Aus London den “neuen” Bond mitgebracht: “Devil May Care”, geschrieben von Sebastian Faulks, aber angeblich im Schreibstil von Ian Fleming. Und den hat er wirklich getroffen - leider. Das Ding liest sich wie ein Relikt aus den sechziger Jahren. Man wird sehr ausführlich über Bonds Zigaretten-Vorlieben informiert und die exakten Markennamen aller Getränke. Dazwischen Fleming-übliche Ungereimtheiten: Zweimal bestellt Bond einen Americano – mal als Drink, mal als Kaffee – und es gibt nicht einen Kommentar dazu. Und putzig, wie sich Bond darüber aufregt, daß die Rolling Stones Drogen nehmen. Liest sich anachronistisch wie Fleming, also Mission erfüllt, aber heutzutage eben irgendwie nur skurill und eben kein moderner Thriller.
Ansonsten bietet der Plot die üblichen Bond-Plot-Probleme: Der Bösewicht will erst Bond umbringen, spielt dann aber seelenruhig eine Partie Tennis gegen ihn. Dann bringt er ihn wieder nicht um, weil er ihn noch braucht und erzählt seelenruhig und lange seine Pläne (immerhin gibt es ein Motiv, warum er meint, Bond immer alles erzählen zu müssen). Und glücklicherweise hat der Bösewicht auch einen anderen Plan, als den, von dem M meint, er würde ihn zum bisher gefährlichsten Gegner machen (“potentially the most dangerous man the Service has ever encountered”). Kleiner Spoiler (wirklich klein und vorsehbar): Es geht natürlich nicht um Drogen.
Diese Kurve kriegt der Roman noch, eine andere verfehlt er aber ganz und gar, die ich hier nicht mal andeuten kann, weil es sofort in einem Mega-Spoiler endet. Sagen wir nur mal so: Wer in Kapitel 12 nicht weiß, wie der Hase läuft, kauft auch Brücken in Brooklyn. Ein James Bond, der sich derart übers Ohr hauen läßt, sollte besser seine Lizenz zum Töten abgeben. Wer gut ist, kapiert es schon in Kapitel 9.
Eine kurzweilige S-Bahn- oder Flugzeug-Lektüre, und deutlich amüsanter für jemanden, der die Original-Bond-Bücher (nicht die Filme) kennt.
“Oh my God! You got me monologuing.” (c) Incredibles
^^;
hehe - cooler Film Bash, passendes Zitat.
Was die Bücher angeht - irgendwie hab ich mich nie zu Bond in Buchform durchringen können. Aber das ist jetzt nicht die Vorlage für den neuen Teil (Quantum Dings - ungefähr so ähnlich?) oder ?
Hab vor ein paar Tagen über eine News zum Game überhaupt erst davon erfahren, das Spiel hat bei mir nen guten Eindruck hinterlassen und seit Goldeneye Zeiten glüht in meinem Herz ein kleiner Hoffnungsfunken.
Ich freu mich sogar auf den Film, da mir der neue Bond endlich mal wieder gefallen hat.
Ich fand’s schon seltsam, das John Gardner die Bond-Bücher damals als erster offiziell weitergeschrieben hat. Und jetzt nach seinem Tod noch ein dritter Autor? Hm… Na ja, bis Scorpius hatte ich damals noch mitgelesen.
Gardner hatte übrigens vor der Bond-Geschichte einen eigenen Charakter entwickelt, Boysie Oakes. Die Bücher lasen sich auch ähnlich wie ein 60er Fleming: detailverliebt, kurzweilig aber mit wesentlich mehr Humor. Allein schon die Initialien BO, die für Körpergeruch (Body Odour) stehen *gg*