Das neue Feindbild: Hardware-Hersteller

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Spieleentwickler haben manchmal das verklärte Bild, das Publisher und "die Jungs im Marketing" tiefst böse und dumme Menschen sind. Dazu kommen jetzt die Konsolenentwickler, die doch tatsächlich noch mehr, schnellere, bessere Hardware in ihre Konsolen bauen, und damit verhindern, das "kleine, preiswerte" Teams Software bauen könnten. So sagt’s zumindest "Costik" auf seiner Webseite und vielbejubelt auf der Game Developers Conference:

http://www.costik.com/weblog/2005_03_01_blogchive.html#111069190589189590

Nur hat der Mann einfach völlig unrecht.
A) Microsofts J Allard stand auf der Bühne und hat mehrfach gesagt: Wir müssen die Kosten senken, Microsoft baut die Tools, um die Hardware beherrschbar zu machen, es geht um Infrastruktur und nicht um einen schnellen Chip (ohne die Cell-Idiotie beim Namen zu nennen), und wir brauchen mehr Spiele die auch "normale Menschen" ansprechen, die bis heute nicht spielen. Statt dessen hört der gute Mann nur "HDTV -> höhere Auflösung -> mehr Kosten -> Tod der kleinen Entwickler".
B) Nicht das böse Marketing will immer "schönere" Spiele. Die Kunden verlangen es! Es ist lustig, daß in den Kommentaren auf seiner Webseite dann ständig gesagt wird, Shareware und Webspiele würden nicht funkionieren, weil die ja keiner richtig vermarktet. In Wirklichkeit interessieren diese Spiele keine Sau. Erst recht keine Spielepresse, die auch immer nur den neuesten Grafikeffekt lobt. Es gab einmal in der Geschichte die Symbiose aus optimaler Technik, Spielbarkeit und Shareware (Doom) und da hat auch Shareware funktioniert (und mehreren Leuten mehrere Ferarris beschert), weil die Kunden das Ding tatsächlich haben wollten. Der siebenundzwanzigste Shanghai-Clone für $19,95 hat aber keine Daseinsberechtigung und kann auch nicht besser "vermarket" werden.
C) Kein Spielepublisher der Welt findet es lustig, daß die Spieleentwicklung mehr kostet. Electronic Arts ist eine Aktiengesellschaft. Die müssten Ihren Aktionären erklären "Jetzt kostet es wohl doppelt so viel, Spiele zu programmieren, der Verkaufspreis ist aber weiterhin stabil". Das ist doch ähnlich wie wenn VW sagt: "Der neue Golf kostet doppelt so viel in der Produktion, kostet den Kunden aber das selbe wie vorher auch". Sprich - es funktioniert nicht. Electronic Arts ist genauso wie Microsoft, Activision, Nintendo, Sony, Eidos und Dutzende andere im Zugzwang. Weil Kunden ständig sagen "Gebt mir mehr" und die "alten" Spiele, gestern noch technische Highlights, heute nicht mehr kaufen. Wie oft musste ich über Halo 2 hören "Klasse, aber die Maschine ist ja schon am Anschlag, da hätte ich mehr erwartet…"
Alles Gerede, das Spiele jetzt noch teurer in der Herstellung werden, ist einfach Mumpitz. Ja, einige Spiele werden jetzt noch teurer. Aber viele Genres werden eben auch nicht teurer in der Herstellung, sondern billiger, weil die Tools immer besser werden. Mit den Kismet-Tools von Unreal wird jeder Idiot für zweifünfzig einen Ego-Shooter produzieren können :-)
Mit Xbox Live Arcade probiert Microsoft in den USA (und bald in Europa) schon aus, wie man kleine, feine €10 Spiele auch an den Konsolenkunden bringen könnte. Würde mich wundern, wenn das in der nächsten Geräte-Generation nicht deutlich aufgebohrt würde.
Kleine, gute Spiele werden leben, auch in den nächsten hundert Jahren. Nur, wer keine wirklich gute Idee hat, die die Kunden auch tatsächlich KAUFEN wollen, sollte nicht krakeelen. Erinnert mich auch fatal an die Diskussion um die finanzielle Förderung des deutschen Spielguts…

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