Reamokläufe

Von Boris, Mo, 23. Mrz 2009 23:59

Eigentlich hatte ich mir geschworen, nach den tragischen Ereignissen von Winnenden keinen darauf passenden Blog-Post zu schreiben. Ich dachte, alles was ich zum Thema sagen mag, ist gesagt und außerdem kommt wieder irgendein Idiot und zitiert aus diesem Blog als “Meinung von Microsoft” und bringt damit mich, Microsoft und insbesondere den BIU in Schwierigkeiten. Daher der vorauseilende Disclaimer: Hier schreibt der Privatmann Schneider-Johne, zitieren Sie mich gerne, aber als Privatperson und nicht als Mitarbeiter einer Firma oder der Spieleindustrie.

Samstag juckte es schon sehr gewaltig in den Fingern, als gerade Spiegel Online anfing, die Berichterstattung auf sehr absurde Weise zu verzerren und damit meine Meinung zum Spiegel Online doch sehr erschütterte (gleich dazu mehr). Trotzdem habe ich nichts geschrieben. Aber als ich gerade auf Heise.de lesen mußte, daß die Stadt Stuttgart tatsächlich das nächste “Intel Friday Night Game” untersagen/verbieten lassen will, weil da Counterstrike gespielt wird, muß ich jetzt ein Sicherheitsventil öffnen und Druck ablassen.

Also, schön chronologisch: Wenn sechs Familien aus Winnenden in einem offenen Brief ein weitgehendes Waffenverbot und Einschränkungen beim Sportschießen, ein Fernseh-Gewalt-Verbot, ein Killerspiel-Verbot, eine Internet-Chat-Überwachung und eine Einschränkung der Berichterstattung über Amokläufer fordern, dann gibt es keinen, aber auch wirklich keinen objektiven Grund, als Überschrift: “Opferfamilien aus Winnenden verlangen Killerspiel-Verbot” zu nehmen. Da hat der Autor oder Redakteur seine private Meinung vor eine objektive Nachricht gestellt.

In Ihrer Gesamtheit finde ich den Brief der sechs Familien mutig und als Gesamtkatalog ja sogar einen sehr ausgewogenen Wunsch. Insbesondere, weil “Gewalt verherrlichende” Spiele in Deutschland sowieso verboten sind, seit langer Zeit, mit Strafgesetzbuch § 131. Ja, der Begriff ist dehnbar, aber es wurden harte Brocken von Spielen durch diesen Paragraphen aus dem deutschen Handel getilgt. Man muß sagen: Der Wunsch der Eltern wird durch die deutsche Gesetzeslage bei Spielen im Augenblick weitgehend erfüllt.

Das insbesondere der Punkt “Weniger Berichterstattung” von Spiegel Online geradezu mit den Füßen getreten wurde, zeigt mal wieder auf die alte “Ich unterstütze gerne ein Verbot, solange es mich nicht selbst betrifft”-Haltung von Politikern und jetzt auch Medien hin. Am Tag des Amoklaufes hatte das ZDF in Sondersendungen und Heute Journal zwei (!) Psychologen, die beide auf die Frage “Warum immer mehr solche Amokläufe?” recht klar darlegten, daß durch intensive Berichterstattung auch der kleinsten Details des Tatablaufs in den Medien eine Nachahmung erst ausgelöst werden kann. Hat das Heute Journal aber nicht daran gehindert, trotzdem weiter möglichst viel zu berichten. Oder wenn bei Spiegel Online zitiert wird, daß die sechs Familien die Nennung des Täters mit Foto kritisieren, wird einen Absatz später trotzdem der Täter mit vollem Namen genannt. Aaalso: Killerspiele bitte verbieten, sind ja die Eltern dafür, aber die Berichterstattung, die werden wir nicht einschränken, denn wir sind ja eine freie Presse und die Leute haben ein Recht auf Information!

In dem angesprochenen Dreieck von “Zugriff auf Waffen”, “Berichterstattung über andere Amokläufe” und “Gewalthaltige Medien” hatten letztere den geringsten direkten Einfluß auf die Tat. Ohne Waffe wäre es sowieso nicht dazu gekommen, ohne ständiges Wiederkäuen des genauen Tatablaufs in Columbine oder in Erfurt käme ein suizidgefährdeter Jugendlicher gar nicht auf die Idee, eine noch größere Tat konkret zu planen oder andere nachzuahmen. Und diesesmal: Noch detaillierter, mit dem ganzen Instrumentarium von Flash-Timelines und Google-Maps und bezahlten Interviews mit Jugendlichen, damit man irgendwas im Fernsehen zeigen kann. Liebe Medien, wenn in den nächsten Jahren sich wieder einer noch blutiger durch eine Schule oder schlimmer ballert, dann habt ihr ihm in den letzten Tagen genau gezeigt, wie man es macht und daß ihr gerne auch noch Statements, Abschiedsbriefe oder Webseiten des Amokläufers veröffentlichen würdet, würde es denn welche geben – so verzweifelt wie ihr dieses Mal danach gesucht, aber nichts echtes gefunden habt.

Eines hat mir diese Episode aber gezeigt: Es ist keine Bösartigkeit und kein Hass, der Politiker und Medien auf die Barrikaden gegen Computerspiele treibt. Es ist schlicht und einfach die Tatsache, daß diese Medien im Leben der genannten Personen einfach keinerlei Rolle spielen und sie sie einfach grundlegend nicht verstehen. Das sind Verbotsforderungen noch nicht mal aus Dummheit, sondern aus Naivität.

Ganz abgesehen von einer Wirkungsdiskussion, die man jetzt sehr lange führen könnte, gibt es aber ein ganz anderes Problem welches die Verbots-Anhänger auch gar nicht sehen können, weil sie die Tragweite des Mediums nicht verstehen. Die sind nicht im digitalen Zeitalter angekommen und merken nicht, daß ein “Verkaufs- und Herstellungs-Verbot” vollkommen wirkungslos (und schlimmstenfalls sogar noch anfeuernd) ist.

Was war die Empörung groß, als im Olympischen Pressezentrum in Peking nicht jede beliebige Internet-Seite aufgerufen werden konnte. Und prompt gab es die Anleitungen, wie man sich mit Tor-Proxys und VPN-Tunnels trotzdem sein Recht auf Informations-Freiheit beschaffen konnte.

Großhirn an Politiker: Genau mit den gleichen Tricks holen sich die Kids, die eh technisch zehnmal fixer sind als ihr, genau die Inhalte, die Ihr verbieten wollt.

Und selbst wenn ihr die Schotten im Internet irgendwie völlig dicht macht: Es sind hunderttausende Counter Strikes auf deutschen Festplatten und in deutschen Jugendzimmern. Außer die Länder schicken jetzt ihre Polizei von Tür zu Tür, PC-Kontrollen machen, kriegt ihr mit einem Verbot von Counter Strike und Co nicht eine einzige Kopie aus deutschen Kinderzimmern. Im Gegenteil: Die “Beschaffungskriminalität” auf dem Schulhof, wo man sich gegenseitig die guten selbstgebrannten CDs hin und her reicht, wird dafür sorgen, daß eher mehr als weniger Kids mit dem Zeug in Berührung kommen.

Der Geist ist aus der Flasche und ihr kriegt ihn nicht mehr rein. Wenn ihr die Jugend “verbessern” wollt, müsst ihr nicht verbieten – sondern bieten. Bessere Bildungsangebote, mehr Freizeitangebote und deutlich mehr Unterstützung für Eltern.

Und jetzt zurück zu Stuttgart. Hey, nicht mal die Spielverbieter-Vorreiter von der CSU haben es in Erwägung gezogen, die Intel Friday Game Night in München letzten Freitag zu verbieten (vielleicht, weil Intel sein Hauptquartier im Osten von München hat). Aber mal ein heißer Tip: Auf Eurem Frühlingsfest vom 11. April gibt es laut aktueller Ausstellerliste: 2x Fotoschießen, 2x Korkenschießen, 3x Pfeilwerfen, 1x Pistolenschießen und 7x Röhrchenschießen. 15 Schießbuden also und ich erwarte jetzt bitte morgen eine Mitteilung des Bürgermeisters, daß auch diese 15 Schießbuden dieses Jahr nicht teilnehmen dürfen – alleine schon wegen Ostern und seiner christlichen Bedeutung. Und dann könnt ihr meinetwegen auch die ESL aus eurer Stadt jagen. Über den Olympia-Stützpunkt für Sportschützen in Pforzheim reden wir dann später.

Verbietet weitgehend Waffen, verbietet Tatort, CSI und Cobra 11 im deutschen Fernsehen und Torture-Porn im Kino und auf DVD, schränkt die Pressefreiheit bei Gefahr von Nachahmungstaten ein, sperrt das Internet in Deutschland radikal ab und dann kommt noch mal wieder und verschärft dann den härtesten Jugendschutz bei Spielen in Europa nochmal weiter. Vorher lohnt es sich nicht.

Achja, über Alkohol hatten wir heute auch noch nicht geredet…

120 Antworten für “Reamokläufe”

  1. Jürgen sagt:

    Dein Artikel spricht mir aus der Seele. Traurig aber wahr.

    Das was Print- und Fernsehjouranlisten fahrlässig und völlig verantwotungslos ständig an Blaupausen für potentielle Nachahmer bieten, finde ich auch extrem bedenklich.
    Für so manchen labilen Außenseiter ist es vielleicht DIE Erfüllung, zu wissen, dass nach seinem Abgang sein Foto und Name auf den Titelblättern prangt und ihn unsterblich macht – zumindest bis der nächste Amoklauf passiert und die Medien einen neuen “Star” haben, der sich mit den Vorgängern sehr verbunden gefühlt hat – Spiegel und Co. machen’ s möglich.

    Allein die riesige Zahl an Trittbrettfahrern die sich mit dem Täter identifizieren und “solidarisieren”, und die sich in den ersten Tagen nach der Tat gemeldet haben, sollte einem als Pressemensch zu denken geben.

  2. Nurd sagt:

    ich habe den amoklauf 2002 hier in erfurt “miterlebt”, kenne auch einige die zu dieser zeit im gutenberggymnasium waren und muss sagen, dass du mir wirklich aus der seele sprichst!
    die diskussion mit den spielen hatte ich neulich auch in der familie und man merkt – genau wie du es beschreibst – dass den älteren generationen einfach jeglicher bezug zu diesem medium fehlt. da wird etwas in den raum gestellt, klingt für die plausibel => schuldfrage geklärt. vor 50 jahren wär das fernsehn als übeltäter durch alle medien gegangen, heut ist’s die spieleindustrie…

    auch meinen ganz großen respekt dafür, dass du dich ständig hinsetzt und solche ellenlangen posts aufsetzt!

  3. cologne360 sagt:

    Bravo Boris !

    1000%ige Zustimmung.

  4. Fudohde sagt:

    Danke! Der Artikel spricht mir aus dem Herzen.

  5. Maynard sagt:

    Hallo Boris!

    Danke für Deinen Beitrag und volle Zustimmung meinerseits. Es ist schon erschreckend, wie blind unsere Politiker sind und immer wieder auf das “falsche Pferd” setzen, anstatt sinnvolle Veränderungen herbeizuführen, wie Du sie schon u.a. in Deinem Text genannt hast.

  6. Jak sagt:

    Du sprichst einem aus der Seele. *thumbs up*

  7. Chris sagt:

    Danke Boris.
    “Jene, die grundlegende Freiheit aufgeben würden, um eine geringe vorübergehende Sicherheit zu erwerben, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.”

    • Kai B. sagt:

      Benjamin Franklin?

      • Chris sagt:

        Aufgabe gelöst. Hier noch ein Zitat vom viel zu früh verstorbenen Wau Holland:
        “Wir müssen die Rechte der Andersdenkenden selbst dann beachten, wenn sie Idioten oder schädlich sind. Wir müssen aufpassen. Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit — Keine Zensur!”

  8. slider sagt:

    Vor jeder der besagten Veranstaltungen finden auch sog. “Eltern LANs” statt, da können Eltern und Lehrer sich tatsächlich mal mit dem auseinandersetzen was ihre Kinder da so spielen. Es hätte mit Sicherheit nen wesentlich überlegteren Eindruck gemacht wenn der Herr Bürgermeister dort mal dran teilgenommen hätte statt die Verbotskeule rauszuholen… http://www.bpb.de/veranstaltungen/5OSRWT

  9. firaXY sagt:

    Sehr guter Artikel, ich hoffe er wird von einigen gelesen. Gerade der Aspekt mit den illegalen Beschaffungsmethoden wird so naiv behandelt, es tut beinahe weh. Mein Gott was haben wir im alter von 14 Jahren schon alles gekonnt, von IRC über FXP Gruppen, ich war überall dabei. Mitlerweile bin ich “zu alt” für diese Spässchen, aber es ist heutzutage ja 10x einfacher an Software zu kommen als damals, als das Ganze noch eine Script-kiddie Niesche war. Politiker und Presse sollten sich wirklich mal um technisch visierte Berater kümmern, bevor sie solch Sinnlosen und Kontraproduktiven Schmarrn fordern. Die, die wollen, bekommen ihre Gewaltspiele – Verbot oder nicht. Traditionelle Gesetzes und Strafmethoden funktionieren in einer digital vernetzten Welt schlicht nicht mehr. Ob man will oder nicht, so ist es einfach.

  10. DS_Nadine sagt:

    Sehr schöner Post.

    Die Killerspiel Debatte regt mich gar nicht auf, aber die von Dir angesprochene Tatsache dass die exzessive Berichterstattung Trittbrettfahrer motivieren könnte.

    Übirgens interessant war ein Statement eines Herren des BIU in Deutschlands beliebtesten Boulevardblatt. Das Interview muss erfunden gewesen sein so viele Fehler und Wahrheitsverzerrungen wie dort in einem Satz auftraten.

  11. Mutsch sagt:

    100% Zustimmung, Danke

  12. Bonuspunkt sagt:

    Kann mich gut noch an die Dialoge in der Schule erinnern:
    “Hey das Spiel ist verboten!”
    “Wirklich? Schieb mal rüber”
    Also kann die Indizierung wohl nur als “Qualitätsmerkmal” zur Selektion der Videospiele angesehen werden.

    das mit dem IFNG ist nur lächerlich *kopfschüttel*

    unter dem strich muss ich allerdings sagen, ich bin richtig froh das ich nicht in DE lebe ^^

  13. wlanboy sagt:

    Da kann man Dir nur Recht geben. Über “gewaltverherrlichende Berichterstattung” kann natürlich der Berichtende nicht eingehen, wer teert und federt sich denn schon gerne selbst.
    Da stehen dann wirtschaftliche Interessen gerne über denen der Moral.
    Bei Spiegel denke ich mittlerweile, dass es es mit Absicht machen. Sie wissen, dass “Killerspiele” hohe Kommentardichte und Pageviews erzeugt. Andererseits stimmt es mich sehr nachdenklich, wie wenig Journalisten wirklich wissen.
    Wenn man den Gedanken nun ausweitet kann es einem schlecht werden. In jedem Bereich, in dem ich mich wirklich auskenne knalle ich mir die Hand an die Stirn über die Unfähigkeit von Journalisten, die einfach etwas nachplappern von dem sie überhaupt keine eigene Meinung oder gar Wissen besitzen. Das wird dann bei den Themen, bei denen ich mich nicht auskenne und deswegen auf journalistische Arbeit angewiesen bin … wohl nicht anders sein.

  14. Commander sagt:

    Du trifft den Nagel auf dem Kopf!

    Kann dir nur zustimmen!

    grtz

  15. hoetz sagt:

    Ich hatte schon darauf gewartet, dass dir der Kragen platzt – mir geht es nicht anders. Zu Beginn war ich sogar überrascht, dass die “Killerspiele” nicht auf Platz 1 der Schuldigen-Liste waren, da hatte man sich doch eher auf Schützenvereine und Waffen daheim konzentriert, aber dann musste es natürlich wieder kommen. Ich stimme deinem Beitrag in allen Punkten zu. Besonders die Berichterstattung hat mich dieses mal sehr wütend gemacht: Fast schon mit amerikanischer “Geilheit” wird da auf einer Google Map der rote Weg der Vernichtung eingezeichnet (komplett mit Waffen- und Explosionssymbolen) – spätestens jetzt haben ein paar andere Psychopathen sicher Lust bekommen. Von der Verarbeitung die nächsten Tage und Wochen rede ich noch gar nicht.

  16. krizzz sagt:

    Danke! Mehr kann ich dazu nicht sagen. Bleibt die Befürchtung das deine Worte leider nie die “richtigen” Ohren/Augen finden werden.

  17. Morn sagt:

    Auf den Punkt gebracht! Du sprichst mir aus der Seele. Das hat gut getan, Danke!

  18. DocDVD sagt:

    Guter Post, kann man nur voll zustimmen.

    Das einzige was mich richtig aggressiv macht sind nicht Computerspiele oder Medien, sondern der geistige Dünnpfiff denn ich mit tagein, tagaus von userer regierenden Kaste anhören muss.

    Lieber versenken wir Milliarden in irgendwelche maroden Banken und kürzen dafür Jugendarbeit, Ausbildungsmöglichkeiten und sparen an Schulen. Wenn dann einer hohl dreht waren es natürlich die Spiele…

    Da helfen dann nur Verbote und mehr Überwachung der Bürger – langsam frag ich mich (grade bei letzterem) ob irgendeiner von denen überhaupt mal das Grundgesetz gelesen hat…

    Ich hoffe nur alle Gamer denken bei der nächsten Wahl daran – dann merken die [@*#!] vielleicht mal, dass Games inzwischen auch Bestandteil der Generation Ü40 geworden sind.

  19. DerBonk sagt:

    Gut gebrüllt, Herr Schneider-Johne! Ich war anfangs fast schon überrascht von der vernünftigen Berichterstattung zum Thema Computerspiele (sogar die Bild (!!!!) hatte einen vernünftigen Artikel (online), sogar mit Zitat von whattheyplay.com!), aber das hat sich dann ja ziemlich schnell verabschiedet. Sogar die Moderatoren von öffentlich-rechtlichen Programmen fordern dann plötzlich in einer Talk-Show unverholen offene Zensur des Netzes “In China geht das doch auch!” Da kann man doch nur sagen: http://dafuer-zahl-ich-nicht.de/

    Abgesehen von der Problematik, dass Kinder und Jugendliche spiele mit rotem USK Siegel so oder so nicht spielen dürften (was immer wieder in der Diskussion unter den Tisch gekehrt wird), bin ich immer wieder erschüttert, das kaum jemand aufsteht und sich für die Rechte der erwachsenen Spieler stark macht. Wenn plötzlich keine Tarantino-Filme mehr gezeigt werden dürfen, würde ein Aufschrei um “Freiheit der Kunst” usw. umher gehen, aber GTA ist halt keine Kunst für diese Menschen, sondern ein Mordsimulator. Der einzige CDU-Politiker, bei dem ich da eine vernünftige Einstellung gesehen habe, war Herr Laschet aus NRW. Sehr intelligent, vernünftig und vor allem gelassen und nicht voller Panik wie ein aufgeschrecktes Huhn nach Verboten schreiend. Vielleicht sollte die deutsche Industrie noch mehr nach NRW ziehen. Unsere Messe ist ja schon dort.

  20. TeXHeX sagt:

    Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man glatt darüber lachen: Alle reiten auf “Killerspiele” rum, dabei darf es die von Gesetzwegen her gar nicht geben! So ganz habe ich das nie verstanden, aber der Hinweis von dir das die Politiker alle Gamer einfach nicht verstehen (oder verstehen wollen) klingt nach der wahrscheinlichsten Erklärung.

    Und das gerne angeführte Argument, man könnte sich mit “Killerspielen” auf eine solche Tat vorbereiten haben etliche Interviews mit Leuten die, zumindest teilweise, auf das Töten trainiert werden widerlegt. Ein aktuelles Interview gibt es z.B. hier: http://www.gamepro.de/specials/amoklauf_in_winnenden_drill_durch_ego_shooter/1960333/amoklauf_in_winnenden_drill_durch_ego_shooter.html

  21. h00l sagt:

    Wow! Super Text!

  22. erik.lembke sagt:

    Ich denke Du sprichst mal wieder Abertausenden aus der Seele… vielen Dank für diese offenen Worte! Ich konnte nach dem Lesen wieder richtig durchatmen, denn es ist mehr als auf den Punkt gebracht.

  23. Cedric sagt:

    Gut gebrüllt Löwe. Dem ist wirklich nichts mehr hinzuzufügen. Danke für den Beitrag.

  24. spanksen sagt:

    Danke Boris, treffender kann man es nicht schreiben!

  25. Arminator sagt:

    Weise Worte gelassen ausgesprochen.

    Hatte erst am letzten Wochenende auf einer Fahrt von der Pfalz zur Nordsee und wieder zurück immer noch insgesamt fast 12 Stunden Non-Stop Berichterstattung im Autoradio (über 4 verschiedene Sender) über den Amoklauf.
    Soviel geballte Ahnungslosigkeit auf einen Haufen habe ich selten gehört.

    Auch mit der Vermutung, dass die Medienberichterstattung Leute zu solchen Taten verleiten könnte, ist was wahres dran.
    Nach den Amokläufen in den USA auf der “Virginia Tech” gab es im Internet makabre Ranglisten, dass Cho mit 32 getöteten Studenten jetzt auf “Platz 1″ sei, und wer wohl als nächstes den Rekord bricht.

    Ich Zitiere aus dem offenen Brief: “Auf nahezu jeder Titelseite finden wir Namen und Bild des Attentäters. Diese werden Einzug finden in unzählige Chatrooms und Internet-Foren. Eine Heroisierung des Täters ist die Folge.”

    Und das ist eben das Problem.

    Die Kinder haben in der Schule Frust hoch 3. Sie kommen mit dem Lehrstoff nicht zurecht und fühlen sich “dumm”, oder werden von dem Lehrer als Nichtskönner abgetan/ignoriert.
    Sie werden von Schulkameraden gehänselt und verspottet, oder ignoriert.
    Im Elternhaus wird das Kind zu “mehr Lernen” gezwungen, weil es schlechte Noten heim bringt oder eben auch ignoriert.

    Das Kind sieht jetzt in seinem Frust, dass ein Schüler der Mittelpunkt des Medieninteresses ist.

    Jeder Mensch hat ein gewisses Geltungsbewußtsein und will “gesehen” werden (siehe der Erfolg von persönlichen Profilen wie Facebook, MySpace etc. wo jeder endlich einfach sagen kann “Sieh her, Welt, das bin ich.”

    Das Kind wird die Nachrichten sehen und denken “Der Junge, hat dieselben Probleme wie ich. Schüler hänseln ihn. Der hats denen mit seinem Amoklauf so richtig gezeigt! So mach ich das auch! Dann bin ich endlich wer.”

    Und schon haben wir den nächsten Trittbrettfahrer oder (wenn er genauso einfachen Zugang zu Waffen hat) Amokläufer.

    Dass bei solchen Kids Counterstrike und co. auf dem Rechner zu finden sind, hat unter anderem auch folgenden Grund:
    Im realen Leben werden sie von (verbal) schlagfertigeren Rüpeln gehänselt, verspottet und herabgesetzt.

    In Counterstrike braucht man keine gewitzte Konter-Antwort.
    Man schießt, und gewinnt.

    Man hat eine sehr einfache Art, über seine Gegner zu Dominieren. Der Rechner schluckt seinen Verlust ohne Murren oder Gegenwehr. Man muss nicht schlagfertig sein, um sich “besser” als der andere zu fühlen.

    Unter anderem sind deshalb diese Spiele bei Schülern beliebt (und natürlich weil geballert wird).

    Aber eben auch, weil selbst der “sozial inkompetente Außenseiter aus der Schule” endlich jemand anderen übelst demütigen kann (Halo 3 Teabagging vielleicht?), ohne dass er Gefahr laufen muss, von seinem Gegner danach in die Toilette gesperrt zu werden.

    Daher finde ich diese Passage, das Beste in Deinem Artikel:
    “Wenn ihr die Jugend “verbessern” wollt, müsst ihr nicht verbieten – sondern bieten. Bessere Bildungsangebote, mehr Freizeitangebote und deutlich mehr Unterstützung für Eltern.”

    In diesen Freizeitangeboten sollten Kids (auch gerade die, die sich gegenseitig Mobben unter Aufsicht) mal mit irgendeinem Teamprojekt oder Teamsport beschäftigen.

    Vielleicht kommt dann mal raus “Oha, der Trottel, den ich letztens in den Schrank gestopft hat, weiß/kann X besser als ich. Wußte ich garnicht. Der ist garnicht mal so doof.”

  26. gonknoggin sagt:

    Dem ist eigentlich nix hinzuzufügen und dein Post spiegelt meine Meinung ziemlich genau wider. Ich bin wahrlich nicht dafür der Presse vorzuschreiben, was und wie sie über Ereignisse berichten sollen. Ein bisschen mehr Feingefühl und Ethos kann man gerade von etablierten (und von mir bislang recht geschätzten Medien wie Spiegel Online) eigentlich schon verlangen. Gerade SpOn hat bei mir einige Kundos in den vergangenen Wochen verloren.

    Selbstverständlich wollen alle Auflage machen, aber so billig über ein aktuell populistisches Thema herzuziehen ist wohl ziemlich einfallslos – zumal zwei Artikel weiter, im Medienresort, oftmals GTA und Co. gelobt und gepreist werden. Beispiel BILD Online: grosse “Killerspiel”-Kampagne aber dann wird quasi auf der gleichen Seite für den Kauf-Download von GTA IV geworben! Häh??!

    Zum Thema, dass viele Politiker doch eine sehr populistische Herangehensweise zum Thema haben will ich gar nicht erst kommen. Das ständige in einen Topf werfen von Korrelation und Kausalität geht mir schon seit Beginn dieser Debatte ziemlich auf den Senkel.

    Mein Verhältnis/ meine Meinung zum BIU ist immer noch schwierig, auch wenn ich das Gefühl habe, dass sie die Situation diesmal ein wenig besser im Griff haben. Ideal finde ich deren Arbeit aber noch lange nicht – soweit ich das als interessierter Aussenstehender beurteilen kann.

  27. Jongie sagt:

    Dem kann man sich als Spieler nur anschließen!

    Ich bin ja kein notorischer Jugendschutzverweigerer, eher im Gegenteil. Ich bin für vernünftige Einstufungen. Einige Spiele (Prozentual gerade mal 6,6 % ohne Jugendfreigabe bzw. ohne Rating im Jahr 2008!!) gehören einfach nicht in die Hände von Jugendlichen.

    Wenn in einem Artikel von ‘Der Welt’ bei CounterStrike von gewaltverherrlichenden Inhalten die Rede ist, kann einem echt der Kragen platzen. Denn wer sich etwas mit der Materie außeinandersetzt wird feststellen, dass Medien mit gewaltverherrlichenden Inhalten mindestens auf den Index A gesetzt werden. Einiges sogar auf Liste B.

    CounterStrike hat ne 16er Freigabe und hat dem zufolge zwar gewisse Gewaltdarstellungen, aber gewaltverherrlichend ist es deswegen noch lange nicht. Da wären Titel wie Manhunt oder Shellshock eher zu nennen als ein Counterstrike.

    Auf der anderen Seite fragt man sich warum jetzt nach Sieben Jahren immer noch CounterStrike als Buh-Spiel herhalten muß. Einfach mal in den alten Artikeln gewälzt und aufgewärmt? Oder doch nur aus dem Grund, weil der Titel in der Öffentlichkeit sofort mit Amoklauf assoziiert wird? Ich find die Masche der Journalisten jedenfalls sehr fragwürdig und wäre dafür, das man den Journalisten ihren Pressekodex mal wieder etwas ans Herz legt! :)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Pressekodex

  28. paxi sagt:

    Endlich mal jemand der 100% die wahrheit trifft. *thumbs up*!!!

  29. florian sagt:

    Danke Boris für diesen bemerkenswerten Artikel! Als Vater der als 14-jähriger Doom gezockt hat, kenne ich wirklich beide Seiten. Zu meiner Zeit waren es halt eher Heavy-Metal und Comics, die als Jugendverderber Nummer Uno galten. Wenn ich etwas mit Bestimmtheit sagen kann, dann ist es Folgendes: Nichts beeinflusst Jugendliche mehr als die eigene Familie und das soziale Umfeld und die Perspektiven, die man als Jugendlicher hat. Zu Schade nur, dass du bei Microsoft arbeitest und kein deutscher Politiker bist :D Intelligente Leute findet man wohl heute eher in der Privatwirtschaft.

  30. DerVMANN sagt:

    Lieber Boris,

    wie sehr häufig, kann ich auch hier nur 100%ig meine Unterschrift drunter setzen!

    Brilliant geschrieben!

  31. bwalde sagt:

    Wie kann man Deinen Artikel einem breiteren Publikum zugänglich machen? Er hätte es verdient.

  32. Huggybaer sagt:

    Muss sagen ich bin wirklich positiv überrascht ;D
    Das ist das intelligenteste was ich in letzter Zeit gehört habe!
    Ich finde deinen Blog zu lesen wesentlich angenehmer als den Kugelblitz Kanal zu gucken.

  33. randomguy sagt:

    Ein schöner, ergänzender Wortbeitrag des Kollegen George Zaal zum Thema “Die Killerspiele sind schuld” findet sich hier: http://zaaltag.blogspot.com/2009/03/die-killerspiele-sind-schuld.html

    Auf dem Intel Friday Night Game in Stuttgart war auch eine große “Eltern-LAN” geplant, ein gemeinsames Projekt von Turtle und der Bundeszentrale für politische Bildung:

    “Die Eltern-LAN ist eine Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, Eltern und pädagogisch Tätige bei der Auseinandersetzung mit dem Hobby “Computerspielen” ihrer Kinder und Schüler zu unterstützen. Die Teilnehmenden erhalten eine medienpädagogische Einführung zu Computerspielen, bauen Berührungsängste mit dem Medium Computer ab und probieren selber unter pädagogischer Anleitung Computerspiele aus. Im Anschluss wird die Möglichkeit geboten, die gewonnenen Eindrücke zu diskutieren und einen Spieltag der Electronic Sports League (ESL) hautnah mitzuerleben.”

    Was eine Chance zum Dialog hätte werden können, wurde im Keim erstickt. Dies zeigt allerdings auch, dass die Zeit des Dialogs von Seiten der Politik noch nicht gekommen ist, sondern noch immer der blinde Populismus herrscht, mit dem man weder Opfern noch Angehörigen gerecht wird. Aber darauf kommt es scheinbar auch nicht an.

  34. Bash sagt:

    Eine Freundin hat mir vorgestern erzählt, dass ihr Sohn Angst durch die Nachrichten im Fernsehen bekommen hat. Da würde jemand herumlaufen und Kinder erschießen. Einhellige Meinung: das Schlimmste im Fernsehen sind im Moment die Nachrichten. Anschließende Frage: können diese Spiele der Grund sein, warum ein Kind Amok läuft?

    Ich hab ihr gesagt sie soll das tun, was alle Eltern tun sollten: interessiert Euch für das, was Eure Kinder interessiert. Nervt sie einfach, indem ihr Euch hinter sie setzt und fragt, was das Spiel, was da gespielt wird, interessant macht. Fragt sie nach ihrem Tag, fragt sie was sie bewegt, erklärt ihnen Liebe, Sex und Tod und seid einfach für sie da.

    Verbote können dann immer noch hinterher kommen – wenn man weiß, dass Mama und Papa immer für einen da sind und sie sich Sorgen machen, dann versteht man auch Verbote.

  35. Darknesss77 sagt:

    Eigentlich gibt es zu dem Thema nicht mehr zu sagen, als du sowieso schon gesagt hast. Allerdings finde ich es “belustigend”, dass angeblich nur “gemobte” Schüler irgendwelche “Killerspiele” spielen. Ich bin inzwischen 31 Jahre alt und Vater einer 5 Jährigen Tochter außerdem bei Vater Staat beschäftigt ;) und trotzdem spiele ich zwischen Games wie Rockband, Fable 2 und Fallout auch mal gerne Sachen wie den Shooter von Epic, den Vorgänger von Army of Two 2 und ähnlichem! Ich traue mich ja bald nciht mehr irgendjemandem meine Spielesammlung zu zeigen, einfach zuviele rote “Ab 18″ Symbole drauf. (Von der Nachträglichen Indizierung einiger Titel ganz zu schweigen!)

    Soll heissen, viele Menschen spielen Games “ab 18″ ohne irgendwie “verwirrt, alleine oder sozial isoliert” zu sein!

  36. Silber sagt:

    Boris for Bundeskanzler – Danke für diesen Artikel auch wenn ihn wohl eh nur diejenigen lesen, welche genau wissen was du meinst…

    • Auf den Job hab ich garantiert keine Lust. Wie man dieser Tage wieder sieht, darf auch die Bundeskanzlerin nicht einfach so wie sie will. Da fällt einem auch gerne mal die eigene Partei in den Rücken.

  37. Brommel sagt:

    Sagen wir doch schon die ganze Zeit. Die Medien sollten sich als alle erste an der eigenen Nase packen. Wie sagt man so schön, wenn man mit dem Finger auf andere zeigt, zeigen mindestens drei auf einen selbst. In sofern … Agreed

  38. Suraiel sagt:

    Du sprichst sehr vielen aus dem Herzen. Muss zugeben das mich dieser wirklich intelligent geschriebene Blog dazu gebracht hat, mich hier anzumelden ! BRAVO !

  39. ChiefJudy sagt:

    Womit alled gesagt waere…!:)

  40. wut sagt:

    Genau so ist es, aber ändern wird sich null.

  41. sonnendeck sagt:

    Die Frage ist doch was macht uns ähnlich mit den USA oder Finnland und was läuft in der Familien Politik in Spanien, Griechenland oder anderen Staaten besser das deren Kinder nicht auf sowas kommen ? Wir sollten uns vergleichen und nicht verbieten, sonst haben wir den nächsten Amoklauf bald wieder.

  42. Dooode sagt:

    Vielen Dank, Boris, dass du erneut das Wort für viele Geplagte hier ergreifst. Ich kann dem von dir Gesagten nur 100%ig zustimmen.

  43. Korbet sagt:

    Interessant finde ich, dass die Waffenmesse in Sindelfingen, die kurz nach den tragischen Geschehnissen von Winnenden, stattfand. Zwar wollte Sindelfingen dagegen vorgehen, die Veranstalter jedoch ließ das Verbot über das Verwaltungsgericht aufheben. Link: http://www.abendblatt.de/daten/2009/03/13/1084548.html

    Ansonsten wieder einmal ein sauber geschriebener und mit guten Argumenten belegter Post. Vor allem der “Schießbuden”-Absatz gefällt mir gut. Muss ich noch erwähnen, dass in vielen Gemeinden das alljährliche Ostereier-Schießen stattfindet? ;(

  44. meatknife sagt:

    wenn ein vater 15 waffen und 5000 schuss munition zu hause hat und seinem sohn gestattet sich selber auch lauter waffen an die wand zu hängen, muss man dann noch weitere ursachen erforschen? welche gespräche wurden in dieser familie beim mittagessen geführt?

    der täter war 17 und counterstrike ist ab 16 freigegeben. er hat es also ganz normal besitzen dürfen.

    es ist erschreckend wie einfach die öffentliche meinung zu beeinflussen ist. so wie ich gehört habe, hat kaufhof ab sofort aufgehört videos und spiele mit usk 18 zu verkaufen…

    gerade durch solche aktionen werden die betreffenden spiele doch erst für jugendliche interessant. ich vermute sogar,dass ohne die amok-berichterstattung CS ausserhalb der esport szene heute kaum noch eine rolle spielen würde.

    da kann sich valve nur für die werbung bedanken

    • Chris sagt:

      Auch hier wäre ich vorsichtig. Vermutlich gibt es viele Jugendliche, die es mit der Liebe zu Waffen übertreiben. Viele Punkte, die auf diese Amokläufer zutreffen, passen zu so vielen Personen. Dennoch sind derartige Taten glücklicherweise immer noch Einzelfälle.

  45. Jaymz4103 sagt:

    Toller Post – 100% meine Meinung.

    Stell Dir vor es ist Amoklauf, und niemand geht hin
    niemand dichtet sich Gründe oder fragt nach dem Sinn.
    Stell Dir vor es ist Amoklauf und niemand läuft mit,
    (v)erklärt Täter, verfolgt Opfer auf Schritt und Tritt.
    Stell Dir vor es ist Amoklauf und niemand sieht zu,
    delektiert sich am Leid ohne Rast ohne Ruh.
    Stell Dir vor es ist Amoklauf und niemand war da,
    allein die Tat bleibt – unfassbar – wie sie’s immer schon war.

  46. Destynova sagt:

    Wäre schön, das an entsprechender Stelle als Leserbrief zu lesen. http://www.stuttgarter-zeitung.de

  47. Flat Eric sagt:

    @ Boris: Ich schreibe nun wirklich wenig in diesem Blog und bin eher der “stille Leser” im Hintergrund, aber für diesen Beitrag muss man dir einfach danken! Interessant ist zudem: Counter-strike ist ab 16 – und gilt weiterhin als DAS Killerspiel überhaupt! Das hat der Täter gespielt. FarCry 2 wurde auch genannt. Das beide illegal auf seinem Rechner gelandet sind, sagt keiner der Medienberichterstatter.

    Ich möchte nicht mehr weiter auf diese leidige Geschichte eingehen, schließlich gibt es in meinem Bekanntenkreis genug Betroffene aus dem Umkreis von Winnenden. Aber die Medien mit ihrer unglaublichen Arroganz, die für das “informationswohl unserer mündigen Bürgerinnen und Bürger” kämpfen, profitieren von jedem weiteren Amoklauf: Durch verkaufte Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehsendungen und “Berichterstatuttungen”, die auf alle möglichen “Gründe” einer solch furchtbaren Tat abzielen – sich selbst reflektiert man jedoch nie und es ist eine Schande, wie hilflos die Politik dem Druck der Medien immer wieder ausgesetzt ist. Ich bin ja mal gespannt, wann endlich begriffen wird, dass Bildung, Unterstützung und den Umgang MIT den Medienangeboten vieles besser machen kann, als immer nur die leidige Verbotstaste zu drücken.

  48. X30 beo sagt:

    Vielen Dank für diese Worte.

  49. reQu1Em sagt:

    Genialer Beitrag!
    Danke echt, du sprichst auch mir aus dem Herzen. Schluss mit der oberflächlichen Diskriminierung, wehren wir uns!
    Lasst uns ein Medium verteidigen welches vielen von uns schon viele schöne Stunden bescheert hat!

    Für alle Facebookuser:
    http://www.facebook.com/home.php#/group.php?gid=59127564626&ref=nf

    DANKE Boris!

  50. Sebastian089 sagt:

    Könntest Du diesen Standpunkt bitte etwas genauer erörtern?
    Generell teile ich Deine Meinung, mich würden allerdings die Argumente interessieren. Danke

  51. GerSeraphim sagt:

    Du hast es so ziemlich auf den Punkt gebracht, Boris.

    Es wäre viel zu einfach alles auf die Spiele zu schieben, aber was macht man nicht alles um sich selbst einer eventuellen Mitschuld zu entziehen, siehe Medien.
    Die meisten Politiker machen es sich dann auch zu einfach, oder sind zu naiv zu begreifen, daß ein Verbot von solchen Spielen zu nix führt. Was wenn dann der nächste Amok läuft? Dann hat man ja gar keinen “Schuldigen” mehr, der ihn so weit getrieben hat.
    Alles verbieten bringt nichts, Aufklärung im Umgang mit neuen Medien, das wäre der richtige Weg: Aber leider auch der schwerere…

    PS: Respekt dafür, das du dir hier immer soviel mühe machst und Privat für Null und Kirschen schreibst.

  52. Dirk sagt:

    Full ACK. Sehr schön auf den Punkt gebracht.

  53. Belgo Ray sagt:

    Starker Post, Boris. Das müssten jetzt nur auch noch “die Richtigen” lesen…

    Bzgl IFNG Stuttgart hier eine erste Stellungnahme von Turtle: http://www.esl.eu/de/pro-series/news/82275/Kein-Intel-Friday-Night-Game-in-Stuttgart/

  54. Kn0kkelmann sagt:

    Danke! Danke für diesen erstklassigen Beitrag!
    Es haben hier zwar schon viele geschrieben, aber auch von meiner Seite aus kann ich nur schreiben: 101%ige Zustimmung! Dich sollten die Pappnasen mal zu einer gemütlichen Plauschrunde einladen… Wenn es mal soweit kommen sollte, dann lass es uns bitte wissen. ;)

  55. dermax sagt:

    Yo, auch von mir: starker beitrag!

    Ich fang denn mal mit dem Alkohol an: Jährlich 10.000 Tote durch Alkohol am Steuer… aber wieso denn Alkohol verbieten… bei 16 Toten durch verdächtige Killerspiele aber gleich raus mit der Keule… das ist derartig absurd!

    Und ich weiß, daß man eigentlich das Aufrechnen von Opferzahlen lassen sollte, weil schon einer zuviel ist.

  56. Ruesselfisch sagt:

    Der Artikel ist nicht nur absolut korrekt und nötig, er ist vor allem wohl auch sinnlos. Es mag pessimistisch sein, aber die Diskussion um die Killerspiele (man verzeihe mir die Nutzung dieses Ausdrucks) ist wieder einmal angestossen und rollt solange weiter, wie Journalisten und Politiker sie immer von neuem anschubsen.
    Politiker mögen zwar keine Ahnung von neuen Technologien und Medien haben, aber man darf nicht vergessen, daß ein Großteil ihrer Wähler in der Hinsicht nicht besser da steht. Solange also die Mehrheit der Leute glaubt, was ein Politiker aus Unwissenheit oder absichtlich über Videospiele erzählt, wird der sich nicht zurückhalten. Daß wir schon mächtige Jugendschutzgesetze haben, ist dabei doch uninteressant. Mit lautem Ruf nach Verboten kann man sich besser als Macher präsentieren. Auch wenn das an der Verbreitung der Spiele nicht viel ändern wird. Und wenn beim nächsten Amoklauf wieder Killerspiele gefunden werden, dann wurde diese dann illegale Ware ja auch illegal nach Deutschland gebracht und folglich muß man die Bürger stärker kontrollieren, ist doch klar.

    Machen wir uns nichts vor. In einer Debatte zurückzurudern ist etwas, was kein Politiker gerne tut. Erst recht nicht bei einem möglichen Verbot einer Sache, die einen selbst nicht die Bohne interessiert.

    Da helfen Artikel wie Deiner leider nur wenig weiter. Jedenfalls solange sie nur von uns gelesen werden und der Spiegel weiterhin wie am Wochenende berichtet. Übrigens darf man anmerken, daß einige der Print- und TV-Magazine, die nun zur Jagd auf Killerspiele blasen, noch vor einem Jahr GTA4 als Meilenstein interaktiver Unterhaltung gelobt haben. Oder, daß der Spiegel kurz nach seiner Berichterstattung über Killerspiele im Artikel über das neue iPhone-OS als Softwarehighlight einen Egoshooter präsentiert. Aber das ist ja egal, Hauptsache man war dabei, als die Sau durchs Dorf getrieben wurde.

  57. HomerNarr sagt:

    Ich frage mich oft, was in Politikerköpfen so vorgeht, denn Dumm sind die Leute in der Regel nicht.
    Ok es sei denn man zitiert Winston Groom / Forest Gump “Dumm ist wer dummes tut”.

    Das Problem ist nicht Intelligenz, sondern Kompetenz. Aber anstatt sich zu informieren reagieren Politiker nur auf die Leute, die am lautesten schreien.
    Und wenn man ein falsches Argument oft genug wiederholt, dann glauben viele Leute, das dieses Argument doch richtig ist.

    Stuttgarts Reaktion ist für mich eine Sauerei, denn in der ESL würde ich viele kompetente Ansprechpartner erwarten, aber soweit muss man wohl als Bürgermeister von Stuttgart nicht denken.

  58. mtothew sagt:

    Ich kann dir nur zustimmen Boris, du sprichst mir aus der Seele.

  59. ENDGEGNER sagt:

    ….wunderbar geschrieben Boris!!! Ich hoffe wirklich sehr, dass diese Zeilen von den richtigen Menschen gelesen werden!!!

  60. Treon sagt:

    Passend zum Thema ein wenig Medienreflexion:

    http://www.zeit.de/online/2009/12/winnenden-medien-kritik

    Natürlich geht die entsprechende Zeitung online (und in print) auch ausführlichst auf alle Details ein. Aber man kann wohl nicht alles haben.

  61. habehandy sagt:

    Ich sehe es schon kommen:
    Zukünftig dürfen Konsolen&PC nur Inhalte bis FSK12 wiedergeben. Erst wenn man sich an einer staatlichen Stelle registriert und ein psychologisches Gutachten vorlegt bekommt man den Freischaltcode für FSK16&FSK18.

  62. Souljumper sagt:

    Die Medien sind letzendlich Dienstleister, der Kunde lechtzt nach Informationen und der Medienvertreter besorgt die Infos. Oder um das Wort meines alten Religionslehrer zu benutzen, der Mensch ist sensationsgeil.
    Auch wenn man dann sagt “schlimm sowas”, die Bilder vom Resultat will man trotzdem sehen und nahezu jede noch so bedeutungslose Information drumherum inhalieren. (Man sehe sich die “views” an auf diversen Streamingseiten, besonders “die letzen Augenblicke von Tim K.”[Die ausländische Presse benutzt z.B. den vollen Name])

    Die Medien liefern nur, wofür auch Nachfrage vorhanden ist. Darf man ihnen das wirklich vorwerfen? Das Problem liegt eher auf der Seite des Konsumenten. Entweder man selbst verkauft die Info oder jemand anderes machts, die Nachfrage ist definitiv da!

    Aus Ideenlosigkeit und Handlungszwang heraus Computerspiele zu verbieten und die Regelungen für die Veröffentlichung zu verschärfen sind ja(trauig, aber wahr) erprobte Praxis bei Amokläufen.

    Das sind sicherlich Erkenntnisse die es schon länger gibt. Wirklich was verändernt haben sie nicht, warum auch, solange es mich konkret nicht betrifft muss ich mich auch nicht damit beschäftigen, oder?

    Es gibt Dinge die ändern sich einfach nicht.

    • Au, da steht ein gefährlicher Satz drinnen: “Die Medien liefern nur, wofür auch Nachfrage vorhanden ist. Darf man ihnen das wirklich vorwerfen?
      Ja, man kann. Denn ersetze das Wort Medien mit “Drogendealer” oder für den aktuellen Fall “Computerspiele-Hersteller”.
      Auch Medien stehen nicht über der Verantwortung, Schaden abzuwenden und/oder Gesetze zu befolgen. Aus einer Pressefreiheit darf man nicht ableiten, daß “alles erlaubt” ist. Rechtlich vielleicht, moralisch-ethisch auf gar keinen Fall.

  63. SKENA sagt:

    Sehr schön geschrieben allerdings hättest du gerne mehr übers Privatfernsehen herziehen können. Die sind nämlich das größte Übel.

    • Naja, das Öffentlich-Rechtliche will da schon gut mitmachen, wie die “Sonderberichterstattung” rund um Winnenden gezeigt hat.

      • SKENA sagt:

        Was du ja auch gut eingefangen hast. Leider Gottes verhalten die Öffentlich-Rechtlichen sich mittlerweile auch schon wie das Privatfernsehen.

    • daniel c w sagt:

      Ich gucke wohl das falsche Privatfernsehen.

      Kannst Du mal ein paar Beispiele liefern.

  64. Duncan_Idaho sagt:

    Guter Artikel Boris. In den letzten Tagen mußte ich mich auch schon ziemlich zusammenreissen, wenn ich so sah, was die Kollegen der schreibenden Zunft so alles ablieferten.

    Am meisten hat mich aufgeregt, das die eigentlich für jeden guten Journalisten selbstverständlichen Grundsätze nicht nur mit Füßen getreten, sondern regelrecht in den Boden getrampelt wurden.

    > Keine Fotos von Opfern und so wenig Berichterstattung über die Betroffenen um sie zu schützen und ihnen zu helfen.

    Genau das Gegenteil war der Fall. Da wurde auch das letzte Detail breit ausgewalzt und jede Info ungeprüft aus dem Netz kopiert, egal ob die Betroffenen das wollten oder nicht.

    > Keine Bilder von Toten oder dem Moment des Todes.

    Zuerst Sky und dann natürlich Bild und noch ein paar andere verantwortungslose Redaktionen, mußten unbedingt zeigen, wie der Amokläufer sich selbst tötet. Hallo?! Gehts noch?? Sowas ist jenseits aller Grenzen und zutiefst verabscheungswürdig. Wenn ich jetzt noch schreibe, was die Redaktionen dafür so bezahlt haben, dürfte so ziemlich jedem hier das Messer in der Hose aufgehen. Solche Summen wären in der Präventation sicher besser aufgehoben. Und wie eiskalt die teilweise sind durfte ein befreundeter Sani am Tatort merken. Da wurde er doch schroff “gebeten” aus dem Bild zu gehen, damit man bessere Photos von dem im Park getöteten Hausmeister machen können. Hätte nur noch gefehlt, dass sie die Abdeckung weggezogen hätten. Aber ich denke dazu wärs sogar noch gekommen, wenn mein Bekannter den Typen nicht verscheucht hätte.

    > Infos müssen gründlicher Recherche standhalten.

    Das sich da selbst gewisse Politiker nicht dranhalten, war ja leider sehr deutlich zu sehen. Und wie schnell eine Hetzjagd auf Leute mit den Initialen T.K. im Netz losgetreten war, war nur noch erschreckend.

    In München konnte man an keinem Zeitungskasten vorbeigehen, ohne das große Kotzen zu bekommen. Was da an Bildern klebte war nur noch wiederlich.

    @Stuttgart
    Es gab dort auch gute Bürgermeister, ich denke da nur an Rommel, unter dem wäre so eine voreilige Handlung nie möglich gewesen, gerade auch weil seine Familie den Tod hautnah erleben durfte, hat er ein viel realistischeres Bild von Ursache und Wirkung.

  65. Du tust mir leid Boris, nicht weil deine Worte nicht eben den gesunden Menschenverstand darstellt, sondern weil genau dieser gar nicht mehr gehört werden will. Du redest an eine Wand, das musste ich als langjährige LAN Party Orga selber erleben. Und vorallem empörend rund um Presse finde ich nach wie vor ihre Interpretationsfreiheit deiner zitierten Worte. Hier sollte es sowas wie Gegendarstellungspflicht im gleichen Umfang geben. Aber zu Spiegel-Online: deren Polemik nach Erfurt hat mir gezeigt, dass die Onlineredaktion (die der Rechtschreibung nach eh zweite Wahl der Redakteure darstellt) näher der Bild als ihrer eigenen Printversion ist.

    • Ich schätze viele Artikel des Spiegel Online (und natürlich SPAM) sehr. Oft genug werden dort komplizierte Zusammenhänge gut dargestellt und gerade die “Netzwelt” zeichnet sich in der Regel auch durch saubere Recherche aus. Manchmal werden aber auch Agentur-Meldungen schnell übernommen.

  66. steffenj sagt:

    Boris, du sprichst mir aus der Seele (wie schon seit Zeiten der PowerPlay, aber das nur am Rande).

    Ich selbst ging in Winnenden zur Schule, genau nebenan im Lessing Gymnasium, direkt über dem Schulhof. Mein Neffe (14) war zu dem Zeitpunkt anwesend. Nur durch schnelles Handeln der Schulleitung, die alle Türen abgeschlossen hat, konnte *noch* schlimmeres verhindert werden. In den Medien hört man davon allerdings nichts, das der Täter nämlich über den Schulhhof rannte und an den Türen meiner alten Schule rüttelte. Nur weil dort kein Eintritt möglich war trat er die Flucht übers PLK an. Merke: was nicht passiert ist, ist (im Verhältnis zur Tat) nicht berichtenswert.

    Und an dem Punkt muss ich kurz korrigieren. Wenn du sagst: “Da hat der Autor oder Redakteur seine private Meinung vor eine objektive Nachricht gestellt.” … ich bin mir nicht sicher ob es nicht vielmehr die Überschrift mit dem größten Aufschrei ist, die gesucht und in “Killerspielen” immer schnell gefunden ist. Die persönliche Meinung eines Redakteurs ist das IMHO weniger gefragt. Was würde denn der Chefredakteur sagen wenn der Redakteur ihm seinen Vorschlag zur Überschrift mit folgendem Wortlaut unterbreiten würde: “Eltern der Opfer verlangen weniger Gewalt in den Medien”?

    “Ja bist du noch ganz bei Sinnen?”

    Nein, nein. Die Frage sollten sich die Herren Redakteure und Politiker wirklich mal selber stellen. Das dumme bei Killerspielen ist, es lässt sich gut “vermarkten”. Die wenigsten kennen sich aus, es betrifft nur eine (vermeintliche) Randgruppe, es lenkt von den eigentlichen Problemen ab, es erzeugt Angst und Hysterie (“oh mein Gott, mein eigener Sohn spielt Konterstreik! Was soll ich tun?”) und das beste: es werden anhaltende Diskussionen (über die natürlich wieder ausgiebig berichtet werden kann) geführt die letztlich keinen weh tun, denn wir reden hier von einem Randprodukt eines Unterhaltungsmarktes an dessen Verfügbarkeit – Verbot hin oder her – sich dank der allgegenwärtigen Piraterie sowieso nichts ändert. Ausserdem vergrämt es keine Wähler. Noch nicht.

    Traurig ist, das im Bezug auf die Tat ganz klar und weit vor allem anderen steht der Zugang zu Waffen und Munition als das aller-allergrößte Problem.

    Das das nicht das allerhöchste Gebot der Stunde ist, ist mehr als traurig. Denn: kein Schuß ohne Waffe!

    Ach, und übrigens … ich bin Spieleentwickler und wurde vor 7 Jahren direkt nach dem Erfurter Amoklauf ins Österreichische Fernsehen gekarrt (Sendung “Vera”) mit der Angabe da würde ganz offen und positiv über Computerspiele berichtet. Was passiert? Da wird man durchgeschleust wie in der Massenabfertigung am Flughafen, bekommt höchst hinterlistige Fragen gestellt und hinterher musste ich feststellen, das die mich als “Entwickler von Doom” untertitelt hatten. Ich bin bis heute noch nicht drüber hinweg! Ich hab zwar mein Lachen wiedergefunden, aber mein Herz blutet noch immer.

    Also ich glaub die Anmeldung hier war längst überfällig, es sei mir verziehen wenn ich einen linkback setze. Bin nämlich der Meinung wir sollten Bäckern das brotbacken verbieten. ;)

    http://www.gaminghorror.net/archives/575

  67. Heiko_B sagt:

    Sehr schöne Worte, und von mir gibt es dazu nur volle Zustimmung.
    Ich finde leider den Link nicht mehr, aber eine Zeitung hatte kurz nach dem Amoklauf einen Artikel der ungefähr mit folgenden Worten endete:
    “Und eine der wenigen Dinge die den Amokläufer nicht von anderen Jugendlichen oder Erwachsenen unterschied war, das er Videospiele spielte”, und das man keine “Hexenjagd” veranstalten soll.

  68. SkmNet sagt:

    Top Blog Eintrag! Dem ist absolut nichts mehr hinzuzufügen! 3 thumbs up!

  69. Blizado sagt:

    Schöner Artikel, dem kann ich nur zustimmen. Als ich das mit der ESL las konnte ich auch nur noch den Kopf schütteln. Vor dem letzten Amoklauf hatte ich ja noch die Hoffnung, dass sie, wenn es so weiter geht, den richtigen Weg schon noch finden werden, aber nach dem jetzt manche noch mehr am Rad drehen was “Killerspiele” angeht hab ich die Hoffnung so langsam aufgegeben. Vorher müssen wohl wirklich alle Spiele verboten werden, ehe mal die wirklichen Ursachen angegangen werden.

    Auch das mit den Medien ist so eine Sache, die mich schon länger erschreckt. Pressefreiheit hin oder her, aber das kann kein Grund sein, dass ständig die Wahrheit verdreht wird wie es ihnen gerade für ihre Quote passt. Im Grunde sind wird schon längst an einem Punkt angelangt, an dem wir den Medien absolut gar nichts mehr glauben dürfen, weil es unmöglich ist noch erkennen zu können was wahr ist und was nicht. Ich finde der Presse und den Medien muss endlich mal gehörig auf die Finger geklopft werden. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass die Presse und die Medien die Leute sind, die die größte Macht haben, noch vor Banken, großen Firmen und Politikern. Und diese Macht wird ständig für Leserzahlen und Einschaltquoten missbraucht. Wie lange soll das noch so weiter gehen? Wie gefährlich die Presse und Medien sind hat ja eben gerade die ganze Sache um den Amoklauf nur all zu deutlich gezeigt, wie es ja auch sehr schön in dem Artikel hier steht.

  70. 07713 sagt:

    besser haette man es nicht treffen koennen, danke

  71. El Pazerino sagt:

    Und warum hast du nicht längst ne Kolummne bei einer der zahlreichen Publikationen in Deutschland, du könntest viel Gutes tun für das Ansehen unseres Hobbys.

    Der Text ist übrigens großartig, ein gutes Beispiel wie die Sache aussehen kann wenn man nen Plan davon hat worüber man schreibt.

    Danke

    • Eine Kolumne bedeutet, einmal im Monat unter Schreibdruck zu sein und was abliefern zu müssen, auch wenn man gar kein Thema hat. In diesem Monats-Rhythmus habe ich als Redakteur viele Jahre lang gelebt – aber bei als Nebentätigkeit neben einem manchmal doch stressigen Job kann ich das nicht leisten.

      • El Pazerino sagt:

        Natürlich, ich sage das nur weil du halt genau der Richtige dafür wärst, es gibt so viele “gefährliche Halbwisser” da täte ein kompetentses Gegengewicht schon gut.

  72. Evil sagt:

    Boris wie siehst du es denn, dass nun viele größere Handelsketten wie Kaufhof, aber auch Saturn und Media Markt 18er Titel aus dem Sortiment nehmen wollen? Kann man da nicht seitens der Videospielindustrie Druck ausüben um sowas zu verhindern? (Nicht, dass ich meine Games bei Kaufhof kaufen würde…aber Saturn und Media Markt sind da schon ein anderes Kaliber).

    • Ein Einzelhändler ist selbstverständlich völlig frei darin, was er in seinem Geschäft verkaufen möchte. Das ist ein privates Unternehmen, keine mit Steuermitteln und durch Behörden gesteuerte Einrichtung. Die Handelsketten verkaufen ja auch keine Hardcore-Porno-DVDs obwohl das ja auch DVD-Filme sind.
      Und wenn ein Geschäft konsequent alle 18er-Medien, also auch Filme, aus den Regalen räumt, dann ist das gegenüber Spielen ja auch keine diskriminierende Politik.

      • El Pazerino sagt:

        Ausserdem ist es eine Chance für die kleinen Filialen etwas mehr vom Kuchen zu bekommen und weil da auch die Beratung meist besser ist könnte das zu einer besseren Einhaltung des Jugendschutzes führen.

        Was dir Verkäufer der Elektromärkte oft für Mist von sich geben tut ja teilweise fast schon weh.

      • Evil sagt:

        Hierbei handelt es sich aber nur um Spiele. Filme etc. ab 18 sind davon nicht betroffen, wenn ich mich richtig erinnere. (oder liege ich da falsch?)

        • Meines Wissens nach wollte Kaufhof alle 18er Medien entfernen.

          • CED RadBAD BOY sagt:

            “Wollte”? Haben sie ihre NATÜRLICH richtige Meinung doch geändert? Also “wollte” auf jeden Fall, aber ich glaube fast sie wollen es noch immer. Bis Anfang April sollen die Regale leer sein (soweit ich weis)…

            Traurig aber wahr…
            wobei “traurig” in Relation zu sehen ist, da ich mal annehme, dass die meisten eher bei Gamestop oder anderen Spielefachgeschäften einkaufen.
            Aber mir geht es einfach um Prinzip! Die stellen ziemlich übertriebene Behauptungen in den Raum, und unterstützen diese dann mit hirnrissigen Argumenten und Studien, die eigentlich nur das Gegenteil beweisen.
            Es sind vielmehr das soziale Umfeld und der Nachahmungstrieb, den du angesprochen hast, an den Amokläufen “schuld”.
            Und mal nebenbei: In Österreich herrscht bekanntlich PEGI! Dann müsste es ja dort VIEL MEHR Amokläufe geben, gibts aber nicht!

  73. soulrise sagt:

    “Amokläufe” (in Klammern, weil es sich um erweiterte Suizide handelt) und “Killerspiele” (in Klammern, weil mir bis heute Niemand erklären konnte, was denn ein “Killerspiel” sei) haben nichts miteinander zu tun.

    Wenn ich ein 17 jährigen jungen Mann habe, der Zugang zu einem Computer hat, dann erwarte ich, dass er solche Spiele spielt!

    Es ist schon fast menschenverachtend, wie das gesellschaftliche Versagen (nirgendwo sonst liegen die wahren Ursachen einer solch schrecklichen Tat)auf triviale Symptome reduziert wird.

    Wir, die wir ja gerne so sachlich mit triftigen Argumenten um uns schmeissen kommen uns dabei so toll vor, unser Hobby zu verteidigen, dabei vergessen wir nur zu gerne das eigentliche Thema.

    Hergott, da sind mehrere Menschen gestorben, weil Jemand aus unserer Mitte durchgedreht ist und alle labern über bescheuerte Videospiele und Horrorfilme, bravo!

    Da wird nach strengen Waffengesetzen geschriehen, hervorragend, genau die richtige Lösung, oder?
    Was wäre denn gewesen, wäre die Baretta gesetzeskonform aufbewahrt worden?

    Wir kritisieren ständig die “Gegenseite”, aber selber dreschen wir seit Jahren (!!!) immer nur die gleichen Sprüche auf die gleichen Argumente.

    Gerne kann man über den Gewaltgrad in Medien diskutieren, man sollte es auch! Aber einen Massenmord mit anschließender Selbsttötung in einen Topf mit Freizeitunterhaltung zu schmeissen ist pervers.

    Und in dem ich mich überhaupt damit befasse und mich rechtfertige, räume ich meinem Gegenüber ein, dass das eine Diskussion gerechtfertigt ist.

    Wir brauchen eine allgemeine Werte- und Mentalitätsdiskussion und direkt im Anschluss daran eine langfristig angelgte Reform unseres Schulsystem. Aber in der politischen Planwirtschaft denkt ja kaum einer weiter als vier Jahre.

    Also kurz und knapp das neue Mantra für alle, die verstehen was ich meine:”Amokläufe und Killerspiele haben nichts miteinander zu tun”.

  74. DocDVD sagt:

    Also 18′er Titel aus dem Sortiment nehmen ist mal wieder voll der verlogene PR Gag – das hat ja mit Jugendschutz nix mehr zu tun sondern grenzt ja schon an Zensur. Klar hat Boris recht wenn er sagt sind Privatfirmen, aber der ganze Blödsinn führt doch höchstens dazu, dass Spiele/Filme in D nur noch mehr geschnitten werden, nur damit sie hinterher eine “Ab 16″ Wertung bekommen und schön beim MM im Regal liegen “dürfen”.

    Sprich: Als Erwachsener kannst hier in D dann gar nichts mehr kaufen was nicht vorher “reingewaschen” wurde, dann passieren sicher nieeee wieder Amokläufe.

    Es kommt ja auch keiner auf die Idee aus den Supermärkten Alkohol und Zigaretten zu verbannen nur weil ein betrunkener 15 jähriger eine geraucht hat…

    Momentan muss ich echt oft an folgenden Satz denken:
    “Der Klügere gibt nach – das begründet die Herrschafft der Dummen”…

  75. GerryLee sagt:

    Danke Boris für diesen Beitrag!

  76. RaKaMa sagt:

    Ein Klasse Blog Eintrag! Sehr gut geschrieben! Du sprichst mir und vielen 1000en aus der Seele! All thumbs up!
    PS: Ich persönlich mag den KugelBlitz Kanal gut leiden ;-]

  77. Yoshi sagt:

    Guter Blog!

    Wenn sensationslüsterne Medien, die traumatisierten Kindern Geld für Interviews anbieten und die die Lebensgeschichten der Opfer zum öffentlichen Gut erklären, gleichzeitig Computerspiele als menschenverachtend bezeichnen, weist das auf ein höchst bigottes Moralverständnis hin.
    Der blutigste Amoklauf der letzten Jahre, der an einer Hochschule in Virginia (USA), wurde übrigens von einem Studenten begangen, der in seiner Freizeit Theaterstücke geschrieben hat und mit Computerspielen nichts am Hut hatte. Der Vorwurf im SPIEGEL, dass nicht jeder Computerspieler zum Amokläufer werde, aber jeder Amokläufer Computerspiele besäße, ist daher falsch.
    “Wir sollten unsere Ratlosigkeit nicht zu überspielen versuchen mit scheinbar nahe liegenden Erklärungen. Wir sollten uns eingestehen: Wir verstehen diese Tat nicht.”. Diese Sätze unseres ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Raus hätten sich einige Journalisten letzte Woche mal zu Herzen nehmen sollen, und sei es nur aus Mitgefühl und Respekt vor den Opfern und deren Verbliebenen.

    Schade auch, dass die Spieleindustrie in Deutschland nichts für die gesellschaftliche Akzeptanz von Videospielen unternimmt, im Wiener Rathaus findet jedes Jahr die GameCity statt, auf der sich Eltern mit ihren Sprösslingen über das Thema Videospiele informieren können und natürlich auch verschiedene Spiele antesten können. Warum gibt es sowas nicht in den Rathäusern von München, Köln oder Berlin?

    • Der BIU unternimmt durchaus eine Reihe von Maßnahmen und Veranstaltungen zur Information der Politiker. Muß man ja nicht alles offen rausbrüllen.

      • Superfrog sagt:

        Ich finde schon, dass der BIU sehr wohl viel mehr “offen rausbrüllen” müsste, um eben auch die Bevölkerungsschichten zu erreichen, die schon lange – mangels Zugang zum Medium und “dank” langjähriger unsachlicher und populistischer “Killerspiel”-Hetze – Verbote gewaltbeinhaltender Spiele befürworten. Ich erwarte vom BIU, dass er (genau wie G.A.M.E. und USK) aktiv, sehr kurzfristig und öffentlichkeitswirksam den öffentlichen Diskussionen nach derartigen Amokläufen stellt und den Kritikern und “Experten” die Luft mit Argumenten entgegentritt.

        Das wird in Deutschland geradezu sträflich vernachlässigt. Man beachte im Vergleich nur z.B. Großbritannien, wo unlängst die “Risk an early death, just do nothing”-Kampagne der britischen Regierung heftigen Gegenwind seitens Sony in den Medien bekommen hat:

        http://www.mcvuk.com/news/33477/Sony-considering-legal-action-over-Change4Life-ad

        Da gibt es noch weitere Beispiele, Stichwort “Manhunt 2″ oder “Resistance” in Verbindung mit der Kathedrale von Manchester.

        Unabhängig davon: Sehr guter Blogeintrag, Boris! Nur leider etwas zu spät, um (theoretisch) von den GI-Medien aufgegriffen zu werden.

      • dmoeller sagt:

        Na ja, gerade vom BIU hat man in letzter Zeit wenig gehört. Gerade aus dieser Richtung wäre etwas Aufklärung hilfreich gewesen. In den öffentlichen Debatten habe ich einmal einen Typen von G.A.M.E. gesehen. Und der hat der Industrie und den Spielern durch sein hilfloses Gestammle bestimmt keinen Gefallen getan. Hätte der BIU einen halbwegs eloquenten Sprecher in eine solche Runde geschickt, dann hätte man den immer gleichen platten Behauptungen leicht etwas entgegensetzen können.
        Stattdessen wird die Pro-Gamer-Seite fast durchweg durch Leute vertreten, die den redegewandten Gegenspielern zum Fraß vorgeworfen werden.
        Vermutlich hat sich der BIU aber gedacht, dass es klüger wäre, sich dezent im Hintergrund zu halten und zu warten bis Gras über die Sache wächst. Eine Mischung aus falsch verstandener Pietät und Aussitzmentalität halt. Vielleicht stellt sich das ja als richtig heraus. Hoffentlich.

        Gruß
        Daniel

  78. smillo sagt:

    Hi Boris,
    der Worte Klang vernehm ich wohl, allein mir fehlt der Glaube…
    … dass Du damit die RICHTGEN erreichst. Die Besucher Deiner Seite sind ja wohl eher etwas aufgeschlossener, was die Themen Computer und Spiele angeht.
    Bei der ganzen Berichterstattung hatte ich den Eindruck, dass Presse und leider auch ein Großteil der Öffentlichkeit schier enttäuscht gewesen wäre, wenn nicht die bösen Gewaltspiele und ein Chatforum eine Rolle gespielt hätten. Deshalb haben die Offiziellen aus BaWü wohl auch zu schnell einen Forumseintrag ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt, der sich später als Fake herausgestellt hat.

    Und mal eine Frage zur Kausalität: Hat von Euch schon mal einer gehört, dass ein Amokläufer mit Hilfe seines Controllers, Keyboards oder einer Spiele-DVD seine Mitschüler umgebracht hat? Anders herum gefragt: Was gibt einem irregeleiteten Menschen erst die Möglichkeit, zu töten? M. E. sind das wohl eher die Waffen. Und da sollte man sich schon mal überlegen, ob es nicht doch etwas einfach ist, bei uns ein Bedürfnis für den Waffenbesitz nachzuweisen. Warum braucht ein Sportschütze zu Hause ein Waffenarsenal und ein Munitionsdepot, das ihn quasi stehenden Fußes in die Lage versetzt, mit Rambo in den nächsten Befreiungskampf zu ziehen?
    Da brauchen wir doch gar nicht über den großen Teich zu schielen und die Amis samt ihrer NRA belächeln. Auch bei uns ist die Waffenlobby wohl immer noch stärker als die Spielelobby.
    CU

    • steffenj sagt:

      >> mit Hilfe seines Controllers, Keyboards oder <<

      Ich würde gerne, in einer Talkshow oder ähnlichem, wenn mal wieder propagiert wird das man mit einem “Killerspiel” das zielen üben kann (welch absurde Idee), folgendes tun:

      Maus und Tastatur baumelnderweise in die Kamera halten, und nachfragen: “Können Sie uns bitte hier und jetzt glaubhaft veranschaulichen wie man mit diesen Geräten das zielen mit einer Handfeuerwaffe üben kann?”

      Achja, wär das Gelächter gross. :)

  79. Drew sagt:

    Klasse Artikel Boris. Meinen Respekt dafür!
    Bzgl. Galeria Kaufhof:

    ———
    Galeria Kaufhof übt Selbstzensur

    Ab April wird es bei Galeria Kaufhof keine DVDs und Spiele mehr geben, die mit FSK/USK 18 gekennzeichnet sind.
    Auf Grund den Geschenissen in Winnenden hat sich das Unternehmen dazu entschlossen. Mit der Ausräumung der Regale hat bereits begonnen.

    Stichproben in einigen Filialien hätten ergeben, das tatsächlich sämtliche FSK/USK 18 Titel aus den Regalen genommen wurden.
    Ob auch andere Warenhausketten folgen ist fraglich.

    Quelle: GamesMarkt
    ———-

    Aber auch vereinzelte Media Märkte und Saturns üben sich bereits in scheinheiliger Selbstzensur
    http://stigma-videospiele.de/wordpress/?p=1124

    Den Link hier will ich euch auch nicht vorenthalten. Da wurde n-tv nämlich absolut zu recht eiskalt abserviert

    http://www.youtube.com/watch?v=GQD6zedOcrI

    Schade dass nicht mehr Leute soviel Rückgrat besitzen und der Sensationsgeilheit der Presse einfach eine Abfuhr erteilen. Die Presse täte gut daran wieder auf sachliches Niveau zu kommen und nicht sich ihre Lügengeschichten aus den Fingern zu saugen. Mit journalistisch gut recherchierter Presse hat das nämlich nicht mehr viel zu tun was hier beim Fall in Winnenden abging/abgeht in der Medienlandschaft

  80. cndic sagt:

    Seit 35 Jahren ist die Watergate-Affäre das absolute Vorzeigebeispiel für unabdingbare totale Pressefreiheit, die sich ohne jede Rücksicht über alle moralischen Grenzen hinwegsetzt. Erst vor ein paar Wochen im Kino gesehen, stösst Frost/Nixon wieder einmal genau in dieses Horn, und betreibt Propaganda u.a. in eben diese Richtung.
    Das Resultat ist genau die Presse-Kultur, die wir heute haben.
    Zu erwarten, dass sich ohne massiven Druck von aussen die Presse anfängt sich selbst zu zensieren und die eigene Berichterstattung einzuschränken, ist doch völlig unrealistisch.
    Und woher sollte denn dieser Druck kommen? Druck ausgeübt wird heutzutage durch die Presse, nicht auf die Presse.
    After all, who watches the watchmen?

  81. RealHeffer sagt:

    Super Statement Boris, weiter so!

    Zum Thema Medien 18+ aus dem Programm zu nehmen möchte ich noch folgendes sagen:

    Als jahrelanger Mitarbeiter in der Videospielabteilung der größten Spielwarenkette muss ich sagen, dass diese Maßnahme nur bedingt was bringt solange sich immer wieder Eltern über die nicht zu übersehenden Alterskennzeichnungen hinwegsetzen! Was hat dieses Desinteresse der Eltern mit Kaufhof etc. zu tun? Die Kinder oder auch Jugendliche lotsen einfach die Eltern dorthin wo sie die Spiele bekommen und fertig, dann halt in den genügenden anderen Shops! Meiner Meinung nach sollte jeder Film- und Spieleladen einen Jugendschutzbeauftragten o.ä. haben, der nicht nur die EInhaltung der bestehenden ausreichenden Gesetze kontrolliert, sondern auch die Schulungen der anderen Mitarbeiter (Kasse, Aufsicht) übernimmt!

    Und liebe Eltern merkt euch mal eins: “Bloß weil euer 12jähriger Sprößling beim Nachbarsohn alles spielen darf, sollte das im Kinderzimmer trotzdem mal kontrolliert werden!”

  82. Grisu79 sagt:

    Was ich an der Berichterstattung ja auch so “lustig” finde ist , dass Counterstrike ja offensichtlich die Wurzel allen Übels ist. Ich meine es gibt ja nun wirklich 1000 Spiele die Blutrünstiger sind als Counterstrike. CS wird ja nur von so vielen Leuten gespielt, weil es eben ein sehr gut ausbalanciertes Gameplay bietet und nicht weil es besonders brutal ist.

    Auf der anderen Seite finde ich aber schon, dass sich auch die Games Industrie Gedanken machen sollte wie das Thema Gewalt “präsentiert” wird. Ich persönlich habe z.b. ein großes Problem mit der Call of Duty Reihe. Die Art in der Gewalt dort glorfiziert wird halte ich persönlich für nicht angebracht.

  83. funnypete sagt:

    Sorry….aber der Blogeintrag ist ein klein wenig “heuchlerisch”.
    Und zwar in Bezug auf die “Mitschuld” der Journalisten, welche durch eine übertrieben Berichterstattung das Stattfinden von Amokläufen (etc.) fördern.

    Natürlich tun sie das! Denkt jemand, Journalisten arbeiten aus wohltätigen Zwecken?
    Falls es sich noch nicht rumgesprochen hat: Die bekommen Geld für ihre Arbeit.
    Also Kohle, damit sie über etwas berichten und nicht, damit sie es nicht tun.
    Je krasser/blutiger/spektakulärer das Ereignis, um so mehr Kapital läßt sich daraus schlagen.

    Zitat:
    “Liebe Medien, wenn in den nächsten Jahren sich wieder einer noch blutiger durch eine Schule oder schlimmer ballert, dann habt ihr ihm in den letzten Tagen genau gezeigt, wie man es macht”

    Da denkt sich doch kein Journalist der Welt “Oh nein, dann lass ich das lieber.”
    Sondern wohl eher:”Cool – jetzt passiert das vielleicht noch öfter und ich muss nicht über irgendeinen langweiligen Scheiss berichten”.

    Keiner wird doch Reporter, um von Supermarkteröffnungen zu berichten.
    Ein Amoklauf ist der Jackpot…allgemeines Abkatschen in der Redaktion.

    Natürlich darf man als Reporter nicht sagen:”Find ich toll”.
    Von einem Metzger hört man ja auch nicht:”Ich finde es toll, Tiere umzubringen.”

    Fotos von Ground Zero bringen nun mal mehr Kohle, als die von irgendeinem Regionalpolitiker.
    Und die bringen deswegen viel Kohle, weil die Redaktionen dafür so viel zahlen.
    Und das tun die deswegen, weil sie möglichst viel Einschaltquote/Auflage haben möchten.
    Und diese bekommen sie wiederum, weil die Öffentlichkeit nun mal geiler auf Blut, Amok, Terror und Tragödie ist, als auf Bundestagsdebatten.

    Und so lange das so ist, freut man sich nunmal in den Redaktionen mehr über Flugzeuge in Hochhäusern oder hingerichtete Mitschüler, als über Spendenaffären.
    Das ist eben deren Beruf.

    Cheers :)

  84. Zecher sagt:

    Gut geschrieben, Boris.

    Früher haben alte, unwissende Menschen auch Elvis, Rock n Roll und die Beatles als jugendgefährdent eingestuft. Völlig lächerlich.

    Die jungen Menschen wurden mit Schusswaffen umgebracht nicht mit DVDs.

  85. soulrise sagt:

    “Was gibt einem irregeleiteten Menschen erst die Möglichkeit, zu töten?”

    Ich denke in dem Fall Winnenden, Erfurt, Emsdetten usw. waren es falsche Wert- und Moralvorstellungen.

    In anderen Fällen sind es Hirnschäden, ein erhöter Testosteronspiegel, ja hin und wieder auch die Legitimation durch die Legislative des jeweiligen Landes.

    Man darf und sollte über Sinn und Unsinn von legalem Waffengebrauch diskutieren, ich halte es ja auch ein Verbot von privaten Waffen für sinnvoll.

    Aber eine Waffe bringt keinen Menschen um, dafür muss schon Jemand den Abzug betätigen.

    Und: Zehn Millionen legale Waffen sind in Deutschland im Umlauf (wenn man spiegel.de Glauben schenken will), wie viele Illegale werden sich dann wohl in unseren Haushalten tummeln?

    Ein Verbot von Schusswaffen (so sinnvoll es aus ethischen Gründen auch sein mag) bringt genausoviel wie ein Verbot von “Killerspielen”, oder roter Grütze.

  86. fragm sagt:

    Hallo Boris,

    gleich vorneweg: Wirklich sehr guter Post! Auch wenn ich nicht daran glaube, dass dies die Ansicht der älteren Generation in irgendeiner Form geändert werden kann, bin ich froh die Thematik von Dir beschrieben zu sehen.

    Nun zum Thema: Ich wurde bereits 2006 sowohl von der SZ als auch von Antenne Bayern zu meiner Sichtweise des Amoklaufs in Emsdetten befragt. Nun haben wir 2009, sind in Winnenden und ich wurde wieder mal als professioneller Gamer (und Weltmeister in einem Egoshooter) befragt – diesmal von M94.5.

    Kurz nach dem letzten Interview klinkte sich eine Diplom-Psychologin ein, mit der ich rege diskutierte. Ihre Grundeinstellung war übrigens das “Verbot aller Killerspiele. Es wird in Deutschland viel zu wenig verboten!”. Durch den ständigen brutalen Medienkonsum würden auch erwachsene Menschen immer verrohter und aggressiver.

    Ein gewisser Gewöhnungseffekt ist mit Sicherheit nicht von der Hand zu weisen. Aber genau darin wird im Grund auch das Argument entkräftet, die Gamer würden diese Spiele nur wegen der Brutalität spielen. Professionelle Gamer stellen in Unreal Tournament die Grafik auf Low Details und Player-Models der Gegner bekommen Blobartige neonfarbene Formen verpasst, um die Sichtbarkeit zu erhöhen. Am Ende sieht das Spiel auf jeden Fall nicht mehr so aus, wie man es aus der Verpackung holte. Die Faszination für Neues schwindet nun einmal, wenn es nicht mehr neu – sprich: mehrmals gesehen – ist. Brutalität rückt weit in den Hintergrund und der Spielinhalt (Aufgaben, Strategien, etc.) rücken in den Vordergrund.

    Zum Thema Aggression, welche ebenfalls von der Diplom-Psychologin propagiert wurde: Ich nannte der Dame (übrigens Ende 50) Beispiele von eSport-Turnieren – wie das von Dir beschriebene intel Friday Night Game – und dass es dort alles sehr friedlich und freundschaftlich hergeht. Die Spieler unterhalten sich untereinander, sprechen mit Fans und Aggressionen oder Gewaltexzesse gab es bisher nicht… und das bei abertausenden Turnieren, LANparties und anderen Events. Als Kontrast sollte man sich mal ein Fußballspiel ansehen, mit Schlägereien im Stadion, Alkohol (welcher übrigens wissenschaftlich erwiesenermaßen aggressiv macht) und seinen Hooligans.

    Bleibt nur zu hoffen, dass wir irgendwann Politiker hier in Deutschland haben, die Probleme rational anpacken und vor Allem die wirklichen Unzulänglichkeiten unserer Gesellschaft wie die Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher angreifen. Meine Stimme hätten sie auf jeden Fall.

    Gruß,
    Klaus

  87. Sancta sagt:

    Wunderbar. Sehr gut formulierte, sehr gut zusammengefasste Argumentationskette, könnte ich eigentlich ausdrucken und im Bekanntenkreis all denen als Flugblatt in die Hand drücken, die mich als 40 jährigen Konsolenspieler auf Killerspiele ansprechen.
    Ich denke, dass es Licht am Ende des Tunnels gibt. Die jetzige Politikergeneration hat keinen Bezug zu dem Thema, wie du ja auch geschrieben hast. Die Politiker, die um die 40 oder jünger sind, sind selbst oft Spieler. In 10-20 Jahren ist das gesellschaftlich kein Thema mehr. Bis dahin muss man sich eben noch weiter aufregen über den Verbotswahn. Der Satz “ich unterstütze gerne jedes Verbot, solange es mich nicht trifft” trifft es perfekt auf den Punkt. Einfache Menschen agieren nach dieser Devise. Das hatte ich schon als Schüler gehasst.

  88. Duncan_Idaho sagt:

    >>>>>Auch die Angaben des Verfassungsschutzes zum rechtsextremen Personenpotenzial – die ohnehin zumindest teilweise auf Schätzungen beruhen – wurden zuletzt kritisch hinterfragt. Der Kriminologe Christian Pfeiffer war in einer Studie zu deutlich höheren Zahlen gekommen als der Geheimdienst. Demnach ist jeder zwanzigste Neuntklässler in einer “rechten Gruppe”. Daraus ergeben sich insgesamt Zahlen von mehreren Zehntausend Mitgliedern bei “rechten Gruppen”.

    Pfeiffer betonte auf Nachfrage, diese Werte seien selbstverständlich richtig. Der Verfassungsschutz habe kein vollständiges Bild, so der Kriminologe gegenüber der “taz”<<<<<

    Also wenn ich obiges so lese, dann wird mir dieser Herr Pfeiffer immer unangenehmer. Uns ist er ja schon als Spielehetzer bekannt, dass er aber so langsam zu einem Gottkomplex neigt und der selbst Geheimdiensten ihr Wissen abstreitet, ist echt bedenklich.

  89. Stefan sagt:

    100% agree, Boris.

    Danke für den stets einwandfreien Beitrag.

  90. RipperRoo sagt:

    Sooooo lieber Schneider-Johne
    Hab mich jetzte extra angemeldet, um dir zu sagen, dass ich als ps3blog.de Leser sogar nem 360er zustimme ;)

    Problem ist: Es wird nix ändern. Beiträge wie diese gibts zu hauf, auch jede menge zustimmung, nur sind das die leute die auch spielen und die wohl kaum was bewirken können. Wir werden einfach der Sündenbock bleiben, bis es was neues gibt.

  91. XeroX sagt:

    Das würde ich voll und ganz unterschreiben !!

    Wobei ich mich immer noch Frage wozu man 15 Waffen zu Hause braucht ? Vorallem wozu brauche ich 15 Waffen welche absolut, aber wirklich ABSOLUT gar nichts mit einem Schützenverein zu tun haben. Eine Beretta hat dort nichts verloren.

    Also erstmal den Eltern über die Schulter gucken, als wieder alles auf die Computerspiele und Film Industrie zu schieben.

    XeroX

  92. birphborph sagt:

    Du hast meine volle Zustimmung! Am gewaltsamsten ist meiner Meinung nach die minutiöse Berichterstattung ALLER Medien. Siehe die geistesgestörte Reaktion der Focus online Redaktion, die am Tag des Amoklaufs flugs einen hippen Twitter-Account anlegte, um über den Amoklauf zu berichten. Der Twitter-Account hieß zunächst “amoklauf”.

    Vielleicht sollten die Medien nicht auch mal bei sich selbst beobachten, ob sie bei solchen Ereignissen nicht auch wenig “amoklaufen” was die Berichterstattung angeht.

    Sehr nett zusammengefasst hat das dieser Blog.
    http://carolin-neumann.de/2009/03/11/daneben-getwittert-der-amoklauf-der-medien/

  93. senna94 sagt:

    … Boris Schneider-Jone spricht mir aus der Seele.

    So ein Quatsch Killerspiele zu verbieten. Man ist es noch nicht angekommen… die Kids besorgen sich die trotzdem. Und selbst wenn es zu einem EU weiten Verbot kommt. Dann spielen wir eben wieder die NTSC Importe wenn es sein muß.

    Und ich kann mir immer noch nicht vorstellen das jemand Amok läuft weil er Counter Strike oder Gears of War oder sonst ein Game gespielt hat. Völliger Blödsinn, meiner Meinung nach.

    Ich frag mich wieso spricht nicht jemand über die zig Millionen CS Spieler die nicht Amok laufen, die völlig normal einem Sport nachgehen… um nichts anderes handelt es sich hier um ESports.

    Danke Boris, endlich mal jemand der klare Worte spricht, gerade in den Tagen rege ich mich wieder über Standort Deutschland auf. Man ist Ü30 und muß sich technisch was einfallen lassen damit man an das neue GoW Map Pack Snowblind kommt. Lächerlich, ich bin alt genug um selber zu entscheiden was ich spiele und was nicht sorry.

    Senna94

  94. habehandy sagt:

    Es wird immer schlimmer:

    Bayerns Innenminister vergleicht die Computerspieleindustrie mit Kinderschändern & Drogendealern.

    http://www.golem.de/0904/66255.html

    Ich kann garnicht soviel essen wie ich kotzen muss.

  95. soulrise sagt:

    http://www.chip.de/news/Innenminister-Killerspiele-gleichen-Kinderpornos_35956392.html

    Also mir reicht es jetzt endgültig. Das unqualifizierte Gelaber vorher war ja noch halbwegs harmlos, aber das hier ist meiner Meinung nach schon kriminell.

    Ich habe kein Problem damit, wenn ein Bayer “Killerspiele” mit Drogen vergleicht, immerhin ist eine der gefährlichsten Drogen überhaupt in diesem Lande Grundnahrungsmittel.

    Aber das wir nun in eine Ecke mit Kinderschändern gestellt werden, geht entschieden zu weit und ich denke, dass es an der Zeit ist, mal Flagge zu bekennen.
    Große Demo in Leipzig dieses Jahr z.B.
    Dort wo es Jahr für eine Jahr zwei große Jugendveranstaltungen gibt, die soweit ich informiert bin, gewaltfrei ablaufen – anders als Sport- und Musikveranstaltungen beispielsweise.

    Oder eine Sammelklage, wenn es dafür eine juristische Grundlage geben sollte.

  96. Deus ex machina sagt:

    Ich frage mich manchmal schon: In was für einer Welt leben wir eigentlich? Wärend Computerspiele von so manchen Politikern verteufelt werden, klatscht man mit der Springer-Presse gerne ab. Ich bin zwar kein Experte, aber auf was könnte solch ein Amokläufer mehr aus sein, das nachstellen von Counter-Strike, oder die Schlagzeilen des Boulevards? Wir brauchen wirklich nicht tausend Shooter, dazu zähle ich auch technisch brillante Spiele wie Gears of War 2, aber auch keine populistischen Demagogen wie Innenminister X aus dem Freistaat Y.

  97. OldDaddy sagt:

    Das ist der beste Blog-Eintrag, den ich seit langem
    gelesen habe! Eine solche analytische Sorgfalt wünscht
    man sich eigentlich von den Profis in Medien und Politik.

    Als Teil der “Generation Happy-Computer” sehe ich Videospiele
    als wichtiges Kulturgut meiner Generation und einen
    Rausch durch Gewaltkonsum kenn ich persönlich nur aus dem
    Kino, nicht als Spieler ! (Daher sehe ich den Trend zum
    3D-Kino eher kritisch!)

    Die Politik hat immer noch nicht verstanden, dass sie hier
    ein Kulturgut schlecht macht, das gerade für männliche Wähler seit 30 Jahren zum Heranwachsen dazugehört.
    Viele von “uns” haben inzwischen (fast) volljährige Söhne und
    spielen mit ihnen “böse” Spiele im hauseigenen LAN.
    Oder man bastelt im Keller mit dem Sohn am eigenen
    Arcade-Automaten und beide haben tierisch Spaß dabei.
    Ach. da fällt mir ein, Arcade-Automaten sind ja des Bösen!
    Nix für Kinder!

    Die Politik hat noch nicht verstanden, dass der
    männliche Teil der Bevölkerung unter 40 gerade
    entdeckt, wo man sein Kreuz bei der Bundestagswahl
    besser nicht macht!

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