Ich hab da noch ne Frage…

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Wenn man Columbo umdreht, kriegt man Professor Layton. OK, laßt mich erklären.

Inspektor Columbo redet mit einem Verdächtigen. Tut so, als sei alles gesagt, verläßt das Zimmer. Und kommt 10 Sekunden später nochmal rein mit den berühmten Worten “Ich hab da noch eine Frage…”

Bei Professor Layton handelt es sich um die Hauptperson des gleichnamigen Spiels “Professor Layton and the Curious Village” für Nintendo DS, das ich mir bei meinem letzten USA-Besuch gegönnt habe. Layton soll Adventure und Knobelaufgaben miteinander verbinden und da kann ich einfach nicht widerstehen.

Gestern im Flieger von Düsseldorf nach München hab ich endlich das letzte Puzzle gefunden. Wohlbemerkt, gefunden. Das Lösen der Knobelaufgaben war nicht das große Problem (OK, es sind schon ein paar knackige dabei). Allerdings sind diese Aufgaben auf absurdeste Weise in die Handlung integriert. (Keine Angst, der Text bleibt spoilerfrei).

Die Handlung? Genau, Professor Layton wird in ein Dorf gebeten, dessen Patriarch verstarb und der einen ungeheuren Schatz hinterlassen haben soll, denn keiner findet. Layton ist Knobel-Experte und soll den Schatz finden. Das Dorf hat etwa zwei Dutzend Bewohner, für die das Prädikat “Kauzig” noch harmlos wäre. Wie in vielen japanischen Spielen doppelklickt man sich durch die Dialoge (Ein Klick um das reinscrollen abzukürzen, ein weitere um die nächste Zeile reinzubekommen - ich hasse das abgrundtief), die langatmig sind und meistens wie folgt beginnen: “Schön sie zu sehen, ich könnte ihnen was sagen, aber lösen Sie erstmal dieses Puzzle”, oder “Ich bleibe ewig Junggeselle, bis ich dieses Puzzle hier löse - aber vielleicht kennen Sie ja die Lösung”, oder “Ich kann über ihre Frage erst nachdenken, wenn mein Kopf frei ist, und dazu brauche ich die Lösung für dieses Puzzle”. You begin to see a pattern here.

Und so schwankt man zwischen Dialog und Puzzle hin und her, muß bizarrerweise in diesem sehr kinderfreundlichen Spiel im sechsten Puzzle aus Streichhölzern einen von einem Auto überfahrenen Hund legen (what were they thinking?) und wird mit einer immer absurderen Story konfrontiert, die aber am Ende zumindest in sich selbst einen Sinn ergibt und, kaum zu glauben, sogar die Erklärung liefert, warum die Dorfbewohner andauernd nach Denksportaufgaben fragen. Es sind sogar einige pfiffige Metaspiele eingebaut, bei denen Puzzleteile zusammengefügt, Einrichtungsgegenstände verschoben und ein seltsames “Gizmo” zusammengebaut werden müssen.

Nur leider paßt nix zum anderen. Auf sich selbst gestellt sind alle Elemente technisch kompetent. Spielerisch ist es ein Sack, in dem man viele Sachen reingekippt und dann kräftig geschüttelt hat. Bester Beweis: Die “versteckten Puzzles”.

Die Entwickler hatten etwa 140 Denksportaufgaben. Etwa 20 sind Bonus-Aufgaben die man sich freispielen muß, bleiben 120 Aufgaben für das Haupt-Spiel. Nur war es selbst den Programmierern zu blöd, einhundertzwanzig Dialoge mit einem Puzzle einzuleiten, also sind gut ein Drittel der Puzzles “versteckt”. Sie erscheinen nur, wenn man “Hunt the Pixel” spielt und in jeder Location jeden Gegenstand auf Gut Glück anklickt. Selbst die “Hilfsfunktion” des Gizmo findet nicht alle Puzzles. Und selbst in der Hütte, in der virtuell die nicht gelösten Puzzles abgestellt werden, tauchen nach Spielende nicht alle vermissten Puzzles auf.

Also hab ich nach etwa acht Stunden das Spiel “gelöst” aber nur mit 113 von 113 gelösten Puzzles. Sage und schreibe zwei Stunden habe ich gebraucht um die letzten 7 Puzzles zu finden. Keines von denen war so schwer, daß ich mehr als eine Minute Lösungszeit gebraucht habe.

Wenn ich nicht den wirklich verrückten Ehrgeiz gehabt hätte, jedes Puzzle zu lösen und die Sammlung komplett zu haben, hätte ich mich nicht auf die Suche gemacht. Und ich war sehr kurz davor, die Pixeljagd abzubrechen und das Ding in die Tonne zu treten. Wieso versucht man aktiv, Spielinhalte vom Spieler fernzuhalten?

Zum Abschluß was versöhnliches und was zum Nachdenken: Das Layton-Modul enthält jede Menge Zeichentrickclips in technisch schöner Qualität. Die Grafik ist größtenteils sehr hübsch, nur manche Charaktere fallen aber irgendwie aus der schönen Hintergrundgrafik raus. Trotzdem hat mir die Optik sehr gefallen. Das zum Nachdenken: Noch zwei weitere Layton-Abenteuer sind in Planung. Das größte Rätsel - wie verpacken die Entwickler da 120 Knobler in eine Rahmenhandlung? Die Erklärung aus Teil Eins funktioniert zumindest kein weiteres Mal. Noch ein Dialog mit “Ich hätte da noch ein Rätsel…” ist nicht akzeptabel…

7 Antworten to “Ich hab da noch ne Frage…”

  1. Arminator sagt am April 18th, 2008 um 11:28

    Noch weitere seltsame Sachen bei Layton:
    Die per WiFi “runterladbaren” Puzzle sind nicht wirklich runterladbar, sondern sind schon auf dem Modul vorhanden und werden Freigeschaltet.
    http://gonintendo.com/?p=38396

    Und ein besonderes Spielgeheimnis wird bei dem Modul spielbar sein, wenn man den zweiten Teil gespielt hat. Kundenbindung at its best.

    Auch mich nervt gerade das Endspiel bei dem ich die Story schon durch habe, aber noch die abstrusesten Pixel klicken muss um an die letzten Puzzles zu kommen.
    Trotzdem fesselt das Puzzlen doch so arg, dass das Modul noch nicht aus meinem DS geflogen ist. Irgendwas haben die Jungs also schon richtig gemacht…

  2. ltl.vamp sagt am April 18th, 2008 um 11:33

    ” Wieso versucht man aktiv, Spielinhalte vom Spieler fernzuhalten?”

    Das frage ich mich auch oft bei Spielen, bei denen ich auf Grund des Schwierigkeitsgrades und fehlender Singleplayer-Cheats niemals das Ende oder alles sehen werde… aber dafür ein Haufen Geld bezahlen durfte….

    Spiel kaufen: kostet viel / Spiel komplett erleben: unbezahlbar

  3. T-Bone sagt am April 18th, 2008 um 13:33

    Als jemand, der sich bisher nur mit Gehirnjogging und Co. auf dem DS beschäftigt hat, fand ich den Artikel von Boris über “Professor Layton” so interessant, dass ich mir nunmehr das Spiel auch zugelegt habe…und was soll ich sagen:

    Bisher gefällt es mir wirklich sehr gut, zumal die kleinen Video-Sequenzen so hübsch anzuschauen sind und das in einer Qualität, die ich dem DS gar nicht zugetraut hätte, dass sich mir ein ganz neues Spielerlebnis offenbart.

    Danke Schön.

    PS: “Arme Dreamcast”

    Da dies mein erster Beitrag ist, während ich bisher immer nur stummer Mitleser war, möchte ich an dieser Stelle - ähnlich wie bei der Dreamcast mit “Ikaruga” - auch mal auf ein Spiel aufmerksam machen, dass mich noch heute viele Stunden an die PS1 fesselt: KulaWorld!
    Ich verstehe nicht, wieso noch niemand auf die Idee gekommen ist, dieses geniale Spiel auf ein neues System zu portieren - und das sage ich in der Hoffnung, dass meine graue, unansehnliche PS1 (mit der ich noch mit einem kabelgebundenen Controller spielen muss) auch endlich ihren wohlverdienten Ruhestand antreten darf.
    …wäre so ein Spiel nicht auch auf XBL eine wohltuende Abwechselung vom vielen Einheitsbrei der Spieleindustrie???! Für mich gehört dieses Spiel mit der genialen Hintergrundmusik und dem süchtigmachenden Leveldesign zu den TOP 10 meiner ewigen Hall Of Fame der Konsolen-Spiele.

    Ich hatte seinerzeit auch schon mal Sony darauf hingewiesen, dass sich der Titel für die PSP hervorragend eignen würde…bekam aber nie eine Antwort…

  4. Bananafoen sagt am April 18th, 2008 um 15:10

    Es hat zwar nichts mit dem eigentlichen Beitrag zu tun, aber mich würde mal interessieren, ob das “what were they thinking?” eine Anspielung auf den Angry Video Game Nerd ist.

  5. DarkVamp sagt am April 18th, 2008 um 18:07

    Hi,

    habe das Spiel auch gespielt und finde es hervorragend… Dieser total hübsche grafische Stil ist (meiner Meinung nach) einzigartig und ob die Rätsel nun so Sinn machen ist mir Jacke wie Hose ;-) Habe mich köstlich amüsiert !

  6. bEtrayEr sagt am April 19th, 2008 um 1:28

    “Wieso versucht man aktiv, Spielinhalte vom Spieler fernzuhalten?”

    Ich kenne das Spiel nicht, vielleicht habe ich deswegen was falsch verstanden - aber es hört sich so an, als bräuchte man die versteckten Puzzle nicht, um das Spiel zu beenden. Wenn das stimmt, dann müssten doch Dein oben zitierter Satz Boris, auch auf eine Menge der XBox Achievements (die ich jetzt einfach auch mal als Spielinhalt ansehe) zutreffen, die sind immerhin auch aktiv versteckt. Oder was ist mit abseits der Hauptgeschichte “versteckten” Nebenquests und geheimen Orten in Rollenspielen?

  7. karaokefreak sagt am April 19th, 2008 um 9:39

    Hey T-Bone…

    Kula World war wirklich toll, aber es wird definitiv NICHT in der XBLA erscheinen… Warum? Weil es bereits im PlayStation Network zu haben ist, als PSone Downloadklassiker….
    Ist bestimmt kein unpassierbares Hindernis, aber ich bezweifle, dass dieses Spiel von jemand anderem lizenziert werden kann…

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