Nochmal auf den Kalender geguckt: 19. März. Diese Story kann also kein Aprilscherz sein. Nicht nur, das George Lucas mit Bob Zemeckis und Jim Cameron auf einer Bühne sitzt, nein, die wollen alle auf einmal 3D-Filme bringen. George will sogar schon 2007 alle (wohlbemerkt alle sechs!) Star Wars Filme in 3D auf die Leinwand bringen. Und angeblich zeigten sie schon die komplette erste Rolle von New Hope (das ist, meines Wissens, eine gute Viertelstunde). Uff!
Nochmal, langsam. Star Wars jetzt in 3D. Kurz nachdem der letzte Film als DVD erschienen ist. Diese Filme bekommen langsam Zombie-Charakter. Kann da nicht mal jemand den Sargdeckel zunageln? Laß gut sein George. Die Idee, aus Indy 4 einen 3D-Film zu machen - Spielberg (der dagegen ist) scheint der einzige Vernünftige unter diesen Regisseuren zu sein.
Niemand macht 3D besser als James Cameron, dessen Pseudo-Dokumentation "Aliens of the Deep" ich im Imax 3D in San Francisco sehen konnte. (Wie alles von Cameron, gute Optik, brillant geschnitten, aber die Dialoge… und in diesem Fall der wissenschaftliche Inhalt und das böse Verquicken von Phantasie und Realität - wobei die Phantasie-Szenen dann auch noch "echter" aussehen als die Realität. Böse Manipulation.)
Der 3D-Effekt von Aliens… war verdammt gut. Insbesondere weil ganz klar einige Video-Aufnahmen von 2D auf 3D "gerechnet" wurden. Aber "verdammt gut" ist immer noch nicht gut genug. Imax 3D versagt bei schnellen Bewegungen, da es immer noch mit 24 FPS arbeitet (wer spielt freiwillig einen Shooter in 24 FPS?). Wer mal einen Showscan Film mit knapp 60 FPS gesehen hat, oder eine Sportübertragung in HDTV, 720p, 60 FPS, würde als erstes in den Kinos der Welt höhere Framerates einführen und nicht dieses lausige Polarisations-Brillen 3D. Denn es gibt immer Schatten und ich krieg bei jeder Polfilter-3D-Präsentation nach ner knappen Stunde dickes Kopfweh. 60 FPS (pro Auge!) mit Shutter-Brillen wären eine Lösung - aber die Ausrüstung kann sich kein Kino leisten.
Mein Fazit: Wenn das kein verfrühter Aprilscherz ist, dann gehört einigen Regisseuren nochmal dick der Kopf gewaschen.
Mar 20
Aber zu George Lucas würde das passen wie die Faust aufs Auge. Der gute Mann ist in einem Grade technophil, der sich leider zu oft auf die filmische Umsetzung auswirkt. Frei nach dem Motto: “Wenn wir es machen können, dann müssen wir es auch machen.”
Man denke mal an die Special Edition von Star Wars, wo viele der Neuerungen (der CGI-Jabba kommt in Erinnerung) einfach nicht gut aussahen. Das gleiche Problem hatte für mich auch Episode II. Das Ende mit dem massiven CGI-Einsatz sah so überkünstlich aus, dass es mir keinen Spaß gemacht hat. Ein bisschen als wenn Lucas die Restekiste des “Command & Conquer”-Videomaterials geplündert hätte.
Na ja, der CGI-Jaba wurde für die DVD-Veröffentlichung ein weiteres mal überarbeitet und sieht jetzt deutlich besser aus, als in der Special Edition.
Dass die neuen Filme überkünstlich aussehen, sehe ich wiederum nicht als solchen Kritikpunkt, mir gefällt’s durchaus ganz gut. Kritischer sehe ich da eher manchen Handlungsablauf. Einige Szenen wirken so deplatziert und peinlich, da wurde wirklich mehr gepatzt als bei den Special Effects.
Übrigens, Stichwort “Zombiefilme”
: Lucas hat ja schon eine HD-DVD-Veröffentlichung in den nächsten Jahren angekündigt. Würde mich nicht wundern, wenn das wieder mit breitem Brimbamborium vonstatten ginge.
Okay, die DVD-Edition habe ich noch nicht gesehen, da vertraue ich einfach mal deiner Wertung. Aber rückblickend wirkt die “Special Edition” auf mich wie ein Schnellschuß oder ein erster technischer Probelauf für die neue Trilogie und weniger wie ein wirklich gelungenes Filmprojekt (insgesamt schwächer als die Originaltrilogie).
Voll zustimmen kann ich dir bei den Handlungsschwächen von “Episode II”, weshalb mich diese Übertechnisierung noch mehr gestört hat. So war der Film halt für mich sogar als Effektfilm eher unterdurchschnittlich. Manchmal sind gezielt eingesetzte Effekte dann doch effektiver als der absolute Effektoverkill (unter dem auch “Matrix II & III” sehr akut litten).
Also erstmal ist das ja von Präsentationsseite nichts neues. Es gibt schon seit den 50er Jahren 3D im Kino…erst mit Rot/Grün-, dann mit Polarisations- und danach mit LCD-Shutter-Brillen.
Die digitale Projektion bringt hier nur insofern einen Vorteil, alsdas ein analoger Filmprojektor beim Einsatz mit Shutter-Brillen nur noch 12fps pro Auge liefern kann…evtl. würde das sogar gehen, da man insgesamt ja doch 24fps sehen würde…
Das wirklich neue ist die Technik der Firma “In-Three Inc.” aus Kalifornien, die angeblich aus alten Filmen die in 2D gedreht wurden, echtes 3D-Kino zaubern kann. Wie sie das anstellen, darüber schweigt sich momentan aber noch jeder aus…ich nehme an mit einer Mischung aus schlauem Algorithums und viel, viel manueller Nachbearbeitung. Daher auch die Kosten von 5-8 Mio. Dollar pro Film für die Umwandlung. Das ganze erinnert ein bisschen and die Zeit der “Nach-Colorierung” von alten S/W-Filmen, das war ja damals nicht so der Renner.
Wegen der 24 Bilder beim Film: Das ist was u.a. den sog. “Film-Look” ausmacht und wird von Hollywood so schnell nicht abgeschafft werden. Sozusagen ein stilisisches Mittel. Aber im digitalen Zeitalter gibt es meiner Meinung nach keinen Grund nicht mit 48fps zu drehen, wenn man das denn wollte.
Wenn sie es wirklich schaffen, die Brillen angenehm klein und tragbar zu machen und man sich 2-3 Stunden Film ohne anschließende “Matschbirne” anzuschauen bin ich sofort dabei!
Meiner Meinung nach wird es endlich Zeit, daß nach dem Ton nun auch das Bild endlich dreidimensional wird! Mit der Digitalisierung wird das ganze nun Produktionstechnisch auch realisierbar und profitabel…nur der Purist in mir wird etwas nervös bei der Vorstellung einer X-ten Verwurstung von altem Wein in neuen Schläuchen - erstmal abwarten was wirklich kommt, würde ich sagen.
Nöö, ich kann es nicht mehr sehen. Der Mann muß doch mal was Anderes machen können außer seinen eigenen Film immer und immer wieder rauszubringen. Der Film ist doch schon genug versaut worden. Ich stimme dir zu Boris! Reicht mir mal einer nen Hammer und ein paar Nägel?
@Björn: Rückblickend hat mir die Special Edition der Filme damals auch nicht viel gegeben, als dass ich ein weiteres mal die Filme gesehen habe. Da war die DVD-Veröffentlichung bei mir mit einem größeren AHA-Erlebnis verbunden. Was die Restauratoren an Qualität aus den alten Filmrollen raus geholt haben, ist sehr beeindruckend und mir ist zum ersten mal der mies-dreckige Look des Star Wars-Universums aufgefallen.
Mit dem “technischen Probelauf” der Special Edition liegst du übrigens gar nicht mal so falsch. Lucas wollte u.a. tatsächlich sehen, was möglich ist.