Wenige Platten verdienen es, zweimal gekauft zu werden, aber “Lexicon of Love” von ABC habe ich gerade ein viertes Mal erworben, in der neu erschienenen Deluxe-Version. Das erste Mal hab ich die Vinyl-Version 1982 auf einer Wohltätigkeits-Versteigerung während eines Schulfests am Gymnasium Vaterstetten gekauft. Zu dem Zeitpunkt hatte ich “Look of Love” ein paar Dutzend Mal im Radio gehört und wollte die LP sowieso haben. Dann hab ich sie teurer als Ladenpreis ersteigert, was mir damals sehr viel Schelte von Mitschülern einbrachte. Die erste CD-Fassung kaufte ich so um 1985, das erste Re-Master 1999. Allen Versionen ist gemeinsam, daß die Klangqualität ziemlich verwaschen ist. Für die Deluxe-Version, angeblich aufwendigst digital remastered, wurde noch ein paar Höhen rausgekitzelt, aber man merkt, das zum Einen am Limit der analogen Mischtechnologie gearbeitet wurde (manche Tracks wurden in vier verschiedenen Studios aufgenommen) und das zum Anderen die einzelnen Elemente wohl endgültig verloren sind, sondern nur noch das fertig gemischte Stereo-Master existiert. Denn ansonsten hätte man die Bassgitarre aus dem Teppich von zehn drüber gelegten Hall-Orchestern befreien und die Kanaltrennung ein bisschen auffrischen können. Naja, es ist eine meiner zehn absoluten Lieblingsplatten, sie klingt einen Deut besser und hat ein gutes Booklet. Wegen der Bonus-Tracks muss man das Album aber nicht kaufen. Die Obskuritäten sind was für einmaliges Anhören und der Live-Konzert-Mitschnitt… nun, sagen wir einfach mal das “Lexicon of Love” eindeutig ein Studio-Album ist.
Anekdote am Rande: Heute mittag wütend durchs Büro gelaufen und gebrüllt, daß ich nie wieder eine Audio-CD kaufen werde. Dachte nämlich, hier wär eine PC-Abspielsperre drauf, weil mein DVD-Laufwerk meinte, die Scheibe sei leer. Nach einem Reboot ging es dann auf einmal. Sehr sehr seltsam.
Ebenfalls als neues Remaster draußen: 90125 von Yes. Auch hier gilt, daß Trevor Horn am Anschlag der damaligen Technik war und auch hier aus den Mastern nix mehr rauszuholen ist. Immerhin wird der Dynamikumfang einer CD in diesem Re-Release gut genutzt, so daß “Owner of a lonely heart” einen Tick wuchtiger klingt. Und die Bonus-Tracks sind deutlich interessanter, bis auf den grausamen “Owner…”-Remix.
Reboot: Bist Du sicher, dass Du nicht irgendeinen windigen “CD-Treiber” installieren musstest - oder vielmehr installiert bekamst?
Yep. Die CD ist clean, mein Rechner auch. Muss wirklich ein absurder Hänger gewesen sein.
>> Auch hier gilt, daß Trevor Horn am Anschlag der
>> damaligen Technik war
Wie von einem genialen Produzenten wie Trevor Horn auch nicht anders zu erwarten.
ich will nicht klugscheissern, aber die geschichte mit dem limit der mischtechnik verdient etwas an aufklärung.
mister horn war ganz sicher ein in den achtziger jahren hörgewohnheiten prägender pop-produzent, aber am limit war er nur dank der damalig verherrschenden meinung das digitaltechnik das nonpluultra sei.
das ist eine lüge. cd´s funktionieren mit 16 bit und 44,1 khz. das bedeutet eine erhebliche beschneidung des tatsächlich analog möglichen dynamikumfangs.
jede gutgepresste vinyl LP klingt auf einem guten system besser als die beste cd. das ist keine esotherik, nur mathematik.
einen post darüber schreibst du das die damalige analoge mischtechnik bei ABC am ende ihrer möglichkeiten war, auch das ist vollkommen haltlos.
heute wird wieder alles hybrid gemacht, das heisst, man bewegt sich je nach budget zwischen den plattformen. hat man wenig geld, bleibt man komplett digital, hat man moderat geld, wird wenigstens die summe analog zusammengeführt. hat man ein monsterbudget, nimmt man digital auf und mischt aber mit analogen outboard kram und wenn möglich einer fetten neve console aus den sechzigern oder siebzigern. gemastert wird alles analog, analog ist PHATT.
die einzig firewall für guten sound ist, das nach all den strapazen des produzierens das ergebnis wieder auf 16bit/44,1 khz zurückgerechnet werden muss. trotz guter dithering algorhythmen geht hier viel potential verloren.
SACD ist der richtige schritt, 24 bit player klingen sehr sehr gut, und nicht nur für leute die das gras wachsen hören.
also, ich wollte nicht klugscheissern, lexicon of love hab ich auch und der sound ist wie er ist, ein wenig kalt und hart undtrotzdem es eine gute platte ist klingt “songs in the key of life” aus den siebzigern von stevie wonder sowas von unglaublich gut und sowas von viel wärmer und greifbarer und besser das man sich fragt wo in den achtzigern nie leute ihre ohren und ihren ästhetischen hörgeschmack
hatten.
naja, heute klingen die platten wieder besser: cassandra wilson, blue light ´til dawn, komplett analog aufgenommen. DAS ist sound. und alles von garbage klingt auch toll.
grüße
seph
Seph: Hatte um Weihnachten die Gelegenheit, einen CD-Player von Audio Analog (1500 Euro) und einen von Sony (1000 Euro) bei einem Freund anzuhören. Erstaunlicherweise klingen die sehr unterschiedlich, von wegen alles digital und so. Nummer zwei sehr präsent in allen Frequenzen, quasi ein brutal kompletter Klang, beim ersten dagegen sind auch alle Frequenzen da, es klingt aber wärmer. Zimbeln und Percussion bei Jazz-Geschichten weniger penetrant, dafür Bass und Base-Drum druckvoller. Spannend.
Garbage klingt nur so lange toll, bis Du die mal live gehört hast. Danach klingt es langweilig.