Wo bleibt die Lobby?

Von Boris, Mi, 15. Jul 2009 19:29

In den Kommentaren zur Action-Spiele-Petition findet sich immer wieder ein Vorwurf: Warum tut die deutsche Spieleindustrie nicht mehr, warum gibt es keine Lobby für Spieler, was tut dieser BIU eigentlich den ganzen Tag?

Ich möchte dazu eines anmerken: Lobby-Arbeit ist nicht, daß man sich jeden Tag auf die Straße stellt und erzählt, daß man eine Meinung hat und vertritt. Lobby-Arbeit beginnt damit, zu verstehen, was der andere erreichen will – und warum. Gespräche zu führen. Auf individuelle Anforderungen einzugehen. Tief und fundiert zu informieren, Gelegenheiten zu finden, ins Gespräch zu kommen, auch wenn der andere gar nicht will.

Und wenn das jemand macht, den man nicht mag, ist das Ganze gleich ein böses, abgefeimtes Spiel. Oder berichten die Medien über die “Arzneimittel-Lobby” als den Verband, der uns allen großherzig Gesundheit möglichst preiswert schenken will? Lobby ist in der Regel ein Schimpfwort, außer es ist die eigene.

Als einzelner Mensch findet man Lobby-Arbeit gut, solange sie den eigenen Wünschen entspricht, und ist von ihr angeekelt, wenn sie jemand nutzt, um eine gegenteilige Meinung hintenrum mit falschen Argumenten und Bestechungen und Manipulation durchzusetzen.

Man stelle sich folgendes vor: Der BIU oder auch GAME sendet jede Woche tolle Statements zum Thema “Keine Spieleverbote” in alle Öffentlichkeit. Frontal 21 reibt sich die Hände, schneidet das zusammen, unterlegt das mit markigen Falschaussagen und stellt damit die Spieleindustrie öffentlich als Treiber für Kinderverrohung bloß. Alles schon passiert.

Die Spielefirmen sind auch in Deutschland daran interessiert, Geld zu verdienen – klingt hart, aber ist Tatsache. Das ist in Deutschland schwieriger als in anderen Ländern, weil die Spielefirmen der härtere Jugendschutz hier Geld kostet. Durch Produkt-Modifikationen, zu bezahlende USK-Prüfungen, Kundenabwanderungen zu Importen, und, und, und. Sich als Spieler dann hinzustellen und zu sagen “Die tun ja nix für mich” ist extrem kurzsichtig. Denn genausogut könnte man sagen: “Die wollen ja kein Geld verdienen” und das ist definitiv nicht der Fall.

Hinter den Kulissen passieren sinnvolle Dinge, jeden Tag. Innerhalb der Branche gibt es immer spannende Gespräche. Es gibt Stories, die gelangen absichtlich nicht an die Öffentlichkeit. Ich habe Situationen erlebt, bei denen BIU und GAME sehr kurz davor waren, es zu regelrechten Eklats kommen zu lassen – aber bei denen immer am Ende die Überlegung gesiegt hat, daß einen diese in der Sache nicht weiterbringen.

Die vorgefaßten Meinungen vieler Leute sind nicht einfach durch Proteste oder einfach nur durch Argumente zu beeinflussen. Probiert mal, einen Bayern-Fan durch einen Protest-Marsch oder durch eine klare Statistik vom HSV zu überzeugen. Da muß man jahrelang arbeiten, die HSV-Fans in der Zwischenzeit stärken, sich zum richtigen Zeitpunkt ins Gespräch einbringen, Fürsprecher aus anderen Bereichen gewinnen, und, und, und.

Und all diese Dinge tun die entsprechenden Verbände in Deutschland mit Unterstützung der entsprechenden Firmen.

33 Antworten für “Wo bleibt die Lobby?”

  1. soulrise sagt:

    Das was Ihr von der Industrie fordert muss von Euch kommen. Und nicht mithilfe dämlicher “Petitionen” und kluger Sprüche. Was Ihr nicht heckt, ist, dass man Euren Lebensstil anfeindet, Euch in eine Ecke stellt, in der kein Mensch unschuldig stehen sollte. Ihr lasst das zu, weil es Euch noch zu gut geht und Ihr die Zeit habt, Euch Gedanken über Videospiele zu machen.

    Das einzige was Ihr tun könnt, ist anderen ein gutes Beispiel zu sein und das erreicht Niemand, in dem er einfach das nachplappert, was einem auf den ersten Blick richtig erscheint (“Zensurapperat BRD”) und dem “Feind meines Feindes” zujubelt – oder hat die Piratenpartei etwa ein gescheites Konzept für eine Urheberrechtsfreie Gesellschaft?

    Solange Ihr selber Euch Eurer eigenen Vorbildfunktion nicht gerecht werdet, könnt und dürft Ihr von allen anderen nichts verlangen.

    Weil Ihr attackiert werdet, verliert Ihr die Ursachen und den Kern der Probleme vollkommen aus den Augen.
    Wow, Medien können Menschen negativ beeinflussen, ganz neuer Gedanke! Dilletantische Hobbyphilosophen an die Macht!
    Was machen wir also?
    “Hm… wir könnten die Menschen ja in der Schule darauf vorbereiten und ihnen ein moralisches Fundament bieten, dass ihre eigene individuelle Entfaltung ermöglicht, ohne dass Dritte dabei zu schaden kommen.”

    “Klasse, klingt ja fantastisch Du, aber können wir das nicht einfach so wie immer machen: Wir verbieten einfach etwas?”

    “Jo, passt schon”

    Danke fürs zuhören, Ihr ward ein fantastisches Publikum, ab jetzt werde ich nur noch dämliches Zeug “posten” (natürlich nicht hier, Herr Schneider-Johne), ich habe nun alles gesagt, was gesagt werden musste!

    *verneig*

    • Ich gebe zu, bei diesem Kommentar nicht ganz sicher zu sein, an wen er gerichtet ist und was er eigentlich sagen will.

      • Sascha sagt:

        Willkommen im Club! Mir geht es wie dir, was den Kommentar angeht.

        Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Lobbyarbeit der Spieleindustrie einfach nicht gesehen wird, weil die Welt der Spiele immer noch in der breiten Öffentlichkeit als “Kinderkram” angesehen wird. Dies kann man daran erkennen, dass wir Spieler immer noch müde belächelt wird, wenn wir uns als Computerspieler “outen”.
        Vielen Menschen ist es gar nicht klar, dass die Spieleindustrie ein knallhartes Geschäft ist. Auch vielen Spielern ist dies nicht bewusst, wie man an zahlreichen negativen Kommentaren sehen kann, wenn ein Spiele-Entwickler doch tatsächlich Geld für ein Produkt oder einer Leistung haben will.
        Jeder Publisher und jede Spieleschmiede will Geld verdienen und daher ist es nur logisch, dass irgendwo Lobbyarbeit getätigt wird.
        Wenn sich genügend Leute realistische Gedanken über ihr Hobby machen würden, käme die Frage nach der Lobby gar nicht erst auf.

        PS: Schöne Grüße aus Bergheim. Ich wusste gar nicht, dass du lange Zeit in Grevenbroich gelebt hast. Da verfolgt man seit Mitte der 80er Jahre die Spiele- und die dazu gehörende Printmedienwelt und wird immer noch überrascht.

  2. NekYar sagt:

    Danke für den (kleinen) Einblick hinter die Kulissen.

  3. Deus ex machina sagt:

    Ich würde gerne mal wissen, wieviel Umsatz das betroffene Genre generiert? Es wäre durchaus möglich, dass dieser Arm der Unterhaltungsindustrie es gar nicht für nötig hält, großartig Lobbyarbeit zu betreiben. Rein vom Gefühl her würde ich sagen, wir haben genau einen Lobbyisten, und dieser ist die meiste Zeit beim Tee trinken mit dem der Kastanien-Sammler. Wie immer es auch sein mag, Schuld an dieser Situation hat nicht die Lobby (unabhängig von ihrer Größe etc.), sondern die schlechten Politiker die diese Gewalt erst nötig machen.

  4. Jürgen sagt:

    @Boris:

    Ich denke jeder, der etwas mehr drüber nachdenkt, kommt natürlich zu dem Schluß, dass die Industrie über die ganzen Verbotsforderungen alles andere als erfreut ist – und auch gezwungen ist zu handeln. In meinem anderen Kommentar in Deinem letzten Blogspott meine ich ja nur, dass das für viele Spieler, die eben aus dem Bauch raus reagieren, eben nicht klar ist. Fragt sich natürlich aber auch, ob dann weniger los wäre, auf den “digitalen Straßen” oder “Datenautobahnen”. ;-)

    Das “Problem” ist eben, dass sich die meisten Gamer für ihr Hobby “absolut” verantwortlich fühlen und mittlerweile alles sehr persönlich nehmen. Die eigentliche Industrie hinter den Produkten, die ja auch “Bedürfnisse” hat, wird von vielen augenscheinlich nicht als solche wahrgenommen. So scheint es mir zumindest. Ich glaube keine Branche ist von emotionaleren, selbstbestimmteren und lauteren Fans dominiert. Außer Fußball vieleicht. ;-)

    Und wie bei allen Dingen im Leben hört man auch hier wie immer nur die lautesten Schreier, bzw. liest deren teils hahnebüchenen Postings. Allein die “Glaubenskriege”, welche Konsole nun die einzig wahre ist, sprechen Bände, was ich aber teilweise auch sehr amüsant finde.
    Ich denke, die Hardwarefirmen haben in dem Fall nichts dagegen, wenn die Fans da untereinder in den Foren aufeinander einbashen – ist ja fast Guerilliawerbung. ;-)
    Wenn ich gewisse Newsmeldungen lese, habe ich den Eindruck, dass das auch bewußt geschürrt wird.
    Dann muss man sich eigentlich nicht wundern, wenn das Hobby der Spieler mittlrweile zu so einem sehr schwer kontrollierbaren Selbstläufer geworden ist.

    Aber auch hier frage ich mich, ob das “früher” ohne die Internet-Community so abgegangen wäre, wie heute.
    In der Hinsicht geben ich Dir recht: es ist sehr bequem auf einen Mausknopf zu drücken und daraus sein Weltbild abzuleiten. Die Gefahr ist eben, dass sich die ganzen Leute, die es nicht besser wissen, gegenseitig total hochschaukeln. Wie es ja jetzt auch der Fall ist.

    “Lobby ist in der Regel ein Schimpfwort, außer es ist die eigene.” – Ja, der Absatz trifft es sehr gut. Habe ich auch heute mittag drüber nachgedacht. :-)

  5. PatTheMav sagt:

    Mir kommt da gerade folgender Gedankengang: Wenn “Lobby” doch eigentlich generell negativ belastet ist, warum dies nicht einfach ausnutzen und akzeptieren? “Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert” – genauso arbeiten doch die klassischen Lobbyverbände, egal ob Pharmazie, Atomkraft, Zigaretten oder Waffen. Im Gegenteil: Gerade hier wird gepoltert und polemisiert was das Zeug hält, denn einen guten Ruf hat man nicht, den man verlieren könnte – die markigen Sprüche bekommen gut Presse und verhallen nicht ungehört. Und seltsamerweise können diese Lobbyverbände trotz all der schlechten Presse, dem schlechten Image und den allseits bekannten Aufdeckungen investigater Journalisten ihre Ziele erreichen – Atomstrom ist weiterhin begehrt wie eh und jeh und weder Vattenfall, RWE oder Eon müssen ihre Stromnetze endlich liberalisieren, unsere Oligopole gedeihen besser denn jeh und das trotz Frontal 21, Monitor und Co.

    Mein Gedanke dazu also: Wenn man sowieso der Buhmann ist, warum dann ein schönes Image wahren, wenn es das doch gar nicht gibt? Wir sind die Spieleindustrie, keiner mag uns, alle halten uns für die Bösen, also hauen wir mal so richtig auf die Kacke – nur dann nimmt man uns also scheinbar ernst.

    Ja das ist polemisierend, aber es ist nicht so weit von der Wahrheit entfernt, wie man meinen möchte. Ich habe das Gefühl (und ich erlebe es ja bei uns in der Firma bzgl. der nicht-existierenden USK-Vergaben für Browser- und Onlinegames), dass man sich als Branche bewusst klein macht – lieber ducken und hoffen, dass die dunkle Wolke vorbeizieht, die kleine PR-Meldung hier und da gibts auch, aber was die Gemüter der Gamer beruhigen würde, wäre mal eine Aussage ala “wir lassen unsere Kunden nicht derart bevormunden/verleumden/in die Ecke stellen”. Wir haben doch den Kulturrat, genügend Wissenschaftler und ihre Untersuchungen – wir haben nur das Problem, dass wir keinen eloquenten Talkshow-Profi haben, der in der Lage ist, Bosbach, Pfeiffer und Co wortgewandt ins Abseits stellen zu können. Erst dann, wenn so einer bei “Hart aber Fair” öffentlich Eindruck macht, kann die Diskussion kippen. Solang aber Politiker sich hinstellen und Games gegenüber Filmen deshalb herausheben, weil man dort selbst “tötet” und gleichzeitig ausblenden, dass man als Gamer währenddessen aber eher mit dem eigenen Überleben beschäftigt ist, als der tollen Darstellung – eben weil sie selbst nie gespielt haben, wird das nix.

    In Deutschland haben wir leider nicht wie der Bundesstaat Florida einen District Attorney der offen in die Kamera sagt, dass Games nur ein weiteres Medium in einer langen Reihe von Scapegoats ist – so einen bräuchten wir aber. Vielleicht sollten sich die Bundesverbände mal darum kümmern, einen “Games Ambassador” zu benennen, der mit Eloquenz und umfassenden Faktenwissen die vielen Falschaussagen und Faktenverdrehungen in den Talkshows mit ruhiger Miene aber dominantem Auftreten (damit er nicht wieder von 3 Diskussionsteilnehmern niedergelabert wird) begegnen kann – Freiwillige?

    PS: Wir haben immerhin Lotto! Nur der HSV!!

    • Deus ex machina sagt:

      Mir als Bayern-Anhänger bist du wegen eurer Hosenfarbe sympathisch, aber dein Vergleich hinkt gewaltig. Schau dir nur mal die Umsätze (und teilweise die Aufsichtsratsmitglieder) der jeweiligen Unternehmen an, dann sind das Galaxien wenn man die Microsofts E&D, SCEI, Nintendo (hier kennt man Shooter schon heute nur noch als Fremdwort, und verdient sich trotzdem dumm und dämlich), EA, Activision Blizzard, T2 etc. gegenüberstellt. Ich möchte auch gerne mal die Gesichter in den Marketingabteilungen sehen, wenn die Leute, in diesem Fall u.a. die Eltern, plötzlich ‘ne Xbox oder eine PS3 mit etwas schädlichem assoziieren. Bei aller Liebe zu GTA, Mafia, BioShock und so weiter, sie sind nicht so essentiell wichtig für diese Abteilungen und deren Zukunft.

  6. BFBeast666 sagt:

    Dumm nur, daß Christian Pfeiffer sowas wie seine eigene Lobby darstellt. Und dumm auch, daß der von vielen, denen man zuhört (ob man will oder nicht) anscheinend blind als Quelle zitiert wird. Das hat z.B. bei der von meinen Gebühren mitfinanzierten Redaktion des heute-journals so.

    (nicht mein Blog, aber trotzdem aufschlußreich)
    http://greenninja87.blogspot.com/2009/04/einseitige-berichterstattung-im-zdf.html

    Und war natürlich irgendwo klar, daß die bösen Importe auftauchen würden. Einfach die englische Tonspur drauflassen, dann wäre für mich in 9/10 Fällen der Griff zum Import unnötig. Und da ich mir fast nur Spiele importiere, die in D dank der Gesetzeslage eh nicht erscheinen, sollte sich der Unmut auch in Grenzen halten. Immerhin kriegen Epic ihren Anteil an meiner UK-Version von GoW, ebenso wie mein Importhändler.

  7. Yoshi sagt:

    Wie seriös und anständig unsere Spielelobby ist, hat man ja gesehen an ihrem Verhalten gegenüber der Messe Leipzig.
    Und Schweigen kann auch als Schuldeingeständnis interpretiert werden. Welche Schmuddelfirma/Schmuddelbranche betreibt schon ausführlich PR?

    “Probiert mal, einen Bayern-Fan durch einen Protest-Marsch oder durch eine klare Statistik vom HSV zu überzeugen”

    Es geht um Fakten, und nicht um Sympathien. Wenn BIU und GAME bloß wirtschaftliche Argumente haben, werden sie niemanden überzeugen. Noch nicht mal die Spieler.

    • Wenn es nach Fakten ginge, bräuchten wir keine Politiker zu wählen, sondern nur einfach per Intelligenztest die klügsten Leute finden und sie für unser Land entscheiden lassen. So funktioniert die Welt aber nicht. Politik ist kein deterministisches Modell mit reiner Wahrheit als Input. Sonst würde es nicht solche Dinge wie Parteien, Fraktionszwang und Abstimmungen geben.
      Deswegen ist der Vergleich mit einem Fußball-Fan absolut korrekt. Frau von der Leyen ist eingeschworener Fan von Internet-Sperren und ist daher einfachen klaren Argumenten nicht zugänglich. Leider hab ich den Namen dieses psychologischen Effekts vergessen – wer hilft?

      • Sascha Schulz sagt:

        Meinst du vielleicht das?
        Querulanz:
        Starrsinniges, rechthaberisches Verhalten; sucht vermeintlich Recht durchzusetzen (jahrelange Prozesse); schlüssigen Argumenten nicht zugänglich; Denken beherrscht von der alles bestimmenden Idee des vermeintlich erlittenen Unrechts.

      • Jürgen sagt:

        “Leider hab ich den Namen dieses psychologischen Effekts vergessen – wer hilft?”

        Hmmm – vielleicht die industrielle Spiele-Lobby?
        Ich bin nur Gamer – da muss man zum Glück nicht mehr kennen als den “Mass Effect”-Teil 1! ;-)

        Ansonsten würde ich vorschlagen dieses Phänomen als den “von-der-Leyen-Effekt” zu benennen! Ihr zu Ehren. :-)

      • steffenj sagt:

        Verdrängen.

        Wird hier schön zusammengefasst: http://www.wuensche-10.de/Verdraengen.pdf

        Mir fallen da noch weitere Begriffe ein, wie z.b. engstirnig und dickköpfig. Auch Ignoranz, Einbildung (über die eigene, bessere Meinung) und geistige Blockade sind anwendbar.

        Passend dazu:
        “Menschen, die wenig Zutrauen in ihre eigene Meinung haben, sind am wenigsten dazu geneigt, sich mit anderen Standpunkten zu einem Thema auseinander zu setzen.”

        http://www.gesundheitpro.de/Psychologie-Die-meisten-Menschen-Psyche-A090701VOVAP117011.html

      • Yoshi sagt:

        Danke,
        ich weiß sehr gut wie die deutsche Politik funktioniert.
        Wenn man Spiele verteidigen will, braucht man dafür Fakten, mit Meinungen wie “Ich persönlich finde die Gewaltdarstellung nicht so schlimm” und “Ich kennen keinen dem Spielen geschadet hat” kann man nur bei Leuten punkten, die genauso so selber denken wie man selber.
        Und auch Starrköpfe lassen sich von Fakten eher beeindrucken.

        Den Fußball Vergleich versteh ich trotzdem nicht, Frau Leyens Sympathie für den HSV hat irrationale Gründe, ihre Sympathie für einen Kampf gegen Kinderpornogrpahie im Netz hat rationale Gründe. Auch sie hält die Internetsperren nicht für die Lösung aller Probleme, aber einen wichtigen ersten Schritt.

      • bigben sagt:

        Selektive Wahrnehmung?

  8. Kurz und knackig: Danke Boris! Eine solche klare und wirklich gute Erklärung was Lobbyarbeit ist und beinhaltet hat einigen Lesern wohl gefehlt. Kommt mir hier zwar manchmal wie Löwenzahl oder Sendung mit der Maus vor aber anscheind muss es so sein. Grüße von der Gameothek

    • Elvin sagt:

      Welch wertvoller Kommentar. Ich persönlich würde dir empfehlen die Schuhe auszuziehen, damit du noch weiter reinkommst..

  9. soulrise sagt:


    Deswegen ist der Vergleich mit einem Fußball-Fan absolut korrekt. Frau von der Leyen ist eingeschworener Fan von Internet-Sperren und ist daher einfachen klaren Argumenten nicht zugänglich. Leider hab ich den Namen dieses psychologischen Effekts vergessen – wer hilft?”

    Was in meinen Augen wohl eher daran liegt, dass sie sich ihrer Rolle als Politikerin in dem Bereich nicht bewusst ist. Ich als BVB-Fan erkenne doch, dass andere Vereiner erfolgreicher spielen, mehr Glück haben oder einfach die besseren Schiedsrichter beschäftigen. Das ändert ja nichts daran, dass mein Herz dem BVB gehört, in guten wie in schlechten Tagen.

    Als Fußballfachmann muss ich das immer mit einbeziehen. Ein objektiver Kommentar erfordert einen objektiven Blick, ob ich nun Bayern scheiße finde und Dortmund töfte, darf an dieser Stelle einfach keine Rolle spielen!

    Ähnlich ergeht es einem Herrn Pfeiffer, der mit Sicherheit in irgendeiner Art und Weise eine Autorität sein könnte. Aber im Bereich Jugendschutz ist er es definitiv nicht, also kann ich ihn als “Jugendschutzbeauftragter” doch gar nicht ernst nehmen, selbst wenn er oberflächlich betrachtet Recht hat.

  10. Politiker über 50 haben doch sowieso kein Verständnis für Computerspiele.
    Denen ist doch schon das TV Gerät im Kinderzimmer ein unhaltbarer Zustand.

  11. soulrise sagt:

    Falsch, AdlerMannheim, sorry.

    Sie haben Verständnis, weil sie ähnliches bereits selber irgendwie erlebt haben. Sie haben kein Verständnis mit dem Gelernten umzugehen.
    Ein Killerspielverbot führt unweigerlich irgendwann zu Faschismus – jetzt kann man sich aufregen und sagen:”Wie kann er sowas sagen?”
    Ganz einfach: Verbieten wir etwas, was streng genommen nicht falsch ist – und ein Spiel zu spielen ist definitiv nicht falsch (!) – tja, verbieten wir das, überschreiten wir eine Grenze. Und wer einmal eine Grenze überschreitet, wird sie zwangsläufig wieder überschreiten.
    Mal davon abgesehen, dass wir Faschismus schon oft genug probiert haben und es jedes Mal in die Hose gegangen ist, gibt es sinnvollere Alternativen.
    Warum nicht “böse” Medien für Erwachsene mit einer Art “Erziehungsabgabe” belegen? Ein, zwei Euro pro Artikel, den wir alle übrig haben und für einen guten Zweck gerne geben würden. Zweckgebunden, beispielsweise um Spielplätze zu sanieren und neuen “Lebensraum” für Kinder zu schaffen.

    Nein, wir streiten uns um beschissene Videospiele, anstatt irgendwas zu ändern (womöglich sogar noch zum guten), Ich könnte mich echt bepissen vor lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

    • Mein Erfahrungsschatz sagt: Jugendorganisationen werden Geld aus “blutigen Killerspielen” dankend ablehnen und einige Medien werden sich wie die Wölfe auf diesen Freikauf-Versuch stürzen.

      • soulrise sagt:

        Stellt sich die Frage, wer hier am Ende der Dumme ist? Ich sicherlich nicht, weil meine Idee rational betrachtet sogar ziemlich gut ist.
        Wer so dämlich ist (und das darf ich doch bitte mal in aller deutlichkeit so nennen), auf dieses Geld zu verzichten, ist es selbst schuld.
        Die Dummen sind am Ende die Kinder, denen Werte gepredigt werden, die von ihren Vorbildern mit Füßen getreten werden.
        Kein Wunder, dass aus kleinen Monstern große Idioten werden, oder?

        Jetzt mal ernsthaft:
        Verhindert ein Killerspielverbot, dass diese Medien konsumiert werden?! Nein!
        Gibt es zudem noch Medien, die weitaus schlimmer sein können als ein Egoshooter? Mit Sicherheit!

        Also: Warum es nicht mal auf eine vernünftige Art und Weise lösen? Warum müssen es immer Dinge sein, die schon in der Vergangenheit zu absolut gar nichts geführt haben?

        Ein Verbot hilft mir persönlich nicht, wenn ich nicht verstehen kann, warum es falsch sein sollte einen Egoshooter zu spielen, ganz ehrlich, ich kann das nicht rational erklären!
        Woher soll ich also überhaupt noch wissen, was richtig und was falsch ist? Und dann wundern sie sich, dass der Nachwuchs genau das gleiche denkt und das gleiche macht, woran alle andere Generationen vor ihnen gescheitert sind.

        Das wäre ja ziemlich komisch, aber während wir uns in einer kollektiven Slapstickfalle befinden, geht unser Lebensraum vor die Hunde. Und es mag abgedroschen klingen, aber die Erde braucht uns nicht!

      • Jürgen sagt:

        @soulrise:
        “Verhindert ein Killerspielverbot, dass diese Medien konsumiert werden?! Nein!”

        Doch! Ein Argument der Verbots-Gegner ist ja immer, dass sich die Leute dann eben die Sachen illegal Raubkopieren. Mag ja erstmal funktionieren. Aber wenn die normalen Verkaufswege verboten sind, werden die Firmen die Spiele allein deshab nicht mehr herstellen, weil man mit Spielen, die die Interessierten nur noch illegal über das Netz kopieren, kein Geld verdienen kann. Zeigt sich dank eMule ja jetzt schon – und die Spiele sind _noch nicht_ verboten. ;-)

        Aber wenn gewaltverherrlichende Spiele verboten sind, ist das nicht unbedingt schlecht. Dann können die Entwickler sich endlich auf Spiele mit Witz, Herz und Verstand konzentrieren. Das wird nämlich alles sehr vernachlässigt, weil bisher die meißte kreative Energie in möglichst realistisches Blutgeblubber investiert wurde.

        “Gibt es zudem noch Medien, die weitaus schlimmer sein können als ein Egoshooter? Mit Sicherheit!”

        There is allways a bigger fish. Aber nur deshalb die ETWAS weniger bedenklichen Medien nicht verbieten, wenn sie auch fragwürdig sind? Nicht, dass das jetzt alle Egoshooter sind, aber es gibt eben Medien, die ethische und moralische Maßstäbe zur Unterhaltung und zum Ankurbeln von Verkäufen bewußt mit Füßen treten. Gewisse Filme sind da nicht besser als diverse Spiele und die sind wiederum nicht besser als manche Bücher. Es gibt eben “problematische” Medien. Wenn also deren Inhalte durch “Gewaltpropaganda” ihren Teil zur gesellschaftlichen Verrohung beitragen, dann kann das ein Grund für eine Regierung sein, sie zu verbieten. Und gewisse Spiele werfen eben gewisse Fragen auf. Es gibt zwar keine “Beweise”, die belegen, dass Computerspiele Gewalt fördern, es gibt aber auch keine “Beweise”, dass es nicht so ist.
        Anders gesagt:
        Nur weil Du oder 50.000 andere Unterzeichner, die sich gegenseitig die Fahne halten, aus dem Bauch heraus sagen, dass das mit der Verrohung nicht so ist, heißt es nicht, dass das WIRKLICH nicht so ist. ;-)
        Die Waffenlobby behauptet umgekehrt ja auch, dass Waffenbesitz kein Problem ist, dass die Gesetze wie sie sind ausreichend sind und man Waffen zuhause brauchen darf. ;-)

        Ich bin, was Spiele betrift, hin und hergerissen und denke viel darüber nach. Ich glaube nicht, dass es allein an extremen Titeln liegt, aber sie tragen sicher ihren Teil _auch_ dazu bei, wenn sich bei jungen Menschen, die labil sind, Psychosen bilden. Weil sie Öl auf’ s Feuer gießen.

        Was mich immer aufregt ist, wenn die Argumente dann zurechtgebogen werden. Zum Beispiel, dass es schon immer Amokläufe gab. Das mag ja stimmen, aber Amokläufe bei Jugendlichen, in dieser Altersgruppe, in diesen extremen Außmaßen – dass ist eben neu und es gibt da Muster, die auffällig sind. Muster die zeigen, dass unter anderem auch der Umgang mit den “neuen Medien” nicht “gesund” für die Betroffenen waren.
        Wie gesagt, es gibt noch genug Fragen.

        “Das wäre ja ziemlich komisch, aber während wir uns in einer kollektiven Slapstickfalle befinden, geht unser Lebensraum vor die Hunde. Und es mag abgedroschen klingen, aber die Erde braucht uns nicht!”

        Genau. Deshalb ist das “Recht auf Gewalt”, wie es die “Actionspieler” im Grunde fordern, ja auch zum Glück nur ein ziemlich groteskes Luxusproblem. Gibt wichtigere Dinge, die man anpacken sollte, aber man zockt halt lieber. Ist ja auch angenehmer, als sich mit der Realität auseinandner zu setzen. Umweltprobleme oder echte Menschenrechtsverletzungen kann man eben nicht bequem mit einem Mausklick oder einer Petition aus der Welt schaffen. ;-)

        Du sagst, die Erde braucht uns nicht, ich sage: ich brauche nicht unbedingt extreme Actionspiele. Sollten die verboten werden, trauere ich denen keine Träne nach, die brauche ich nämlich auch nicht unbedingt, um glücklich zu sein. Ich würde mir wie gesagt wünschen, die Entwickler würden ihre Kreativität in Humor, Story und Spielmechanik investieren, anstatt in Splattereffekte.

  12. cndic sagt:

    Vielen Dank für die gute Zusammenfassung zum Thema Lobby-Arbeit!

    Das Problem ist damit aber nicht aus der Welt: Ich fühle mich in diesem Land diskriminiert.
    Diskriminert von einer negativen Berichterstattung in den Medien, welche mein Umfeld gegen mein Hobby aufbringt.
    Diskriminiert von einer wenig sachlichen und inhaltlich oft falschen politischen Diskussion, welche scheinbar teilweise durch den Wahlkampf motiviert ist.
    Und nicht zuletzt diskriminiert durch potenziell verfassungswidrige Gesetzesvorlagen, welche schlimmstenfalls teilweise durchgehen, oder erst vor dem Bundesverfassungsgericht zurückgepfiffen werden.

    Und ich fühle mich auch nicht wohl dabei, aus dieser Situation heraus ab sofort nur noch Piratenpartei zu wählen. Das ist für mich keine Lösung.

    Es gibt mehr Fraktionen in dieser Sache als nur “wir” und “die anderen”. Insbesondere besteht ein riesiger Unterschied zwischen den Spielefirmen und den Spielern.
    Wie Boris oben sehr richtig hervorhebt, sind “die Spielefirmen auch in Deutschland [in erster Linie] daran interessiert, Geld zu verdienen”.

    Aber ich bin Spieler, ich bin König Kunde, und die Interessen der Spielefirmen können mir völlig egal sein.
    Ich will in erster Linie nicht mehr diskriminiert werden.
    Ich will eine sachlich richtige und vorsichtig positive Berichterstattung in den Medien, welche mein Umfeld endlich über mein Hobby aufklärt und mit alten Vorurteilen aufräumt.
    Ich will eine sachlich richtige politische Diskussion, in der ich mich repräsentiert fühle, die allen Seiten gerecht wird und die keinen Wahlkampf auf meine Kosten betreibt.
    Und ich will Gesetze, die mich in der Ausübung meiner Persönlichkeitsrechte schützen, solange ich niemand anderem schade, und die nicht “im Zweifel gegen den Angeklagten” prophylaktisch meine Rechte einschränken. Und die über mehrere Jahre Bestand haben und nicht ständig neu aufgerollt werden.

    Die Gretchenfrage ist: Was kann ich als einzelner Spieler beitragen, um all dies zu erreichen?
    Wo kann ich mich einbringen, wo auf die Straße gehen, welchen Verband gründen oder welcher Gruppe beitreten? Und wie organisieren wir die Millionen Spieler in diesem Land so, dass diese genauso handeln?

    • Medien sind glücklicherweise frei und unabhängig und können über das Thema berichten, wie sie wollen. Daher: Journalist werden und in einem großen Medium diese Einstellung etablieren und vertreten?

      • SVZ Dom sagt:

        Gut, im Prinzip stimme ich da ja zu. Im Moment finde ich den Großteil der Medien aber nur populistisch. Es gibt sich doch keiner auch nur ansatzweise die Mühe, objektiv an die Sache heranzugehen. Wenn ich mir manche Reportagen im TV ansehe, die sich mit dem Thema befassen, dann frag ich mich ernsthaft, ob da noch von Unabhängigkeit geredet werden darf? Vielmehr wird doch größtenteils gefährliches und in keiner Weise fundiertes Halbwissen verbreitet. Ich studiere Lehramt, während meinen Praktika hab ich an zahlreichen Lehrerkonferenzen teilgenommen. Da wurden z.B. Flugzettel verteilt, die auf einem Bericht des ZDF basierten, und alle Spieler quasi zu Kriminellen verurteilt haben. Ich hab den Zettel leider weggeschmissen, deshalb weiß ich nicht mehr wie die Bewegung hieß, die da lauthals zum Verbot von Killerspielen aufgerufen hat. Was ich aber noch weiß, dass viele Lehrer sofort auf diesen Zug aufgesprungen sind. Als ich mich “geoutet” habe, habe ich nur ungläubige Blicke geerntet. Ich hab mal nen interessanten Artikel zu den ganzen Aggressionstheorien gelesen, es mag sein, dass da schon was dran ist. Ich hoffe ich darf den Link hier posten;-)
        http://www.wissenschaft-online.de/artikel/835467&template=d_sdwv_pdf
        Ich denke aber trotzdem, dass man erwachsenen Menschen ihr Hobby nicht verbieten darf, vielmehr sollte man dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche gar nicht erst an diese Spiele kommen, und Eltern über die Spiele aufklären, die sie ihren Kindern da gerade kaufen. Ich erinnere mich noch an Call of Duty 4, da stand ein höchstens 13 Jähriger mit seiner Mama an der Kasse und hat sie das Spiel kaufen lassen. Das wäre der Punkt an dem man ansetzen sollte. Und das muss in die Köpfe der Leute, die jetzt nach generellen Verboten schreien.

  13. TitanBlue67 sagt:

    Zu wissen DAS Ihr was tut, dass es aber halt subtiler abläuft als viele es erwarten, ist doch schon beruhigend :)

  14. Rizzo sagt:

    Vielleicht sollte man nur einigen Politikern einen gut bezahlten Vorstandsjob in der Spielebranche anbieten… das scheint manchmal ja auch sehr wirkungsvoll zu sein.

    Und das ist nicht ausschließlich nur sarkastisch gemeint.

  15. soulrise sagt:

    @Jürgen: Jein – es wird kein Herstellungsverbot geben und es wird auch immer offene Märkte für diese Medien geben.
    Es geht ja nicht nur um Videospiele und ich persönlich kenne Medien, die alles andere als zimperlich mit der menschlichen Psyche umgehen.

    Das Problem ist nicht das Medium an sich, dass vollkommen neutral daherkommt, egal wie blutig und ekelhaft. Erst mit dem Konsum bekommt es einen Wert und der ist stark vom Individium und seinem sozialen Umfeld abhängig.

    Ein Verbot führt langfristig zum Faschismus, weil es nie bei einem Verbot bleibt!

    Mir sind diese Spiele doch scheißegal, ich brauche sie nicht und wünschte mir, dass es mehr Spiele wie “Beyond Good & Evil” gäbe.

    Aber mir ist das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht egal, weil ich weiß wie es Menschen wie mir in der Vergangenheit ergangen ist.

    Aber wie schon gesagt: Ihr werdet keine Probleme lösen, in dem Ihr was verbietet. Denn konsumiert wird es trotzdem und meistens fehlt durch das Verbot und die damit verbundene Tabuisierung die Möglichkeit gezielte Aufklärung zu betreiben.

    Oder warum haben selbst gefühlte 90% der “Gamer” überhaupt keine Ahnung wie Jugendschutz in Deutschland funktioniert? (Stichwort:”Die USK hat Spiele verboten/zensiert”).

  16. Jürgen sagt:

    @soulrise:

    “Es geht ja nicht nur um Videospiele und ich persönlich kenne Medien, die alles andere als zimperlich mit der menschlichen Psyche umgehen. …”

    Wenn das so ist, dann gibt es (theoretisch) zwei Gruppen von Menschen: einmal die, die sich von diesen Medien abwenden, weil sie so etwas krasses nicht sehen wollen und zum anderen die, die richtig Spaß an diesen Medien haben.

    Das Empfinden von Spaß oder Humor an der Darstellung von Gewalt erfordert aber Gewöhnung. Ich zum Beispiel kann mich sehr gut erinnern, dass ich als Kind bei Filmen total Angst bekommen habe, über die ich heute als Erwachsener lache. Oder Gewaltszenen schlimm fand, wo ich heute nur mit den Achseln zucke. Ich will nicht zu weit ausholen sondern nur sagen, dass man sich eben mit der Zeit und durch größeren Konsum bestimmter Dinge an diese gewöhnt und die Reizschwelle dadurch langfristig immer höher gesetzt wird. Man könnte es auch anders formulieren: man stumpft ab, was die Empfindung oder die “normale” Reaktion betrifft. Die Frage ist eben, was das bewirkt, wohin das führt – und das kann nicht nur ich nicht richtig beantworten.

    Aber ich weiß, dass es eine “normale”, fast instinktive Reaktion ist, dass Gewalt im Grunde als abstoßend empfunden wird oder als etwas Verwerfliches, was man anderen nicht antut.
    Jetzt gibt es aber Medien, die Gewalt als etwas cooles inszenieren. Boris hat auch mal hier das Wort “Mind-Fuck” benutzt, was den Vorgang der dann stattfindet ganz gut beschreibt. Im Kern bleibt das Gezeigte immer gleich: es wird Gewalt ausgeübt. Aber sie kann auch so inszeniert werden, dass der Zuschauer sie als angemessene und sogar notwendige Reaktion sieht. Ich denke mal, das KANN unreflektiert mit der Zeit, durch ständigen Konsum die “normalen” Wertmaßstäbe ändern und somit auch das Verhalten des Einzelnen.

    Es ist eben die Frage, die ich mir des öfteren Stelle: was hat es für einen Sinn, wenn es um Gewaltdarstellung geht, ständig Tabus zu brechen? Die Reizschwelle immer höher zu “trainieren”?
    Anders herum gesagt: ich würde vor allem hinterfragen, was die Politik da im Kern verbieten will. Ob das nun gut oder schlecht ist, sei erstmal dahin gestellt, aber ich denke den Politikern geht es in erster Linie um den Erhalt “gesunder” moralischer, zwischenmenschlicher Werte, eben alles Dinge die für ein friedliches Miteinander Grundvoraussetzung sind und das ist für mich alles andere als eine Entwicklung zum Faschismus hin.

    Ich denke ja auch nicht, dass man jetzt alle Probleme löst, in dem man Spiele verbietet. Aber ich denke viele Entwickler sind sich ihrer Verantwortung nicht bewusst, dass sie ein prägendes Medium erschaffen. Vielleicht wäre schon viel für die allgemeine Akzeptanz des Mediums getan, wenn sie eben nicht so sehr auf die Kacke hauen würden, nur um Geschmacksgrenzen zu übertreten, damit ihr Produkt aus der ohnehin schon blutigen Masse noch ein bißchen mehr heraussticht.


    “…Das Problem ist nicht das Medium an sich, dass vollkommen neutral daherkommt, egal wie blutig und ekelhaft. Erst mit dem Konsum bekommt es einen Wert und der ist stark vom Individium und seinem sozialen Umfeld abhängig.”

    Das “Problem” ist die Botschaft des Mediums, aber beides gehört eben zusammen. Videospiele werden von vielen Menschen konsumiert. Sicher sind auch viele dabei, die stattdessen eher mal ein Buch lesen oder sich mehr ihren zwischenmenschlichen Beziehungen widmen sollten. Was willst Du also machen, wenn der Wert des Mediums von dem Individuum und seinem sozialen Umfeld abhängt? Einen Führerschein für Computerspiele einführen?

    “Aber mir ist das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht egal, weil ich weiß wie es Menschen wie mir in der Vergangenheit ergangen ist.”

    Dafür lohnt es sich ja auch zu kämpfen. Seine Meinung darf man aber äußern – sonst fänden diese ganzen Diskussionen mit den Politikern, die im Moment laufen, überhaupt nicht statt. Und man sollte die freie Meinung nicht mit dem Konsum von Videospielen gleichsetzen. Die eigene, freie Meinung ist nämlich viel wertvoller, als jedes Videospiel, dass manche vielleicht nur vom Nachdenken über ihre eigene, freie Meinung abhält. ;-)

  17. soulrise sagt:

    Ein Verbot von Killerspielen führt unweigerlich zu Faschismus. Und es wird nicht nur verboten was “schlecht” ist, auch was den Status Quo von wasweißich gefährdet! Hier liegt doch die Gefahr.

    Und ich hatte als Kind übrigens tierisch Schiss im Dunkeln, habe ich heute nicht mehr – weil mich die Dunkelheit abgestumpft hat? Nein, weil ich mich weiterentwickel und lerne mit den negativen Aspekten des Lebens umzugehen. Dafür muss ich sie aber wahrnehmen, lernen sie wahrzunehmen und auch lernen damit umzugehen.

    Ich bin Pazifist und rühre keine Weltkriegsshooter an.

    Generell ist der Mensch/Mann schlecht und darum handelt er auch so. Sicherlich ist es den Herstellern von besonders sinnlos brutalen Medien scheißegal, was sie anrichten. Aber es gibt auch Branchen, die gehen bewusst und absichtlich über Leichen, vielleicht sollte man sich da mal orientieren, bevor man irgendeinen bescheuerten Mist verbieten will? Tja, da traut sich dann halt keiner ran. Zu feige, zu verlogen, zu menschlich?

    Und was ist die Botschaft? Beschreibe ich den Holocaust einfach nur neutral und objektiv, dann werte ich damit nicht, oder?
    Dann frage ich Dich nun: Bin ich nun “für” den Holocaust, oder “dagegen”?

    Generell ist die nüchterne und unbewertete Betrachtung einer schlimmen Sache durchaus gefährlich, weil ich als Konsument dann anfange zu werten. Entweder finde ich es toll, oder ich lehne es ab. Aber wer entscheidet, wie ich werte?

    Sind Filme wie “Fight Club”, “Uhrwerk Orange”, “Irreversible” beispielsweise nicht deutlich gefährlicher als ein beschissenes Ballerspiel ohne Anspruch, ohne Inhalt, der bloßen Unterhatlung dienend?

    Darum geht es doch und darum müssen wir uns wehren, wenn Dinge verboten werden, von denen wir profitieren können, wenn wir wissen, wie man damit umgeht!

  18. Dilanor sagt:

    Lobby arbeit muß in weiten Teilen unbemerkt bleiben, damit sie überhaupt effektiv ist. Gerade bei Themen, die, wie das unserige, in der Öffentlichkeit leicht ins falsche Licht gerückt werden können. Wie effektiv wäre Lobbyarbeit, wenn man Pressemeldungen herausgibt: “Verband XY hat heute in einem langen Gespräch die CSU Fraktion von einem neuen Antrag zur Änderung des Jugendschutzgesetzes abgebracht. Die Politker sahen ihre bisherigen Fehler ein.”

    Es versteht sich von selbst, daß unser solchen Bedingungen kein Politiker von keiner Partei mit einem reden würde. Also muß viel Arbeit in geschlossenen Räumen stattfinden. Ich meine: Ist wirklich keinem aufgefallen, daß wir trotz des Medienrummels seit damals in Erfurt bis heute kein pauschales Verbot für Action Spiele bekommen haben? Allein daraus, sollte man einiges über die sehr gute Arbeit der beiden große Verbände schließen können.
    Es gibt eine Lobby nur muß sie ruhiger agieren, als die Lobby für Windkraft, bei der jeder erstmal positive Assoziationen hegt.

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