Kann ich dein Freund sein?

Von Boris Schneider-Johne, Di, 2. Dez 2008 12:46

Beginnen wir mit einer philosophischen Betrachtung der Aushöhlung des Begriffs “Freund” durch moderne Kommunikations-Medien. Und ja, Xbox LIVE ist da auch schuldig. Ich habe inzwischen mehr “Freunde” als Freunde (und zwar mit deutlichem Abstand), weil diverse Web-Apps gerade in den deutschen Versionen des Wort einfach abgewertet haben. Das endet darin, daß wildfremde Menschen mir täglich und ohne irgendeine Erklärung “Freundesanfragen” schicken können. Wir brauchen bald, glaube ich, ein neues Wort für echte Freunde, also die aus Fleisch und Blut und die man abends trifft oder anruft, die einem beim Umzug helfen oder mit denen man gemeinsam versucht, die Welt oder das andere Geschlecht zu verstehen.

Der eigentliche Grund für diesen Beitrag ist allerdings tatsächlich die Inflation von “Freundes”anfragen von Menschen, die ich gar nicht kenne, nur sehr flüchtig kenne oder aber (auch schon vorgekommen) viel zu gut kenne, aber gar nicht in meiner Freundesliste will.

Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen halte ich mich mit den sozialen Netzwerken ziemlich zurück. Ein Xing-Profil hab ich zum Beispiel nicht, weil ich bei Kollegen mit solchem Profil merke, daß es im wesentlichen zur kalten Acquise von Agenturen oder Jobsuchenden eingesetzt wird. Ich nutze auch so gut wie nie Instant Messenger; den Microsoft Communicator gebrauche ich intern mit Kollegen (ist tatsächlich manchmal praktischer als Telefon, insbesondere zum heimlichen Notizentauschen während Meetings), aber ein anderes Messenger-Programm nutze ich auch nicht mehr; als ich eine Zeit lang Messenger laufen hatte, kamen in der Regel Fragen von Xbox Benutzern, die als E-Mail viel mehr Sinn machen würden, als IM rein und erzeugten somit den Druck sofort zu antworten – und damit meinen Arbeitsfluß zu stören. 95% meiner getippten Kommunikation ist E-Mail und so wird das auch bleiben.

Aus Jux und Tollerei stelle ich abundzu was in Twitter (hier auch rechts am Rand zu lesen), aber da kommt auch schon Einschränkung Nummer eins: Ich lese keine Replies. Mir irgendwelche Fragen als @dreisechzig zu schicken macht null Sinn. Twitter ist für mich eine Menge lustiger Einbahnstraßen, kein Dialogmedium.

Dann hab ich noch Xbox Live. Da ist meine Freundesliste eh seit Jahren voll (ich hab am Anfang fast jede Freundesanfrage blind angenommen und immer noch etwa dreißig Spieler da drin, die ich kaum bis gar nicht kenne), aber jedesmal, wenn ich jemanden rausnehme (kommt selten aber ab und an vor – zum Beispiel letztens einen Gears-Spieler, der sich dann als minderjährig outete), dauert es nur Minuten, bis aus dem Nichts Freundschaftsanfragen eintreffen. Als der Kugelblitz-Kanal startete und ich mein Kugelblitz-Konto auch für Nicht-Freunde adressierbar hatte, kamen statt der Freundschaftsanfragen immer wieder Sprachnachrichten: “Eh Alter, mach ma Platz auf deiner Freundesliste damit du mich ädden kannst”. Von mir wildfremden Leuten, die sich nicht vorstellten. Und deren Profil meistens auch noch blank war. Nach der zwanzigsten solchen Nachricht habe ich mein Live-Konto nur noch für Freunde bemailbar gemacht und das bis heute nicht bereut. Wer mich nachrichtentechnisch erreichen will, findet mich via diesem Blog problemlos.

Und dann ist da noch Facebook. Da hab ich noch ein Konto und da sehe ich gerade 181 “Freunde”. Auch da prasseln die Freundesanfragen rein (ich bin ja dank des Doppelnamens ziemlich zielsicher und sofort zu finden) und ich habe inzwischen folgenden Filteralgorithmus:

1. Kenne ich die Person überhaupt persönlich? Sind wir uns schon mal begegnet – und kann ich mich dran erinnern? (Der Klassiker: “Wir haben 2004 auf der Games Convention mal fünf Minuten miteinander geredet, erinnerst du dich?”). Wenn diese Frage mit “Nein” beantwortet werden kann: Ignore.

2. Ist das eine Person aus meinem nahem Umfeld? Also direkter Arbeitskollege oder jemand den ich ein paar mal jährlich nicht nur rein beruflich sehe und der eh meine Lieblingsfilme und -musik kennt? Dann darf der/die da rein.

3. Und wenn die Person aus dem grauen Bereich ist von Menschen, die ich “mal” oder abundzu sehe oder vielleicht auch in der Branche arbeitet? Dann muß ein einfacher Test ran: Wenn diese Person mich jetzt anrufen würde und sagen würde “Boris, ich bin heute in der Stadt gestrandet, ich würd gern spontan mit dir essen gehen und quatschen, hast du Lust?” und ich mir dann irgendeine Ausrede einfallen lassen würde, um nicht mit dieser Person drei Stunden an einem Tisch gefangen zu sein, dann darf sie auch nicht auf meine Freundesliste.

Umgekehrt frage ich auch keine Leute an, bei denen ich nicht der Meinung bin, die würden sich an mich erinnern oder den Abendessen-Test mit mir durchstehen. Ein Beispiel: Peter Molyneux ist auf meiner Freundesliste, den treffe ich immer wieder mal, er erkennt mich auch von weitem und wir hatten schon das eine oder andere lustige private Gespräch. Auf den Freundeslisten von vielen meiner Freunde ist aber auch Louis Castle, den hab ich vor fünfzehn Jahren auch öfters mal getroffen, aber immer, wenn wir uns auf Messen über den Weg laufen und ich ihm zunicke, sieht er nicht aus wie vom Blitz der Erkenntnis (“Ist das nicht Boris aus Germany?”) erleuchtet und daher frag ich ihn gar nicht erst, ob er mein Facebook-Freund sein will.

38 Antworten für “Kann ich dein Freund sein?”

  1. bwalde sagt:

    Genau so halte ich es auch.

    Auf XBoxlive führe ich nur “Freunde”, die ich persönlich aus dem Real Life kenne. (bis auf eine Ausnahme…) Andere Spieler, mit denen ich durch gelegentliches Spielen verbunden bin, finde ich über die Spielerliste, die mir die letzten Begegnungen zeigt.

    Ebenso halte ich es in Messenger-Programmen. Mir bekannte Leute kommen rein, alle andere nicht.

    Einzige Ausnahme ist MySpace, welches ich für meine Band zu Promo-Zwecken nutze. Jeder kann mich adden. Die Substanz der Beziehungen ist aber zu 99% “Hey, klasse und danke für den Add.”.

  2. randomguy sagt:

    Wieder mal den Punkt getroffen, der Begriff des “Freundes” ist definitiv überstrapaziert durch die neuen Medien und Sozialennetzwerke. Aber vielleicht muss man das Thema auch nicht so eng sehen, ich hab jedenfalls nicht den Anspruch, meine richtigen Freunde online zu sortieren.

    Wer nervt fliegt halt wieder raus und ansonsten muss ich ein Gesicht halt schon einmal gesehen haben oder mit dem Namen etwas anfangen können.

    Der letzte Abschnitt klingt ganz leicht nach gekränkter Eitelkeit nach dem Motto “wenn er den ersten Schritt machen würde, wärs in Ordnung”.

    Ansonsten Lob für einen Beitrag dessen Thema sicher einigen im Geiste schwirrt, aber nie so gut zusammengefasst werden konnte :)

  3. Nö, ich bin gar nicht gekränkt. Das passiert mir auch ständig, daß ich Leute nicht wiedererkenne. Wie gesagt, eh seit fünfzehn Jahren keinen Kontakt gehabt.

  4. Kazoom sagt:

    Das Leben als Promi ist hart…
    Ich benutze die “Freundesliste” eher als Mitspieler-Liste. Besonders bei Spielen, die nicht mehr so aktuell (oder kommerziell wenig erfolgreich) sind, ist es einfacher sich zum Spielen zu verabreden, als stundenlang in einer leeren Lobby zu warten.
    Ansonsten bezeichne ich Keinen meiner Einträge als Freunde. Meine realen Freunde sind für mein Hobby eher wenig zu begeistern. Mit denen verabrede ich mich per Telefon für “erwachsenere” Unterhaltung. ;)

  5. DarkVamp sagt:

    hehe ist ja nicht bei jedem so einfach mit dem Wiedererkennen wir bei Dir (auf deine klassische Frisur anspiel) :-)

  6. Franky80 sagt:

    Hab in meiner Freundesliste ca 50-50 echte Freunde die ich persönlich kenn und Freunde die ich beim zocken kennengelernt hab…die ich persönlich kenn bleiben eh drin,bei den andern kommts einfach drauf an wie die sich verhalten…wer nervt,fliegt,ganz einfach…

  7. Aleph01 sagt:

    Die goldene Regel in diesen Selbstdarsteller-Plattformen: Du bist, wen du kennst.

  8. Z3R0B4NG sagt:

    Ich habe alle meine RL Frende im ICQ & MSN, auch einen den ich eher als RL-Nervensäge bezeichnen würde aber so welche hat ja jeder.

    Ich hab in ICQ auch diverse Leute aus Foren drinne, die würde ich nicht als Freunde bezeichnen sondern eher unter Intressengemeinschaft einordnen.
    Ein paar habe ich nur wegen der Xbox drinn und da werden halt Infos ausgetauscht, davon sind auch ein paar bei mir in Xbox Live drinne.

    Myspace, Facebook, “wer kennt wen” und so ein quatsch meide ich grundsätzlich, ICQ beansprucht eh schon genug Zeit in meinem Tagesablauf.

    E-Mail nutze ich privat überhaupt nicht. Nur um Registrierungen abzuschliessen, Support von Firmen anzufordern (kommt öfter vor als mir lieb ist), gelegentlich auch der eine oder andre Newsletter aber meine -Freunde- haben da nix verloren.

    Nachm onlinezocken geh ich immer mal durch die Liste der User mit dennen ich gespielt habe und bewerte dementsprechend, wenn sie gut gespielt haben und nicht negativ aufgefallen sind gibts nen Smiley, also bevorzugter Spieler und sonst den entsprechenden “gemiedener Spieler” Knopf. Aber deswegen würde ich niemanden davon als Freund “ädden”.

    Ich habe jedoch keinen von diesen bevorzugten Spielern jemals online wiedergesehen, hat das eigentlich nur mit der REP zu tun oder verbindet einen XBL dann auch eher mit einem aus der Liste (davon geh ich eigentlich aus)?

  9. erik.lembke sagt:

    Jaja… wie gut ich Dich verstehen kann! Da Lob ich mir den alten Begriff “Buddies” :-D

    Ich selbst differenziere das auch sehr präzise zwischen Freunden und Kumpels.

    Xing wird von mir auch nur eher als eine Art “Online-Kontaktmanager” (digitale Visitenkarten mit Telefonnr., etc.) verwendet ;-)

    Sonstige Social Networks werden von mir gemieden, da mir auch die Zeit zu schade ist täglich mein “Leben” anderen mitzuteilen. Da treffe ich mich lieber mit einem Freund auf einen Kaffee für einen gepflegten Gedankenaustausch.

  10. dmXbox sagt:

    @randomguy

    du scheinst den letzten satz falsch verstanden zu haben…

    boris meint damit denke ich, dass man leute die man nur unregelmäßig sieht nicht gleich als freunde bei jedem sozialnetzwerk eintragen muss.

  11. XeroX sagt:

    Hmm…hast schon recht. Ich hab auf Live auch wirklich nur 3-4 Freunde drin. Immer wieder beim spielen (vielleicht 5 min zusammen gespielt) erhält man eine Freundes Anfrage….
    Derjenige ist dann in der Liste…und man spielt sowieso nie wieder mit demjenigen.

  12. Dilanor sagt:

    Ich halte das so: XBox live nehme ich auch mal Anfragen von Leuten an, die ich zufällig getroffen habe – mein Gamertag ist aber auch nicht so beliebt, wie der von Boris.

    Messenger, Skype etc. sind aber nur wirkliche Freunde und berufliche Kontakte. Gleiches gilt für Xing oder LinkedIn.

    Wenn man solche Networking Tools überfrachtet, nutzt es einem leider am Ende auch nichts mehr und Boris würde ich empfehlen, einfach mal die Friendslist leer zu machen und die Leute, die deinen Test bestehen, wieder hinzuzufügen.

    So jetzt sollte ich arbeiten, statt fremde Blogs vollzuspammen!

  13. pash sagt:

    Nun ja, bei Flickr gibt es hier den Begriff Familie. Trifft es eigentlich ganz gut!!

    Wäre mein Vorschlag.

  14. sonnendeck sagt:

    denke auch der gute alte Aol Begriff “Buddies” trifft es eher was diese “Freundschaften” Begrifflich verbindet und ich nehme auch immer nur Leute auf die ich auch wirklich kenne und mit denen ich öfters online Spiele wenn ich die Zeit habe :-) , meine Shooter muss ich eh immer unter Kopfhörer spielen um nicht den Rest meiner Umwelt zu nerven und da es keine Kopfhörer mit eingebauten Microphone an irgendeiner Konsole funktionieren, was mir auch nicht wirklich jemand erklären konnte warum ich einer Minderheit angehöre, aber das ist ein anderes Thema, das meine Persönliche Konsolen Nemesis ist ;-) . An deiner Stelle würde ich eine Freundes Account führen und deine Freunde entsprechend benachrichtigen, so ein Art VIP Account,

  15. Ekky sagt:

    Naja, die XBL Liste ist sowieso mehr eine Mitspielerliste als eine echte Freundesliste.

    Aber es können sich dadurch auch echte Bekanntschaften entwicklen.

    Habe drei Personen (ein Pärchen darunter ) auf meine Liste , mit denen wird mittlerweile sogar ganz Privat gequatscht.Die würde ich genau wie meine 3 Real Freunde die ich auf der Liste habe niemals deleten
    Ist aber auch nur die Ausnahme , der Rest sind dann wirklich nur “Mitspieler” die wenn ich Spiel XY nicht mehr zocke auch wieder lösche.

  16. wut sagt:

    Das wort freunde kann man doch deuten wie man will, in xbox live sind freude leute mit denen man spass haben kann/will, bei xing sind freunde personen die einem beruflich vielleicht hilfreich sein können, oder durch die man neue kontakte knüpft die einem helfen.
    Jeder weiß im grunde doch, wo das wort freunde auch wirklich “echt freunde” bedeutet, also ist meiner ansicht nach ein neues wort überflüssig.

  17. derKlaus sagt:

    Ich fand mich persönlich mit der IM Nutzung ziemlich angesprochen, weil ich genau DAS mit dem IM Nachrichten in einer Tour im Büro erlebe. Wir nutzen MSN in der IT-Abteilung zur schnellen Kommunikation, wenn man einen anwender am Telefon hat, oder um eben URLs für Dokus usw auszutauschen. Einege Mitarbeiter nutzem IM zur Kommunikation mit Kunden oder aber unserer Entwicklugnsabteilung in Indien. Um den Anwendern das ganze zu demonstrieren, lassen wir uns als Kontakt hinzufügen. Und dann gehen die ganzen Anfragen, die eigentlich über Mail, Webformular oder Telefon gehen sollten als IM ein: in einer Tour plingts und irgendwelche Fenster ploppen auf und reißen einen aus irgendeinem superkomplizierten Problem mut den Worten “Klaus, R U there?”.

    Noch krasser sind aber die Seelenstriptease in diesen Socializing Communities. Kann sich noch wer an die Volkszählung in den 80ern erinnern? Da wurde wg. Datenschutz gemotzt (da gabs sogar Demos, wenn ich mich recht erinnere), und heute braucht jeder halbwegs internetkompetente HR Mitarbeiter nur nach “vorname” AND “nachname” AND “wohnort” googeln, um die gesamte Lebensgeschichte zu finden. Und diejenigen die am lautesten schreien, veröffentlichen am meisten Informationen.

  18. Thyran sagt:

    Bis heute, war ich regelmässiger und vor allem stiller Leser deines Blogs.. ich hab deinen Blog immer ausgesprochen gern gelesen und ich glaube auch nie einen Eintrag verpasst… aber ich fühlte mich nie dazu angehalten mich in irgendeiner Form zu einem deiner Einträge zu äußern… warum auch?

    Heute ist das anders. Dein Beitrag spricht mir aus der Seele… ich kann nur noch ein Amen anfügen!

    [Ironie] Und weil wir so Seelenverwandt sind… mach mal Platz auf deiner Freundesliste! =) [/Ironie]

  19. Herr Kaliban sagt:

    ah. ich war auch kurz versucht, louis zu adden, dachte dann, wie doof es wäre, wenn er mich fragt, wer ich sei.

    und ich antworte müsste: äh, der redakteur, auf der e3 vor 8 jahren, erinnerst du dich nicht, ich habe doch so eklantant schöne fragen gestellt.

    da habe ich’s gelassen. obwohl ich bei facebook eigentlich nicht so wahnsinnig wählerisch bin und auch schon mal freunde akzeptiere, mit denen ich nicht schon brüderschaft getrunken habe

    aber facebook ist ja auch bloß eine spielerei.

    xing hingegen finde ich ziemlich super. habe auch fast keine nervigen anfragen bekommen — dafür aber schon eine menge echt interessanter kontakte entdeckt.

  20. FETZENSCHAEDL sagt:

    die Freundesliste auf XB-live wird von mir nur dazu genutzt um Deutschsprechende mitspieler zu haben, das dauerte ewig bis ich anfangs noch mit der alten Xbox den ersten gefunden hatte.

  21. PatTheMav sagt:

    Gibt ne ganz einfache Trennung bei mir:

    In Xbox Live habe ich nur persönliche Freunde in der Friendslist.

    Bei Xing habe ich so ziemlich jeden, der mir mal ne Visitenkarte in die Hand gedrückt hat auf Cebit, Games Convention und Co, aber auch Freunde und Kollegen. Hier herrscht der Geschlechtsteilvergleich mit Kontakteanzahl und das ist auch ok in meinen Augen, schließlich ist es eine pure Networking-Seite und ist auch eine Art Online-Adressbuch.
    In Facebook habe ich schließlich eine Schnittmenge von beiden – persönliche Freunde, Arbeitskollegen und Berufsbekanntschaften, mit denen ich aber auch mehr oder weniger regelmäßig die Promille gezählt habe ;) Dadurch ergibt sich natürlich, dass die meisten Leute in Facebook auch aus meiner Umgebung kommen.

    Ich frage mich daher bevor ich jemanden in Facebook zur Freundesliste hinzufüge immer: “Wird diese Person sich freuen, dass ich sie hinzufügen möchte” – kann ich dies nicht mit “ja” beantworten, lasse ich es.

  22. Jürgen sagt:

    Hallo Boris,

    sehr guter Kommentar, der es echt trifft!

    Ich finde diese ganze Social Network Blase auch total überschätzt. Selbst wenn man die Leute kennt, wie z. b. auf werkenntwen.de – Ich frage mich immer öfter was es nützt, heutzutage dieselben Leute virtuell zu “sammeln”, deren richtige Bekanntschaft man schon vor zig Jahren im echten Leben bereut hat und die man vielleicht sogar schon erfolgreich vergessen hatte.
    Aber immerhin heißt es “Wer kennt wen” und nicht “Stay Friends” oder so. Denn kennen heißt ja nicht unbedingt gleich mögen. ;-)

    Mittlerweile traue ich mich im echten Leben schon gar nicht mehr, den inflationäre Begriff “Freund” auf ECHTE Freunde anzuwenden. Wie Du sagst – da muss bald ein neues, urheberrechtlich GESCHÜTZTES Wort her.

    Und sowas wie Xing? Gut da bin ich auch, aber mal ehrlich: ich war bei der Anmeldung jung und wusste es nicht besser. ;-) Ernst nehme ich den Fuppes da schon lange nicht mehr. Ich geh nur noch auf die Seite, wenn sich ein paar Anfragen oder Mails gestaut haben.
    Zum profilieren ist Xing sicher gaaanz toll – wenn man sowas braucht, aber “Business” habe ich darüber noch nie gemacht. Ich weiß eigentlich gar nicht, warum ich dort überhaupt noch bin.
    Die RICHTIGEN Geschäfte macht man doch mit RICHTIGEN Menschen, mit denen, die man aus dem RICHTIGEN Leben kennt. Wo man weiss, dass sie auch in Wirklichkeit so aussehen, wie auf dem Foto und wo man aufgrund der bisherigen Erfahrung sicher ist, dass man von den Anforderungen auch auf den RICHTIGEN Menschen setzt, auf den man sich verlassen kann.
    Schreiben und angeben kann man, wie auf Xing, viel. Für mich einfach nur ein Tummelplatz für Profilneurotiker und Business-Blender.

    Das ist mit “Freundes”-Netzwerken ähnlich. Miteinander chatten und die diverse Floskelmails ersetzen eben keinen echten sozialen Kontakt, menschliche Wärme und Nähe. Ich stelle immer wieder nur fest, dass es wohl leider genug Leute gibt, die das nicht so sehen.

    So gesehen leben wir wohl in einer Zeit des elektronischen Biedermeiers, wo sich jeder in sein stilles Kämmerlein zurückzieht um ganz bieder “aufregende” Sachen ins Netz zu tippen. So wie ICH jetzt gerade. ;-)

    Was meine “Freundesliste” auf XBL betrifft: mein Gamertag ist etwas, dass ich wie meine Mailadresse nur auf Anfrage rausgebe. Mit Leuten, die ich nicht persönlich kenne, habe ich gar keine Lust irgendwas zu spielen.
    Oder anders gesagt: wo “Freunde” draufsteht, sollen auch “Freunde” drin sein.

  23. robert_s sagt:

    Hmm, also von den Freunden, die ich regelmässig sehe, hat kein einziger eine Xbox 360. Oder überhaupt eine Spielekonsolte… Also bleiben mir nur “virtuelle” Freundschaften in Xbox Live, mit Leuten die ich im RL überhaupt nicht kenne.

    Vielleicht sollte man dafür ein eigenes Wort erschaffen, z.B. “CyberFriends”? Hmmnee, das klingt eher nach Freunden im MMORPG oder in Second Life. Vielleicht “Online Aquaintances”? Oder “Buddylist”? Oder in Halbneudeutsch, “OnlineKumpels” ;)

  24. tastepolice sagt:

    ich habe aus meiner live freundesliste tolle typen kennen gelernt, wir besuchen uns trotz 400 km entfernung
    hin und wieder im rl und unternehmen auch schon mal was
    zusammen.
    ein ami aus meiner liste versorgt mich mich dingen aus
    den staaten die es hier nicht gibt und umgekehrt.
    würde ich derart kritisch an die sache rangehen hätte
    ich ein paar tolle bekanntschaften verpasst.
    ich habe jetzt keine 100 leute in der liste, aber die
    die ich habe wollte ich nicht missen.

    btw mit dem begriff freunde sollte man gerade im rl
    sparsam umgehen.

  25. Pengo sagt:

    Unvergessen auch die Meldung, die auf der Xbox1 beim allerersten Klick auf die – beim ersten Aufruf _natürlich_ leere – Friendslist erschien: “Du hast keine Freunde”. Das war irgendwie auch nicht so toll gelöst… ;)

  26. mindVex sagt:

    Oder einfach eine Herabstufung der Bezeichung “Freunde” in “Bekannte” oder besser “Spielgefährten”. Letzten Endes bezeichnet die Freundesliste ja nur Leute, mit denen man zum Spielen über Xbox Live verbunden ist, ob das jetzt Freunde sind oder nicht.

  27. Tetris sagt:

    Kontakte ist doch ein schönes Wort.

  28. karaokefreak sagt:

    Naja, ich glaube es ist generell relativ leicht, dich wiederzuerkennen, lieber Boris. Auch ohne “Beatles-Frisur” ;) Womit ich keine Anspielung machen will oder so, ist nur mein Eindruck. Du hast einfach sowas bübisches (soll keine Beleidigung sein).
    Aber ich weiß wie das auf Messen ist, von daher reiß ich meine Klappe mal lieber nicht so weit auf. Seltsam nur, dass ich manchen Personen dafür doppelt und dreifach auf einem Monster-Event über den Weg laufe. Bei dieser Gelegenheit grüß ich einfach mal Herrn Siemens ;) .

    Zu Freundesliste in XBL: Ich als alter Ridge Racer-Fan müsste ohne meine “neuen Bekanntschaften” aus Schweden, den USA, England und Frankreich wohl auf die lustigen Mehrspieler Sessions verzichten… Daraus sind ebenfalls Regelmäßigkeiten und nähere “Sprachbekanntschaften” entstanden. Sicherlich ist das Wort Freund in dem falle deplaziert, aber “Bekannte” klingt komisch, so als Menüpunkt :P

  29. TidusSpear08 sagt:

    “aber jedesmal, wenn ich jemanden rausnehme (kommt selten aber ab und an vor – ZUM BEISPIEL LETZTENS EINEN GEARS-SPIELER, DER SICH DANN ALS MINDERJÄHRIG OUTUETE)”

    Das heißt also, dass du jeden kickst, der minderjährig ist? Oder nur die, die ein Spiel spielen, welches nicht für ihr Alter geeignet ist?

  30. Bill Gates sagt:

    Social Networks sind für mich nur Kommunikationswege, wo ich schnell mal Kontakt zu Leuten aufbauen kann die ich zwar kenne, aber die es nicht auf mein Handy schaffen. Quasi ein Lesezeichen der Bekanntschaften. Im Endeffekt beschränkt sich mein wirklicher Freundeskreis auf einige wenige Leute, die ich gerne wöchentlich oder zumindest ein paar mal im Monat real treffe. Das finde ich aber auch nicht schlimm, schließlich ist meine Freizeit sehr begrenzt und ich kann nicht jedem gerecht werden.

  31. PatTheMav sagt:

    Es fehlt einfach eine deutsche Entsprechung des Wortes Buddy – es sei denn man verwendet “guter Bekannter”, “enger Bekannter”, “entfernter Freund” oder etwas weniger griffiges..

  32. Lain sagt:

    @PatTheMav: Gibt es doch. Nennt sich “Kumpel”.

  33. Jürgen sagt:

    @PatTheMav:

    “Kumpel” gäb’s da im Deutschen. Aber ich glaube es kommt einfach viel besser, wenn man vom Marketing in der Werbung sagen kann “Lade Deine Freunde ein”, “online Spaß mit Deinen Freunden”, usw…

    Das ist einfach viel persönlicher und von der Wirkung stärker als “Spiel mit anderen Menschen, Xbox-Live-Nutzern, Bekannten…” usw.

    Also ist an allem einfach mal wieder die Werbung schuld. ;-)

  34. Blizado sagt:

    Wie wärs einfach mit “Kontakte” oder sowas?

    Ich zumindest bin inzwischen extrem wählerisch wen ich Freund nenne und wenn nicht. Zum Beispiel sind für mich Leute, mit denen man nur mal ab und zu was trinken oder ins Kino geht nur gute Kumpels. Ein Freund ist für mich Jemand, der zu mehr als nur einem guten Kumpel geworden ist, Jemand auf den man sich verlassen kann, der (fast) immer für einen da ist. Einfach Jemand dem man blind vertrauen kann und für den man auch gerne selbst da ist. Alle anderen sind wie gesagt für mich nur gute Kumpels.

    Messenger benutze ich aus den gleichen Gründen nicht mehr, es nervt einfach wenn man gerade beschäftigt ist und dann eine Nachricht nach der anderen rein kommt. Aus dem gleichen Grund kann ich Handys auch nicht viel abgewinnen. Dieses immer erreichbar sein müssen nervt teilweise echt extrem und sorgt nur für unnötigen Stress im Leben. Für den Job ist das natürlich teilweise was anderes, je nach Job macht ein Handy schon sehr viel Sinn und als Notruf ist ein Handy unterwegs eh praktisch, man weiß ja nie, besonders wenn man mit dem Auto unterwegs ist.

    Dennoch muss ich zugeben etliche Leute in meiner Freundesliste zu haben, die ich nicht mal Kumpels nennen würde.

  35. gunatm sagt:

    Super auf den Punkt gebracht.

  36. Storyboy Tobi sagt:

    Hi Boris, danke für dieses Blog.
    Diesen Beitrag find ich echt klasse. Für mich stellt sich diese Frage allerdings geringfügig anders, und ich würde mir gerne mal deine Antwort dazu anhören. Nämlich: “Wie bekommt man über die XBOX360 eine Spielercommunity, die sich nicht nur als “Freunde” sondern als Kumpel, Kameraden oder sogar Partner bezeichnen können?” Mir passiert es dauernd, z.b. bei Fable2 (aber auch bei anderen live spielen), dass sich per Headset bei mir irgendwelche anonymen Entitäten (z.B. kleine bunte Kugeln) melden und irgend einen Blödsinn ins Micro schreien. Deswegen habe ich meist den Multiplayer deaktiviert.
    Ich dachte ja mit der neuen NXE Oberfläche kommt auf der XBOX360 sowas ähnliches wie ein virtuelles Forum, womöglich noch in Sprachräume (Deutsch, Englisch,…) eingeteilt, wo man sich zu mehreren zwanglos treffen, quatschen und Spieleteams gründen kann oder ähnliches.
    Ich habe da http://www.imvu.com im Hinterkopf… Sowas fehlt der XBOX360. Sollte abver mit den neuen Avataren durchaus möglich sein.

    Würde mich über eine Antwort freuen.

    Gruß, Tobi.

    P.S. Ich bin auch kein Shooter – stehe mehr auf Rollenspiele.

  37. Nachtrag: Seit Erscheinen dieses Artikels hat sich die Zahl der “blinden” Freundesanfragen pro Woche auf Facebook bei mir verdoppelt und es war sogar ein “Ich hab dich auf der Games Convention XX getroffen” dabei.

  38. Storyboy: Zynismus-Mode an!
    Nachdem Microsoft also erfolgreich die Miis geklaut hat, soll Microsoft jetzt Playstation Home klauen?
    Zynismus-Mode aus!

    Ja, deine Idee ist natürlich sinnvoll. Mal schauen, was das LIVE-Team für die nächsten Updates alles vorhat.

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