Lorne Lanning auf dem Holzweg

Von Boris Schneider-Johne, Mo, 2. Mai 2005 23:54

Angeregt durch ein Blog-Posting von Jan Varwig, der in Bezug auf das Lorne Lanning Interview die Frage stellt:

Warum können wir nich einfach statt 200€, sagen wir 350€ für eine Konsole bezahlen und uns dann darauf verlassen, dass auch noch in 5 Jahren gute Spiele dafür herauskommen? Im Verlauf dieser 5 jahre werden die Entwicklungskosten für Spiele sinken und die Entwicklung wieder profitabler, vielleicht ist dann hin und wieder sogar ein wenig Raum für die von vielen so schmerzlich (und zu recht) vermisste Innovation und Experimentierfreudigkeit drin, eben weil nicht mehr ganz so viel Geld auf dem Spiel steht.

Ja, wir brauchen dringend einen Standard, der mal ein paar Jahre länger hält. Aber im Augenblick sind die Unzulänglichkeiten aller verfügbarer Hardware noch Leidensdruck genug, noch eine Generation hinterherzuschieben. Ich hoffe mal, das wir uns mit der nächsten Generation dem "Good Enough" nähern: Prozessorleistung satt und eine grafische Auflösung, die man nicht mehr ohne weiteres steigern kann, weil selbst HDTV mit genügender Detailtiefe unterstützt wird. Sowohl bei Sony wie bei Xbox. In der aktuellen Generation ist PS2 absolut brutal zu programmieren (das kann nicht mal ein Dutzend Teams auf der Welt wirklich), Xbox ist deutlich besser, aber nicht verbreitet genug, um reine Xbox-Entwicklungen finanziell attraktiv zu machen. Für die nächste Generation hat Microsoft sich deutlich "Macht dem Entwickler das Leben leichter" auf die Fahnen geschrieben – nicht nur für den Launch, sondern erst recht für die Jahre danach.
An der Xbox-Marktdurchdringung ist auch Lorne Lanning gescheitert. Sein einziges Problem war, daß er Electronic Arts eine PS2-Version versprochen hat, aber nicht auf die Beine bekam. Oder EA diese nicht auf die Beine bekam – wie auch immer. Und was soll EA jetzt machen? Schliesslich handelt es sich bei "Stranger", am Ende des Tages, eben NICHT um ein hoch innovatives Spiel, sondern um einen Third-Person-Shooter mit "lebender Munition". Der "innovative" Faktor ist das Setting: Westernheld auf einem fernen Planeten, wo jeder aussieht wie ein Monster. Ein echter Verkaufsschlager (Vorsicht! Zynismus!). Da kann keine Firma der Welt eine Marketingkampagne machen wie bei einem Spiel das man a) in zehn Sekunden erklären und b) auf sechs Hardware-Plattformen ausliefern kann. Auch wenn OW:Stranger einer der besten Vertreter seiner Kategorie ist.

Völlig absurd wird Lorne aber, wenn er vom fehlenden Marketinggeld verbrämt meint, in der Welt der TV-Serien könnte er irgendwas Großes auf die Beine stellen. War sein Universum in der Welt der Computerspiele doch wenigstens noch irgendwie vermittelbar, kann Oddworld als 13-Folgen-22-Minuten-Show nur verlieren. Konkurrenz und Kostendruck sind da noch größer als in "unserer" Branche und ich glaube nach Gesprächen mit zwei, drei TV-Sendern wird er frustriert aus dem Business aussteigen. Erwartet er ernsthaft mehr Werbung für seine Produkte, wenn er sie als Film abliefert?

Zurück zur Hardware: Konsolen sind wenigstens noch ein Fels in der Brandung, da ist eine Hardware ein paar Jahre lang stabil. Der PC hingegen ist ein ständiges "Moving Target", bei dem man es ja schon Milliarden möglicher Hardware-Konfigurationen gibt. PC-Spieler kaufen sich alle zwölf bis achtzehn Monate neue Grafikkarten, die oft mehr kosten als eine komplette Spielkonsole, nur damit man wieder ein paar Frames schneller ist. Wenn nach dem dritten Patch und vierten Treiberupdate endlich wieder alles läuft.
Wenn der PC mal ein paar Jahre lang so stabil wäre wie jede X-beliebige Konsole, wär dem Entwickler auch geholfen.

Achja, und neue Konsolen kosten am Anfang so etwa €350-€400. Die €200 sieht man erst so nach knapp zwei Jahren.

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