Nirgendwo in Deutschland kann es ein so schlechtes Publikum wie in München geben. Das Panoptikum der Peinlichkeiten im Parkett hat mir jedenfalls den Rest gegeben: Nie wieder Veranstaltungen bei Tollwood. Unglaublicherweise kam eine Gruppe von Leuten nicht nur eine halbe Stunde zu spät, sondern diskutierte untereinander lautstark die Sitzreihenfolge und zog dann noch die Handys raus, um ihre Freunde (die wohl pünktlich gekommen waren) über ihre Anwesenheit zu informieren und fing dann an (ebenfalls per Handy-Gespräch) zu klären, wer wohl noch einen Schlüssel zu der und der Wohnung hätte, damit eine der Personen überhaupt zu Hause reinkommt. Als diese Schwachköpfe endlich Ruhe gegeben haben (zehn Minuten vor der Pause) setzten sich auf die andere Seite von mir vier junge Damen auf die Treppe, die erst mal telefonierten (“Wir sitzen hier auf der Treppe”) und dann mit dem Saalordner lange Diskussionen führten, daß sie gar nicht einsähen auf einen schlechteren Sitzplatz zu wechseln, weil einen Fluchtweg braucht man doch gar nicht und schließlich wollten sie zusammenbleiben.
Die zweite Halbzeit des Konzerts konnte ich dann so langsam versuchen zu genießen, aber offensichtlich hatte auch Helge Schneider wenig Lust, 3000 Leute am Stück zu unterhalten. Seine Live-CDs sind besser. Nur die Optik des Telefonmanns mit Vibrationsalarm war unschlagbar.
Sehr ärgerlich.
Ich hätte da mal auf den Boden gestampft
Haben die denn dort keine Handystörer verbaut?
Ich kann Deinen Ärger nachvollziehen. Solche, sorry, Vollidioten, die andere mit ihrer Anwesenheit belästigen, fallen mir in letzter Zeit immer öfter auf. Wenn’s nach mir ginge, würden die direkt aus dem Saal geschmissen werden. Diesem Publikum fehlen selbst die rudimentärsten Umgangsformen. Und dass ich so etwas mit Anfang dreißig sage, hätte mir vor 10 - 15 Jahren keiner vorhersagen können, ohne dass ich denjenigen laut ausgelacht hätte.
Oh, das tut mir aber leid.
Einer der Gründe warum ich sehr selten ins Kino gehe …
Gehe diese Woche auch zu Helge in Nürnberg, höre mir wohl besser nicht die Live-CDs an, sonst bin ich am Ende noch enttäuscht …
Besser finde ich noch das die Leute nicht mehr die Arme zu jubbeln hochreissen sondern jeder irgendwie ein Sinnloses kleine Stück für Youtube aufnehmen will. Kuck jetzt Little Britaiin weiter, das einzig wahre Programm am Sonntag
Helge Schneider war wo ich ihn vor knapp einem Jahr in der Wuppertaler Stadthalle gesehen habe genial; das waren aber wohl eher unter 1000 Zuschauer und wir hatten auch gute Plätze. Ein genialer Mann.
Handys - mein Lieblingsthema
Ich kann dich absolut verstehen Boris. Nennt mich einen Spießer oder Langweiler aber diese ständige Erreichbarkeit selbst bei Konzerten, Kino etc. geht mir voll auf die Nerven! Mal Provokannt - ist es ein deutsches Problem?
Jedenfalls würde der gute Klaus Kinski noch leben und ein Bühnenprogramm geben bei dem nur ein einziges Handy klingelt oder jemand ungestört telefoniert dann wäre er wahrscheinlich gnadenlos ausgeflippt. Herrlich, hätte ich gerne mal erlebt!
Dafür hat man in Hamburg oft mit einem scheinbar scheintoten Publikum zu kämpfen. Aber im Ernst: Handys sollte man in Kinos und auf Konzerten grundsätzlich verbieten. Dass man andauernd in einem Wald aus hockgereckten Händen mit Videohandys steht, ist eine komische Krankheit, die mittlerweile sogar bei Metal-Acts (!) um sich greift. Da kann man eigentlich nur noch auf Hardcore-Gigs gehen, denn da fliegen die Stagediver meist so tief, dass sich niemand traut, seine wertvolle Videoquetsche zu zücken…
Na dann doch lieber scheintot als störend, aber in den Kinos kenne ich hier aus Hamburg das gleiche Programm (dafür brauchen die meisten Jugendlichen heute kein Handy, aus der letzten Reihe kann man dem Kumpel in der Loge ja auch was zurufen, permanenter Popcorn Beschuss ist da noch harmlos).
Naja - wenn die Kinobetreiber ihre Ordner nicht anständig anweisen solche Störenfriede direkt vor die Tür zu setzen, dann parke ich halt meinen Hintern nicht mehr auf teure Kinositze und schau lieber entspannt daheim.
Ich vermute mal Du bist kein Münchner, sondern einer der Sorte die zwar zu uns gezogen sind, dann aber es sich zur Lieblingsbeschäftigung gemacht haben über unsere Stadt zu lästern.
Vielleicht kommst Du auch auf den Gedanken dass es sich bei deinem Ärger nicht um ein “Münchner Publikum” gehandelt hat, sondern ehr um ein Helge Schneider / Tollwut Publikum.
Bei Tollwut muss man jedenfalls mit so etwas rechnen!
Ich denke auch eher daß das ein Tollwood Thema ist. Ich war da das letzte mal, als es noch keine Fotohandys für jedermann gab auf einem Konzert (so 2001, bei Tanzwut und Apocalyptica). Das ist aber generell ein Thema bei den “bekannten” Konzerten; das Tollwood ist leider schon seit etwa 15 Jahren nur noch Kohle und Kommerz (ist ja auch okay), die Konzerte nur Hype (ich empfehle eher in die die anderen Zelte zu gehen, da findet man noch den einen oder anderen Lokalen Geheimtipp). Bei konzerten kann ich immer nur empfehlen, zu den “kleinen” Terminen zu gehen. Am besten die schlecht promoteten (ja, ich weiß, die kriegt man normalerweise nicht mit :)), weil da die Leute hingehen, die sich wirklich für den Künstler interessieren.
Das Handythema ist aber generell etwas das mich nervt (ist im Übrigen Keine “deutsche” Angewohnheit, habe ich auch in anderen Ländern schon erlebt).
Mir hat der Kinskivergleich sehr gut gefallen…
Das wäre mal echt super gewesen.