Promis, Preise, Spenden
Gestern nacht verlieh der Entertainment Media Verlag in München die “LARA“ und zu allererst einmal muß man dem Verlag gratulieren und anerkennen, daß hier sehr ernsthaft versucht wird, das Medium Computerspiel auf eine Ebene mit anderen Medien zu stellen. Die begleitende Abendveranstaltung hat das Ziel, nicht von der Industrie für die Industrie gemacht zu werden, sondern einen Medienwert für Magazine, Zeitungen und Fernsehen zu besitzen und unter anderem von lokaler Prominenz und Glamour durchsetzt zu sein.
Leider ist man meiner privaten Meinung als Spieler nach noch nicht ganz am Ziel. Für mich war die knapp vier Stunden lange Show irgendwie ein Gemisch von Medienbrüchen, die sich nicht annäherten. Die Laudatoren zum Beispiel wurden ausgewählt, um für die Thematik des jeweils gewinnenden Spiels relevant zu sein: Ein Koch für Ratatouille, ein Sportreporter für PGR4, und so weiter. Nur hatten viele der Redner wenig Ahnung von oder Respekt vor Spielen und brachten das auch klar zum Ausdruck. So manches Gesicht verzog sich, als beispielsweise TV-Koch Steffen Henssler das Publikum auf “ihre Daddelautomaten” ansprach. Die “Performance” vom Enfant Terrible der deutschen Fernsehunterhaltung, Martin Semmelrogge, war allerdings unfreiwillig gut. Obwohl ihm das Thema offensichtlich nichts sagte, las er seinen vorgefertigten Text mit einer unschlagbar kumpelhaft schnodderingen Art vor, die alles wieder rausriß. Das Musik-Programm war, obwohl auch hervorragende Künstler auf der Bühne standen (Stephanie Heinzmann zum Beispiel), eigentlich völlig losgelöst vom Thema Spiele zu sehen. Natürlich kann es nicht nur Songs aus Videospielen geben, aber irgendwie fehlte mir die Verbindung zwischen dem Thema Games und dem Rahmenprogramm.
Die Kategorien und Preisträger ermittelt der Entertainment Media Verlag mit einer internen Jury (bis auf einen Publikumspreis). Das führte zu einigen ungewöhnlichen Entscheidungen, wie beispielsweise dem Triumph von “Project Gotham Racing 4″ über “Super Mario Galaxy” in der “Family”-Kategorie, den ich so nicht erwartet hätte (über den ich mich aber natürlich freue).
Den Sonderpreis “LARA of Honour”, gab es auch für mich persönlich völlig berechtigt: Für sein Lebenswerk wurde Jürgen Goeldner ausgezeichnet. In den Achtziger Jahren war er eine der treibenden Kräfte, Computerspiele überhaupt in Deutschland in Ladengeschäften zu verkaufen und professionell zu entwickeln. Ohne ihn gäbe es auch keine deutsche Version von Monkey Island, denn Jürgen hat damals die Verträge ausgehandelt und sich weit aus dem Fenster gelehnt, um bei Lucasfilm Games durchzusetzen, mich mit vollem Source Code und vielen Freiheiten auszustatten. Schon davor, in meinen Powerplay-Pressejahren, war Jürgen mein liebster Ansprechpartner in der Industrie (ich erinnere mich an meine erste USA Pressereise zu Epyx und Lunch im legendären Lion and Compass – mein erstes Geschäftsessen der Kategorie “Nimm eine Krawatte mit” überhaupt). Darum, an dieser Stelle, ein Danke an Jürgen Goeldner.
Eine seltsame Entgleisung des Abends war aber durch den Veranstalter ungeplant und wahrscheinlich auch unerwartet. Als Stargast der LARA konnte man Veronica Ferres gewinnen, die die Möglichkeit hatte, für den Verein Power-Child zu werben und auch einen Scheck mit einem Teil der Sponsor-Einnahmen für die LARA mitzunehmen. Wie bei diesen Veranstaltungen üblich kam dann noch nach und nach die eine oder andere Firma auf die Bühne, um die gespendete Summe weiter aufzustocken. Soweit, sogut. Doch gleich der Zweite, der sich spendabel zeigte, war Bobby Chang von Rapidshare, eines Webdienstes, der viel von Raubkopierern genutzt wird und in Deutschland das eine oder andere rechtliche Problem hat. Die Episode hatte zwar nicht ganz die Absurdität wie eine Preisverleihung vor einigen Jahren, bei der ein Kopierprogramm als “Beste Anwendung” gewann, hinterließ bei mir aber einen sehr fahlen Nachgeschmack im Mund. Ich konnte gerade zumindest mit wenigen Klicks diverse illegale Versionen von Xbox 360 Spielen finden, die auf Rapidshare gehostet werden, und hab ein echtes Problem, wenn sich der Geschäftsführer auf einer Veranstaltung der Medienindustrie als Wohltäter zeigen will.
Dafür hat Fabian Döhla von Sega in der “After Show Party” dafür gesorgt, daß es jetzt kompromittierende Fotos von mir mit anderen Branchengrößen gibt. Na denn…
Weiteres Highlight des Abends: Das Gipfeltreffen der Erstväter – diverse langjährige Mitstreiter aus Presse und Industrie, die allesamt vor drei bis vier Monaten das erste Mal Vater geworden sind und sich nicht über Highscores, sondern über Schreibabies und Schlaf- (und Spiel-)mangel unterhielten. Gruß und Glückwunsch an Achim, Gunnar und Jochen mitsamt Familie.
Mehr über den Event, inklusive eines etwas ernsthafteren Bildes von mir, findet man auf den Seiten des Entertainment Media Verlags.

Dem Blauen hättest du mal eine scheuern können, für seine verbuggten Spiele.
Zum Thema Rapidshare: Sieh es doch mal so: der Mann nimmt Geld ein und verschenkt es an Bedürftige. Ist doch immer noch besser als es rein in die eigene Tasche zu stecken.
Außerdem solltest du Rapidshare nicht allein dafür verantwortlich machen, sondern eher die Spieler von Raubkopien und vor allem die Hardwarehersteller von den Modchips.
Aber: Ich wünschte mir vor langer Zeit auch Sicherheitskopien. Wirklich Sicherheitskopien. DENN: Meine erste Xbox 360 hat die DVDs verkratzt und so 120 Euro gehimmelt. “Natürlich” verkratzt die Xbox 360 keine DVDs und es ist rein die Schuld der Spieler…. aber diese MS Politik stinkt einfach. Wie dem auch sei, der nette Support hat meine Xbox austauschen lassen und ich hab eine neue bekommen, die keine DVDs verkratzt (schon ca. 1 Jahr her, seit dem keine Probleme mehr).
Sehr eigentümliche Jury-Entscheidungen. Singstar kackt doch total ab gegenüber Guitar Hero und Rock Band. Und PGR4 ist nicht ansatzweise so ein gutes Familienspiel wie Super Mario Galaxy, das liegt doch auf der Hand…
Klingt also etwas erzwungen und planlos, die Veranstaltung. Naja, immerhin tut sich was…
Bei “Der DEUTSCHE GAMES AWARD” rollen sich mir schon die Zehnägel hoch – und eigentlich bin ich KEIN Feind von Anglizismen.
Auf einer Veranstaltung auf der zufällig Boris anwesend war, gewinnt überraschend das Spiel, dass zufällig ganz aktuell in seiner Gamercard steht?
Na wenn das mal kein Zufall ist
Mit deiner schwarz/grünen Krawatte vertrittst du aber gut den Masterchief
Ich bin zweifellos einer der größten Fans von PGR 4, was man ja auch problemlos nachlesen kann, aber wie oben jemand schreibt, dass das einen “Family” Award gewinnt, ist einfach widersinnig.
Mag gut sein, dass die Veranstaltung die ganze Branche weiter bringt, aber mit solchen Kategorien kommt man zumindest bei mir als Spieler eher in die Näghe eines Bambi als eines Oscars… schließt sich denn Massentauglichkeit und eine wenigstens halbwegs versuchte Kategorisierung der Genres wirklich aus?
Ich hab’ das Ganze per Twitter verfolgt (Danke für’s Live twittern! War sehr spannend!) und habe mich ebenso über die Preisträger gewundert. Assasin’s Creed für die Jugend? Mehr Gehirntraining kriegt den Publikumspreis? Ging das nach Verkaufszahlen? Irgendwie komisch.
Die Idee mit dem “LARA of Honour” finde ich toll !
Wenn familienfreundlich bedeutet, dass mehrere Familienmitglieder zugleich spielen können, dann hat PGR4 die Auszeichnung jedenfalls eher verdient, als Super Mario Galaxy. Noch familienfreundlicher wäre natürlich Rockband, wenn es die Familienkasse beim Kauf nur nicht so belasten würde.
neonoxDE habe es noch nie erlebt das ich nicht eine Austausch DVD bekommen habe wenn ein Spielmedium kaputt war, selbst Half 2 konnte ich damals ohne Probleme gegen eine Neue tauschen, obwohl die eigentlichen schuldigen Partygäste waren, die meinten das wäre einer von den guten Aol Gläser Untersätzen wären und dem entsprechend Kratzer und nach einer guten Partie CD Frisbee auch ein Stück fehlte, im übrigen da ich schlampig bin kann ich dir noch empfehlen jeder gute kleine Game Laden führt so genannte CD Schleifmaschinen, die bekommen die innerhalb von 5 Minuten und gegen einen Obolus von 1 bis 2 Euro´s das wieder hin.
Zu deinen Twitter-News: Was haben MS und Sony eigentlich immer mit diesem “wer hat die meisten”-Streit? Wenn es offizielle GfK-Zahlen gibt, veröffentlicht die doch, dann kann jeder selbst lesen, wie´s aussieht. Oder seh ich das zu simpel?
Was bitte macht Veronica Ferres auf einer Preisverleihung für Computerspiele? Nichts gegen Frau Ferres, aber die Prominenten sollten auch aus der Computerspielbranche selbst sein. Klar sehen die dann nicht aus wie Frau Verres, aber das hat das Medium nun mal so an sich.
Mir ist nicht klar, warum Computerspiele auf diese Art von Filmgrößen geadelt werden müssen.
Ich hätte überhaupt nichts dagegen, wenn ein Schauspieler dort auftritt, der gleichzeitig auch noch für Computerspiele schwärmt. Der hat sicher eine angenehmere öffentliche Erscheinung als so mancher Spieleentwickler. Aber nicht jemand, bei dem klar ist, dass er von solchen Daddelkisten nichts hält. Das bezieht sich jetzt nicht explizit auf Veronica Verres, sondern die im Artikel erwähnten Gastredner.
Die Zahlen der GfK unterliegen dem Urheberrecht und können nicht so einfach von jedermann “veröffentlicht” werden, denn die GfK verdient ihr Geld damit, diese Zahlen an andere Firmen zu verkaufen.