht hat.

    Grüße
    David Hain

  22. Thomas Bayer sagt am March 31st, 2008 um 18:22

    Als verantwortlicher Chefredakteur (bei gamona) fühle ich mich verpflichtet, hier mal ein paar Dinge klarzustellen - auch wenn ich mich dafür extra registrieren musste. ;)

    1. Der Artikel ist von einem gamona-Redakteur verfasst worden und auch zuerst bei uns erschienen. Im Rahmen unserer Content-Partnerschaft mit Chip Online wurde er danach auch dort veröffentlicht.

    2. Was scheinbar niemandem aufgefallen ist (naja, dafür hätte man auch zumindest die ganze Seite lesen müssen, und nicht nur den Anleser…): In dem kritisierten Artikel steht NIRGENDS, dass Hakenkreuze in Spielen nicht retuschiert werden sollten. Lediglich wegen der Entfernung der Wörter “Mein Kampf” und “Nazi” klingt leise Kritik an. Der Artikel stellt die Änderungen (ich vermeide Herrn Schneider-Johne zuliebe das Wort “Zensur”) übrigens insgesamt in erster Linie dar - und bewertet sie nicht. Maximal ist der Ton ab und an etwas spöttisch bzw. augenzwinkernd (bitte keinen Aufschrei, damit meine ich NICHT den hier hauptsächlich diskutierten Abschnitt zum Thema Zweiter Weltkrieg!) - wirkliche Kritik taucht so gut wie gar nicht auf.

    3. “[..]wenn das Wort Nationalstolz in Zusammenhang mit Hakenkreuzen auftaucht”. Hallo Herr Schneider-Johne - Wo finden Sie im folgenden Zitat die Worte “Hakenkreuz” und “Nationalstolz” im kausalen Zusammenhang: “Dass der Zweite Weltkrieg tiefe Wunden in der deutschen Geschichte hinterlassen hat, ist bekannt. So sehr, dass es schon eines Fußball-Sommermärchens bedarf, um Landesflaggen auf öffentlicher Straße zu sehen und so etwas wie Nationalstolz zu wecken.”? Gar nicht? Richtig - “Hakenkreuz” ist gar nicht zu finden, von einem kausalen Zusammenhang mit “Nationalstolz” fehlt ebenfalls jede Spur. Wer “Nationalflagge” mit “Hakenkreuzen” verwechselt oder gleichsetzt, sollte vielleicht von einem so diffizilen Thema besser die Finger lassen. ;)

    Das Zitat soll lediglich aussagen, dass in Deutschland - bedingt durch die Gräueltaten im zweiten Weltkrieg - ein grundsätzliches Problem mit jedwedem Landes- bzw. Nationalsymbol herrscht. Wer öffentlich eine Deutschlandflagge zur Schau stellt, wird schneller als Nazi abgestempelt, als er das Ding wieedr abhängen kann. Das ist meiner Meinung nach traurig (und nein, ich habe keine zuhause hängen!) und hat sich erst im Laufe der WM geändert. Ob nun bedingt durch eine geschickte Kampagne oder die Eigendynamik der kollektiven Begeisterung ob des Erfolges “unserer” Mannschaft sei dahingestellt - ändert aber nichts am grundlegenden Problem.

    4. Keiner - weder “Herr Hain”, noch ich, noch irgendjemand bei Chip Online (letzteres unterstelle ich einfach mal) - möchte eine öffentliche Zurschaustellung von Hakenkreuzen oder ähnlichen verfassungsfeindlichen Symbolen. Dass sie jedoch selbst dann entfernt werden müssen, wenn sie nur der historischen Korrektheit dienen, muss man meiner Meinung nach kritisieren dürfen, ohne sich gleich als “angeblicher Journalist” betiteln lassen zu müssen. (Anmerkung: Wirklich “kritisiert” hat der Artikel nur die Entfernung der Wörter “Mein Kampf” und “Nazi”, nicht der Symbole). Es ist mir durchaus bewusst, dass eine Änderung der Gesetzeslage (Bsp.: Erlaubnis bei nicht-verherrlichender Verwendung) evtl. schwierige Streitfälle provozieren könnte - allerdings wäre das ja nicht die einzige Stelle in unseren Gesetzen, wo es vor Interpretationsspielraum nur so wimmelt…

    5. “Wenn es bereits eine “tiefe Wunde” darstellt, dass auf offener Straße demonstrierter Nationalstolz jahrzehntelang als peinlich oder verpönt galt [..]” (Zitat Urgs): Das steht so nirgends. “Unfassbar dämlich” ist also höchstens dieses absolute falsche Zitat, nicht die originäre Aussage.

    6. Für den Indiana Jones Film (nicht das Spiel!) gab es meines Wissen nach eine Sondergenehmigung, die es dem Filmstudio/verleiher erlaubte, auch in Deutschland die “Urversion” (mit Hakenkreuzen) zu zeigen. Ob das den evtl. mangelnden technischen Mitteln zur Retusche zur damaligen Zeit geschuldet war oder ob man damit einfach den dokumentarischen Charakter der Hakenkreuz-Verwendung (in Dokus sind ja auf Original-Aufnahmen auch entsprechende Symbole zu sehen) “honorieren” wollte, weiß ich nicht.

    7. Danke an Paul für die Schützenhilfe (Au Mist – Kann mir mal einer sagen, ob „Schützenhilfe“ auch so ein böses Wort ist?) - einer der wenigen, der den Artikel so verstanden hat, wie er gemeint war. :)

    8. Boris, ich werde das Gefühl nicht los, dass die stundenlange Arbeit mit “Deluxe Paint” bei dir WIRKLICH Spuren hinterlassen hat. ;) Offensichtlich hat alleine die Erinnerung daran solch einen Gefühlssturm ausgelöst, dass du nicht mehr zu sachlicher und korrekter Argumentation fähig warst. Schade…

    Grüße,
    Thomas Bayer

  23. Boris Schneider-Johne sagt am March 31st, 2008 um 19:17

    OK, bringen wir es mal auf einen einfachen Punkt zurück: Macht ein Spiel mehr Spaß, wenn auf Uniformen und an Wänden der gegnerischen Partei die Original-Symbole prangen?
    Meine Meinung: Wenn ja, macht das Spiel was grundlegend falsch, wenn es seinen Spaß aus der Verwendung dieser Symbole zieht.

  24. xaan sagt am March 31st, 2008 um 20:17

    Mir persönlich geht es mehr ums Prinzip dabei als darum, dass es mit Hakenkreuz mehr Spaß macht. Natürlich schmälern retuschierte Symbole nicht den Spielspaß. Aber warum sollte ich denn bei einem Spiel wie Silent Hunter auf historische Akkuratheit verzichten müssen? Geht von einem Hakenkreuz auf einem virtuellen Schiffsrumpf eine Gefahr aus? Muss man befürchten, dass durch diese Symbole die Spieler zu Nazis “konvertiert” werden? Ich denke nicht. Wer für rechtes Gedenkengut empfänglich ist, der ist damit auf ganz anderen Wegen in Kontakt gekommen. Für alle anderen ist es nichts weiter als historische Genauigkeit.

  25. fuxx1.0 sagt am March 31st, 2008 um 21:28

    Hallo Herr Thomas Bayer.
    Da stellen Sie sich aber arg blöd, wenn Sie behaupten, dass in der Einleitung des Artikels keine Verbindung zwischen Nationalstolz und Nazi-Symbolik hergestellt wird. Der fett markierte Text ist das übliche “wir Deutschen haben keinen Nationalstolz”-Blabla, das man an jedem Stammtisch entgegengepfeffert bekommt, und danach geht’s im Artikel direkt mit der Nazisymbolik los. Eindeutiger geht es kaum mehr. Wenn ich mir Ihren Kommentar durchlese, frage ich mich, mit welchem Recht Sie das Totschlagargument der “unsachlichen Argumentation” hervorkramen.

    Viele Grüße ins Glashaus.

  26. ScherzKeks sagt am March 31st, 2008 um 22:57

    Gegenfrage!
    Macht ein Flugsimulator der damit wirbt in den Gegenwart zu spielen weniger spaß wenn die Boeing 747 oder alle Hochhäuser durch Gummibärchen ersetzt werden?
    Kommt dir albern vor? Mir auch. Genauso wenn in einem Spiel das nun mal den geschichtlich tatsächlich vorhandenen 2.WK bzw das dritte Reich zur Szenerie hat beschnitten werden muss. Es fehlt ein Teil der (realistischen) Atmosphäre.

    Ich bin ein Fan von historisch korrekten Spielen und Filmen. Es gibt einige wirklich gut recherchierte WW2 Spiele die auch entsprechend realistisch umgesetzt wurden. Warum mir das wichtig ist? Weil ich mir nicht nur Ritterburgen als geschichtliche Aufklärung ansehen will, weil ich gerne historische Schauplätze in einem Spiel oder Film wiedererkennen will und ja ich will während ich spiele in eine andere bzw in diesem fall vergangene realistische Welt eintauchen. und eben nicht in ein gummibärenland.

    Von daher finde ich diese Verdrängungstaktik der Deutschen mehr als lächerlich. Insgesamt ist diese Angst der deutschen vor ihrer Symbolik irgendwie krank. Als ob durch das blose ansehen des “bösen” symbols der Adolf wieder aus seinem Grab steigen würde.
    Gerade das Verbot verleitet doch ins besondere Kinder dazu die Symbole doch zu verwenden ohne zu wissen was sie bedeuten. Würden wir akzeptieren das diese Symbole nun mal existieren und uns nicht mehr daran aufregen wenn wir sie in unserer Umgebung sehen, dann würde den Rechten ein wichtiges Instrument fehlen. Und sobald es seine “Macht” über uns verloren hat wird es sowieso verschwinden und wir werden es nur noch in Geschichtsbüchern, Filmen und Spielen sehen. Solange wir uns aber darüber echauffieren und Aufregen haben DIE gewonnen.

    just my 2 cents

  27. Boris Schneider-Johne sagt am March 31st, 2008 um 23:06

    Gut, dann aber bitte beschwert Euch beim Gesetzgeber, daß er den Einsatz von Hakenkreuzen in Unterhaltungsprodukten und Spielzeug sanktionieren soll. Und ärgert Euch nicht, wenn bestimmte Gruppen dieses neue Recht dann auch gleich in großem Stile missbrauchen.
    Man kann immer einfach sagen “Erlaubt doch das und das” ohne sich im Klaren zu sein, was eine Freigabe denn nun tatsächlich bedeutet.
    In keinem Fall aber akzeptiere ich eine wie immer geartete Kritik an Softwarefirmen, die verfassungswidrige Symbole aus ihren Spielen entfernen, um so dem §86a zu entsprechen.

  28. Lain sagt am March 31st, 2008 um 23:20

    Das grundlegende Gefühl bei den Spielern ist ein anderes, Boris. Wenn man nichts davon weiß - dann ist es okay. The Darkness wurde ja auch massiv beschnitten, ähh, verändert. Und ich spreche hier nicht von Hakenkreuzen, sondern von “Herz rausreißen” (international) vs. “Seelen fressen” (deutsch).
    Wird das Spiel schlechter dadurch? Ich würde sagen nein. Gewalt sorgt doch nicht für mehr Spielspaß, das wäre mir jedenfalls ein sehr fremder Gedanke. Aber: ich habe trotzdem die Uncut-Version, weil ich sonst das Gefühl hätte, dass mir etwas weggenommen wurde. Wie bei einem Kunstwerk, das nachträglich retuschiert wurde. Du würdest auch lieber das Original sehen wollen, oder nicht?

    Würde man in allen Versionen weltweit Seelen fressen, wäre das kein Problem, hätte keine Auswirkungen auf Verkaufszahlen gehabt und niemand hätte sich beschwert, so meine Einschätzung…

  29. ScherzKeks sagt am March 31st, 2008 um 23:53

    @ Boris
    Es kann keiner Microsoft oder einem anderen Publisher oder Spielehersteller deswegen einen Vorwurf machen nur weil sie einem Gesetz entsprechen. Ich denke du weißt das die Mehrheit diesbezüglich hinter dir steht.

    Aber du hast auch recht das man durch das Erlauben eben ja auch denen die Nutzung miterlaubt die momentan damit Urbane Propaganda betreiben. Natürlich würde die Verwendung dieses Symbols durch die Braunen auch Zunehmen aber eben nur bis zu einem gewissen Punkt und dann wird sich niemand mehr am Symbol selbst stören sondern an der Verschmutzung der Wand. Nicht das Symbol gibt denen die Macht sondern wir die uns darüber mockieren.

    Auf der anderen Seite wird in keinem mir bekannten kommerzielen Spiel diese Symbole zu Propaganda Zwecken verwendet geschweige denn zu Verherrlichung aufgerufen. Warum also nicht den Spielen endlich den schon lange überfälligen Status von Kunst verschaffen und eben solche symbole zu erlauben solange sie eben nicht zur Propaganda verwendet werden? Ich weiß das es “Wunschdenken” ist genauso wie darauf zu hoffen das im US (Free-)TV Nippel zu sehen sind ;) Die Deutschen sind den Amis eben doch nicht so unähnlich.

    Für die unbedarften. Das Hakenkreuz findet in einigen Kulturen Anwendung, u.a. im Indischen. Die Swastika (Hakenkreuz wird ihrer Bedeutung gemäß in Indien für glückbringende Dinge und Symbole verwendet und ist in Tempeln und auf Götterdarstellungen üblich. Die nationalsozialistische Bedeutung des Symbols hat diese Verwendung nicht beeinträchtigt.

  30. Boris Schneider-Johne sagt am April 1st, 2008 um 7:03

    Bei The Darkness finde ich die deutsche Variante stimmiger, eher der Handlung entsprechend und am Ende des Tages sogar gruseliger. Wenn es tatsächlich Seelen gibt und man sich diese einverleibt - das hat ganz andere Konsequenzen als einer Leiche das Herz rauszureißen…

  31. Yoshi sagt am April 1st, 2008 um 10:18

    Und ein Dämonenarm der ins Leere geht und dabei den Gegner aufspießt, ist ein mahnendes Zeichen gegen den Nihilismus in unser Gesellschaft.
    Da fühlt man sich als deutscher Zocker ja schon fast privilegisiert.

  32. daniel c w sagt am April 1st, 2008 um 11:21

    an den Autor und Redakteur des Artikels:
    Der Artikel wirkt wie eine Tirade gegen den Deutschen Spielemarkt, nicht mehr.
    Eine reine Aufzählung von für den deutschen Markt veränderten Spielen, durch “Augenzwinkern” zur Tirade abgewandelt.
    Und die meisten Fälle sind nicht einmal Zensur (durch den Staat). Trotzdem wird das Wort Zensur ständig verwendet.
    Im Nachhinein verstehe ich auch nicht, welchen Zweck der Nationalsymbolsatz hat, denn er hat keinen direkten Kontext zu den Spielen.

    @xaan (14:03): ich Stimme dir völlig zu.

  33. Urgs sagt am April 1st, 2008 um 16:13

    Zitat: “Dass der Zweite Weltkrieg tiefe Wunden in der deutschen Geschichte hinterlassen hat, ist bekannt. So sehr, dass es schon eines Fußball-Sommermärchens bedarf, um Landesflaggen auf öffentlicher Straße zu sehen und so etwas wie Nationalstolz zu wecken.”

    @Thomas Bayer: Da steht also nicht, dass der 2.Weltkrieg tiefe Wunden in der deutschen Geschichte hinterlassen hat, die so tief wirkten, dass sie angeblich jede Art von öffentlich zur Schau gestellten Nationalstolz unmöglich machten - bis eben (”so sehr”) zu jenem Ereignis, das als Sommermärchen bezeichnet wird? Um welche “tiefe Wunde” es sich wohl handelt, frage ich mich! Etwa die demütigende Niederlage eines verlorenen Weltkrieges? Etwas anderes kann es ja eigentlich nicht sein, wenn man von einer “Wunde” spricht. Wäre damit die Schande oder ein kollektives Schuldgefühl über jene Verbrechen gemeint, die vom damaligen Deutschland ausgingen, dann hätte der Autor doch sicherlich nicht von einer Wunde, sondern eben von einer schweren moralischen Schuld geschrieben.

    Und wenn ich schon beim klugscheissen bin: Es ist nicht irgendein ominöser Weltkrieg gewesen, der Schuld an Deutschlands historischer Last trägt, sondern unzählige grausame Verbrechen, Made in Germany, die in manchen Fällen bis heute nicht gesühnt wurden.

  34. Winkeladvokat sagt am April 1st, 2008 um 19:01

    Bei der Vielzahl der teils recht wirren “Argumente” würde mir ein in sich geschlossener Kommentar, der auf jeden Beitrag eingeht, bei dem ich mir an den Kopf gelangt habe, mehr Zeit in Anspruch nehmen, als mir dieses Thema lieb ist, also versuch ich’s mehr oder minder unstrukturiert.

    Eins vorweg: Der “Artikel” um den sich die Diskussion dreht, ist journalistisch betrachtet einfach nur grauenhaft schlecht; als hätte man den Praktikanten auf die Videospielabteilung von Schnittxxx.com losgelassen, um anschließend einen bunten Hitlisten-Strauß abzuliefern. Reiner Klick-Generierungsmüll ohne jegliche inhaltliche Relevanz.

    Wenn der Autor von “überambitionierter Retusche” im Zusammenhang mit Nazi-Symbolik spricht, dann trifft ihn Boris’ Zorn zu Recht. (zurecht? Schei… neue Rechtschreibung). Denn dieser Satz impliziert ganz klar, dass die Softwarehersteller oder -vertriebe tatsächlich eine Wahl in dieser Frage haben… Dies völlig unabhängig von der Diskussion, ob die zugrunde liegende Gesetzgebung (noch) sinnvoll ist oder nicht (ich persönlich meine eher nein, es gibt kaum ein vernünftiges Argument dafür, warum z.B. “The Darkness” weniger Kunst sein soll als der Film “Indiana Jones”, sehe aber natürlich die Gründe für die herrschende Praxis).

    Ach ja - ich würde das Wort “Zensur” in diesem Zusammenhang allerdings nicht auf die Goldwaage legen, da es kaum im juristisch zutreffenden Sinne verstanden werden sollte. Wollte man bei einem Artikel dieser Güte derart spitzfindig sein, müsste man jedes Mal aufjaulen, wenn von einer “Firma” statt einem Unternehmen gesprochen wird ;)
    Sich in diesem Zusammenhang auch noch auf das Glatteis von Nationalstolz und Co. zu begeben, ist ein Fehler, der die Qualität des Journalismus im Internetzeitalter nur allzu treffend wiederspiegelt. Und das ebenfalls unabhängig davon, was der Autor tatsächlich ausdrücken wollte. (Tatsächlich glaube ich, dass der Deutsche an sich ein ebenso tiefes Bedürfnis nach Nationalstolz hat wie jeder andere Mensch, diesen aus bekannten Gründen aber einerseits selbst zu unterdrücken versucht, andererseits ihm dies von der Gesellschaft aufgetragen wird. Die Fußball-WM war insofern ein Ventil, das unterstrich, wie stark dieses Bedürfnis ist. Was in diesen paar Wochen in unserem Land abging, hatte schon satirischen Wert. Aber ich schweife ab… ;) )

    Dass die Situation in Deutschland ziemlich erbärmlich ist, daran ändert ein schlechter Artikel aber auch nichts. Und insofern musst Du Dir die Wünsche gefrusteter Gamer wohl oder übel nicht nur anhören, sondern sie bis zu einem gewissen Grad auch respektieren, selbst wenn sie nicht erfüllbar sind. Denn als mit diesem Blog in der Öffentlichkeit stehender Verantwortlicher von MS bietest Du Dich nun einmal als Kummerkasten an…

    Edit: Heilig’s Blechle, jetzt seh ich’s erst - die Liste wurde ja tatsächlich durch Querlesen von Schnittberichte erstellt. Gratuliere, große Arbeit ;-)

  35. Ekky sagt am April 1st, 2008 um 19:28

    Hallo Lain, ja ich finde the darkness deutsch schlechter als die uncut version.
    Wenn irgendwelche Hks fehlen ist mir das auch schnuppe, aber ansonsten hätte ich game xy gerne so wie es der hersteller geplant hat. Ich möchte gerne meine games uncut haben.
    Wenn ich da an die die deutsche version von Conan denke wird mir schlecht.Man hat ein gutes spiel kaputt gemacht. Die At Uncut Version macht dagegen richtig spaß und das liegt daran das zu einem thema wie conan gewalt dazu gehört.

    Für Age of conan sehe ich da auch schwarz.
    Keine frage jugendschutz sollte sein, aber was in deutschland mittlerweile stattfindet ist eine “aggressiv” bevormundung von allen erwachsenen die hier leben Das geht einfach zu weit. Mittlerweile sind wir an dem punkt angelangt wo eigentlich jeder pups in einem spiel geschnitten wird. Die meisten actionspiele kommen doch nur geschnitten bei uns aufn markt. Ich möchte selber entscheiden dürfen was in welcher form ich spiel xy spielen kann. Wie du schon sagtest man möchte lieber das original zocken.

  36. Unplausibel sagt am April 1st, 2008 um 22:57

    Dummbeutel, die sich heutzutage über “die Zensur” aufregen, die der Meinung sind, den zweiten Weltkrieg nach”spielen” zu müssen und dabei für die richtige korrekte Atmosphäre Hakenkreuze sehen wollen, sollten entweder zur Bundeswehr gehen und sich in ein Krisengebiet schicken lassen, da gibt es genug Nervenkitzel mit ultrarealistischer Atmosphäre, oder froh sein, dass die Regeln nach denen Bundesprüfstelle und FSK heute funktionieren ganz offensichtlich nicht mehr die sind, die zu meiner Jugendzeit Spiele wie “Blue Max” auf den Index brachten.

    Die Argumentation der juristischen Ungleichbehandlung ist vorgeschoben und zeugt davon, dass es nicht um Formaljuristik geht, sondern nicht eingesehen wird, warum der Gesetzgeber verfassungsfeindliche Symbole verboten hat.

    Artikel, die diese Argumentation aufgreifen und stützen, von “überambitionierter Retusche” sprechen und das Ergebnis als “geschnitten” brandmarken, dienen lediglich der möglichst verkaufsfördernden Anbiederung an die Zielgruppe.

    Es sollte nicht Thema sein, dass überambitioniert geschnitten wird und das Ergebnis grundsätzlich schlecht ist, weil dem Gamer was genommen wird. Es sollte Thema sein, dass die Rolle von Bundesprüfstelle und FSK eine positive ist, die einen Don-Quichote-Kampf gegen Geldmacher führt, um schlechte oder zumindest fragwürdige Inhalte abzuwehren.

  37. Trantor2 sagt am April 12th, 2008 um 22:00

    Du warst auch der Mann, der in das deutsche Bard’s Tale 1 Handbuch diese lustige Passage von wegen “dieses Handbuch ist wichtig, passen sie also auf, dass ihr Hund es nicht frisst” reingeschrieben hat! ;-D
    Hach, Bard’s Tale… Ich hatte zwar am Ende genügend HP um meine Party locker gleich in BT3 importieren zu können weil ich um meine Party zu trainieren ständig diese eine Tür im letzten Labyrinth mit den 400 Orks dahinter aufgemacht hab (die meine 2 (!) Archmages bevor sie “piep” sagen konnten allesamt weggeputzt haben! 8), aber Mangar hab ich irgendwie nie fertiggemacht, obwohl meine Party total unbesiegbar war…

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