Das ist ein Post mit mehreren Disclaimern vorneweg:
- Spoilerwarnung. Nicht zuletzt wegen Roland war dieser Post einige Zeit auf Eis gelegt. Wer Halo 2 noch nicht durchgespielt hat, sollte nicht weiterlesen.
- Ich arbeite für Microsoft. Aber hier schreibe ich meine PRIVATmeinung. Das bedeutet auch, liebe Spielepresse, dass ich nicht irgendwo zitiert werden will wie “Xbox-Guru findet eigenes Spiel scheiße” oder so. Wer mich zitieren will, maile mich an.
- Alle meine Kollegen können nix dafür, was ich weiter unten kritisiere. Erklärung folgt.
Wenn es um die besten und schlechtesten Spielerlebnisse 2004 geht, ist Halo 2 auf jeden Fall ganz vorne zu finden. Meine erste Stunde war wahrscheinlich die tollste Spielestunde des Jahres. Die hat übrigens Mitte Oktober stattgefunden; vorher kam auch ich nicht an den Single-Player-Modus ran, trotz sechs Jahren Bekanntschaft mit Peter Parsons.
Im ersten Augenblick kommt die große Irritation: Man befindet sich wieder in einem terranischen Raumschiff (OK, -station), muss rauf und runter gucken und seinen Schild laden und dann die Eindringlige vertreiben. Das ist exakt der Anfang von Halo 1. Zum Glück hält das nur wenige Minuten vor - denn wenn man erstmal draußen steht, die Vakuum-Soundeffekte hört und von fliegenden Covenants angegriffen wird, bleibt der Mund offen stehen und ich weiß: “Hier bin ich richtig.” Auch die nächsten zwei Stunden macht Halo 2 alles richtig. Vom geschickten Wiederverwenden des ersten Trailers (diesmal nur mit Bombe) über den kleinen Taktik-Shooter-Einschub, das Einstreuen dreier höchst unterschiedlicher Gefährte und dem ungemein befriedigenden Entern eines Scarabs war zumindest in mein Gesicht ein debiles Grinsen eingeätzt. Genau das wollte ich spielen. Jetzt rette ich die Erde.
Doch was passiert dann? Ich werde zu einem zweiten Halo versetzt und muss auch noch einen der Ex-Gegner (jetzt Quasi-Verräter und damit zumindest teilweise auf meiner Seite) spielen. Und am Ende krieg ich noch nicht mal einen Schluß!
Was mich am allermeisten an der ganzen Geschichte stört, ist die Unverfrorenheit von Bungie, die Rettung der Erde durch den Masterchief zu versprechen und dann (bitte Interviews in der Special Edition genau anhören) dem Spieler absichtlich heimlich einen Plot unterjubeln zu wollen, bei dem die Bösen gar nicht Böse sind. Das ist so ähnlich als würde Gerhard Schröder SPD-Programme deklarierend erneut zum Kanzler gewählt werden und nach der Wahl dann sagen: “Ach, die Hälfte der Zeit lass ich mal die Merkel ran, damit ihr alle seht, wie so deren Standpunkt ist”. Und das Ganze wohlbemerkt absichtlich und lange geplant und noch absichtlicher geheim gehalten. Joschka wusste von nix.
Wenn ich Masterchief beworben sehe, wenn ich die Rettung der Erde in jeder Anzeige als das hehre Ziel des Spielers verkauft bekomme, dann verflucht nochmal will ich nicht “Noch ein Ring, jetzt mit noch mehr Flood”. Erst recht nicht für Euro 59,99.
Und die Jungs und Mädels, die das Spiel vermarktet haben (Hallo Pam!) sind auch nicht schuld. Denn Bungie hat wirklich niemandem gesagt, das man eigentlich vorhat, eine andere Handlung abzuliefern, als die Werbung suggerierte.
Und trotz alledem spiel ich’s dann ja doch durch. Weil spielerisch Halo weiterhin über fast alle Zweifel erhaben ist. Weil die “30 seconds of fun”, die sich immer wiederholen, immer noch da sind, und gut. Weil das Universum so schön ist, daß es durch den von Bungie verordneten Handlungs-Twist nicht kaputt zu kriegen ist.
Und, ja, ich bin im Multiplayer-Modus eine Niete. Aber online-technisch, mit den Stats und dem Gameviewer und dem Matchmaking-System pustet Halo 2 alles weg, was je auf PC erschienen ist. Und für knapp ne Million Spieler, die das Ding regelrecht sezieren, ist die Zahl der aktiven Bugs unerreicht gering.
An die diversen Internet-Gerüchte mit Single-Player-Downloads und anderen Geheimnissen, die sich irgendwann in der ersten Februar-Hälfte offenbaren sollen, an die glaube ich garantiert nicht. Auch hier gilt: Special Edition angucken, den Interviews lauschen und sich dann sicher sein, das Bungie gar nicht mehr Handlung hat. Das heißt, ja, hatten sie, aber die haben sie auch wieder verworfen als das Team entschied, dem Spieler den Masterchief wegzunehmen, weil einfach nur die Erde zu retten nicht ambitioniert genug war. Mir hätt’s gereicht.
Alles bestens, ich muss nur noch wenig hinzufügen.
1. Die Musik rockt, auch durch das Aufgreifen bekannter Themen aus dem ersten Teil.
2. Die Grafik ist umwerfend, auch wenn die Xbox manchmal Textur nachladend in die Knie geht.
3. Bei der “Krake von Halo” haben wir uns an den Kopf gefasst.
4. Storytechnisch haben mir haben hier zuviele Leute zuvielen anderen zuviele falsche Geschichten erzählt - das mag ja für einen Independence-Film hip sein, aber für ein Massenmarkt-Videospiel?
Spiel Riddick. So.
*whimper*