Der Spieletest ist tot…

Von Boris, Mi, 25. Nov 2009 02:44

…er weiß es nur noch nicht.

Einige Leute, die ich kenne, verdienen ihr Geld damit, Spiele zu “testen”. Einige davon haben es sogar von mir gelernt, denn ich hab das früher mal selber gemacht. Sorry, Jungs (und Mädels). Es ist nicht persönlich gemeint.

Die Art und Weise, in der Spiele “getestet und bewertet” werden, ist mir schon seit 1995/96 suspekt (Kenner erinnern sich jetzt sofort an “5 Sterne”), aber inzwischen scheint das immer mehr Menschen klar zu sein – nur den meisten Zeitschriften (und Webseiten) noch nicht, die weiterhin so tun, als könnte man auf ein Spiel eine Zahl draufkleben und sich dann wundern, daß niemand ihre Druckwerke am Kiosk mehr kaufen mag.

Ja, das wird ein langer Post, mit vielen Gedankenwegen, die nicht immer direkt ineinander fließen, mehreren Schlußfolgerungen und, mal wieder wichtig zu betonen, einem Haufen PRIVATER Meinung, die ganz allein die meine ist und keinesfalls die meines Arbeitgebers. Also bitte beim Zitieren das Wort “Microsoft” oder “Xbox” weglassen und lieber “Ex-Chefredakteur von PC Player” schreiben. Danke.

Nachtrag zum Vorwort: Die erste Version dieses Artikels schrieb ich im Januar 2008. Die letzte Version von meiner Festplatte stammt vom Februar 2009 – deswegen sind viele Beispiele in diesem Artikel etwas älter. Heute habe ich mich dann aufgerafft, ihn nochmal poliert und Scharten ausgewetzt, weil ich mich sonst sowieso nicht mehr traue, diesen Artikel je zu veröffentlichen. Richtig fertig ist er irgendwie immer noch nicht. Jetzt paßt es aber, angeregt durch die Diskussion rund um meinen letzten Blogpost. Jetzt muß er raus, so roh wie er ist.

Die europäische Geschichte der Spieletests beginnt so zum 1983 herum, als jeden Monat nicht nur Dutzende neuer Spiele für Sinclair Spectrum und C 64, sondern auch Heimcomputer-Magazine erscheinen, die diese Spiele “testen”. Die Macher der Zeitschriften “Crash” und “Zzap 64″ etablierten dabei die “Prozent-Wertung”. Ein Spiel erhielt danach zwischen 0 und 100% je nach gefühlter Qualität.

Dann kamen Lenhardt & Schneider, machten Power Play, übernahmen die Prozent-Wertung als tolle Idee, und das Schicksal nahm seinen Lauf.

Konnte man damals aus der Kombination von jugendlichem Leichtsinn (beide “Tester” unter 20 Lenzen) und der allgemeinen Beschränktheit des Themas Videospiel (so viele unterschiedliche Konzepte gab es damals auch wieder nicht, sehr viele Spiele waren sich sehr ähnlich) mit dieser Wertung ordentlich hantieren, so ist doch heutzutage die Wertung ein böser Anachronismus, der abgeschafft gehört. Man kann zwei Side-Scrolling-Shooter mit gutem Willem miteinander vergleichen und dem einen 40 und dem anderen 80 Prozent geben, basierend auf technischer Qualität und der Flugbahn der Gegner. Bei storygetriebenen 3D-Shootern, die noch dazu auf zehntausend verschiedenen Hardware-Kombinationen laufen müssen (jaja, die PCs), ist das schlicht und einfach unmöglich.

Wertungskasten – fangen wir mit dem Allerschlimmsten an.

Viele der Medien versuchen, dem Wahnsinn Methode zu verleihen. Guckt man in eine Computer-Bild-Spiele, findet man ernsthaft Wertungskästen wie diesen:

Spielspaß 70% 2,96
Spieleinstieg 10% 3,00
Einzelspieler (mit 25% gewichtet) 6,25% 3,55
Mehrspieler (mit 75% gewichtet) 18,75% 3,38
Grafik 14% 2,75
Sound 9% 1,67
Texte 2% 4,00
Steuerung 10% 3,00
Service 5% 3,30
Installation/Ladezeiten 5% 3,00
Einstellmöglichkeiten 16% 2,38
Sprache 4% 1,00
Zwischennote 100% 2,81
Abwertung wegen geringer Hardware-Probleme   +0.50
Testergebnis befriedigend 3,31

 

Für den, der nicht regelmäßig die CBS liest: Das hab ich mir NICHT ausgedacht. Das steht da so, Seite für Seite. Für die Nicht-Mathematiker unter uns: Da ein Wert, der mit 5% (einem Zwanzigstel) in die Wertung eingeht, auf ein Fünfzigstel genau angegeben wird (3,3 von einem Bereich von 1,0 bis 6,0), kann die Computer-Bild-Spiele-Redaktion also tatsächlich Spiele mit einer Präzision von 1 zu 1000 messen (der Output hat immerhin noch 500 Stufen, von 1,00 bis 6,00). (Wenn man für den Vergleich die 2% bei den Texten und die voll angegebene Präzision von 4,00 (statt nur 4) heranziehen würde, wären wir bei 1:25000. Ja, Fünfundzwanzigtausend). Umgekehrt gerechnet: Ein perfektes Spiel (alles 1,0) mit ein paar Tippfehlern (Note: 1,5) wird in der Wertung auf 1,01 ((98*1 + 2*1,5)/100) abgewertet. Gut zu wissen! Das beeinflußt meine Kaufentscheidung enorm!

Ich frage mich manchmal, ob die Redakteure, die diese Kästen ausfüllen sollen, bei der Arbeit hysterisch kichern oder leise weinen, wenn sie sich des gehobenen Schwachsinns solcher Wertungen bewußt sind.

Wie man sein eigenes System ad absurdum führt

Auf den ersten Blick scheint Gamepro einen Ausgleich gefunden zu haben: Ja, es gibt die doofe Hunderter-Wertung. Aber eine Auswahl von Redakteuren gibt dem Spiel eine private Wertung im 10er-System, und die sind wirklich unabhängig und müssen nichts mit der 100er-Wertung zu tun haben. Ein guter Kompromiß. Oder?

Ich beantworte das nur mit dem Resident-Evil-5-Test aus Ausgabe 3/09. Auf Seite 19 geben Henry und Markus 9 von 10 Punkten. Schade nur, daß auf Seite 3 erzählt wird, wie Bernd und nur Bernd in Hamburg an zwei Tagen das Spiel gespielt hat. Logische Schlußfolgerungen zur Validität der persönlichen Meinung und überhaupt der ganzen Wertung, wenn nur ein Mensch das Spiel gespielt hat, überlasse ich dem geneigten Leser.

Update: Frühaufsteher Markus Schwerdtel hat mir gleich in einer E-Mail geschrieben, daß diese Geschichte längst aufgeklärt ist:  http://tinyurl.com/y92r4uj und  http://tinyurl.com/y89h38e  beschreiben, wie es bei diesem und ähnlichen Tests abläuft und er weist noch auf http://tinyurl.com/yfq4bnc  hin, wo beschrieben wird, wie die Redaktion mit Situationen umgeht, wo nur einer das Spiel testen kann. Ich halte das System aus all den anderen Gründen drum herum trotzdem für mangelhaft.

Es mangelt an Dynamik

Egal ob 100, 500 oder “nur” 10er-System. Schon seit Jahren fand ich es nicht gut, inzwischen sogar absichtlich irreführend, Spiele mit einer Zahl bewerten zu wollen. Dazu haben sich Computer- und Videospiele zu sehr weiterentwickelt. Der eine oder andere Spielefan empfindet sein Medium als packender, mitreißender oder weiterentwickelter als Film, Musik oder Buch. Nur die Leute, die sich wirklich intensiv mit Film, Musik oder Buch beschäftigen, geben entweder gar keine Zahlenwertung oder beschränken sich auf Systeme mit maximal 5 bis 10 Stufen.

Außerdem nutzen Sie die Dynamik ihrer Systeme aus. Da gibt es für einen als grottig schlecht empfundenen Film schon mal Null Punkte, oder einen halben. Die durchschnittliche Wertung von Xbox 360 und PS3 Videospielen in den diversen Zeitschriften schwankt zwischen 70 und 80 (alle Tests der letzten sechs Monate des Jahres 2008). Das kritischste Magazin in Deutschland wertet im Schnitt nicht schlechter als 72, das unkritischste liegt im Schnitt (!) über 80. (Daten von www.gamepress.de, auf die ich beruflich Zugriff habe, aber die ich hier nicht im einzelnen wiedergeben darf). Wertungen für Wii-Spiele sind im Schnitt ein paar Prozentpunkte schlechter, aber pendeln auch nicht um die 50%.

Das System mit den 100er-Wertungen ist also mathematisch gesehen schon mal völlig kaputt, wenn eh der Durchschnitt eine 75 kriegt. Oder, um die PC Games (die kommt gleich noch dran) zu zitieren: “Wertung < 50: Mangelhaft. Buchstäblich mangelhafte Spiele gefährden Ihre gute Laune. Selbst zum Budget-Tarif nicht zu empfehlen”.

Der Spreeblick hat das vor vielen Monaten im Rahmen der erweiterten Zehner-Skala (wenn man ne Kommastelle dranhängt, sind es eh wieder Hundert) mal durchgespielt: http://www.spreeblick.com/2008/06/25/warum-spielewertungen-mit-10er-skala-keinen-sinn-machen/ Fazit: du brauchst eine 100er-Skala, weil du ansonsten ja gar keine Unterscheidungsmerkmale für das Mittelfeld hast.

Die Zeitachse

Eines der ulkigsten, für mich inkonsequentesten Bewertungssysteme hat die PC Games. Die haben eine sogenannte “Motivationskurve” eingeführt, bei dem der Tester in regelmässigen Abständen (Level, Runde oder Zeitabstand) von 1 bis 10 bewertet, wie gut er unterhalten wurde. Daraus wird dann eine Durchschnittswertung gebildet und diese Kurve im Heft abgebildet. Aber statt einfach zu sagen “Der Tester sagt halt, wieviel Spaß es ihm gemacht hat” kommt vorab eine Litanei von Dingen, die positiven oder negativen Einfluß auf diese Kurve haben kann. Ich zitiere in Auszügen (die Erklärung nimmt im Heft eine klein bedruckte viertel Seite ein):

Mit vielen Punkten bewerten wir: Glaubwürdige Spielwelt – STOP! Ok, das schließt dann ja schon mal alle Fantasy-Spiele, alle Action-Spiele, ach eigentlich alles aus weil, bitte schön, glaubwürdig ist so ziemlich keine Spielewelt. Magische Momente – Sprich, alles was wir nicht beschreiben können, aber dann doch irgendwie Spaß gemacht hat.

Abzüge gibt es für: Technische Mängel …Erhebliche Spielunterbrechungen / Ladezeiten … nicht genau erklärte Spielfunktionen Seltsam – offensichtlich kann man ganz konkret aufzählen, was keinen Spaß macht. Aber nicht, was eigentlich Spaß macht. Prima, das bringt uns gleich zum nächsten Punkt. Etwas Geduld, nach der nächsten Überschrift wird es lustig!

Der Haken ist, daß diese Motivationskurve, ein Meßbalken für subjektiven Spaß, wieder als objektive Wertung verkauft wird. Daß ein Durchhänger in Level 4 die Gesamtwertung drücken muß. Daß die Spieldauer hier wohl eine Rolle spielt, aber eine sehr undifferenzierte. Daß der Spaß bei Multiplayer-Spielen im wesentlichen von den Mitspielern abhängt. Daß schon mal in den Illustrationen und Beschreibungen zu dieser Kurve 90% des Spieleplots verraten werden. Und so weiter. Aber um es kurz zu machen – hier wird die Illusion erzeugt, man könne individuellen Spaß messen und dann in eine allgemein gültige Wertung pressen.

Bitte bewerten Sie Spielspaß. Jetzt!

Natürlich läuft alles auf die Frage hinaus, wie man Spaß bewerten kann. Zählen wir mal ein paar Dinge auf, die Spaß machen: Fernsehen gucken, Fußball spielen (mit einem Ball, nicht mit einem Controller), Sex, Achterbahn fahren, schön Essen gehen, Stricken, Aerobic, Briefmarken sammeln, eine Wanderung durch die Alpen, PHP Programmierung und CSS Stylesheets.

Und ich wette das schon alleine in dieser Aufzählung der Eine oder Andere gesagt hat “Das macht mir nun wirklich keinen Spaß”. Ist ja nicht jeder gerne Achterbahn-Fahrer.

Nun haben es die Achterbahn-Fans unter uns noch recht leicht, denn wir haben ein relativ begrenztes Gebiet mit physikalischen Kriterien: Wie schnell, lang, kurvig ist die Bahn, wann wirken welche G-Kräfte? Alles messbar mit Instrumenten. Daraus kann man eine Form von Wertung für die Bahn errechnen. Damit nimmt man sogar die gleichen Kritierien wie der Konstrukteur: Damit die Achterbahn Spaß macht, muß da noch ein Looping rein. Rollercoaster Tycoon halt, der macht das genau so.

Nur: Die Achterbahn, die mir persönlich am meisten Spaß macht, ist eine recht langweilige Achterbahn. Aber “Space Mountain“ im Disneyland (Kalifornien) ist

a) im Dunkeln mit einem

b) komplett durchgezogenen Weltraum-Motiv schon in der Warteschlange welches

c) tolle optische Effekte während der Fahrt bietet während

d) eine auf den Lauf des Wagens perfekt synchronisierte Musik die Fahrt zu einem Tanz auf Schienen macht.

Als pure Achterbahn ist Space Mountain langweilig, als multisensorisches Erlebnis aber eine Wucht in Tüten. Und schon ist die Vergleichbarkeit hin. Ist das jetzt bezogen auf den Silver Star im Europa Park eine 4 (viel zu langsam) oder eine 10 (geile Musik, absolut im Takt mit jeder Kurve)?

Schon mit dem Thema Achterbahn habe ich die Möglichkeit einer objektiven Bewertung von “Spaß” mit Zahlen mal eben so zerstört. Was mir erspart, hier jugendfrei den Beweis mit dem Thema Sex antreten zu müssen.

Und weil es so wichtig ist, hier für alle zum Ausdrucken und an die Wand kleben:

Spaß kann man nicht mit einer allgemeingültigen Zahl bewerten, denn der “Spaß” einer Situation wird von jedem Menschen anders empfunden. Wir sind alle Individuen.

 

Also, rammen wir jetzt bitte dem Bewerten eines “Spielspaßes” endgültig den Holzpflock durch das kalte, schon lange nichts mehr fühlende Herz.

Casual Games machen vielen Leuten Spaß!

Hier ist das dreckige kleine Geheimnis der Spieletester: Die sogenannten Casual Games. “Puzzle Arcade” auf Xbox Live ist ein für viele Leute zweifelhaftes Vergnügen (selbst ich halte ein echtes Puzzle mit Teilen aus Pappe für sinnvoller). Aber ich kenne einen Redakteur einer Spielezeitschrift, die nur Hardcore-Spieler bedient, der das tagelang gespielt hat. Tagelang! Obwohl hundert andere Xbox Spiele in seiner Reichweite lagen. Gestandene Ego-Shooter-Recken spielen heimlich auf dem Iphone nette kleine 99-Cent-Spiele, die sie aber im Heft als PC Produkt hemmungslos verreißen würden.

Die “Tests” zu Casual Games wie “Interpol” auf Xbox Live Arcade fallen in zwei Lager, ok drei.

  1. Ich versteh das nicht wirklich und will keinem auf die Füße treten, deswegen geb ich mal 50 und mach den Test so klein wie möglich (das ist nicht wirklich ein Test, daher zählt es eigentlich nicht).
  2. Die technische Umsetzung ist absolut beschissen, das Bild ist unscharf, die Lupe funktioniert nicht, so macht das keinen Spaß, Wertung: 30 (das laß ich so gerne gelten – das ist eine absolut gerechtfertigte Kritik)
  3. Es ist sterbenslangweilig, Gegenstände in Bildern zu suchen, das ist höchstens was für Kleinkinder, Wertung: 20

Spieletester Nummer Drei sollte sich schleunigst einen neuen Job suchen. Denn diese “Hidden Object” Spiele sind sind vier Jahren ein absolutes Phänomen im Casual Gaming Markt. Woche für Woche kommen ein bis zwei neue Titel in dieser Kategorie. Es gibt inzwischen Reihen mit Sequels zu Hits aus diesem Genre. Das gäbe es nicht, wenn sich diese Spiele in den Online-Portalen nicht wie geschnitten Brot verkaufen würden. Hidden Object Spiele sind das Moorhuhn dieses Jahrzehnts. Da haben hunderttausende von Leuten, keinesfalls Kleinkinder, Spaß mit!

Wenn Tester Nummer Drei geschrieben hätte: “Ich finde das langweilig, wer wie ich nur auf Shooter steht, sollte das besser nicht downloaden,” könnte man ja noch gnädig sein. Aber aus dem eigenen begrenzten Geschmack abzuleiten, dem Entwickler mit der 20 mal so richtig eins vor den Latz knallen zu dürfen?

Ich liebe Hidden Object Spiele. Sie machen mir einen Heidenspaß. Ich habe sie aber zwei Jahre lang nicht angerührt, weil entweder gar keiner darüber berichtet hat oder aber nur abfällige Kommentare zu lesen waren. Bis heute kenne ich keinen “Test”, der diese Spiele vernünftig “beschreibt”, nicht nur auf einer technischen Ebene sondern auf der, wie man sich beim Spielen dieser Produkte fühlt und warum man einfach nicht aufhören kann, zu spielen.

Womit wir bei Metacritic wären

Computer sind große Datenverarbeitungsmaschinen. Sie nehmen Zahlen, kauen sie nach Programm durch und spucken unemotional ein Ergebnis aus. Und weil das heutzutage alles ganz einfach ist, gibt es “Metacritic”. Wer das nicht kennt: Das ist eine Webseite, die einfach alle verfügbaren Spieletests einsammelt, den Durchschnittswert aller Test-Bewertungen errechnet und damit eine “objektive Qualität” vorgaukelt.

Im Zeitalter der schnellen Datenverarbeitung ist sowas wie Metacritic natürlich unvermeidbar, aber das macht es nicht besser. Denn Metacritic ist ein Zerrbild von Zerrbildern. Der Input sind “Testberichte”, die allerdings alle auf völlig unterschiedlichen Kritieren, Methoden und anderen meinungsbildenden Maßnahmen basieren. Da Metacritic sich nur die Zahl, aber nicht den Text, die Intention, den Hintergrund zu eigen macht, ist der Input schlicht und einfach Müll. Dem kommt Metacritic angeblich mit einem Algorithmus entgegen, der bestimmte Tests mehr oder weniger in seiner Durchschnittsberechnung gewichtet, aber dieser Algorithmus ist geheim. Input unbrauchbar, Algorithmus unbekannt – aber das Ergebnis wird auf einmal als “Urteil” akzeptiert?

Nun gibt es aber diese ominöse angebliche “Durchschnittswertung” und logischerweise muß es ein Hersteller darauf anlegen, diese zu “optimieren”. Ich habe hier eine ganz klare Meinung: Da es sich hier um eine unlautere Methode handelt, ein Produkt auf eine Zahl von 1 bis 100 zu reduzieren, darf ich als Hersteller auch alles legale versuchen, diesen Prozess zu beeinflussen und die Zahl möglichst hoch erscheinen zu lassen.

Wie schon an anderer Stelle beschrieben, startet der Metacritic-Wert oft hoch, weil in der Regel besonders positive Tests früher erscheinen. Dann sinkt er langsam, während Tests mit weniger guten Noten eintrudeln und den Schnitt drücken, wie man so schön sagt. Nun gibt es aber definitiv Medien, die es inzwischen drauf ansetzen, “Kontrapunkte” zu geben. Wenn einem an Spiel A was nicht gefällt, es aber auf Metacritic aber gerade mit 93% da steht, kann man keine 84 mehr geben, jetzt muß es eine 79 sein um a) diese völlig überzogene Metacritic-Wertung mal ein wenig runterzuholen und b) um seinen Lesern erneut zu beweisen, daß man das einzig kritische, ungekaufte Organ der Spieletestwelt ist. Absurd? Keinesfalls – diese negative Rückkopplung gibt es tatsächlich bei einigen Medien respektive einzelnen “Testern”, die sich nicht nur als Ritter der Spielekäufer sondern auch als Retter der Durchschnittswertung sehen. Und natürlich sind die Leute, die ihren eigenen Test ein bisschen schlechter machen, um den Schnitt auszugleichen, edel, hilfreich und gut, während die Industrie, die sich die ersten Testpartner so aussucht, daß der Metacritic Wert am Anfang weiter oben steht, fiese manipulative Schweine sind. Fakt ist: Da wollen zwei Seiten eine Webseite austricksen, die aus mangelhaftem Datenmaterial ein “Ergebnis” vortäuscht, was gar keins ist.

Ich kann Metacritic nicht abschaffen – ich nutze es sogar, wenn es von Vorteil für mich oder meinen Arbeitgeber ist (machen andere ja auch). Aber mögen muß ich es deswegen noch lange nicht und für meinen privaten Spieleeinkauf ist Metacritic nicht mal im Ansatz ein Kriterium.

Und wehe, man hat eine andere Meinung!

Eine meiner Lieblingszeitschriften, “Edge” aus England, schreibt schöne Reviews, analysiert oft treffend, was an Spielen gut und was schlecht ist und nimmt Spiele im allgemeinen Ernst. So auch Killzone 2, welches Edge detalliert auseinander genommen hat, die Action und Spielmechanik lobt, den Multiplayer gut findet, aber am Ende des Tages sich über eine der generischsten Stories seit Jahren aufregt. Sehr detailliert geschrieben.

Der Haken: Unter dem Artikel steht nun mal eine Wertung, die ist 7 von 10.

Da aber das halbe Internet und diverse Zeitschriften die 90er haben prasseln lassen und Edge mit seiner 7 relativ alleine da steht, fliegen in Internet-Foren die Fetzen. Und gefühlte 95% aller Kommentar-Schreiber sind der Meinung, die von Edge haben keine Ahnung, sondern sind “Fucking Idiots” die nicht wissen wir man Spiele testet, weil “ichhabeaucheinewebseite.com” schließlich 90 Punkte gegeben hat. Da liest man “ihr habt keine Ahnung”, dabei ist es vom Text her einer der detailliertesten Reviews zu diesem Spiel, der Vergleiche mit anderen Titeln absolut schlüssig recherchiert.

Wäre ich noch Journalist einer hochauflagigen Spielezeitschrift (ha!), wäre ich in diesen Augenblicken geneigt zu sagen: Wißt Ihr was? Wir schreiben gar keine Texte mehr in unserem Heft. Wir machen Screenshots, den Pressetext des Herstellers und eine unkontroverse Wertung. Denn mehr wollen viele Heftkäufer wirklich nicht wissen!

Was die Magazine falsch machen

Wenn ich eine Spielezeitschrift machen würde, müßten die Wertungen rausfliegen und durch was ganz anderes ersetzt werden. Denn seit zehn Jahren haben die Zeitschriften kein “Wertungsmonopol” mehr, da im Internet jeder Hinz und Kunz eine Wertung abgeben kann – und dann kommt mit Metacritic auch noch die große Durchschnittswertung. Danach hat die “83%”, die man unter seinen Artikel geklebt hat, gar keinen Wert mehr, sondern ist nur noch eine Zahl von vielen.

“I am not a number!” sollte jedes Videospiel schreien.

Dummerweise hat man sich aber ein Publikum rangezüchtet, das nur auf diesen Wert schaut. Das Internet kann sich um die Leute, die die Zahlen sehen wollen, viel besser, aktueller und unprofessioneller kümmern. Denn die Journalisten, die nicht nur Elektronen verschicken, sondern echtes Papier bedrucken wollen, sollten doch an sich selbst den Anspruch haben, was besseres abzuliefern als die ganzen Webseiten. Was besseres – das ist in jedem Fall nicht noch eine Zahl und noch ein komplizierter Wertungskasten. Das ist Text und Bild, vielleicht auch Audio und Video.

Ist es nicht traurig, wenn ich hier sagen muß, daß für mich der eine Spielekritiker, der mich regelmässig unterhält und informiert, Ben Croshaw von Zero Punctuation ist? Der im Alleingang eine “neue” Form von Spielkritik erfunden hat, die trotzdem mehr über Spiele aussagt als jede Testtabelle, die ich auf Papier oder im Web finden kann. Kann nicht jemand in Deutschland 25 Jahre nach Lenhardt & Schneider statt eines neuen Wertungskastens mal eine neue Textform oder so was erfinden? (Tatsächlich gibt es da was: Das Videoformat von Heinrich Lenhardt und Jörg Langer, bei dem die beiden ihre erste Stunde mit einem neuen Spiel dokumentieren und danach nur noch die Frage beantworten: “Würde ich weiterspielen?” Leider machen die beiden das nicht regelmäßig genug).

Meine Bitte an den Spielejournalisten

Werdet vom “Tester” zum “Kritiker”. Schreibt eure Meinung. Erzählt, was das Spiel mit Euch angestellt hat. Welche Emotionen es auslöst, wie euer Bauch und euer Kopf reagierten. Beschreibt die Technik, in Relation zur Handlung, aber nicht als lange Frameratenoptimierungswüste. Steht dazu, daß es sich um eine Meinung handelt, nicht um eine “objektive Wertung”.

Meinungen sind prima. Kritiken sind toll, wenn sie denn was erzählen statt aufzuzählen. Eine Spielablauf- und Technik-Beschreibung mit einer Zahl darunter ist sterbenslangweilig und, ehrlich gesagt, auch einfach zu machen. Dafür muß man sich nicht anstrengen, das kann jeder Hinz und Kunz im Internet auch und dafür gibt ein Leser heutzutage kein Geld mehr aus.

Bitte begrabt den “Spieletest”. Er wird dem vielschichtigen Medium Computerspiel schon lange nicht mehr gerecht.

120 Antworten für “Der Spieletest ist tot…”

    • Retro-Fan sagt:

      Ich bin nicht der meinung das der Spieletest tot ist.Ich habe von Anfang an Videospielzeitschriften gelesen wie die Videogames(RIP)und die M-Games(aka Maniac die ich auch jetzt noch regelmaessig lese)also bin schon mit zocken und lesen solcher Magazine seit Anfang der 90er dabei,und diese Test sid mir imer eine grosse Hilfe.Schliesslich will ich wissen ob man damit nur 1 Stunde oder 100 stunden Spass hat.Wobei die Maniac meiner meinung nach immer richtig lag,so das ich nie einen Fehlkauf getaetigt habe.Tests muessen bleiben

  1. K.Hansen sagt:

    Super Kommentar, Boris! Du solltest allerdings fairerweise erwähnen, daß gerade die “Edge” dieses völlig überholte und lächerliche Wertungssystem schon seit Jahren vollkommen auf die Schippe nimmt:

    “Edge’s scoring system explained: 1=one, 2=two, 3=three, 4=four, 5=five, 6=six, 7=seven, 8=eight, 9=nine, 10=ten”

    Das macht die ganze Aufregung und den Wertungsstreit um “Killzone 2″ nur umso absurder…

  2. shd sagt:

    Danke. Danke für diesen Artikel. Ich komme nicht umhin Ihnen einfach mal 100% zu geben. 10/10. Lesespass: sehr gut! Ich hoffe dass das eine oder andere Spielmagazin/Seite auf den Artikel stößt und mal gründlich nachdenkt.

  3. DS_Nadine sagt:

    Jepp, ich habe den ganzen Artikel gelsen, sehe das Problem aber dennoch nicht. Es liegt meist an den Lesern selber.

    Meist weiss man eh schon was einem in etwa gefällt. Also macht es Sinn sich mal den schlechtest gewerteten Testbericht (zB auf Metacritic) rauszusuchen und selbst zu überprüfen ob einen die angesprochenen unzulänglichkeiten des Spiels persönlich stören.

    Das Videospiele mittlerweile fast Ausnahmslos von einer derartig guten handwerklichen Qualität sind das die Wertungen eh alle völlig hinfällig sind ist eine andere Geschichte.

  4. Tloen Uqbar sagt:

    Interessant. Der Hersteller gibt das Spiel vor Veröffentlichung an die Spielezeitschrift und erwartet im Gegenzug Hofberichterstattung. Durch die (ewig gleich) hohen Bewertungen verlieren “Spieletests” aber jegliche Relevanz. Und wie nennt man das? Ganz klar: Symbiose.

    • Markus sagt:

      Du und viele andere raffen es nicht oder? Kein wird verpflichtet eine gute Bewertung zu schreiben. Nur sollen sie, im Gegenzug das Sie das Spiel bekommen, bei einer schlechten Bewertung warten bis es erschienen ist. Keiner wird dadurch gezwunden eine gute Bewertung für das Game abzugeben.

  5. StormJF sagt:

    Schöner Artikel. Recht hat der Ex-Chefredakteur von PC Player. Bericht über ein Spiel ja, “Test mit Bewertung” nein. Ehrlich, die Idee mit den Screenshots finde ich zumindest bedenkenswert.

  6. bwalde sagt:

    Applaus, applaus, applaus !!!

    Bis auf Deinen verklärten Blick, was Deinen Einfluss (ja, Ihr hattet bestimmt Einfluss, aber war er so groß?) angeht, bin ich ganz Deiner Meinung.

    Ich habe ja bereits an anderer Stelle kurz beschrieben, wie sich solche Tests für mich als Spieler lesen.

    Es kommt immer häufiger vor, dass 9x% Titel zwar gut waren, aber definitiv weniger Spass gemacht haben, als z.B. ein 7x% Titel. (und viceversa)

    Was mich angeht, so bin ich relativ tolerant, was die technische Umsetzung angeht. Einzig die Steuerung muss funktionieren. Wenn ansonsten ‘mal Objekte aufpoppen oder Tearing zu sehen ist, kann ich damit leben, wenn das Spiel Spass macht. Ein negativ Beispiel ist für mich Need for Speed in den letzten 4 Teilen. Ich empfinde die Steuerung als indirekt und die Grafik ruckelt ordentlich. Das geht für mich gar nicht, für viele, viele Zocker ist die Serie aber ein großer Spielspasskracher.

    Ich finde mittlerweile bewegte Bilder von einem Game aussagekräftiger als irgendwelche Tests.

    Eine Zahl kann den Spielspass und das Spielerlebnis für mich nicht wiedergeben!

    Einen ganz guten Ansatz verfolgt die Zeitschrift GEE, wie ich finde.

    Ansonsten ziehe ich Demos und YouTube Videos vor, um eine Kaufentscheidung herbeizuführen.

    Und seien wir einmal ehrlich, wenn einen das Genre und der Plot interessiert, kann man heute doch fast blind zugreifen. Richtig verbockte Spiele gibt es kaum noch.

  7. spanksen sagt:

    Großartig Boris, vielleicht die Idee um dem Medium Videogamezeitschrift aus der Krise zu helfen und dumme Wertungen dem Internet zu überlassen

  8. Michael Lankes sagt:

    Zunächst mal: ich gebe Dir in jedem Punkt recht (abgesehen von Deiner Meinung, dass aufgrund des Wertungsunsinns auch Manipulationen der Hersteller völlig legitim sind – aber das wurde ja schon im letzten Blog ausführlich diskutiert).

    Nur Deinen Schlussfolgerungen kann ich nicht folgen. Du beschreibst sehr schön, dass im Grunde auch die Verantwortlichen leise weinen müssen, bei dem Wertungssystemkäse, den sie verzapfen. Ich bin sicher, dass, abgesehen von kleinen fanboy Websites, auch wirklich kein Redakteur an sein absurdes Zahlenungetüm glaubt. Und Du lieferst auch den Grund, warum sie es trotzdem machen: weil die Leserschaft es will.

    Warum also sollten sie Deinem Rat folgen, ernsthaftere Reviews ohne Wertung, bzw. mit sinnvollerer Wertung zu schreiben? Jedes Magazin, dass das in Deutschland versucht hat, ist entweder weg vom Fenster oder hat arg zu kämpfen.

    Es ist einfach ein Generationenproblem, wir leben in einer Übergangszeit. Videospiele haben sich eben noch nicht als Kunstform freigeschwommen, sondern leben im Wesentlichen von einer Spielerdemographie, die Käsewertungen haben will. Schade zwar, aber so ist es halt.

    Die Spielezeitschriften machen momentan das einzig Richtige: sie nehmen noch so viel wie möglich von der begrenzten Zeit mit, in der sie überhaupt noch existieren werden – als Klolektüre, dem einzigen Ort, wo sie noch eine echte Daseinsberechtigung haben.

    Ich verstehe, dass diese Situation jedem Spieler, der schon etwas länger dabei ist und sich ernsthafter mit dem Thema beschäftigt, auf den Sack geht. Was Du allerdings aus Herstellersicht schreibst, kann ich nicht unterstützen. Natürlich ist es frustrierend, letztlich Wohl und Wehe einer großen Produktion am seidenen Faden der Schwachsinnswertungssysteme hängen zu sehen. Aber sehen wir’s realistisch: genau diese großen Produktionen richten sich eben an genau diese Zielgruppe, die Käsewertungen fordert. Wenn man ein pubertäres Spiel mit pubertärer Hypewerbung an ein pubertäres Publikum verkaufen will, muss man damit leben, das pubertäre Leute pubertär drüber schreiben und es pubertär bewerten. Das ist der Deal.

    Ein Independent Filmer wird sich auch nicht wundern und auch gar nicht drüber ärgern, dass sein Film vom Popcorn-Nerd verrissen wird. Wer Transformers dreht, muss auch mit den pubertären Jungs leben.

    Spielezeitschriften, wie wir sie heute kennen, werden kaputt gehen – und zwar schon bald und völlig zurecht. Irgenwann wird es einen Markt für gute Spielepresse geben – und der wird viel kleiner und exklusiver sein, so wie es auch bei guten Film- oder Musikzeitschriften der Fall ist. Im Internet werden sich fanboys weiter flamewars über Prozentpunkte liefern – und das ist auch ihr gutes Recht, weil sie den Käse schließlich finanzieren.

    • feierabend sagt:

      Nach dem Lesen von Boris Post hatte ich genau diese Gedanken im Kopf.
      Danke fürs aufschreiben, so erspare ich mir die Arbeit ;)

      Es fehlt irgendwie die c’t unter den Spielezeitschriften!

      Edit: Wobei ich noch mal sagen möchte, bei der Aussage dass schlechter Journalismus die manipulation des selben rechtfertigt, ich wirklich mit offenem Mund vor dem Monitor saß. :(

      • derKlaus sagt:

        Selbst die c’t hat im Spielesonderheft 2008 ( bin mir nicht 100% sicher) ein Zehnersystem zur Bewertung verwendet.
        Am nächsten kommt dem noch die GEE im Deutschen Markt.

  9. M@rlon sagt:

    Ich müsste lügen wenn ich sage, das ich auf Tests nichts gebe, aber auf einen Test alleine hin habe ich noch kein Spiel nicht gekauft.
    Und die GEE ist für mich das beste Beispiel wie man ohne Wertung, das Thema Games wunderschön beschreiben kann.

  10. Frybird sagt:

    First off, nette Anspielung auf “The Prisoner” ^^

    Nunja, das klang jetzt eher wie “Das Wertungssystem ist tot” als “Der Spieletest ist tot”. Aber da stimme ich auch zu.

    Ich selber habe mal hobbymäßig für ein Online-Musikmagazin gearbeitet und mich jedes Mal darüber geärgert, am Ende eine “von 5 Punkten” Wertung vergeben zu müssen (was imo bei Musik noch VIEL schwieriger ist als bei Spielen).

    Egal ob Punkte oder Prozent, das ganze war schon immer Unsinn. Was zählt sind nur die Tests.
    Ich für meinen Teil benutze Punktwertungen nur als Orientierung: Wenn ich mich für ein Spiel interessiere, lese(!) ich dann bei Metacritic die Reviews mit den höchsten Wertungen und die mit den niedrigsten (so wie eben die Reviews von Seiten denen ich vertraue) und seh halt was die Pro und die Kontra Seite zu sagen hat. Und je mehr Reviews, desto besser, denn so merkt man schnell, was WIRKLICHE Kritikpunkte an einem Spiel sind und was einfach nur den persönlichen Geschmack des jeweiligen Kritikers wiederspiegelt (wo wir dabei sind, BEN CROSHAW SOLLTE MAN NICHT ALS KRITIKER ZU RATE ZIEHEN! Denn in Zero Punctuation gehts ums humorvolle Lästern, und um die sehr eigene Meinung von Croshaw selber, was vorallem bei bestimmten Genres auffällt.)

    Was Spiele-Reviews angeht, die ohne Wertung auskommen, empfehle ich Kotaku, die gutes und schlechtes in einem Spiel gut zusammenfassen und eine Meinung statt einer Zahl vergeben, und VOR ALLEM The Escapist, deren Reviews komplett von irgendeiner Form von Bewertung befreit sind, und sowohl für Big Budget Titel als auch Casual Games offen sind.

    P.S.: Wenn du diese Sache mit der “Erste Stunde Dokumentation” magst, ich glaube hier ist der Ursprung: http://gamesforlunch.blogspot.com/

  11. neonoxDE sagt:

    Wie es der Zufall so will, habe ich einen Test für die Xbox 360 Version von Interpol für Xboxdynasty geschrieben, zu finden hier http://www.xboxdynasty.de/plugins/review/review_detail.php?grider=X2dldFJldmlld0lkPTQ3OSZyaWRlcj1BTEw=

    Ich habe damals die PC Version ebenfalls getestet und muss sagen, ich empfinde meine Wertung als gerecht, denn das Spiel lässt sich wirklich nicht gut auf der Xbox spielen, auf dem PC dagegen deutlich besser.

    PS: Die Bereiche auf die wir eingehen müssen sowie der verkorkste Wertungskasten sind leider Vorschrift. Für mich zählt nur die gesamte, prozentuale Wertung, die du ja ebenfalls (zum Teil zu Recht) kritisierst.

  12. Arminator sagt:

    Dieser Post spricht mir ebenfalls aus dem Herzen. Seit ich vor mehreren Jahren angefangen hatte die c’t zu lesen und noch verwirrt auf die “Tests” gestarrt hatte (“Ja welches Gerät *ist* denn nun der Testsieger?”), hab ich es mittlerweile verstanden.

    Mich interessiert in Zeitschriften seither nicht mehr, ob ein Spiel nun 90% oder 89% bekommen hat (vor allem, wie macht sich dieses eine Prozent bemerkbar?), sondern ich lese die Texte, in denen (hoffentlich) die Meinung des Spielredakteurs ausgedrückt wird.

    Wenn ein Redakteur ein Spiel verreißt, weil die Grafik nicht die neuesten Pixelshader benutzt, und die schlechte Grafik zu 16% in die Gesamtwertung mit einfließt (*schauder* bezüglich des Computerbild Kastens), dann ist mir das bei einem Peggle egal!

    Die Grafik ist strunzeinfach, der Sound ist minimalistisch bis auf das donnernde “Freude Schöner Götterfunken”, aber dafür geht es beim Spielen in meinem Bauch umso mehr rund:
    Das verspannte Krampfen, wenn der Ball millimeterscharf an dem angedachten roten Peggle vorbeistreicht, der rasende Puls, wenn er dann aber völlig ungeplant eine andere rote Kette berührt, und das Glücksgefühl, wenn letztendlich der letzte Ball das Spielfeld zu Beethovens neunter verlässt…

    Peggle ist irgendwie ein Spiel, was mich emotional ähnlich beutelt, wie der Ausserirdische in Pixars Kurzfilm “Lifted” das schlafende Entführungsopfer durchs Zimmer fetzt.

    Und dieses Gefühlsorchester lässt sich einfach nicht in einer Zahl ausdrücken.

    Um mal nochmal auf die c’t Tests zurück zu kommen: Bei Gerätetests spielt natürlich nicht so der Emotionsfaktor mit wie bei einem Spiel.
    Aber hier kann *ich* beispielsweise bei einem Monitor-Test entscheiden:
    Monitor X hat ein gutes Bild, aber einen grottenschlechten Sound.
    Für jemanden kann das schon ein K.O. Kriterium sein, weil er eben Musik aus seinem Monitor hören will.
    Wenn jemand wie ich eine Surround Anlage am Rechner hat, ist ihm der Sound des Monitors völlig egal.
    Würde ich nun auf die (durch den Blechsound gedrückte) *eine* Prozentwertung einiger anderer Magazine gehen, würde der Bildschirm für mich vielleicht nicht mehr in Frage kommen. Wer kauft schon “Durchschnittsmist”.

    Glücklicherweise erlaubt es einem heutzutage das Internet selber Spieletester zu werden (damit meine ich jetzt nicht die Leute, die in ihrem Spieleblog schreiben, wieviel Prozent sie einem Spiel geben).

    Der Xbox Live Marktplatz und diverse Demo-Downloadseiten erlauben mir, ein Spiel selber auszuprobieren.
    Ich brauche dann eigentlich die Meinung eines Spielredakteurs nicht mehr, wenn das Demo “gut” gemacht ist.

    Wieso sollte ich eine halbe Stunde damit verbringen, einen Test von einer fremden Person zu lesen, wenn innerhalb von 10 Minuten das Demo auf meiner Platte ist, und ich selber weiß: Das Spiel läuft auf meinem System, und es macht *mir* mehr Spaß, als Redakteur X.

    • Chris sagt:

      Und wenn es keine oder erst spät eine Demo gibt, ist das oft ein Zeichen, daß der Publisher selbst dem Spiel nicht so viel zutraut.

      • Nein – es kann auch sein, das einfach keine Zeit war, eine Demo zu machen, weil erst das eigentliche Spiel fertig werden mußte. Oder das es lizenzrechtliche Probleme gibt. Ich erinnere mich, das EA Sports vor langen Jahren keine Demos von den Spielen machen durfte, weil sie dann auch für die Demos extra Lizenzgebühren an Sportvereine hätten zahlen müssen.

      • Chris sagt:

        Schon klar, daß es auch andere Gründe dafür gibt. Deshalb schrieb ich auch “oft” :) .

        Bei manchen Spielen ist es einfach schwierig, einen passenden Inhalt für die Demo auszuschneiden. Die Kosten für Erstellung und Verbreitung einer Demo sind ein weiterer Faktor.

  13. gameothek sagt:

    Danke Boris! Auch wir haben in den letzten 12 Monaten ständig am Bewertungssystem gefuchtelt. Alles irgendwie unbefriedigend und überholt dachten wir. Aber: Als wir zwischenzeitlich keine “Noten” oder “%” hatten kam überwiegend das Feedback und der Wunsch nach harten Fakten. Seit dem Relaunch verfahren wir recht simpel. Es werden Grafik, Sound und Gameplay in 5er Schritten bewertet (also 1 bis 5 unserer Pixelmännchen) und die Gesamtewertung in % ausgegeben. (Beispiel: http://tinyurl.com/yzh59dt) So kann man nochmals im angesprochenen Mittelfeld gut differenzieren. Schade, denn eigentlich sagen die Testberichte doch das Gefühl und die Einschätzung des Redakteurs aus…

  14. pinhead sagt:

    Glückwunsch Boris !!!

    Sehr schön und in meinen Augen auch absolut treffend geschrieben !!!

    Und das obwohl es ein “veralteter” Beitrag ist :D

  15. Update: Frühaufsteher Markus Schwerdtel hat mir gleich in einer E-Mail geschrieben, daß Die Resident-Evil-Geschichte längst aufgeklärt ist: http://tinyurl.com/y92r4uj und http://tinyurl.com/y89h38e beschreiben, wie es bei diesem und ähnlichen Tests abläuft und er weist noch auf http://tinyurl.com/yfq4bnc hin, wo beschrieben wird, wie die Redaktion mit Situationen umgeht, wo nur einer das Spiel testen kann. Ich halte das System aus all den anderen Gründen drum herum trotzdem für mangelhaft.

  16. Sicho sagt:

    Vor allem die von dir angesprochene Wertungsinflation (wer gibt denn noch real mal eine 30 von 100 oder so?) hat uns unser Wertungssystem auf unserer Seite überdenken lassen und wir sind auf ein 5 Punkte-System umgestiegen.

    Zudem bewerten ja auch noch unsere User die Spiele (da aber noch mit der “klassischen” 100 Punkte-Skala).

    Hier einfach mal ein Auszug aus unserer FAQ:

    “Eindrücke sind immer subjektiv. Um dennoch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen persönlichen Vorlieben und tatsächlich vorhandener Qualität zu finden, sind unsere Tester bemüht, jedes Spiel so lange unter die Lupe zu nehmen, bis ein ausgewogenes und faires Urteil gefällt werden kann.

    Der Aufbau der Master-Reviews orientiert sich dabei an den User-Reviews: Zuerst folgt im Fließtext eine Beschreibung der Spielinhalte: Was ist zu tun? Wie wurde die Thematik umgesetzt? Wie ist die Atmosphäre/Steuerung/Soundkulisse? Gibt es Bugs/Übersetzungs- oder Scriptfehler? Bewertet wird das Spiel jeweils nur als gesamtes in Form einer Gesamtwertung. Den Abschluss bildet das Fazit, welches noch einmal alle wichtigen Fakten konzentriert beinhaltet, sowie den Pro- und Contra-Punkten.

    Um die vergebene Gesamtwertung in Vergleich zu anderen Spielen setzen zu können, orientieren wir uns bei der Festlegung an folgendem Wertungsschema:

    5/5: Pflichtkauf: uneingeschränkte Empfehlung.

    4/5: Empfehlenswert: mit zahlreichen Stärken.

    3/5: Unterhaltsam: mit diversen Glanzpunkten.

    2/5: Für Fans des Genres: bietet nichts Besonderes.

    1/5: Kaufwarnung: hat zahlreiche Schwächen.

    Dennoch soll eine Wertung nie für sich alleine, sondern nur in Verbindung mit dem Review selbst bzw. dem Fazit gesehen werden. Wertungen sind immer subjektiv und von Person zu Person unterschiedlich, können also nie soviel aussagen wie ein Fazit, in dem wir noch einmal alles Wichtige rund um das Spiel zusammenfassen und eine Kaufempfehlung abgeben.

    Bei Master-Reviews versuchen wir natürlich, so objektiv wie möglich zu sein. Da es die totale Objektivität aber nicht gibt, spiegelt das Review somit zu einem Gutteil auch die Meinung des Redakteurs wieder. Dennoch soll die Wertung als Redaktions-Wertung verstanden werden. Darüber bewertet jeder Redaktuer das Spiel aber auch noch regulär in Forum einer User-Bewertung, die ausschließlich seine eigene Meinung widerspiegelt.”
    http://tinyurl.com/y8hztg3

    Das “Schlimme” daran ist, ist die Tatsache dass zu jeder Wertung von 1 bis 5 ja auch ein kleiner Text dabeisteht, der ja aussagt, was diese Zahl bedeuten soll. So bedeutet eine 3 ja immer noch kein schlechtes Spiel, sondern ein unterhaltsames Spiel mit diversen Glanzpunkten. Trotzdem haben wir schon öfters “böse Post” von Publishern bekommen, wenn wir eine 3 vergeben haben … die Wertung wäre eine Frechheit bzw. ihr Spiel wäre doch kein Schrott usw.
    Da sieht man dann wieder, dass die meistens Leute a) nur auf die Zahl schauen und den Test selbst nicht lesen und b) dass eine “mittelmäßige” Wertung heutzutage gleich mit “schlecht” und “Schrott” angesehen wird … was ich sehr schade finde.

    Glücklicherweise sind wir nur eine kleine Hobbyseite und leben nicht von unserer Website, so dass wir gegebenenfalls auch mal ein Review verweigern können, wenn der Publisher uns zu einer guten Wertung zwingen möchte. Wir haben ernsthaft schon Drohungen bekommen ala “Ihr ändert diese 3 jetzt mindestens auf eine 4 um oder es war das letzte Testmuster was ihr erhaltet!” … und das bezieht sich witzigerweise auf Tests nach dem Release, weil meistens werden wir auch erst zum Release bemustert … schon traurig …

    Da gehen wir aber in dem Fall nicht darauf ein, weil uns unsere Meinung und ehrlichen Tests wichtiger sind als Testmuster.

    • Va1is sagt:

      Ich finde eine Wertung von 1-5 irgendwie nutzlos, vor allem weil selbst 1 Stern immer noch “ok” und nicht “mies” bedeutet. Macht es lieber komplett ohne Wertung und schreibt nur Text. Ich kann Publisher durchaus verstehen. Eine Firma reisst sich 2 Jahre den Popo auf, und nur weil es nicht Perfekt ist gebt ihr gleich 4 von 5 Sternen. Wenn man nur nach der Mathematik geht fehlt dabei schon ein Fünftel. Das wirkt direkt schlechter.

      kurzum, ich finde das 5 Sterne System dämmlich, lieber garnix, nur Text.

      • Sicho sagt:

        Eine 1 heisst nicht “ok”, eine 1 heisst: “Kaufwarnung – hat zahlreiche Schwächen!”

  17. McSpain sagt:

    Kann da nur zu

    Inhalt 5% 1+
    Ausdruck 18% 1
    Zweideutigkeiten 55% 3
    Rechtschreibfehler 22% 2
    —–
    Gesamt 100% 1,455555555

    zustimmen.

    Im Ernst, seit einem Jahr kaufe/spiele ich nichtmehr nach “Tests” sondern vorranging nach einem System aus “persönlichen Vorlieben”, “Publishern/Entwickler die mein Vertrauen haben (zumindest noch ein bisschen)” und der Meinung von Leuten deren “Geschmack” sich häufig mit meinem deckt. Bin damit besser gefahren als die letzten Jahre mit “Tests” im Wertungswahn.

    Beispiele der letzten Zeit sind eindeutig MW2. Hab letzte Woche Teil 1 zum wiederholten male durchgespielt und direkt im Anschluss Teil 2. Ich kann nicht verstehen wie man Teil 2 höher bewerten kann als Teil 1. Okay. Jedem seine eigenen Meinung. Aber wieso wird zum Beispiel in den Print/Online Medien nur eine kleine Randnotiz hinzugefügt: “Leider ist das Spiel nach 3 Stunden zuende”. Früher hat das Leute (mich noch heute) auf die Palme gebracht.

    Stattdessen wird Dragon Age auf IGN und Co. kritisiert weil die Hauptquest ZU LANG ist. Ist das nicht eine Redakteursmeinung der sich freut wenn er schnell mit einem Titel durch ist und dann den nächsten auf seinem Arbeitsplan abarbeiten kann? Der geneigte Kunde dagegen freut sich eigentlich wenn er fürs gleiche Geld mehrere Wochen in eine Spielwelt eintauchen darf.

    Auch die überschwänglichen Wertungen von Sims 3 stoßen mir sauer auf. Im Vergleich zu Teil 2 wurde in fast allen bereichen verschlimmbessert und das Jahre-füllende Spielprinzip durch ein paar Sammelaufgaben ersetzt bei dennen man nach 3 Wochen alles aber auch wirklich alles gesehen hat. Jetzt erscheint das Add-On und es bringt nur wieder einige Zelda-Mäßige Rätsel und verlängert die Spielzeit um 2 Wochen (bis wieder alles gesehen wurde) und das wars auch schon.

    Die Wertungen sind aber immer kolossal besser als bei Teil 2. Da verstehe ich sogar die Wertungen. Als Redakteur bin ich froh wenn ich in kurzer Zeit einen Überblick über alle Features und Spielelemente habe. Die Vorgänger haben immer pauschale 70-80% Wertungen bekommen, weil man in kurzer Zeit und ohne “Eigen-Initiative” Sims spiele einfach nicht komplett erfahren kann.

    Und damit sehen wir das Meinungen in der Tat Meinungen sind und keine Mathematischen Werte. Als 26 Jahre Alter Akademiker Sims 2 UND Call of Duty zu spielen ist wiedermal so eine Eigenart. Aber in den 26 Jahren hab ich mir gemerkt welche Eigenarten das sind und die sind mir lieber als Zahlen auf Webseiten.

    Bleibt die Hoffnung das wirklich mehr Leute sich dessen bewusst sind und die Medien sich dahingehend etwas bessern.
    Traurig, das überhaupt die wenigsten sich eine eigene Meinung bilden; trauriger das die Meinungsbilder wie immer die schlechtesten Vorbilder von allen sind ^^

    P.S.: Übrigends finde ich den Veteranenpodcast oft hilfreicher bei der Spiele-Entscheidung als die ganzen Magazine. Die Printmedien hätten mich wieder wenn es gelingen würde diesen Stil ins gedruckte zu übertragen.

  18. Froschi sagt:

    Zum Absatz »Meine Bitte an den Spielejournalisten «: Deine Bitte wurde schon lange erfüllt (bis auf die letzte). Siehe http://www.4players.de/4players.php/microsite/Allgemein/3926/17352/index.html.

  19. Schnake227 sagt:

    Lachen, Grinsen, Kopf nicken. Das alles war dabei wo ich mir deinem Beitrag gelesen habe…

    Ich persönlich beachte schon seit langen keine Spielebewertung mehr weil wie ich meinem Anderem Post angemerkt habe 1. Geschmäcke unterschiedlich sind, 2. 2,50€ oder eine irrefahrt durch die weiten des World Wide Web mir definitiv zu schade sind und 3. eine “Note” ein Komplettes Spiel mir nicht erklären kann und nicht das “Spielerlebnis” darstellen kann. Allerdings fand ich die aussage von “Gameothek” Extrem, daher in der hoffnung das er meinem Kommentar liest: Wird das tatsächtlich von so viele leute gefordert das ihr das nicht “abschaffen” könnt? Wieviele leute kaufen NICHT das spiel, wenn ihr eine Negative bewertung abgibt?

  20. Va1is sagt:

    wow… genau das was du hier beschrieben hast denke ich auch schon seit einiger Zeit. Darum lese ich mir in der Maniac auch immer die Kommentar-Kästen durch, und schaue mir nicht die pure Zahl an.

    Was mich heutzutage stört, ist das viele Zeitschriften nur nach Kriterien bewerten. Ich würde viel lieber mal eine Zeitschrift sehen die nur SUBJEKTIV bewertet. Eben nach Gefühl (aber ohne Zahl). Einfach ein reiner Text mit einer kleinen Fazit Box (auch nur Text).

    Und wie es der Zufall so will habe ich gestern mein Gamestar Abo gekündigt, einfach weil mir seit langem die Wertungen viel zu systematisch sind. Immer nur pur nach Fakten. Bestes Beispiel MW2, 87% ?? Hallo?? Das Spiel ist so genial, hat bei mir so viele Gefühle und echte Schockmomente ausgelöst wie es noch nie ein Spiel geschafft hat, und die geben nur magere 87 Prozent weil die technischen Fakten nicht ins Schema passen… Das aber mal jemand im Test darauf eingeht was für eine Emotions Achterbahn das Spiel ist… Ausserdem glaube ich das Wertungen immer niedriger sind wenn es Konsolenportierungen sind, einfach weil Konsolen ja mies sind (siehe Video “Dragon Age:PC vs Konsole” auf der Heft DVD. Welchen Sinn hat so ein Video?

    Jedenfalls Hut ab Boris, du hast den Mut etwas zu schreiben was ich seit einiger Zeit genauso sehe. Mach dich schonmal auf einen “Shitstorm” gefasst. ;)

  21. zimmer sagt:

    Hallo!

    Ich hab schon lange überlegt, ob ich mich nun tatsächlich registrieren soll um hie und da einen unqualifizierten Kommentar abzugeben. Dieser wunderbare Artikel ist nun schlußendlich der Auslöser dafür. Deswegen schonmal 84% in Sachen Userfang!

    Grundsätzlich stimme ich so ziemlich in allen Punkten zu und finde vor allem die Beispiele absolut prima, die mehr als deutlich aufzeigen wie antiquiert das ganze numerische Bewerten ist. Ein weiteres, gelungenes Beispiel wäre übrigens die japanische Famitsu, in der vier unabhängige Redakteure das Spiel auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten (mit einem entsprechenden Fazit) und das addierte Ergebnis dann durch die Webwelt geistert und man sich über perfekte Scores freut. Die eine Absurdität. Die zweite: diese persönliche Wertung der Redakteure ist ganz stark abhängig vom kumulierten Listenplatz des Spiels in der Famitsu Most Wanted. Immerhin kann man ja kein Spiel schlecht bewerten, auf dass sich die Userschaft so dolle freut, oder? Wir haben auf einer der RPG-Websites, die ich mitbetreute ebenfalls ein derartiges System eingeführt und sind sehr schnell an die Grenzen gestoßen. “10 Punkte bitte nur für das perfekte Spiel”, hieß es da. Und dann natürlich Stimmen wie “es gibt kein perfektes Spiel!” und “aber doch, dieses schlecht übersetzte Playmobil-Figuren Final Fantasy mit den starken Qualitätsschwankungen, die auf die unzähligen Plattformwechsel während der Entwicklung zurückzuführen sind, IST das perfekte Spiel für mich!”.
    Wie dem auch sei, ganz klare 99% für die Beispielfindung, aber du hast ja mit Sicherheit auch genug langjährige Erfahrung! (Die PCPlayer war übrigens ausschlaggebend, dass ich mich eingehender mit Journalismus beschäftige, wenn auch nur im Hobby und mittlerweile auch nicht mehr auf Videospielen. Aber ich war auf jeden Fall mit Ausgabe 1 dabei!)

    Auch schön, dass Ben Croshaw erwähnt wurde. Klar, der Fokus liegt bei Yahtzee auf die Satire und die Lästereien, aber wenn man es aus einem weniger detaillierten Blick betrachtet ist auch das nichts weiter als Rezensionsinhalt. Und genau darauf kommt es an. Auf den Inhalt einer Kritik. Meinetwegen auch noch auf ein Fazit, doch nicht um einen Unterstrich in Form einer Zahlenwertung und ganz lustigen, umfangreichen Wertungskästen und Erfahrungskurven und was weiß ich noch alles. Und er hat auch damit Erfolg. Ein anderes Beispiel: Gametrailers Reviews. Ja, leider haben die am Ende noch eine total überflüssige Wertung, aber das sind die letzten zwei Sekunden des Videos. Davor bekommt man anschaulich Pro und Contra vorgeführt, bewegte Bilder zeigen das doch auch viel deutlicher als jeder Text das könnte. Noch dazu ist die Stimme recht sympathisch. Lässt man die Wertung am Ende weg, hat man richtig schöne Rezensionen.
    Gegenüberstellung glatte 80%, gratuliere!

    Dass sich das ganze System bei Casualgames sowieso aufhängt, weiß man nicht erst seit dem Schub der Konsolen-Downloadportale, bei Moorhuhn hat man sich damals ja auch schwer getan, das entsprechend zu würdigen und zu bewerten. Bei der Vielzahl an Spieletypen und Genres ist es natürlich auch schwierig, einen gemeinsamen Wertungsgrundsatz zu finden. Warum nun das alles? Casualerwähnung: 5 von 4 Sternen, prima!

    Wie gesagt, schöner Artikel, von dem gern mehr kommen können. Die Zukunft liegt meines Erachtens in Videoreviews und Grimassenbildchen, wie sie anno dunnemals schon in der Powerplay waren. Ich will Schmoll-Lenhardt wieder zurück.

    Und wo wir schon dabei sind, abschließende Bewertung für den Artikel: :D

  22. DarkVamp sagt:

    Aus diesem Grund kaufe ich nur noch das Gee-Magazin seit Jahren.

  23. kokojambo sagt:

    Gut geschrieben. Ich bin sowieso jemand, der bei einem Test NICHT als erstes auf die letzte Seite geht und den “Wertungskasten” auseinandernimmt, sondern ich lese das Review, den Test sehr genau und mache mir so ein Bild von dem Spiel.

    Desweiteren achte ich auch darauf, dass ich mir den Autor des Tests kurz angucke, wie er andere Spiele bewertet hat, die ich mag, um zu gucken ob wir einen ähnlichen Spielegeschmack haben. Denn nur dann kann ich mit Sätzen wie “die Story ist anspruchslos aber lustig” oder “die Steuerung ist etwas schwammig” oder “ein wahres Actionfeuerwerk” etwas anfangen. Für sich allein sind solche und die vielen anderen Floskeln zu wenig um eine Meinung zu bilden.

    Auf eine Zahl am Ende könnte ich getrost verzichten. Ein einfaches: “Spiel ist interessant, wer XXX mochte wird YYY wahrscheinlich auch mögen.”. Denn wenn jemand einfach nicht auf thirdperson-Actionadventure steht werden ihn 5 Sterne im Spielspaß auch nicht davon überzeugen.

    koko

  24. Sehr, sehr schöner Artikel.

    Hinweisen möchte ich hier auf das vielleicht bekannte “Games for Lunch” Blog: http://gamesforlunch.blogspot.com/ – welches sehr an Die Stunde der Kritiker erinnert, oder diese vielleicht zu inspiriert haben scheint.

    Außerdem finde ich die “neue” Teststruktur von Kotaku und Joystiq sehr gelungen, welche wertungsfrei einfach auflistet, was einem gefallen hat und was nicht so toll war. Kotaku Reviews nehme ich sehr viel bewusster wahr, als irgendeine Nummernwertung.

    Ebenfalls gelungen finde ich die Eurogamer Reviews, würde mir aber wünschen, dass sie die Abschlusswertung weglassen und der Text für sich alleine steht.

  25. Yoshi sagt:

    Nicht die Wertungen sind das Problem, die Ausrichtung der Tests ist das Problem.
    Die Texte von 4players zum Beispiel sind für mich genau das Gegenteil von einer professionellen Kritik. Technische Belange wie Grafik und Sound werden seelenlos und typisch für den deutschen Videospieljournalismus abgearbeitet; das Spiel in seine einzelnen Bestandteile zerlegt. Das ist eine Arbeit, die jeder Hobbyschreiberling mit 15 Jahren bereits in den Lesertests auf videogameszone.de verfasst hat. Die gegenteilige Richtung schlagen hingegen Online- und Printmagazine wie eurogamer.de oder die GEE ein. Hier testet man mit Herz, hält sich nicht mit Details auf, sondern vermittelt das Spiel – egal ob qualitativ gut oder schlecht – als Gesamtwerk. Außerdem ist das Niveau ein ganz anderes…

    • chrismue sagt:

      Und eben das so gewollte “Niveau” wird sich für dieses Medium nicht mit schlechtbezahlten Twenty-Somethings-Praktikanten, die eine Testversion auf den Tisch geworfen bekommen und 10 Stunden haben um ein komplettes Review zu schreiben, erreichen. Für anspruchsvolle Kritik bedarf es eines riesigen Erfahrungsschatzes. Heute jedoch sieht man mehr und mehr Beispiele, für Tester, denen einfach allein vom Alter her das Vorwissen zum Medium fehlen muss. Hier kann man keine Referenzen zu 10 oder 20 Jahre alten Spielen verlangen, weil viele zu der Zeit einfach noch keine Spieler waren und die Veteranen, wie auch der Autor dieses Textes irgendwann nicht mehr nur Tester sind. Dem Medium fehlt einfach noch eine markante Kritik, die eben auch Erfahrung braucht, die bei vielen Testern heute einfach fehlt. Gerade auch im englischsprachigem Raum, wandern erfahrene Tester mit Profil mehr und mehr direkt in die Industrie über. Bei anderen Medien findet dieser Prozess wenn überhaupt viel später statt. Blogs und Foren füllen hier bei Spielen glücklicherweise jene Lücke, welche die kommerzielle Kritik seit Jahren hinterlässt. Gute Kritik lässt sich durchaus finden, nur eben nicht in den großen Magazinen.

    • Nasreddin sagt:

      Ich gehe noch weiter: Nicht die Ausrichtung des Tests ist das Problem, sondern der Test an sich. Das hat Boris ja in der Überschrift auch festgestellt, er hält sich in seinem Blogpost aber zu lange an Wertungen auf (wobei seine Einwände gegen diese natürlich allesamt richtig sind).

      Das Problem geht viel weiter: Klassische Produkttests zu Videospielen funktionieren für die meisten Leser nicht wirklich und werden Spielen auch nicht gerecht. In Zeiten, in denen das Technische von Spielen in den Hintergrund rückt, haben die klassischen Magazine nur zwei Zielgruppen: Diejenigen, die aus Gewohnheit Gamestar und Co kaufen und pubertäre Fanboys. Oder um einen anderen Kommentar hier zu zitieren: “Wenn man ein pubertäres Spiel mit pubertärer Hypewerbung an ein pubertäres Publikum verkaufen will, muss man damit leben, das pubertäre Leute pubertär drüber schreiben und es pubertär bewerten.”
      Von daher finde ich, wird den Testmagazinen auch viel zu viel Macht zugesprochen. Sie bedienen einen kleinen Teil des Spielemarktes von vielen. Ob Casualspieler, anspruchsvolle Spieler oder das Heer der Otto-Normal-Spieler, die sich erst im Geschäft über Spiele informieren: Sie alle ignorieren Tests.

      Und mich persönlich stören Spieletests auch nicht. Es ist nur schade, dass es sonst kaum Besprechungen von Videospielen gibt. Von einer Spielekritik analog zu Literatur oder Filmen möchte ich erst gar nicht sprechen. Es gibt im übrigen auch so gut wie keine Theoretisierung von Videospielen, die eine Grundlage für eine Kritik sein könnte. Bzw. steht diese Entwicklung erst am Anfang.

      Diese Entwicklung wird auch noch lange dauern. Aber jede Woche entdecke ich eine neue kleine interessante Internetseite oder lese einen spannenden Beitrag im Feuilleton einer Zeitung. Es geht aufwärts.

  26. 1080i sagt:

    Der Meinung hinsichtlich Prozentwertung und Spieletests/Spielekritik würde ich 100%ig zustimmen. Nervt mich schon lange.

    Metacritic beurteile ich anders. Nutze es aber auch anders. Die Durchschnittsnote interessiert mich da allenfalls am Rande. Gerade im Filmbereich, den ich am meisten verwende, und in dem die Meinungen (mutmaßlich wegen größerer Unabhängigkeit der meisten Kritiker) oft weit auseinandergehen, kann man sich da ganz wunderbar einen Überblick darüber verschaffen, was man an einem Film mögen oder nicht mögen kann. Das ist schon eine super Entscheidungshilfe.

    Den Theorien zur Symbiose zwischen Spielepresse und Herstellern kann ich in soweit folgen, als dass es sie – leider – in der beschriebenen Form gibt. Ob es das “gute Recht” eines Produzenten ist, Einfluss auf Wertungen zu nehmen? Na ja.

    Ich würde eher sagen, es wird hier höchste Zeit, dass sich die Kritiken, wie beim Film, mehr und mehr von den Fachmagazinen hin zu thematisch breiter gefächerten Zeitungen/Webseiten bewegen. Daurch entstehen automatisch weniger ‘symbiotische’ Verhältnisee, die Einflussmöglichkeiten der Hersteller werden geringer, die Wertungen diversifizierter und ehrlicher.

    Das kann man – um nochmal auf metacritic zu kommen – dort sehr schön sehen: Film: Ganz unterschiedliche Meinungen in vielen unterschiedlichen Medien. Spiele: Fast nur auf kindischen Kriterien (Grafik, Sound, Rumms-Faktor) basierende Wertungen (mit oft jubelperserartigen Einheitsmeinungen) in offenkundig und, hier selten ehrlich eingräumt, beeinflusster ‘Fachpresse’. Die gibt es natürlich im Filmbereich auch, ihr Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung ist aber zum Glück viel geringer.

  27. sanifox sagt:

    Hallo Boris,

    ich sehe das gerade bei den Causal-Games genauso. In den Redaktionen verissen, aber trotzdem verkauft sich der Bagger-/Busfahr-/Kloputzsimulator teilweise besser als ein hochgelobtes Spiel. Ich selbst hab vor kurzem als Redakteur in einer kleinen Community angefangen und schreibe dort Reviews oder mach nen Podcast. Also durfte ich vor geraumer Zeit “ICE AGE 3″ für die 360 testen, ein Game um das sich jeder Redakteur prügelt ;) Reingelegt…gespielt…festgestellt:”Für 30 Euro ganz ok” und hinfort damit. Dann fängt meine Freundin das an zu spielen, selbst Konsolerin und Technikfreak, und kommt bis heute nich davon los. Letztens war die Tochter von einer Bekannten dran, die musste man unter tränen von dem Spiel wegreißen…was hatten die einen Spass das im Zwei-Spieler-Modus zu zocken. Ich hab dann auch mal meine Freundin gefragt ob sie das Review schreibt und ICE AGE wurde in den höchsten Tönen gelobt!

    Wofür schreiben wir denn Tests oder Reviews? Ich hab häufig das gefühl:”Nur für uns!!! Wir sind ja so cool, da wir Resident Evil mit einem Auge, rückwärtslaufend und mit einer Nagelpfeile auf Ultra-Mega-Hardcore durchspielen” Und das fehlt mir sehr oft; “Die Neutralität”, die sich ein Redakteur immer bewahren sollte. Ich versuche das immer aus einem neutralen Blickwinkel zu sehen UND es fällt mir trotzdem verdammt schwer. .oO(Wow..ICE AGE 3…das kann ja mal nix werden) war nur einer der ersten Gedanken.

    Hinterher habe ich mir auch andere Reviews zu ICE AGE 3 durchgelesen und diese stärkten meinen Eindruck das Games heutzutage einfach nur noch für einen selbst getestet werden. “Aber natürlich, wir lesen uns ja auch nur noch selbst”. Welcher Causal-Gamer liest denn auch eine der Printmedien/Internetseiten? In denen heutzutage mehr drauf geachtet wird das unter jedem Bild ein zweideutiger Spruch sein MUSS! und die Redaktionen auch immer cool oder megacool in die Kamera blickt.

    Darf man es da überhaupt wagen einem ICE AGE 85-90% zu geben? Sicherlich, denn das Zielpublikum (Kinder) ist begeistert und selbst Spieler die sowas neutral betrachten haben Spass daran. Die blöße darf man sich ja genauso wenig geben als auchmal den “heiligen-Grahl” als einfachen Zimmermanns-Bottich zu bezeichnen.

    Wenn man das schafft, dann schafft man es vielleicht auch der “You are Number 2342″ ein freundliches Gesicht zu verpassen, statt der kalten Ziffer.

    Aber vielleicht lieg ich damit auch falsch, oder es ist schon zu spät dafür (wer liest denn schon Tests..mir reichen die ZAHLEN!!!)

    Schöne Grüße
    SaniFox (Der ja nur eine kurze Zustimmung schreiben wollte)

    • Va1is sagt:

      Es sollte viel mehr für jedes Genre ein Heft geben. So wie es der Film vormacht. Es gibt zum Beispiel das Heft “Virus” was sich nur mit Horror und Splatter Filmen beschäftigt. Es sollte ein Heft geben das sich nur mit Schootern ab 16 aufwärts beschäftigt. Das würde ich dann auch kaufen. Ganz ehrlich, wen interessiert schon Ice Age 3 ? ;) Man sollte wie beim Film jedes Genre einzeln Bedienen.

      • Sicho sagt:

        mit der buffed, dem Magazin zu buffed.de (iirc Redaktion der PC Games??) gibt es by the way alle zwei Monate ein Magazin das sich rein auf Rollenspiele konzentriert.

      • sanifox sagt:

        Und ich glaub das wäre den Medien zuviel Risiko. Sicherlich gibt es das WoW-Magazin, das Sims-Magazin (Freundin hat das sogar im Abo) usw. Aber sich nur auf ein Genre zu beziehen? Ist “Causal” überhaupt ein Genre? Aber wenn sowas geschrieben würde, müssten sich so manche Einstellungen im Kopf auch ändern und da seh ich noch so einige Probleme :)

  28. Thorwan sagt:

    Danke Boris, du sprichst mir aus der Seele!
    Ich für meinen Teil lese auch gerne mal die Berichte anderer Spieler in deren Blogs. Diese sind bewusst subjektiv und einzig die Meinung des Autors, aber geben immerhin wieder was dieser Person ge- und mißfallen hat. Das ist imho mehr wert als die Pseudosubjektivität einiger Redaktionen.

    Wie bereits von einigen zuvor erwähnt würde ich dir mal einen Blick in die GEE empfehlen, die wirklich tolle Artikel bietet und auf jegliche Zahlenwertung verzichtet.

  29. 4P sagt:

    Ich muss sagen, dass ich positiv überrascht bin. Sollen wir ein knallhartes Printmagazin machen, Boris? Aber bei allem inhaltlichen Konsens: Das liest sich, als würde jemand 1958 aus dem Tiefschlaf erwachen und fordern, dass der Zweite Weltkrieg, den er im jugendlichen Leichtsinn mit seinem Kumpel ausgelöst hat, endlich beendet werden sollte. Also: Amüsant! Und wenn ich das 1990 gelesen hätte, würde ich hier auch applaudieren.

    Aber mal im Ernst, Boris, bei allem grundsätzlichen Verständnis dafür, dass du nicht mehr Redakteur bist: Hast du die letzten Jahre Spielepresse, und ich spreche hier von dem, was national und international vor allem im Online-Bereich vom Pazifik bis zu Nordesee publiziert wurde, wirklich vollkommen verschlafen? Hast du New Games Journalism verpennt? Bevor man nach Quellen ruft, bitte das hier lesen:

    http://www.4players.de/4players.php/dispbericht/PlayStation2/Test/2820/4304/0/Shadow_of_the_Colossus.html

    Oder das:

    http://www.eurogamer.de/articles/hotel-dusk-room-215-erster-eindruck

    Oder soll das etwa nur eine Zusammenfassung der natürlich (!) längst überholten technischen Stiftung-Warentest-Attitüde im Printbereich sein? Lobenswerte Ausnahmen wie GEE und Edge bestätigen die Regel. Falls ja, ist das ein überaus begrenzter Fokus, der das Internet komplett ausblendet – den Artikel dürfte sich kein Redakteur erlauben, der heutzutage für ein Online-Magazin schreibt.

    Wie kann man einen Text über den Status quo der Spieltests schreiben, ohne “New Games Journalism” oder all die anderen Tendenzen hin zu mehr persönlicher Kritik überhaupt zu erwähnen? Klar ist Zero Punctuation cool als Format, weil es witzig und anders ist, aber das ist keine Spielekritik. Oder glaubst du, man könnte damit einem Forza 3 gerecht werden, an dem so viele Leute – wie du unter Hinweis auf die Risiken angemahnt hast- so lange gearbeitet haben? Schade ist auch, dass du gar nicht erwähnst, welche destruktive Rolle Wertungen auf der Seite des Publishers spielen. Was ist mit Reportings und Schnittgeilheit auf Herstellerseite? Zumal gerade dein Beispiel des “Verrisses” von Killzone 2 sehr, hüstel…ausgelesen wirkt. Das ist fast schon Realsatire, dass ein Xbox Rulez-Mann, der sich seiner öffentlichen Wirkung bewusst ist, gerade den Verriss eines exklusiven Sonytitels hier so lobt. Es hätte deinem Artikel aus journalistischer Sicht gut gestanden, wenn du auch in deinem privaten Blog den Verriss eines exklusiven Microsoft-Titels gewählt hättest. Da gibt es doch auch genug Murks wie etwa das letzte Halo…

    Und sowohl über Murks als auch Qualität lässt sich wesentlich besser mit dem oben erwähnten New Games Journalism reden. Ist dir bewusst, dass aus diesem Bereich der wichtige Impuls kam, der die Testphilosophie von Magazinen wie Eurogamer oder 4Players bestimmt? Jetzt könnte man argumentieren, dass wir ein 100%- und die Kollegen ein 10er-System haben. Ja, auch wir wissen um die intellektuelle Unsinnigkeit der Zahl am Ende. Ja, auch wir haben das kritisch hinterfragt. Aber letztlich packen beide Magazine das unter eine Testarbeit, die sich qualitativ sehr stark von dem unterscheidet, was in den 80ern zu lesen war oder in vielen PR-Blättern am Kiosk in Viertelseitentests zu lesen ist. Heutzutage wird um Welten kreativer getextet und es wird wesentlich ausführlicher mit dem Medium Spiel umgegangen als das in der Grinsegesichterzeit der Fall war.

    Du forderst: Werdet vom Tester zum Kritiker? Das sind sie alle längst von Krawall über Kotaku bis 1up! Was die Kultur der Kritik im Internet angeht, hast du die letzten zehn Jahre einfach verpennt. Es gibt Hunderte (!) Artikel, die das subjektive Erleben des Testers in den Vordergrund rücken. Es gibt seit Jahren Reviews fast in Form von Reisejournalismus – stärker kann man das individuell Erlebte und die Meinung gar nicht verfassen!

    Man muss nur mal über den Tellerrand lesen. Man bekommt all das gratis und ausführlich auf vielen Webseiten. Ich stimme in fast allen Punkten zu. Aber dein Kommentar hätte wunderbar in die 90er gepasst, weil er wird der vielschichtigen Wirklichkeit der Spielepresse im Jahr 2009 nicht mehr gerecht wird.

    Keiner hat die Wertungsweisheit mit Löffeln gefressen, jedes Magazin hat peinliche Leichen im Archiv, die man aus heutiger Sicht vielleicht anders hätte einschätzen sollen. Aber der Spieletest ist so lebendig, so variabel und so spannend wie nie zuvor!

    Jörg Luibl
    Chefredakteur 4Players.de

    • Pengo sagt:

      “Da gibt es doch auch genug Murks wie etwa das letzte Halo…”

      Lieber Herr Luibl, warum hat dieser “Murks” (gemeint ist doch wohl ODST?) dann bei 4players ein “Gut” und 77 Punkte bekommen? Ist das die interne 4players-Lesart einer “Gut”-Bewertung?

      Danke für einen weiteren Beweis Ihrer Inkompetenz.

      • Yoshi sagt:

        Er hat es nicht selber getestet, außerdem gehört die 77% Wertung zu den kritischsten im deutschprachigen Raum.

    • “Ja, auch wir wissen um die intellektuelle Unsinnigkeit der Zahl am Ende.”
      Dann schaff sie halt ab.

      Das Killzone Beispiel war unglücklich, weil mir jetzt wieder Sony-Bashing vorgeworfen wird, was Schwachsinn ist – ich wollte nur zeigen was passiert, wenn ein Magazin bei einem Top-Titel mit einem sauberen Text aber einer anderen Wertung ausschert. Alle reden über die Zahl, nicht den Text oder das Spiel. Es ist ein treffendes Beispiel wegen der Reaktionen die Edge dafür eingefangen hat, und nicht, weil es Killzone ist.

      Und schön, daß dir aufgefallen ist, das sich der Text im wesentlichen auf Print-Magazine bezieht. Steht ja auch nur ein paar Mal drinnen. Ist ein langer Text.

      • feierabend sagt:

        Das es hier ausschließlich um Print-Magazine geht war mir jetzt auch nicht bewust.

        Ein Titel wie “Das Printspielemagazin ist tot” wäre vielleicht treffender gewesen.

        Da würde ich im übrigen auch voll und ganz zustimmen!

        Auch wenn ich die Zeit der Game-Mags vermissen werde :/

      • 4P sagt:

        >>>Dann schaff sie halt ab.

        Damit der intellektuelle Leser nicht irritiert wird? Oder damit PR-Manager wieder etwas aufatmen können, die sich auf Publisherseite in den unsäglich idiotischen Reportings verantworten müssen, wenn ein Magazin mal nicht im Strom wertet? Wenn ein Microsoft-Produktmanager die Abschaffung dessen auf Presseseite fordert, was sich für den Abverkauf oder das Image seiner Produktes evtl. negativ auswirken könnte, dann ist das ja überaus verständlich. Aber ich bezweifle nach deinen letzten, fast schon reaktionären Äußerungen über “Presse” deinen kulturellen Anspruch dahinter. Clever ist das trotzdem, denn da sprichst du dem Leser aus dem Herzen. Mir wird auch fast warm.

        Aber noch ist sowohl die Signalwirkung einer Wertung innerhalb der Branche als auch in der Wahrnehmung des Lesers zu groß, als dass wir oder andere darauf verzichten könnten. Und das weißt du auch.

        Manchmal ist diese (intellektuell streitbare) numerische Visitenkarte auch genau das, was im warmen Strom der 90er für eiskalte Ernüchterung sorgt. Die GEE kann sich den Verzicht erlauben, weil sie einen anderen redaktionellen Fokus setzt – nichts geht über die gemütliche Lektüre gut geschriebener Artikel auf der Couch. Und weil die Texte in der GEE einen Nerv treffen, den andere nicht mal anvisieren können, trotzt sie auch tapfer dem IVW-Trend; ich drücke ihr als Leser weiter die Daumen.

        Für ein zehn Jahre bestehendes Online-Magazin wie unseres wäre es aufgrund der Schnelllebigkeit und Vergleichbarkeit des Mediums allerdings fatal, plötzlich auf eine Wertung zu verzichten – die Leute wollen auch mal mobil einen Vergleich, wenn sie im MediaMarkt vor dreizehn Rennspielen stehen. Die 88% für Forza 3 helfen da erstmal weiter.

        Trotzdem haben alle Wertungskritiker recht. Und deshalb sind wir nicht stur. Wir bieten unseren Lesern demnächst an, die Wertung abzuschalten – mal abwarten, wie viele das dann machen. Und wenn das genug sind, dann weg damit…das ist allerdings Romantik, denn die Realität sieht laut Umfragen anders aus: Die meisten Leute wollen gute kritische Tests und die Wertung.

        >>>Und schön, daß dir aufgefallen ist, das sich der Text im wesentlichen auf Print-Magazine bezieht.

        Ja, schade. Das ist irgendwie genau so “unglücklich” wie das mit Killzone 2. Denn so ist der Artikel im Zeitalter des Internets nicht mehr als einseitig recherechierte Leichenfledderei. Und den “good will” dahinter nehme ich dir erst ab, wenn du selbst ein Magazin ohne Wertungen und Microsoft-Gehaltscheck machst.

      • Fortinbras sagt:

        Das Killzone-Beispiel war schon ok. Bei keinem anderen Spiel der jüngeren Vergangenheit wurde soviel gehypt. Die Reviews waren wie Werbetexte verfasst, letztendlich ist es aber doch ein 0815-Shooter. Nach dem ganzen Geschrei das solche Wertungen (siehe Edge oder eine Handvoll andere) verursacht hat, ist es auffällig, wie ruhig es um das Spiel geworden ist. Nichtmal auf sonyspezifischen Fanseiten spielt das Spiel noch eine große Rolle. Die Hypeblase ist nunmal geplatzt.

        Eben weil bis auf Grafik nichts sonderlich tolles drin ist. Die Spieler merken das doch auch. Im Vorfeld weinen, im Nachhinein stillschweigend zustimmen. Mehr kann man zu dieser ganzen Geschichte nicht sagen.

      • ro sagt:

        Im Grunde genommen ist auch eine 7/10 in der EDGE das Gleiche wie eine 90 in einer normalen Zeitschrift. Bei denen fangen die Spielewertungen ja bei 70 an und hören bei 95 auf – also wäre eine 80 eine 5/10. ;)

        Ansonsten breite Zustimmung auf allen Fronten. Ich habe seinerzeit sogar den Rädelsführer nach Deinem Weggang gespielt, der sich bis zuletzt für die Beibehaltung der fünf Sterne stark gemacht hat – und hatte dabei ALLE Redaktionsmitglieder hinter mir. Leider wurde dann von oben wieder die Prozentnummer verordnet.

        Ich lache übrigens über “New Games Journalism”. Nichts weiter als alter Wein in neuen Schläuchen.

    • Jürgen sagt:

      @Chefredakteur 4players.de, Jörg Luibel

      …und wieso hat “Colossus” nur eine 92%-Wertung erhalten? Ich habe nach diesem Feuerwerk von Eloquenz mindestens ‘ne “93″ erwartet.

    • Schnake227 sagt:

      “Und sowohl über Murks als auch Qualität lässt sich wesentlich besser mit dem oben erwähnten New Games Journalism reden. Ist dir bewusst, dass aus diesem Bereich der wichtige Impuls kam, der die Testphilosophie von Magazinen wie Eurogamer oder 4Players bestimmt? Jetzt könnte man argumentieren, dass wir ein 100%- und die Kollegen ein 10er-System haben. Ja, auch wir wissen um die intellektuelle Unsinnigkeit der Zahl am Ende. Ja, auch wir haben das kritisch hinterfragt. Aber letztlich packen beide Magazine das unter eine Testarbeit, die sich qualitativ sehr stark von dem unterscheidet, was in den 80ern zu lesen war oder in vielen PR-Blättern am Kiosk in Viertelseitentests zu lesen ist. Heutzutage wird um Welten kreativer getextet und es wird wesentlich ausführlicher mit dem Medium Spiel umgegangen als das in der Grinsegesichterzeit der Fall war.”

      Lassen sie mich Raten Herr Luibl, sie halten sich mit als einer der Besten was Spiele Kritik usw angeht, oder? Wenn ich ehrlich bin und mir das alles durchlese, unterstreicht 1. meine Kritische meinung über 4Players und deren Partner! Ihre Arroganz und ihre über überheblichkeit lassen mich Anzweifeln das ihr Objektive Meinung über spiele wirklich Gerechtfertig werden kann und diese auch mit Kompetenz Glänzt!

      Da frage ich mich, wie sie Persönlich Urteilen können für ALLE was Murks ist und was “Gut, Geil, Extraordinäre” ist.

      Und wie schon in dem Anderem Kommentaren Blog, man sollte erst vor seine Eigene Tür kehren bevor man sich um dem Schmutz der Nachbarschaft kümmert. Für ein solch hoher Qualifizierter Journalist lässt ihre Wortwahl stark zu Zweifeln und wirkt schon fast Ranzig.

      • mindVex sagt:

        Hmm Herr Luibl, und wenn ich mir dann Ihre Kolumne “Alte Scheiße Durchschnitt” auf 4players ansehe, in der von vorne bis hinten Fäkalsprache verwendet wird, so dass man sich schon beim Lesen als Videospieler fremdschämen muss, soll das wohl ansprechender Journalismus unserer Zeit sein?

    • Nasreddin sagt:

      Sorry Jörg, aber da muss ich dir vehement widersprechen.

      Ich habe großen Respekt vor eurem (leider in vielerlei Hinsicht gescheiterten) Ansatz zur Spielkultur und die stets interessanten Kommentare auf eurer Seite. Das sind mutige Schritte für ein Mainstream-Magazin.

      Aber was ihr da macht ist im Prinzip das gleiche wie der “Old Games Journalism”, ergänzt um ein wenig “new” in gesonderten Rubriken. Die Behauptung, das Gros eurer “Spieletests” (so nennt ihr die Texte ja selbst) seien in Wahrheit intellektuell anspruchsvolle Kritiken, ist einfach nicht wahr. Auch in allen anderen Bereichen wie etwa den News hat sich seit eurer Offensive eigentlich nicht viel getan.
      Die “Tests” der von dir genannten Magazine mögen etwas frischer geschrieben sein, aber unter dem Strich bleiben es Produkttests, die auch auf diesen Seiten die gewohnten Aspekte Leveldesign, Grafik, Steuerung etc. abgrasen. Das möchte ich euch auch gar nicht zum Vorwurf machen, ihr bedient halt eure Zielgruppe und versteht euch vordergründig auch als Informationsmedium.

      Was ich damit sagen will: Der “New Games Jornalism”, wie du ihn bezeichnest, ist für Eurogamer und 4Player jedenfalls kein Leitbild, das reale Auswirkungen auf einen Großteil der Artikel dieser Seiten hätte. Überall im Internet und auch in Printmedien gibt es immer wieder interessante Ansätze und zaghafte Versuche. Diese sind aber (noch) eine Randerscheinung. Auch auf das Gesamtbild von 4Players bezogen.

      • 4P sagt:

        Ja, richtig erkannt.

        Du hast mit deinem Widerspruch Recht, denn wir sind lediglich ein vom New Games Journalism beeinflusstes Medium, was unsere Testphilosophie und manche Reviews angeht – wir leben ihn aber nicht in seiner radikalen Form. Ich könnte die Gründe dafür jetzt ausführen, auch jene gegen bestimmte willkürliche Tendenzen des NGJ, aber die Zeit…

        Wir schreiben auch keine “intellektuell anspruchsvollen” Kritiken, sondern versuchen ausführliche, analytische und subjekte Spielerfahrungen zu geben – mal ähnelt der Stil einer Reise in die betreffende Welt, mal dem konventionellen Herangehen in bekannter Manier. Ich würde mir eine klarere und stilistisch radikalere Tendenz wünschen, die aber aus verschiedenen Gründen derzeit nicht realisierbar ist.

        Dieser Mix tut uns und dem Leser aber auch gut – es herrscht mehr Vielfalt. Genug Online-Magazine haben sich bewusst oder unbewusst durch den NGJ inspirieren lassen, indem sie persönlicher, ehrlicher und subjektiver an das Kulturgut Spiel herangehen.

        Wir sind aber noch lange nicht da, wo Spielekritik hinkommen kann. Wir arbeiten daran.

  30. Jürgen sagt:

    Ich muss dem vielen Lob hier zustimmen. Ich finde es auch schon lange absurd, ein auf Unterhaltung ausgerichtetes Medium mit mathematischer “Genauigkeit” zu beurteilen. Man sollte dieses Prozent-Wertungssystem mal auf Bücher und Filme übertragen, vielleicht würde dann klar, wie albern und unseriös das ist.

    Wie Boris sagt: die Richtung sollte hin zur “ernsthaften” Kritik und hinterfragenden Meinung gehen, nur so hat die Spielekultur und das Medium die Chance erwachsen und – nicht nur wirtschaftlich gesehen – ernstgenommen zu werden.
    Bis dahin habe ich für mich erkannt: die besten Spielebeurteilungen kommen von mir selbst. Indem ich mir die Demo ansehe oder das Spiel probeweise für einen Tag in der Videothek ausleihe und dann entscheide, ob sich ein Kauf lohnt. (War z. B. bei Dragon Age der Fall)

    Boris deutet es bei der Kritik zur Metacritic schon selbst an:
    was und wem nutzt ein Wertungssystem, dass von der Industrie bei Höchstwertungen zu Werbezwecken instrumentalisiert, aber im schlechten Fall boykottiert wird?

  31. robotologist sagt:

    Ich war vor ein paar Wochen in England und habe mir aus Langeweile 2 Spielemags gekauft.

    Was soll ich sagen, während deutschen Magazine meist aus einer Zusammenfassung bestehen, was die letzten 4 Wochen im Internet zu lesen war und sich eine “Mega-Test” auf max 3 Seiten beschränkt wird sich in britischen Publikationen wirklich mit dem Spiel beschäftigt und nicht dem Polygoncount. Und das auch gerne mal auf deutlich mehr als 3 Seiten.

    Grundsätzlich kann ich auf Wertungen nichts mehr geben, auf Meinungen in Foren allerdings schon. Was war ich enttäuscht von Assassins Creed (1), was hab ich mit auch von metacritics und co blenden lassen. Natürlich wurde in vielen Mags der “etwas eintönige Spielverlauf” als Randnotiz bemängelt, aber vor lauter Lob werden viele “Journalisten” imho oft betriebsblind. Das gleiche mit Bioshock, wurde als großartige Innovation gefeiert, letztendlich war es aber nur ein schnöder Ego-Shooter mit ner guten Story.

    Fakt ist, eine “Wertung” kann schon mal ein Anhaltspunkt sein, bei Interesse werden im Freundeskreis Meinungen ausgetauscht oder in der Videothek ausgeliehen.

    • Va1is sagt:

      Da ist es wieder. Bioshock nur ein öder Schooter mit guter Story. Aber sollte uns nicht eben wegen der Story der Shooter als perfekt gelten? Sind nicht Filme eben wegen der Story und den Emotionen so genial, und nicht weil vielleicht ein paar billige Effekte drin waren? Ich fande Bioshock so überragen das ich noch heute finde das er (in Zahlen) viel zu wenige gute Wertungen bekommen hat. Meiner Meinung hat Bioshock ne 95 verdient, wenn man es denn schon mit Zahlen ausdrücken möchte.

  32. steffenj sagt:

    Eins oben drauf setzen dann wieder die Spielehersteller, mit Zielvorgaben bei Metacritic z.b. mindestens 85% für Spiel X oder für alle Spiele im Durchschnitt zu erzielen.

    Ich hab selbst an einem Spiel gearbeitet (Battleforge) für das eins der Zielvorgaben war, eine bestimmte Metacritic Wertung zu erreichen. Nur, was hilft mir das als Entwickler bei meiner täglichen Arbeit? Da sind selbst banalste Zielvorgaben wie “bestes Multiplayerspiel” noch deutlich besser und hilfreicher bei der täglichen Arbeit und insbesondere um Entscheidungen zu treffen.

    Dazu kommt das Battleforge von Kritikern in zwei Lager gespalten wurde, und zwar sehr auffällig: die 80-90er Fraktion, und die 60-70er Fraktion. Was kommt dabei raus? Klar: 75%

    Dabei sollte die Frage doch eher sein: bin ich eher der Spielertyp, der den Testern recht gibt die sagen, das Spiel verdient 80-90% oder bin ich eher der kritische Typ, der wie die 60-70er Tester meint, das Spiel hat gute Ansätze aber bietet mir zu wenig?

    Dazu kam noch das eine einzige 50er Wertung den Schnitt ganz schön nach unten gezogen hat – von einer Seite die wahrscheinlich kein ernsthafter Spieler lesen würde und die lediglich eine halbe Seite widersprüchlichen Text fabriziert haben, der sich scheinbar nur darum dreht sich darüber aufzuregen das das Spiel mit Micropayments Geld einfahren soll.

    Den Wertungskasten der Bild müssen Statistiker erfunden haben. Oder Sozialisten. Weil im Endeffekt läufts darauf hinaus alle Spiele möglichst gleich zu machen, da es kaum Ausreißer nach oben oder nach unten gibt. Statt Wertungen zwischen 1 und 6 sehen wir doch in 99% der Fälle Wertungen zwischen 2 und 4. Also könnten sie doch gleich 1, 2 oder 3 druntersetzen.

    Dazu kommt: wenn Konsolenspiele bei “Installation” regelmässig eine 1,00 bekommen, ist der Vergleich mit dem PC ohnehin schon nicht mehr sinnvoll. Denn genau dieser Punkt ist eine Entscheidungshilfe beim Systemkauf und muss nun wirklich nicht mehr bei jedem einzelnen Spiel bewertet werden. Wenn ich eine Konsole habe, weiss ich das Installation für mich kein Thema ist. Wenn ich einen PC habe weiss ich, das ich mit schwankenden Ergebnissen rechnen muß, die zudem stark von meiner eigenen PC Konfiguration abhängig sind.

    Was bleibt mir am Ende noch zu sagen? Ja, Boris ich stimme dir voll und ganz zu.

    • steffenj sagt:

      Hmmm “Edit” mag mich nicht. Wollte nur anfügen: ich lese seit Jahren nur noch die EDGE und freue mich jedesmal darüber, wenn sie bei ansonsten gehypten Titeln meiner Erwartung oder Erfahrung sehr viel eher gerecht werden als der ganze Rest.

      Bestes Beispiel von der jetzigen Ausgabe: Dragon Age bekommt 5 Punkte. Fünf von zehn, wohlgemerkt!

      Und die humorvoll verquerten Erfahrungsberichte von Penny Arcade sind für mich schon mehrmals zu einer Kaufsentscheidung geworden. Das erstaunliche dabei ist, das ich die Spielerfahrungen rauslesen kann, die mir Spaß bereiten oder selbigen verätzen werden. Weil sie eine Form offener Kritik von sich geben, die auf persönlicher Erfahrung als subjektiv empfindender SPIELER beruht.

  33. Sesing sagt:

    Danke Boris, danke!

    Ich spiele seit ich 9 bin (1991) Videospiele. Mit den Jahren hat man einiges gespielt, vieles gesehen, vieles gelesen. Damals Total!, Nintendo Fun Vision, Club Nintendo über Mega Fun, Fun Generation bis hin zu Maniac und Gamepro habe ich einiges an Magazinen gelesen, über Jahre.

    Warum ich heute kaum bzw keine Magazine mehr lese? Ich finde ebenso das eine Wertung mittlerweile als Anhaltspunkt(!) ok ist, aber niemals ein Spiel direkt darstellen bzw Spielspass und Co. reflektieren kann!

    CoD MW2, die Wertungen… naja. Es ist gut, ok. Der SP ist aber einfach nur bocken langweilig, hat Schießbudencharakter und damit nichts von intelligentem Gegnerverhalten zu tun. Meine Meinung! Der MP… “der ist so toll, hoher Langzeitmotivator…” Nee? Ich persönlich kann damit nicht viel Anfangen, hab mich bis LVL 50 durch zu spielen, das wars. Warum? Das Ding ist einfach der MP den die Leute (Kiddies, Casualgamer teilweise auch CoreGamer) haben wollen: Action satt, Ballern, Explosionen etc etc etc. Wenn ich online spiele und mich schießt jemand weg, ok… wenn er denn besser ist und nicht weil er mit Heartbeatsensor in der Ecke sitzt, in irgendwelchen Camperpositionen sitzt und sonstige Perks nutzt die “Stein-Schere-Papier”-mäßig Ihm einen Vorteil bringen. Viele sagen mir “Hey, dann nimm doch auch die Waffe / das Perk”! Und dann? Das macht das Spiel in der jeweiligen Runde nicht ausbalancierter!

    Ich will gleiche Chancen für beide Seiten, in jeder Runde. Aber das ist bei anderen Spielen ebenfalls so, GH3 hatte pervers große Notenfenster, nur als Beispiel.

    Generell frage ich mich oft: “Was wollen mir die Redakteure denn erzählen”? Schemen und Elemente widerholen sich teilweise und wollen als Innovativ oder ganz toll eingebracht dargestellt werden. Klar bleibt Shooter immer Shooter, Jump n Run ebenfalls Jump n Run. Aber wenn ich allein daran denke wieviele Shooter es gibt wovon die meisten einfach totale Gurke sind (auch wenn Spielbarkeit etc alles toll ist) aber die Leute es kaufen. Warum? Entertainment. Videospiele haben den Massenmarkt schon lange erreicht und Videospieler nennt sich heute jeder. Die Firmen (Activision zB) wittern Geld und bringen ein Franchisetitel nach dem anderen raus, krasses Beispiel Guitar Hero oder CoD.

    Zurück zu den Wertungen, ich denke DIE Spieler die Videospiele als Entertainment, nicht als Kultur, sehen achten gerade auf Wertungskästen und Zahlen. Da aber wie schon gesagt im Internet jeder bewerten kann sind Printmagazine nicht mehr so wichtig.

    Ich höre mir da mittlerweile die Podcasts lieber an da die Redakteure Ihre eigene Meinung abgeben und Spielstellen detailliert erklären, daran kann ich besser ein Spiel beurteilen als irgendwo nur eine 9,2 etc zu lesen.

    Ich will ja auch nicht sagen das Redakteure von zB Gamepro etc keine Ahnung haben, definitiv nicht, aber mir fehlt teilweise die Kritik an den Spielen, denn CoD MW2 nochmal als Beispiel ist spielerisch Top, ja, aber SP ist lahm und total flach dahererzählt und der MP bedient LVL Junkies und Camper.

    Das ist meine Meinung!

    • Va1is sagt:

      Dann hast du definitv nicht die selben Magazine gelesen wie ich. In allen großen Publikationen wurde genau das bis zum Erbrechen kritisiert was du hier auch kritisierst. Story sei zu lahm und habe Logiklöcher… bla bla bla. Dann soll mir mal jemand so ein Logikloch zeigen. Viele haben die Geschichte nur einfach nicht verstanden. Es ist mal wieder das “Indie Games ala World of Goo sind alle geil, aber Top Spiele sind ja viel zu gehypt”. Und der MP Modus macht einfach nur SPAß, und ist es nicht das was Videospiele machen sollten? Spaß ? LVL Junkies findest du bei WoW, bei MW2 findest du jede Menge lustiger Menschen die einfach mal ein paar Runden aus Spaß spielen wollen.

      • Sesing sagt:

        MW2 war auch mehr auf das Spielverhalten der “neuen” Gamer bezogen.

        Das IndieGames alle toll sind sehe ich auch garnicht, und der MP Modus macht keinen Meter Spass mit den Perks und Faxen die dem Spiel das balancing rauben. LVL bei WoW weil WoW = RPG. ;) Aber generell wird in jedes Spiel ein Levelsystem eingebaut da es ein Ansporn sein soll das Spiel weiter zu spielen.

        Abschliessend nochmals: Das war meine Meinung.

  34. Zup sagt:

    Ich lese schon lange keine Testbewertungen mehr.
    Wenn Sie am Ende eines Testes stehen, liest man sie meisstens mit, aber ich habe das nach wenigen Minuten schon wieder vergessen. In letzter Zeit schaue ich mir lieber Videos zu Spielen an. Dort kann ich direkt erkennen, ob für mich wichtige Eigenschaften von einem Spiel erfüllt werden. Dadurch habe ich z.b. erkannt, daß (entgegen aller Topwertungen) Assassins Creed 2 nicht mein Spiel wäre.

    Lasst die Leute mehr zuschauen bei den Kritiken. Vom lesen kann man wenig verwertbare Spieleindrücke bekommen. Ein Video vermittelt sowas Tausend mal besser. Das ist zwar ein Totschlagargument gegen die Printmedien, aber Spiele sind nunmal multimedialer, als ein Blatt Papier es jemals sein kann.

  35. Chrischie sagt:

    Danke Boris! Damit hast du etwas geschrieben, was wohl vielen älteren Spieler schon lange auf den Senkel geht. Die Wertungen sind mittlerweile lachaft und überflüssig. Wenn jemand noch ernsthaft ein Magazin kauft oder sich auf einer Internetseite einen Test anschaut, um zu einem bestimmten Spiel eine Nummer zu erhalten, die den angeblich Spielsaß ausdrückt, dem ist nicht mehr zu helfen.

    Ich kann dir auch zustimmen, dass gerade die Edge sehr gute Kritiken zu den Spielen verfasst, die sie testen. Ich ziehe die deutsche GEE allerdings vor, da sie im Gegensatz zur Edge komplett auf eine Zahl am Ende der Kritik verzichtet und auch sehr offen über die von dir genannte Causal-Sparte berichtet.

    Schade fine ich es das Jörg Langer irgendwie aufgehört hat mit der Stunde der Kritiker und zuviel Zeit in GamersGlobal fließt, welches auch nur eine beliebige Seite ist, auf der am Ende dann eine Zahl unter dem Test steht.

  36. Goza sagt:

    Prozent- oder Notenwertungen können doch nur einen allgemeinen Hinweis auf die Qualität des Spiels geben. Richtig ernst nehmen kann man sie wohl nicht, siehe Gründe im Originalpost.

    Viel interessanter finde ich immer Aussagen wie “dieses Spiel hat mir [keinen] Spaß gemacht, weil…”. Bei besseren Tests ist so etwas in der Regel wenigstens noch im letzten Absatz/der Zusammenfassung zu finden. Dies auszubauen und auf eine Endnote zu verzichten (wer braucht diese noch, wenn vorher bereits ausführlich erklärt würde, warum das Spiel [keinen] Spaß macht…) – das fände ich sinnvoll.

    Im Grunde ist selbst ein simples Fazit a la “Ich finde MonsterHunt 2 scheiße, weil…” besser als 3/10 oder 45/100.

  37. einkay sagt:

    Die Leute kaufen doch schon lange nicht mehr nach Wertungen: Wenn Call of Duty MW2 am ersten Tag 4,5 Millionen Einheiten verkauft, hat das ganz sicherlich nichts mit Noten und Wertungen zu tun. Viel mächtiger sind mittlerweile die jahrelangen PR-Kampagnen, die in den Zeitschriften und auf den Webseiten abgefeiert werden. Exklusive Interviews, HD-Screenshots, Release-Daten, ein Video hier, eine Messe-Auftritt da – damit wird heutzutage der Abverkaufsdruck aufgebaut. Und da kommt auch der Brückenschlag zum gestrigen Artikel: Längst haben die Hersteller es aufgegeben, wirklich Einfluss auf das Feigenblatt des Spiele-Test-Journalismus – die schlussendliche Wertung – zu nehmen. Statt dessen werden dicke Packete aus PR und Anzeigen geschnürrt und damit die Euphorie zum Verkaufsstart auf dem höchstmöglichen Punkt ist – kleinere Scharmützel um frühe Testmuster und Noten sind da absolut zweitrangig. Die dicken Cover auf PC Games und Gamestar haben Spiele wie MW2 schon Monate vor Release – der eigentliche Test geht fast geräuschlos über die Bühne. Das ist praktisch für die Hefte: Die Testnoten (und somit die nach außen projektzierte “journalischte Unabhängigkeit”) bleibt unverhandelbar – da spricht man mit den Herstellern lieber über den Umfang der Berichterstattung in den Monaten vor dem Release. Und die Hersteller bekommen auch was sie wollen: Viel Vorberichterstattung als Bonbon auf ein paar Anzeigenseiten und wenn man, wie Boris gestern beschrieben, die Testmuster geschickt steuert, hat man schon Millionen-Einheiten verkauft bevor ein Kritiker wirklich einen bei den Eiern hat und den Hype-Titel als relativ durchschnittlichen Shooter-Aufguss enttarnt. Aber was sollen die Magazine machen? Die Auflagen bröckeln sowieso – neue Leser sind kaum zu gewinnen – also versucht man zumindest den immer weniger werdenen Stammlesern, das zu geben, was sie gewohnt sind. In der Hoffnung sie damit möglichst lange zu halten – welchen Nutzwert die Artikel für die Leser haben, wird gar nicht hinterfragt. Dabei wäre es längst an der Zeit die Hefte neue auszurichten und zu schauen: Was verlangt der stetig wachsende Computerspiele-Markt wirklich? Casual-Games finden im Spiele-Journalismus praktisch nicht statt. Ein Spiel wie Plans vs. Zombies wird von allen geliebt und Millionenfach verkauft und in den Zeitschriften auf einer halben Seite von einem Praktikanten mit einer 75% (keine Story, keine Zwischensequenzen, laue Grafik, simples Spielsystem) abgefackelt – das wirkliche Spielerlebnis wird kaum vermittelt – traurig. Die Spielzeitschriften und Webseiten halten sich nach wie vor an den vermeindlichen Core-Titeln fest, die sich auch ohne PC Games, Gamestar, 4players, eurogamer prächtig verkaufen würden und die echte Spielwelt draußen hat Spaß mit Canabalt, DoodleJump, Bejeweld, Farmville und Plants vs. Zombies – aber leider sehe ich nicht, das sie da in naher Zukunft wirklich was tun wird, das System ist viel zu eingefahren – Hersteller und Journalisten halten sich gegenseitig auf diesen Kurs in die Sackgasse.

    • Va1is sagt:

      Nein! Die 4,5 Millionen Spieler kaufen MW2 weil ihnen MW1 so viele Emotionen und Spaß bereitet hat. Weil es etwas geschafft hat was kaum einem anderen Spiel heutzutage noch gelingt. Es reisst einen seelisch einfach mit. Wenn eine Hauptfigur in der Mitte des Spiels einfach stirbt und du als Spieler nur davor sitzt und zitterst weil du einfach nicht glauben kannst was da gerade passiert ist, dann bist du wie verrückt auf Teil 2 weil du innerlich hoffst das sie es wieder geschafft haben. Und sie haben es.

  38. Wenn ein Spiel etwas länger auf dem Markt ist, schau ich mir ganz gerne die Userwertungen auf Amazon.de an.
    Finde ich als Kaufentscheidung mindestens genauso gut, wie redaktionell hochwertige Artikel :-)

  39. gonknoggin sagt:

    Gratulation, Boris – Du sprichst mir aus der Seele. Ebenfalls seit vielen Jahren runzel ich mir verwundert ob der Testmethologien grosser Computer- und Videospielzeitschriften die Stirn. Es freut mich zu lesen, dass Du einerseits die “Edge” als auch “Zero Puntuation” erwähnst – gerade die “Edge” hat sich bei mir als Print-Leitmedium etabliert und ist das einzige Magazin, dass ich wirklich seit Jahren kontinuierlich konsumiere (ok, bis auf die M! aus Nostalgie- und Fanboy-Gründen).

    Auch dem Kommentar von Michael Lankes kann ich fast vorbehaltslos zustimmen – vor allem dem letzten Teil.

    Ich denke auch, dass sich solche Plattformen etablieren werden, die etwas differenzierter mit der Materie umgehen. Die auch weiter oben erwähnten “Kritiken” von Kotaku sind ja ein gutes Beispiel, dass es auch ohne Zahl geht und ich les die Berichte dort seitdem ganz gerne.

    Also, hoffen wir auf eine bessere und vor allem vielfältigere sowie differenzierte Auseinandersetzung des Themas “Spielebewertung”.

  40. Strokeroll sagt:

    Endlich! Endlich greift jemand mal dieses Thema auf und sorgt damit zumindest für eine Auseinandersetzung mit dem Problem.

    Danke Boris!

    Ich zitiere mich mal selbst aus meinem Forenbeitrag an die Gamestar Redaktion vom April diesen Jahres – nachzulesen hier:

    http://www.gamestar.de/community/gspinboard/showthread.php?t=353512

    Der ganze Post ist noch deutlich länger und greift weitere Punkte auf, die meiner Meinung nach im Argen liegen, aber das soll hier nicht Thema sein.

    [ZITAT]

    SPIELEJOURNALISMUS

    Bitte, bitte, bitte geht, was die Tests angeht, zum subjektiven Spielejournalismus über. Ich bin sicherlich nicht der einzige Leser der sich dies wünschen würde. Spieledetails bis in die Eingeweiden zu erläutern bringt den wenigsten etwas. Steigert den Unterhaltungswert und profitiert von dem charismatischen und kompetenten Redakteursteam. Einen Anfang habt ihr diesbezüglich doch bereits hingelegt – ich meine damit die originellen und oftmals gelungen witzigen Artikeleinleitungen. Bei mir gehts beim Lesen immer so “Hmm, interessantes Spiel, coole Artikeleinleitung” … “okay das ganze Zeug im Mittelteil macht mich beim Lesen jetzt doch etwas müde, auch wenn die einzelnen Absätze originell betitelt sind” … “Hmm, cooler Schluss mit Bezug zur Einleitung”. Das könnt ihr doch auch anders, wenn ihr dürftet, gell? Wie wär´s denn mal mit einem “Testballon”: einer Ausgabe mit subjektiven Tests. Ich rechne anschließend mit mehr Befürwortern, als Gegnern und selbst wenn die Auflage damit nicht auf Anhieb in die Höhe schnellen würde, so würdet ihr dennoch ins Gespräch kommen und vielleicht auch einen Stein ins Rollen bringen.

    [Zitat Ende]

    Meiner Meinung nach zielt Boris Post, wenn man einmal die Diskussion ums Wertungssystem auslässt, genau auf eben diesen subjektiven Spielejournalismus ab, bei dem ich bis heute nicht verstehe weshalb sich kein Magazin traut in diese Presche zu springen.

    Was mich nicht interessiert ist die Prozentzahl unter einem Test, sondern die subjektive Meinung eines erfahrenen Spieletesters. Was hat er beim Spielen erlebt, was hat ihn begeistert, was hat ihn gestört. So etwas ist mir tausendmal lieber als Prozentzahlen unterm Test. Ich selbst ertappe mich ständig dabei in den einschlägigen Spielemagazinen höchstens den Testanfang und Schluss zu lesen, immer jedoch die Meinungen der Tester im Detail durchzugehen.

    Die Edge geht zumindest zum Teil schon den richtigen Weg.
    Hoffentlich folgem diesem Beispiel bald andere, schmeißen diese bescheuerten Zahlen über den Haufen und vergeben stattdessen nur noch “Awards” für besondere Leistungen des Spiels, aber so ganz glaube ich leider selbst nicht dran…

  41. Maniac007 sagt:

    Ich find das irgendwie nicht falsch, aber sehe das doch etwas anders:

    Zuerst möchte ich den Meinungskasten der CBS in Schutz nehmen: Das Prinzip, unabhängige, kaufentscheidende Faktoren einzeln zu bewerten und zu gewichten und daraus eine Gesamtwertung zu errechnen entspricht ziemlich exakt dem, was ich mal in dem Bereich Entscheidungstheorie an der Uni gelernt habe.

    Du kritisierst, dass dieses und andere Wertungssysteme Spiele zu fein bewerten, oder eine zu hohe Durchschnittswertung vergeben. Aber ich sehe das Problem nicht. Spieletests, Spielezeitschriften und -webseiten sind mMn nicht nur Informationsmedien, sondern Infotainment: Informationen und ergänzende Unterhaltung zum Hobby Computerspiele. Und offensichtlich haben Prozentwertungen einen hohen Unterhaltungswert, wie die permanenten Wertungsdiskussionen immer wieder beweisen. Ein Spielemedium, welches auf Wertungen verzichtet, beraubt sich nicht nur dieses Unterhaltungswertes, sondern auch der Werbung, die es erhält, wenn die Wertung in den Spielercommunities verbreitet wird.

    Anders als vieleicht ein Testbericht kann ein Metacritic-Wert nicht die Frage beantworten, ob mir ein Spiel gefällt, er kann aber einen guten Eindruck darüber geben, wie die Qualität eines Spiels allgemein eingeschätzt wird. Wäre ich Publisher oder Entwickler, erschiene mir der Wert als neutrale Beurteilung der Leistung der Spieldesigner. Als Spieler nutze ich die Seite, um einen Überblick über die Wertungen verschiedener Medien zu bekommen, und um eine Einzelwertung in Perspektive zu setzen.

    Spieletests sind auch noch lange nicht tot. Im Vergleich zu Musik-, Film-, und Buchbesprechungen haben Test zu Computerspielen eine relativ große Bedeutung, schon weil sie zeitlich und finanziell größere Investitionen sind, die man nicht uninformiert vornehmen möchte.

  42. robbin sagt:

    Das Problem ist doch, das die “großen” Magazine egal ob Print oder Online sich seit Jahren ein Publikum gezüchtet haben, das genau auf diese absurden Wertungen steht.

    Das System ist seit Jahren kaputt durch die Unfähigkeit und vor allem Feigheit der Großen (PC Games, Gamestar, 4Players uvm.), angemessene Wertungen zu vergeben.

    Wir haben bei unserem eigenen kleinen Online-Magazin schon versucht nicht die beliebte Skala zwischen 70% und 90% zu verwenden. Ergebnis: Ein riesiger Aufstand der Leser, Beleidigung der Redakteure als unfähig und und und…

    Warum sich dann eines dieser Online-Magazine das diese absurden Wertungen zu genüge pflegt anmaßt, der Retter der Spielebranche zu sein, ist mir ein Rätsel. Vielleicht liegt es auch am übersteigerten Selbstbewußtsein des Chefredakteurs….

  43. mnemo sagt:

    Dann oute ich mich mal: Ich finde Wertungen gut und ich finde Metacritic gut, wobei ich schon zur Happy Computer-Zeit deine Tests gelesen habe. ;-)

    Allerdings weiß ich um die Inflation der Wertungen, und auch, dass die “Endnote” bei Metacritic nicht heißt, dass ein Spiel wirklich gut oder etwas für mich ist. Modern Warfare 1 war nicht mein Spiel, dann ist es Teil 2 ebenfalls nicht, auch wenn Millionen es kaufen (und meckern).

    Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich erst angefangen, die deutsche Gamepro zu abonnieren, WEIL sie gedruckt ist und mir die Tests gefallen haben. Skeptisch war ich neulich nach dem 8-seitigen Test von Assassin’s Creed II mit 92%, aber das Spiel ist wirklich großartig und hat die Wertung verdient – wenn nicht sogar etwas besser. Ein gedrucktes Magazin zu schmökern ist aber wie bei einem Buch etwas anderes als auf einen Monitor zum Lesen zu starren.

    Genauso wie es kaum Wertungen unter 60 (von 100) gibt, gibt es auf Metacritic unheimlich viele Wertungen von “100″, die durch die Umrechnung von z.B. einem 5-Sterne-System auf die 100er-Skala von MetaCritic geschehen. 5 Sterne können meinetwegen gerne vergeben werden, denn es heißt “Das Spiel ist Klasse”, aber bei einer “100″, die einem Besser-geht-es-nicht entspricht, habe ich dann doch Bauchschmerzen.

    Wie es ein anderer Kommentar oben aber schon schreibt: Metacritic ist hilfreich, um einen ÜBERBLICK zu bekommen. Man muss die Webseiten nicht einzeln nach Kritiken abklappern, sondern sieht das Spektrum der Wertungen: Wenn ein Spiel kaum Wertungen unter 90 bekommt, ist auch die Chance hoch, dass es wirklich gut ist.

    Wie ich mal erfahren habe, gibt es zumindest bei einem Spielehersteller sogar ein internes Gewinnspiel, wo Preise auf die genaueste Vorhersage der Metacritic-Wertung aller jeweils erscheinenden Titel, auch von Fremdherstellern, ausgesetzt sind. :-)

    Den Ansatz der Redakteureinzelmeinungen finde ich allerdings gut, allerdings sollten die Redakteure das Spiel auch gespielt haben.

    Problematischer finde ich, wenn in übergreifenden Reviews Probleme der Xbox- oder PS3-Fassung genannt werden, sich diese dann aber nicht auf die Wertung für die Plattform auswirken.

    Erinnert sich noch jemand an das 16-Bit-Spielmagazin “The One” aus England? Dort war der eigentliche Testtext sehr kurz, aber das Spiel wurde in den Screenshot-Untertitelungen erklärt – fand ich auch klasse, allerdings waren die Spiele damals wohl auch einfacher, so dass der Platz ausreichte. :-)

  44. harlekin sagt:

    Ich habe diesen Eintrag im sinngemäßen Zusammenhang mit dem letzten gelesen, und kann ihn auch nur so kommentieren, aber eines einmal vorne weg – die Ausführungen zeigen die alltäglichen Problemsituationen rund um Produktkritik und Wertungsfindung sehr gut und wie ich meine treffend auf.

    Ich war über etwas mehr als zwei Jahre neben dem Studium selbst als Videospielkritiker (freier Mitarbeiter, “Hobby zum Beruf”, billiger Textproduzent) tätig und kenne die Problematik daher am eigenen Leib. Mich hat sie, nach einem Eintauchen in die Marketing-Welt bei Microsoft Österreich (HED), unter anderem dazu bewogen im Rahmen meines Studiums eine Abhandlung zum Thema zu verfassen.

    Zu den angemerkten “Unschärfen” bei der Wertungsfindung möchte ich sogar noch einige ergänzen.

    Du sprichst die EDGE an und in diesem Zusammenhang kommt man nicht darum herum eine Produktkritik zu erwähnen, die mit dem “Sensationsfaktor” einer (skandalös!) schlechteren Wertung spielt, was absolut im Sinne der Blattlinie ist. Mehr Videospielkritik, als Videospieltest bedient hier eine Nische.

    Dann gibts da noch den Genreprimus, das bestbewertetste Videospiel eines Genres, mit dem alle anderen Neuankömmlinge konkurrieren und mit dem argumentiert wird, wenn es gilt Wertungsabstriche zu rechtfertigen. Er ist eine wichtige Referenzgröße im Wertungssystem, aber dazu später noch.

    Als letzter neuer Punkt ist für mich der Faktor “Wertungen über Zeit” erwähnenswert, der in der Hauptsache gegen Meta-Aggregatoren wie metacritc, oder gamerankings in ihrer aktuellen Form spricht. Auch dazu später.

    Trotz alle dem wird dieser Beitrag zumindest ein teilweises Plädoyer für die Videospielkritik, den Spieletest und die Prozentwertung in ihrer heutigen Form. Und dafür, dass der Spieletest heute noch weit vom Ableben entfernt ist, also aufgepasst. ;)

    Zuerst zur Kritik an den hohen Wertungsniveaus: Alles unter 70%, bei anderen Magazinen unter 5 von 10 Punkten, oder wo immer die Grenze der Blattlinie nach angesetzt ist – ist schlecht. Diese Grenze wird in der Wertungspraxis meiner Erfahrung nach gemein hin als “Hürde” gesehen. Wenn du davon sprichst dass diese Hürde in einem sehr hohen Prozentbereich angesetzt ist hast du recht, ich würde jedoch dagegen argumentieren, dass sie in der Praxis zu hoch sitzt. Aber davor noch zu den Spielen die diese Hürde nicht nehmen. Das sind diejenigen Titel, die sich grobe Patzer im Pflichtteil leisten, und damit nicht mehr in die Bewertung der Kühr kommen. Spiele unter dieser Hürde weisen erhebliche Gameplaymängel auf, sind unsauber programiert, oder erfüllen in Sachen Spielbarkeit die heutigen Standards nicht. Auch der Punkt der grafischen Präsentation spielt hier eine Rolle, mitunter sogar eine größere als angebracht. Wo diese Hürden greifen ist auch genrespezifisch. Und manchmal gibt es bei der Anwendung dieser Praxis Verlierer, wie am Genre der Point ´n Click Adventure beobachtbar, das bei jahrelang gleichbleibenden Production Values (“sind nicht mit der Zeit gegangen”) plötzlich aus dem Wertungsrahmen vieler Testmedien gefallen ist und erst jetzt, dank wieder steigender Popularität und da sich Runaway 3 Cell-Shading Grafik bedient und damit für einige Tester wieder fassbar wird (Ah! Das ist ja künstlerischer Ausdruck!) wieder in höhere Wertungsregionen vorstößt. Einige der besten Spiele die ich in den letzten 10 Jahren gespielt habe, waren Point ´n Click Adventures, und kaum eines von ihnen kam in den konventionellen Testmedien mit einer Wertung von über 60% davon. Orientierte man sich dann aber zb. an Fan-Testseiten der Sparte im Internet, gab es dort dann die Detailbetrachtung der Spiele und differenziertere Reviews bei Wertungen hinauf in die 90er. Wertungen sind genrespezifisch, auch wenn manche Magazine sich das nicht eingestehen wollen. Spiele die neue Genres definieren, oder zwischen Genres positioniert sind, haben es oft, und vor allem anfangs schwer. Trotzdem gibt es mittlerweile “Kunstspiele” (Katamari, Okami, ..), “Kurioses” (Africa, DOAX), oder Musikspiele (Guitar Hero, Rockband, Singstar, …) an die andere Wertungskriterien angelegt werden, als an ein Action Adventure, oder einen Action Shooter und die dennoch in hohe Wertungsränge vorstoßen.

    Und jetzt zur Wertung wenn sie funktioniert.

    70 ist für Genrefans die sich auch mit ein paar Punkten abfinden können, 80 ein generell guter Titel, 85 ein sehr guter Titel und 90 ein potentieller Kandidat für einen Genreprimus, der es dann entweder in diese Position schafft, oder nicht. Was ist also dieser Genreprimus, und welche Rolle fällt ihm zu? Er ist sozusagen das was die Wertungshürde nach unten ist für den oberen Bereich – er deckelt als Referenzgröße oben ab. Immer wenn ein neuer Genre-Primus gewählt wird, wird das ganze Wertungsniveau für ein Genre, manchmal sogar für Videospiele generell “resetet”. Neue Titel müssen sich nicht mehr an einem alten Qualitätsstand, sondern an dem neuen, konkret am neuen Spiel messen. Und hier beginnt das Problem der “Wertung über Zeit”. Egal was Testmagazine mit Graphen, Wertungsschlüsseln und Pro und Contra Tabellen festschreiben, die Wertungskriterien im Videospieljournalismus ändern sich periodisch. Eine 90er Wertung zu Beginn einer Konsolengeneration entsteht nicht vor dem selben Hintergrund wie eine 90er Wertung gegen Ende eines Konsolenzykluses. Videospieletests stellen Momentaufnahmen im Kontext des Genres, aber auch der gesamten Videospiellandschaft zum Zeitpunkt des Erscheinens eines Titels dar, und das berücksichtigen metacritic, oder gamerankings nicht. Wohl aber der Leser von Testmagazinen, oder der Nutzer der genannten Plattformen. Er weiß, dass Aktualität in einem Bezug zur Wertung steht. Und das ist auch vermarktungsbezogen von enormem Vorteil, da in der Videospielebranche “neuer” meist auch als “besser” durchgeht. Vergleicht man gamerankings oder metacritic in Bezug auf Videospiele mit beispielsweise imdb fällt auf, dass relativierende Wertungen im Verlauf der Zeit (neuer Kontext, neue populäre Filme, neue Seherschaft) vergleichsweise selten sind. Spiele werden von Magazinen getestet, oder bewertet, wenn sie gerade aktuell sind. Relativiert sich eine Durchschnittswertung in zwei Monaten nicht, ist sie beinahe wie in Stein gemeißelt. Das ist eine Eigenheit von redaktionellen Wertungen die nicht nur auf Videospiele beschränkt ist, die jedem aber bei der Nutzung von metacritic, oder gamerankings klar sein muss, und die verloren geht, wenn man mit Prozentbewertungen über den Releasezyklus hinweg pauschalisiert umgeht, oder sie sogar zu einem Teil der Bonus-Struktur in der Entlohnung von Produkt-Managern macht. Ein Spiel ist nur so gut, wie die Konkurrenz zum Zeitpunkt des Erscheinens schlechter ist. Trotzdem stoßen heute immer wieder gehäuft Spiele in die 90er Regionen vor, die vielleicht nicht dort landen sollten. War eine 90er Wertung von einigen Jahren noch ein Garant für einen neuen Genreprimus, so ist sie das heute nicht mehr, gekrönt wird er heute ab etwa 94 (auch ich orientiere mich hier am Wertungsdurchschnitt und nicht an einer bestimmten Blattlinie), 92 ist sehr ok – hochgesteckte (tw. gebackte) Erwartungen erfüllt, und 90 ist beinahe schon ein “leider nicht”. Was hier auffällt ist, dass es fast ausschließlich gut vermarktete Produkte sind, die in diese Regionen vorstoßen. Was ein potentieller Kandidat für einen Genreprimus ist (“Bei dem einfach alles stimmt.”) bestimmt heute vielfach das Marketing im Vorfeld.

    Der Rest ist eine einfache Rechnung.

    Je mehr Titel in 90er Regionen vordringen, desto mehr festigt sich beim Konsumenten das Bild, dass ihn nur in dieser Region “gute Spiele” erwarten (was nicht der Fall ist). Zieht der Konsument dort die Selektionsgrenze ein, bleibt dem Marketing, aber auch dem Journalismus in der Tat nur noch sehr wenig Luft zum Atmen. 3% – Wie in deinem vorigen Eintrag diskutiert werden da zum Grand Canyon.

    Warum werden Prozentpunkte in den oberen Regionen zusehends wichtiger, und warum liegt der Schnitt bei über 50% oder 5 von 10?

    Sozialpsychologie – Der Mensch sieht sich nicht gerne als Durchschnitt, kauft nicht gerne Durchschnitt, konsumiert nicht gerne Durchschnitt und lebt nicht gerne Durchschnitt. Ich beschäftige mich zur Zeit gerade im Rahmen meiner Magisterarbeit mit alternativen Markttheorien, Nullsummenspielen (Gametheory) und Social Economics und könnte noch viel zu den tiefergreifenden Prozessen schreiben, die hier potentiell ablaufen – in diesem Fall reicht es aber bereits aus auf das Skalenniveau von imdb und damit Userrankings in großer Anzahl zu schielen. Dort ist 6,5 “durchschnittlich”, bei neueren Filmen wandelt es zusehends Richtung 7, mittlere 7er werden sehr gut aufgenommen, 8 ist definitiv eine Grenze zum Top-Film, und alles über 9 ist entweder noch nicht ausreichen bewertet, noch zu sehr gehypt, oder ein absoluter Ausnahmefilm, der bereits in Richtung Klassiker geht.
    Die aktuellen Videospielwertungen im deutschsprachigen Bereich liegen aus meinem Qualitätsverständnis in etwa zehn Prozentpunkte darüber und das ist meinem Einschätzung nach durchaus noch praktikabel, vor allem wenn wir uns tatsächlich der Vorstellung hingeben wollen, dass Videospiele tatsächlich bereits ein interessanteres Medium geworden sind als der Film, oder die Belletristik.

    Fazit
    Wenn du mehr Kritik und weniger Tests propagierst dann zeugt das von einem Problembewusstsein, dass Wertungen heute nicht mehr im vollen Umfang das repräsentieren was der Meinung des Testers entspricht. Wenn du für mehr Kritik einstehst, dann bedeutet das im Gleichzug auch mehr Ausreißer in den Wertungen, unkontrollierter Beurteilungen (weniger Schemata) und aus dem Marketingverständnis heraus vielleicht sogar (zumindest in einer Übergangsphase) weniger Durchverkäufe. Wenn du dich gegen Tests aussprichst, dann in einer Kritik an der heutigen Wertungspraxis, aber nicht als Kritik am Test selbst. Meinungen wird es immer geben, Wertungen auch. Ebenso Tests. Meiner Überzeugung nach auch den Beruf des Kritikers – und welches Zahlenniveau da letztlich unter dem Test steht… Der Konsument beurteilt das schon auf seine Weise, und letztlich tendenziell sogar richtig.

    harlekin aka Philipp Ganster

    • Nasreddin sagt:

      Hast du zu dem Thema publiziert? Falls ja, würde ich mich über einen Hinweis auf den Ort freuen.

    • ro sagt:

      Dazu möchte ich sagen: Ich bin in der Lage, zu erkennen, dass 5/10 Durchschnitt bedeutet.

      Wenn in einer EDGE das erste PS2-Final-Fantasy dann 6/10 bekommt (exzellent begründet), dann kaufe ich mir das trotzdem. Außerdem haben die Schreiber noch genug Luft nach oben für weitere Teile. Hätten sie eine 8/10 gegeben, naja. Außerdem mag ich, dass die EDGE auch 10/10 verteilt. Nicht immer unumstritten, aber in der über zehnjährigen Heftgeschichte selten genug.

      Wer beim Werten erst bei 70 anfängt, lügt sich selbst in die Tasche und reduziert die Spannweite auf 30 Punkte. Oder weniger, denn 100 vergibt ja niemand.

      Oh, und wilde Wertungskästen mit Grafik, Sound, Spielwitz, Spannungskurve, Pro und Contra, die braucht keine Sau. Eine simple Zahl zwischen 1 und 10 am Ende, von mir aus. Ich könnte auch mit nur drei Wertungseinheiten leben:

      - bloß nicht
      - für Fans, die das Genre mögen, ganz ok
      - super, spricht übergreifend Leute an

  45. TKBonn sagt:

    Genau das ist es was mich auch immer stört, nur ist das hier mal schön zusammen gefasst.

  46. mindVex sagt:

    Im Prinzip glaube ich auch, dass die numerischen Bewertungen abgeschafft werden sollten. Bei einem Buch käme ja auch kein Mensch auf die Idee, dieses plötzlich mit 90% bewerten zu wollen.

    Leider ist die Wertung auch einfach inzwischen eine bequeme Abkürzung für viele, die eine Rezension nicht lesen wollen und direkt ein abschließendes Urteil erwarten, was sicher ebenso verständlich ist. Vielleicht sollten stattdessen einfach die alten Powerplay-Meinungskästen mit “super”, “geht so” verwendet werden. Das beinhaltet ja zusammen mit dem Bild schon den subjektiven Eindruck des Testers.

  47. Brommel sagt:

    Hmm, jetzt habe ich eine Erklärung warum ich bereits vor >10 Jahren alle meine Spiele-Zeitschrift Abo’s gekündigt habe und mich anderweitig informiere da mir diese keine echte Hilfe mehr waren.

    So mancher 85+ Titel ist bei mir nach einer Woche in der Ecke gelandet und den einen oder anderen 60′er habe ich Wochen lang gespielt.

    Aber vielleicht habe ich nur einen schlechten Geschmack :)

    • robotologist sagt:

      Jepp, Spaß ist imho nicht messbar. Mit dem sehr schlecht bewerteten Onechanbara hatte ich eine Menge Spaß, trotz oder gerade wegen der technischen Mängel. War wie ein netter Godzilla-Film, billig aber spaßig. In der Süddeutschen werden Kinofilme auch nicht mit %-Wertungen gemessen.

      Vielleicht könnte man die Wertung ja splitten. bzw. sich darauf festlegen ausschließlich die technische Umsetzung mit Prozenten zu bewerten (Soundabmischung, Grafikfehler etc…) während der künstlerische Aspekt sich auf so etwas wie eine Filmkritik beschränkt.

  48. cndic sagt:

    Vielen Dank für diesen Artikel – ich bin sehr erfreut, dass du ihn veröffentlicht hast und ich ihn lesen darf.

    Deinen Argumenten und Beispielen stimme ich zu, die sind sehr treffend.
    Vor allem der grausame Wertungskasten der CBS treibt mir die Tränden in die Augen und lässt vor meinem geistigen Auge das Bild von Redakteuren entstehen, die diese Kästen ausfüllen und bei der Arbeit leise weinen.

    Jetzt kommt das aber: Kurz gesagt, deine Argumente kann ich nachvollziehen, deine Schlussfolgerung nicht.

    Ich weiss natürlich schon seit 1995, dass du dieser Meinung bist, als treuer Leser und Abonnent der PC Player ab der Erstausgabe.

    Die damalige, von dir betriebene Umstellung der PC Player von Testwertungen auf Meinungssterne war für mich das mit großem Abstand negativste Erlebnis, das ich je mit Printmagazinen hatte. Nach einigen Monaten, wo ich mir das Trauerspiel mitangesehen habe, war dies dann auch der Grund dafür, dass ich mein Abo gekündigt und seither keine PC Player mehr mit der Kneifzange angefasst habe.

    Natürlich ist es hirnrissig, dass ein Apfel mit 83 und eine Birne mit 82 bewertet wird, das Ganze dann noch aggregiert mit ein paar Dutzend anderer, ebenso willkürlicher Wertungen, und aus diesem Mischmasch dann die Schlussfolgerung getroffen wird, das der Apfel selbstverständlich besser sein muss als die Birne.

    Ebenso hirnrissig ist es, wenn das Wertungsspektrum nicht ausgereizt wird, sondern ein totaler Verriss in einer 50er Wertung endet, und ein gutes Spiel schon eine 80er Wertung bekommen muss.

    Das ist übrigens mein größtes Problem mit der GamePro, deren Abonennt ich seit der ersten Games Convention bin.
    Die Meinungen der GamePro-Redakteure auf einer Skala von 1 bis 10 finde ich immer recht unterhaltsam, leider gibt es sie nur bei großen Tests.
    Aber die Testwertungen selbst kann ich nur selten nachvollziehen. Insbesondere scheinen “gute” Spiele auf eine Wertung von genau 84 abonniert zu sein, “sehr gute” Spiele werden als Hit tituliert und bekommen irgendwas zwischen 85 und 94, “befriedigende” Spiele haben irgendwas zwischen 83 und 74, und alles darunter ist Schrott. Wertungen über 94 werden nicht vergeben, schon gar keine 100.
    Ich will nicht behaupten, dass die GamePro-Redakteure einen schlechten Job machen oder die Wertungen tatsächlich auf dem Klo auswürfeln, auch wenn dieser Eindruck bei mir oft entsteht – aber wenn schon 100er Wertungen, dann wenigstens nicht so.

    Die GameStar betreibt ja seit Jahren einen riesigen Aufwand, um den Nutzen der 100er Wertung zu erhöhen, wenn sie schon nicht abgeschafft wird.
    Dabei finde ich die Unterscheidung nach Genres, die Betreuung der Genres durch spezialisierte Redakteure, und das Abdrucken einer separaten Top25-Bestenliste für jedes Genre in jeder Ausgabe noch äusserst nützlich.
    Das vor einer Weile aktualisierte Wertungssystem hingegen finde ich einen Schritt in die falsche Richtung. Dabei kommt ein hochdetaillierter Wertungskasten zum Einsatz, ganz ähnlich der CBS, welcher Objektivität vermitteln soll. Die 100er Wertung ergibt sich dabei als eine Summe der Einzelwertungen in den Kategorien. Aber natürlich ist es ein großer Irrtum, dass dieses Vorgehen die Wertungen objektiver macht.
    Ehrlicher, und allemal nützlicher, würde ich ein Vorgehen finden, bei man sich eines oder mehrere möglichst ähnliche Spiele sucht, die bereits getestet wurden – und dann eine persönliche Einschätzung abgibt, ob man das neue Spiel besser oder schlechter findet, und in welchen Aspekten es vielleicht einfach nur anders ist.
    Bei so einem Vorgehen kann eine 100er-Wertung dann wieder helfen, denn wenn ein alte Spiel z.B. 73 hatte und ein anderes 77, dann kann man das neue Spiel mit einer Wertung von 75 dazwischen einsortieren. Diese Möglichkeit gibt man auf, wenn man eine gröbere Skala wählt, z.B. nur von 1 bis 10 – dann hätten alle diese Spiele 7/10.
    Aber im großen und ganzen finde ich das Vorgehen der GameStar überzeugend und die Wertungen nützlich – wenn schon 100er Wertungen, dann so.

    Meine Favoriten sind mittlerweile aber Anlaufstellen wie Eurogamer.net und Edge – deren Redakteure trauen sich in den Tests, ihre persönliche Meinung zu sagen, und stehen auch dazu, dass die Wertung eine subjektive Einschätzung ist.
    Nur konsequent finde ich dabei die Abkehr vom Wertungskasten (die Details stehen im Text, und daher sollte man diesen auch lesen) sowie die Beschränkung auf eine 10er Skala – das schreibst du ja auch in deinem Text.

    Trotzdem widerspreche ich dir und halte die 7/10 unter dem Test von Killzone 2 nicht für einen Fehler, sondern für das entscheidende i-Tüpfelchen.
    Einerseits macht die subjektive Einschätzung des Redakteurs diese Wertung wertvoll, denn ich profitiere von seiner Spiele-Erfahrung – andererseits erdet die Wertung den Test aber auch im Bezugssystem aller anderen Tests, so dass der Leser auf einen Blick weiß:
    - 7/10 oder besser? Das könnte interessant sein.
    - 6/10 oder schlechter? Vorsicht, besser mal nachlesen wo das Problem ist.

    Ich für meinen Teil kann keinen Spieletest gebrauchen unter dem gar keine Zahl steht. Ein Test ohne eine Wertung ist nutzlos, so wie damals in der PC Player.
    Der Text ist ja schön und gut, aber den lese ich nur genau einmal.
    Die Wertung hingegen, unter der wird der Testbericht abgespeichert, und hilft dabei, das Spiel in die bestehende Landschaft aller Spiele einzusortieren.

    Damit wären wir bei einem Punkt, wo ich ganz anderer Meinung bin als du: Wertungsaggregatoren wie Metacritic.com.
    Natürlich kann man auf den negativen Aspekten herumreiten, z.B. dass der Metascore zu Anfang meist höher ist, weil die negativen Tests eher später eintrudeln, und sei es nur weil der Tester die “ehrenvolle” Aufgabe wahrnimmt, den Metascore zu “korrigieren”.
    Und natürlich kann der aufmerksame User eine Korrelation ableiten, wenn in den meisten Fällen der Metascore exakt mit der Wertung von IGN.com USA übereinstimmt oder nur minimal abweicht.

    Aber ansonsten ist der Spieletest-Bereich von Metacritic.com ein wunderbares Werkzeug, um sich einen schnellen Überblick über bereits erschienene Spiele zu verschaffen. Fragen wie z.B. “welche brauchbaren Spiele sind 2009 für Wii erschienen?” oder “wo sortiert sich Tekken 6 im Vergleich zu allen anderen Prügelspielen auf PS3 und Xbox 360 ein?” lassen sich damit ganz einfach beantworten.
    Ich möchte dieses Werkzeug nicht mehr missen – eigentlich brauche ich gar keine Spieletests in Printmagazinen mehr, ausser zur Unterhaltung.

    Übrigens, dass Metacritic.com die Gewichtung des Metascore nie offengelegt hat, halte ich für legitim und nachvollziehbar.
    Ah, da wären wir wieder bei dem Wörtchen “legitim”, so wie zuletzt bei deiner Meinung zum selektiven Verteilen von Vorab-Testmustern durch Spielehersteller.
    Und genauso schützt sich Metacritic.com durch diese Maßnahme. Keine Ahnung ob es heute noch unbedingt nötig wäre, jetzt wo sich Metacritic.com so gut etabliert hat – aber gerade in der frühen Phase war dieses Vorgehen eine wesentliche Absicherung gegenüber den verschiedenen berücksichtigten Publikationen, die ansonsten sicherlich um eine höhere Gewichtung gekämpft hätte, und nicht immer mit fairen Mitteln.

    Aggregatoren gibt es auch nicht nur bei Spielen (siehe auch die anderen Bereiche von Metacritic.com). Bei Filmen etwa verfolgt zwar IMDB.com einen anderen Ansatz (aggregierte Bewertungen der angemeldeten Nutzer statt von Testwertungen), aber Rottentomatoes.com ist ein klassischer Aggregator von Review Scores.
    Auch hier gilt: wenn man die aggregierten Wertungen mit der richtigen Dosis Humor nimmt, dann ist das ein ungemein nützliches Werkzeug, auf das ich nicht mehr verzichten wollte. Und da helfen hier schon die stinkigen Tomaten – man nimmt sich offensichtlich selbst nicht ganz so ernst, und so sollte es auch sein.

    Einen großen Unterschied gibt es aber doch zwischen Filmen und Spielen – Filme haben Stars, Spiele praktisch nicht.
    Auch das ist ein Grund, warum Spiele stärker angewiesen sind auf eine halbwegs verlässliche Wertung, um bei der Kaufentscheidung zu helfen. Beim neuesten Film von Quentin Tarantino, oder beim neuesten Film mit Brad Pitt, da rennen die Leute scharenweise ins Kino, unabhängig vom Aggregator-Score. Da ist es dann auch egal, dass amerikanische “Helden” zum großen Finale deutsche Zivilisten niedermetzeln, oder dass dem deutschen Überläufer nur wegen der Coolness doch noch ein Hakenkreuz in die Stirn geschnitten wird. Egal, ist von Tarantino, muss also gut sein – sonst geht ja auch keiner angewidert raus, also lache ich einfach mal mit.

    Vielleicht brauchen Spiele auch mehr Stars, oder zumindest eine Lobby, und müssen endlich ganz raus aus der gesellschaftlichen Nische – dann verliert die Testwertung von ganz alleine an Bedeutung.

    Immerhin, Metacritic.com fühlt sich schon heute nur zuständig für die “richtigen” Spielemaschinen, also aktuell Xbox 360, PS3, Wii, PSP, DS und PC.
    Das heisst, die Massen-Phänomene der letzten Jahre, seien es iPhone, Handy-Spiele, oder Flash-Spiele im Web Browser, welche im großen Stil Nicht-Spieler ansprechen, finden in Spielemagazinen und bei Metacritic.com kaum statt. Folglich hat bei diesen Phänomenen, die nicht in der historisch begründeten Spielemagazin-Nische von PowerPlay und Co. begonnen haben, die Testwertung gar nicht erst Fuß fassen können und spielt nur eine untergeordnete Rolle.

    Und dies betrifft ja auch ganz allgemein Casual Games und Wii-Spiele. Beide werden zwar (eher widerstrebend) von Spielemagazinen und Metacritic.com behandelt, aber es wird generell mit einem anderen Maß gemessen und es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit mehr (das wäre übrigens auch sehr schwierig, gerade bei iPhone Apps).
    Diese “ungleiche Behandlung” von Wii-Spielen ging ja erst kürzlich durch die Presse, aber letztlich ist es nur ein weiteres Symptom, dass sich diese Massenpublikums-tauglichen Spieleplattformen von der klassischen Nische “von Spielern für Spieler” abnabeln.
    Ist doch ein gutes Zeichen für dich, vielleicht erledigt sich das Thema Spieletests so bald von ganz alleine…

    • ro sagt:

      “Ehrlicher, und allemal nützlicher, würde ich ein Vorgehen finden, bei man sich eines oder mehrere möglichst ähnliche Spiele sucht, die bereits getestet wurden – und dann eine persönliche Einschätzung abgibt, ob man das neue Spiel besser oder schlechter findet, und in welchen Aspekten es vielleicht einfach nur anders ist.”

      Das gab es in der PC Player schon vor Jahren. Da hatten wir auch keine Angst, eine ganze Seite mit zwei oder drei Meinungskästen vollzupacken. Das sah für meinen Geschmack schlimm aus und hätte ehrlicherweise auch etwas kompakter verpackt werden können, aber ich bilde mir ein, dass wir seinerzeit mehr über das Spielerlebnis als über die technischen Details gesprochen haben.

      Ich kann nicht ganz verstehen, dass Dir eine Skala von eins bis zehn hilft, eine von eins bis fünf aber zum Abo-Kündigungsgrund gereichte.

      • cndic sagt:

        Hallo Herr Austinat,
        Vielen Dank für das Feedback. Sorry dass ich mit der PC Player von 1995 so hart ins Gericht gegangen bin – das war in erster Linie an Boris als den damaligen scheidenden Chefredakteur gerichtet.

        An der 5er Skala hat es nicht gelegen, die hätte ich gerade noch akzeptieren können.

        Wobei es schon gewissen einen Unterschied macht: Klar, Kommastellen braucht niemand, da gaukle ich nur Präzision vor wie in der CBS.
        Aber wenn ich nur 5 Stufen unterscheide, habe ich am Ende viel zu viele Tests mit dem gleichen Ergebnis: welchem Rennspielfan soll es denn bei der Kaufentscheidung nützen, wenn du jedes Jahr 30 Rennspiele mit 4 oder 5 Sternen bewertest? Dann ist die Wertung so nutzlos, dass du sie auch gleich weglassen könntest – also wieder Augenwischerei, nur im anderen Extrem.
        In der Praxis haben sich Systeme mit ca. 10 Stufen bewährt – selbst bei Schulnoten will ich zwischen einer 1- und einer 2+ unterscheiden können.
        Und ganz nebenbei, auch wenn Aggregatoren-Kritiker das sicher nicht gerne hören: Wenn eine Wertung dort aufgeführt werden will, dann sollte sie auch noch aussagekräftig sein, nachdem sie auf 100 normalisiert wurde.
        Bei einer 10er Skala finde das das ja noch sinnvoll, aber bei nur 5 Stufen – was sollen denn mögliche Wertungen von 20, 40, 60, 80 und 100 noch Sinnvolles zum Metascore beitragen?

        Aber fürs Verständnis nimm doch besser das folgende Zitat aus meinem überlangen Text: “Ich für meinen Teil kann keinen Spieletest gebrauchen unter dem gar keine Zahl steht. Ein Test ohne eine Wertung ist nutzlos, so wie damals in der PC Player.”

        Nochmal in Worten, genau EINE Zahl muss unter dem Test stehen, nicht mehr und nicht weniger. Eine Seite voller Wertungskästen, und zwei, drei oder mehr voneinander abweichende Testermeinungen können eine eindeutige Testwertung nicht ersetzen.

        Nimm das von Boris verlinkte Beispiel auf den Killzone 2 Test bei Edge – so will ich es haben, und damit können auch Aggregatoren funktionieren.

        Und ja, ganze Seiten voller Meinungskästen sahen damals in PC Player auch für meinen Geschmack schlimm aus. Und in Printmagazinen ist es eben nicht egal, wie es aussieht – da steht die damalige PC Player aber nicht alleine da.
        Wenn ich momentan anhand eines deutschen Printmagazins einen Überblick gewinnen will, was sich in einem Genre zu kaufen lohnt, dann muss ich in die GameStar schauen. Ansonsten hilft nur der Blick ins Internet, zu Metacritic.com und Konsorten.

      • ro sagt:

        Hi Cndic,

        “Aber wenn ich nur 5 Stufen unterscheide, habe ich am Ende viel zu viele Tests mit dem gleichen Ergebnis: welchem Rennspielfan soll es denn bei der Kaufentscheidung nützen, wenn du jedes Jahr 30 Rennspiele mit 4 oder 5 Sternen bewertest? Dann ist die Wertung so nutzlos, dass du sie auch gleich weglassen könntest – also wieder Augenwischerei, nur im anderen Extrem.”

        Welcher Rennspielfan kauft sich denn 30 Spiele, die alle zwischen 80 und 90 bewertet worden sind? Wie trifft er die Auswahl, wenn es ein paar gibt, die ihn interessieren? Genau, er liest den Text. Ob ich das bei Wertungen von vier und fünf Sternen, einer Schulnotenbandbreite von 2- bis 1+ mache, am Lesen des Textes führt kein Weg vorbei.

        Wenn heutzutage Wertungen zwischen 80 und 95 gute Spiele kennzeichnen, habe ich genau 15 Unterscheidungsstufen. 85 weniger, als ein 100er-System zulassen würde. Und bei 30 Rennspielen haben da im besten Fall je 15 Spiele die gleiche Wertung.

        Merkst Du, worauf ich und auch Boris hinauswill?

        Oh, und bitte den Vornamen benutzen. Bei Herr Austinat fühle ich mich älter, als ich es bin. ;)

      • cndic sagt:

        Hallo Roland,
        sehr angenehm, Christian ist der Name!

        Das stimmt natürlich alles, was du schreibst – ich meine das aber auch selbst bereits angesprochen zu haben, zum Beispiel:
        - “Ebenso hirnrissig ist es, wenn das Wertungsspektrum nicht ausgereizt wird, sondern ein totaler Verriss in einer 50er Wertung endet, und ein gutes Spiel schon eine 80er Wertung bekommen muss.”
        - “Der Text ist ja schön und gut, aber den lese ich nur genau einmal. Die Wertung hingegen, unter der wird der Testbericht abgespeichert, und hilft dabei, das Spiel in die bestehende Landschaft aller Spiele einzusortieren.”

        Natürlich lese ich den Test, keine Frage. Und der Test ist auch unentbehrlich bei der Kaufentscheidung.
        Aber erstens lese ich vielleicht nicht unbedingt JEDEN Test, und zweitens ERINNERE ich mich später nicht an alles.

        Um bei dem Beispiel zu bleiben – Metacritic.com listet gerade mal 6 verschiedene Rennspiele für PS3 und Xbox 360 mit Wertungen von 80 und höher, die 2009 erschienen sind, davon 2 Download-Titel und eine Compilation.
        Damit kann ich die Auswahl also auf gerade mal 3 Disk-Spiele einschränken, auf die ich meine Aufmerksamkeit konzentriere, d.h.
        - alle Reviews lesen, die ich für relevant halte
        - Videos anschauen
        - Demos ausprobieren

        Übrigens, normalerweise ziehe ich bei Metacritic.com die Grenze nicht bei 80, sondern bei 70 oder 75 – so erwische ich auch die Titel noch, wo der Aggregator möglicherweise geschwächelt hat.

        Nochmal, ich widerspreche nicht den Argumenten, nur der Schlussfolgerung: System fehlerbehaftet, also die eine Wertung unter dem Test abschaffen (egal ob nun 10er oder 100er Skala)?

        Dazu sage ich nein – keine Wertung, keine Eier!

  49. Z3R0B4NG sagt:

    Ich stimme dem gesagtem voll und ganz zu.

    Die Zahlenschieberei befindet sich wenigstens bei den interessanten (teureren Mainstream-)Spielen IMMER zwischen 75 bis ca. 98%. Der Rest ist dann abhängig von persönlicher Meinung des Testers (der in keinem Fall meine Meinung haben muss) und wie viel Werbung im Magazin vom entsprechendem Publisher geschaltet ist.
    Keine Zeitung beißt die Hand die einen füttert!

    Die Zeit von Gamestar, PC Games, PC Action und co. sind für mich schon lange vorbei. Wenn ich mir heute Tests ansehen will gehe ich auf youtube gebe den namen von dem Spiel ein das mich gerade juckt und sehe nach ob es Video Reviews von z.B. IGN oder Gamespot gibt, im Notfall tun es auch ein paar einfache Gameplay Videos.

    Diese Video-Reviews geben dann schon einen ganz guten Eindruck wieder wie sich das Spiel spielt und was man so davon erwarten kann.
    Im Fall von CMR Dirt 2 hat es aber Niemand geschafft zu erwähnen dass wenn man auf der Xbox im rennen Restart drückt es oft zu richtig störenden Lags im Rennen kommt und zwar regelmäßig, was offensichtlich ein Bug ist da bei der ersten Runde immer alles Perfekt funktioniert.
    Wenn diese Bugs nicht angeprangert werden kümmert es den Publisher/Entwickler beim nächsten Spiel auch nicht und auf einen Patch darf auch jetzt noch warten.

    Es fällt mir immer öfter auf das wirklich offensichtliche Bugs in Tests systematisch verschwiegen werden ausser wenn es wirklich ein Bugfest wie Gothic 3 (PC) oder GTA4 (PC) ist.

    An sich wird die technische Seite der Spiele meist kaum beachtet, egal ob Auflösung (bei den Konsolen), Steuerung oder Internetfunktionalität wobei genau das die wichtigen Punkte wären die man sich nicht anhand von Videos und Screenshots erdenken kann.

  50. derKlaus sagt:

    Zuallererst mal absolute Zustimmung (hab den Artikel auch gleich mal getwittert). Ich hab zwar etwas länger gebraucht, bis auch ich nicht mehr auf etwaige Wertungskästen geguckt habe (Danke Computzerbild Spiele, das Ding ist echt der Abschuss vom Wertungssystem).

    Nur wie will man das als Magazin schnell ändern? Entweder stampfe ich mein Format komplett ein und fange bei 0 an, oder wich ändere das langsam ab. Nur bei letzterem dauert das doch mindestens 5 Jahre, bis ich am Ziel angekommen bin, weil keiner so eine 180 Grad Kehrtwendung mitmacht. Darüberhinaus gibt es einfach Leute, die wollen etwas wie Spielspaß in einer Zahl ausgedrückt haben. Ich hab kurz in einin em Comment hier “Was ist denn jetzt das beste Gerät?” gelesen. Vielleicht ist das einfach son ein Ding bei uns Deutschen, daß wir sowas in Zahlen ausgedrückt haben wollen. Die US-Amerikaner sind ja schon beim SPort so statistikgeil, daß es für jeden Blödsinn jeder Sportart eine Zahl gibt, welche Aufschluss über die Leistungsfähigkeit eines Sportlers gibt (wers nicht glaubt sollte mal ein Baseball- oder Footballspiel ansehen).

    Kurzfristig wird man die Zahlen leider nicht los, wesewgen ich auch Spielezeitschriften nur noch kaufe, wenn irgendeine interessante Vollversion dabei ist (war vor kurzem die CBS mit Jack Keane).

    Wie gesagt, sehr schön daß das mal jemand gesagt hat. Leider wirst Du wohl kaum ein neues Spielemagazin aufziehen wollen. Eigentlich schade.

  51. Schnake227 sagt:

    Da ich nach wie Vor Twitter für mich unsinnig finde und es selber nicht benutze, antworte ich hier mal Kurz :D

    “eltsam – ich krieg unerwartet überwiegend positives Feedback auf meinen Spieletest-Rant. Ich hatte mit deutlich mehr Sperrfeuer gerechnet.” Warum? Weil du deine Meinung gesagt hast? Wie du selber in dem Vielen Kommentare erkennen konntest, wird diese meinung von sehr viele Leute Annerkannt, Signiert und unterstützt, Nicht zulezt von mir ;)

    Aber wenn ich mir dem Leztem Kommentar von Herr Luibl anschaue, scheint es bei manchen nicht angekommen zu sein!

    Wie ich ja unter weitere Kommentare zu diesem “Kommentar beitrag” lesen konnte, bin ich längst nicht der Einziger, der 4Player extrem Kritisch gegenüber steht, aber das alles ist ein Anderes Thema.

    Als Langer erfahrener mann (was die Spielewelt angeht) weiss du nunmal wovon du redest und Extrem viel leute haben sich schonmal gedacht “Was ist das überhaupt für ein dummes Punktesystem”. Wie gesagt, ein gewisser Journalist in eine Gewisse Redaktion kann nicht meine Persönliche Meinung und gefühle über einem Spiel nach Empfinden, selbst wenn das Spiel eine so Tolle Grafik hat oder so eine “mitreissende Story”. Weil es ihm gefällt, muss es lange nicht mir gefallen, genau Andersrum! Spieletest gut und schön, finde ich Teilweise doch interessant, aber wie du selber sagtest, als Kritiker und nicht als “Top Spieletester der eh alles besser weiss”.

  52. BFBeast666 sagt:

    /signed

    Toller Artikel, der mir sehr aus dem Herzen spricht.

    Mein Augenöffner war letztes Jahr GTA IV. Zugegeben, ich mochte San Andreas, daher war ich sowieso schon in Kauflaune als die ersten Previews eintrudelten. Und als es dann von beinahe allen Medien-Outlets Jubelwertungen hagelte, war ich hin und weg, bin am Veröffentlichungstag losgewetzt und hab’s mir gekauft, nur um eine knappe Woche später ziemlich ernüchtert dazusitzen und mich zu fragen, ob die Gamespots, IGNs und wer-weiß-ich das gleiche Spiel gespielt hatten wie ich. Für mich waren das teilweise grenzwertige Missionsdesign und die viel zu labberige Fahrphysik der Grund, warum ich das Spiel kürzlich weiterverkauft habe. Da konnte die Stadt noch so toll sein, die Story noch so interessant – aber wenn ich beim Neustart gescheiterter Missionen JEDES MAL fünf Minuten Dialog über mich ergehen lassen muß und besagte Missionen vergeige, weil sich die Autos fahren, als hätten sie Luftballons statt Stoßdämpfern, dann hört der Spaß für mich auf.

    Ich lese jetzt seit einigen Monaten regelmäßig die GEE, und deren Spielekritiken sind einfach großartig. Keine Zahlenwertung, stattdessen “Was uns begeistert”/”Was uns nervt”.

  53. Hadez sagt:

    Heute kaufen die meisten Menschen doch Zahlen. Je mehr RAM, MP oder Watt ein Gerät hat, desto eher landet es im Warenkorb/Einkaufswagen. Ohne Zahlen wären die meisten Kunden unsicher und/oder verwirrt was denn jetzt besser oder schlechter ist.

    Ich benutze Metacritics oft. Dabei lese ich immer die schlechtesten Reviews und überlege dann, ob ich mit den Fehlern des Produkts/Spiels klar komme.
    Zudem spiele ich am liebsten B-Games, weil schlecht gemachte und verbuggte Spiele wenigstens eine Herausforderung sind. Nicht wie diese ganzen AAA-Titel.

  54. xwormwood sagt:

    Amen dazu, Herr Schneider-Johne.

    Aber bitte nicht das eigene Licht unter den Scheffel stellen:

    auch wenn in der PowerPlay prozentuale Wertungen waren, so gab es doch auch die belgeitenden Redakteursgesichter (z.B. das mit der auf der Fingerspitze balancierte Diskette) und Kommentare (“Super”, “Gut” etc.), die hier durchaus die entscheidenderen Kriterien der Bewertung waren (zumindestens für mich).
    Ansonsten kann ich alles so mit unterschreiben.

  55. Chris sagt:

    In vielen Punkten kann ich deine Ausführungen nachvollziehen und zustimmen.

    Dennoch haben die Wertungen in Zahlenform einen Nutzen. Sie helfen, ein Spiel qualitativ einzuordnen. Die Wahrscheinlichkeit, daß mir ein Spiel mit höherer Wertung besser gefällt als eines mit schlechterer im gleichen Genre, ist groß. Es erleichtert mir die Auswahl möglicher Kaufkandidaten und geht viel schneller, als erst Unmengen von Text durcharbeiten zu müssen.
    Ohne jedoch auf anderem Wege weitere Informationen über einen Titel einzuholen, kaufe ich generell nichts.

    65, 65 und 71 sind die Metacriticbewertungen von drei meiner Spiele. Es ist also nicht so, daß mich mäßigere Wertungen generell vom Kauf abhalten.

    Komplett absurd sind Wertungskästen wie bei CBS oder Kämpfe darum, ob ein Spiel nun bei Metacritic 2 Punkte mehr oder weniger bekommt.
    Tendenziell vermitteln die Wertungen nach meiner Erfahrung aber einen guten Eindruck, wie die Spiele bei der Mehrheit der Spieler ankommen.

  56. sirlantis sagt:

    Spannender Artikel – welche Spiele-Zeitschrift fragt nach den exklusiven Veröffentlichungsrechten? ;)

    Jeder hat heutzutage sicher seinen eigenen Weg die “Wertung” herauszufinden. Bei mir besteht diese zumeist aus dem letzten Absatz / Fazit.

    Aber dennoch gucke ich mir dann mal bei Metacritic die drei-vier schlechtesten Bewertungen an. Das Wertungssystem (so schlecht es auch sein mag) ist mir dabei behilflich: Den Grundton eines Review einschätzen kann ohne das Review zu lesen. Ein Test, der mir eine 96% hinspuckt will ich gar nicht lesen.

    Unsinnig wird es dann aber bei “Top100 in Kategorie Action”. Hilfreich hingegen: “Kauftipps für Spiele, die dieses Jahr erschienen sind.”

    Wie wär es denn mal, die Spielewertung/Erwartung gleich an den Anfang des Artikels zu setzen, um mich dann über die schönen und die schlechten Seiten zu informieren?

    Na, mal schauen, welche Zeitschriften die nächsten Jahre überleben.

  57. Malakay sagt:

    Den Artikel im Einzeln könte ich jetzt kritisieren. Im Ganzen aber ist er völlig richtig. Das Problem und dessen Kritik ist übrigens etwas, das man auch in anderen Bereiche des Lebens findet. Und daher kann ich nur sagen: stimmt.

  58. HamburgerJoe sagt:

    Übrigens hatten die ganz frühen Ausgaben der Happy Computer noch keine Bewertungsskala (da gab es auch nur rund vier Seiten Spielereviews), aber das nur nebenbei…

    Mir ist klar, dass es sich bei einem “Spieletest” um ein persönliches Urteil handelt. Auch die Redaktionsmeinung besteht aus ein bis mehreren persönlichen Meinungen. Das war früher auch schon so. Es kam öfter mal vor das z.B. Power Play und ASM ganz unterschiedliche Meinungen zu einem Spiel hatten.

    Allerdings finde ich die Bewertungen durchaus hilfreich, man darf Sie halt nicht als absolutes Kriterium verwenden. Wenn ich First Person Shooter nicht mag, dann meistens auch keins mit einer hohen Bewertung. Aber der Umkehrschluß funktioniert bei mir sehr gut. Wenn die Zeitschrift meines Vertrauens (in meinem Fall die EDGE) ein Spiel schlecht bewertet, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ich es auch nicht mag. Ich habe leider nicht die Zeit, mir alle Spiele anzuschauen, also muss ich vorher selektieren. Und das mach ich meistens mit den Spielen, die schlecht bewertet wurden.

    Gerade bei der EDGE lese ich mir die Reviews gründlich durch und bilde mir daraus eine erste Meinung, aber trotzdem möchte ich eine Bewertung als Nummer nicht missen. Und das hat folgenden Grund:

    Eine Bewertung kann man durchaus gut verwenden, um das Spiel grob einzuordnen. Auch kann ich mich besser an besonders herausragende Spiele erinnern, wenn ich hierzu eine Bewertung gelesen habe. Vor kurzem habe ich mir beispielsweise günstig einen Nintendo DS gekauft und wollte wissen, welche besonderen Spieleperlen ich mir zulegen sollte. So blätterte ich in den EDGE-Ausgaben der letzten Monate, um entsprechende Kandidaten zu finden. Wenn bei den Wertungen gar keine Nummern stehen würden, müßte ich jeden Test genau lesen, um herauszufinden, ob ein Spiel grundsätzlich in Frage kommt oder nicht. Mit den Bewertungen konnte ich aber schon mal vorsortieren. Relativ schnell wurde ich auf “Bangai-O Spirits” aufmerksam, welches 9 von 10 Punkten erhielt. Nach dem ich das Review gelesen habe, beschloß ich, mir das Spiel zu bestellen…. Eine Zahl alleine sagt noch nicht alles aus, aber: ohne Bewertungsskala hätte ich nicht so leicht vergleichen können und vielleicht hätte ich das Spiel gar nicht näher betrachtet ! Also liebe EDGE: lasst bloß die Bewertung drin !!!

    Und wenn ein Kritiker (nennen wir ihn mal so) schreibt, dass Spiel wäre nur durchschnittlich, gut, sehr gut, brilliant oder was auch immer, dann ist das eine Aussage, die man auch grundsätzlich in einer Skala ausdrücken kann. Ich bin auch dagegen, dass man die Bewertung über alles stellt, aber eine sinnvolle Unterstützung ist es allemal.

  59. juekalle007 sagt:

    Glückwunsch, spricht mir aus der Seele, spiele seit Jahren aus Leidenschaft und da war es egal was Magazin xyz zu spiel abc geschrieben und getestet hat.

  60. Evil sagt:

    Bei Metacritic kommt ja eigentlich noch eine zusätzliche Ebene hinzu, denn die Leute dort neigen dazu, dass bei Tests, die keine Wertung haben, man versucht abzuschätzen, was für eine Wertung es denn wohl wäre. Also wird eine Kritik, die völlig ohne Wertung auskommt, im Endeffekt von Metacritic doch zu einer Zahl reduziert.

    Aber das nur mal kurz als Anmerkung, ansonsten trifft der Artikel doch den Nagel auf den Kopf. Ich gehörte auch mal zu den Wertungsjunkies, die unbedingt wissen mussten, was denn das neueste Spiel so in Prozenten wert ist. Und auch wenn ich von diesem “Problem” längst befreit bin, im Endeffekt liegt es nicht nur an den Publishern, aber auch den Spielern, dass solche Wertungssysteme auch vorallem im Printbereich noch immer irgendwie ein “muss” sind.

    Ich beobachte das durchaus öfter in meinem Freundeskreis, dass sich jemand ein Spiel nicht kauft weil “die 4Players dem Spiel nur 74 gegeben hat”. Man muss bedenken, da ist dann auch der Typ Mensch dabei, der den Test nicht liest, sondern sich maximal die seperat aufgelisteten Kritikpunkte anschaut, die Wertung sieht und für sich beschließt, dass es das Spiel nicht wert ist.
    Genau wie auch, wenn man sich dann ein Printmagazin kauft, der erste Lesedurchgang meistens nur daraus besteht, sich zu den Wertungen durchzublättern.
    Und unter diesen Aspekten ist es eben total verständlich, wieso Publisher bei Tests kritisch sind. Denn, das wage ich mal zu behaupten, ein großer Teil der Spieler ist nicht der Typ, der sich mehrere Berichte intensiv durchliest und daraus versucht abzuschätzen, ob sich das Spiel für ihn lohnt. Er ist auf die Wertungen fixiert, und wenn ein Spiel nicht die Wertung bekommt, mit der er gerechnet hat, dann kauft er es sich nicht, selbst wenn ein näheres Studium des Tests ergeben hätte, dass das Spiel ihm alles bietet, was er sich wünscht, aber der Reviewer halt einfach keine Shooter mag.

    Man tut sich als Redakteur keinen Gefallen, wenn man groß eine Wertung irgendwo stehen hat. Denn dadurch, dass man dort eine Zahl stehen hat, wird der gesamte Fokus weg vom eigentlich Test hin zu diesen Ziffern geleitet. Es ist egal was der Redakteur schreibt, am Ende zählt nur die Wertung. Und das ist doch wirklich schade, und mir kann keiner sagen, dass er gerne einen schönen Testbericht schreibt, wenn er genau weiß, dass ihn vielleicht nur ein Bruchteil der Leser als solchen wahrnehmen wird.

  61. Claire Anlage sagt:

    Also ich verstehe diese ganze Debatte über Tests und dieses halbgare Plädoyer für einen subjektiven, zahllose Kritik nicht so ganz.
    ´
    1. Subjektiver Objektivismus oder objektiver Subjektivismus
    Per se ist doch schon jeder Test subjektiv, weil er nunmal oft nur von einer Person geschrieben wurde und diese eben nur für sich argumentieren kann. Ich finde dieses “Objektivitätsversprechen”, das noch immer in vielen Redaktionshallen als Credo über der Wand schwebt und über vielen FAQs von Onlinepräsenzen prangt, ziemlich putzig, aber nicht denkmalschutzwürdig.
    Was der eine als noch akzeptable Framerate bezeichnet, sieht der andere als flüssig an und der ganz Pingelige eben als unspielbare Dia-Show, die einem den Spielspass gehörig verdirbt. Dasselbe gilt für Steuerung (“is doch spitze” – “nö, total schwammig und ungenau” – “Quatsch, is okay… nur die vielen Combos/das Fuchteln gehen mir auf den Sack”) oder Story (öde – lala – genial) und alle anderen Aspekten eines Spiels. Das kann man doch in vielen giftigen oder relativierenden Kommentaren von Spielern zu Tests lesen. Was für den einen neu und innovativ ist, kann für den alten Hasen öde und repetitiv wirken. Jeder Test hängt immer von der Person ab, der das Spiel spielen und bewerten durfte. Da spielen solche Faktoren wie (Spiele-)Erfahrung, Genrevorliebe, aktuelle Tagesform und (hoffentlich eher weniger) die veranschlagte Zeit und momentane Präferenz stattdessen nicht mal etwas anderes zu spielen, die ein oder andere Rolle beim Testen.

    Noch ein Beispiel: Call of Duty Modern Warfare 2 – No Russians Mission.
    Die einen (insbesondere die Printjournaille) kritisiert den virtuellen Amoklauf, einige Spieler fanden das abstoßend teils ekelerregend. Auf der anderen Seite las ich auch Sprüche wie: “cool”, “mal was Neues”, “stellt euch nicht so an, das ist doch nicht echt”. Und ich wiederum frage mich welchen spielerischen Wert es hat, wenn ich fast ohne Gegenwehr durch ein komplettes Level laufe…
    So unterschiedlich kann also die Auffassung bei Spielen sein.

    Und so kann es eben vorkommen, dass Spiele überall 90er holen, aber sich ein paar Gallier dagegen wehren. Wer allerdings schlechtere Wertungen nur vergibt, weil er ein Spiel bei gamerankings oder metacritic vom hohen Ross stoßen möchte, ist ein bedauerlicher Wicht, weil er nicht das Spiel bewertet, sondern nur die Gesamtwertung im Blick hat und seine Reputation als besonders kritischer Tester festigen möchte. So jemand schädigt auf lange Sicht damit nur seine Glaubwürdigkeit.

    Ist es jetzt aber die Schuld von Testern, wenn sie nicht die “Genialität” eines Casual Games wie “Ice Age 3″ oder eines “Interpol” erkennen? Nein! Auch Tester mit langjähriger Erfahrung können viele Genres abdecken, aber sicher nie bei allen Spielen das “gewisse Etwas” erkennen. Man probiere das mal im Gegenzug bei Filmen, Serien oder Büchern.
    Die einen sehen in der Serie “Heroes” die Reinkarnation der Superheldengeschichte, ich hingegen als reichlich aufgewärmte Grütze und kann das mit ellenlangen Beispielen belegen. Ich liebe den Film “Fight Club” und attestiere Leuten, die den Film nur “okay” oder “schlecht” fanden geistige Dürre: “Ihr habt ihn einfach nicht verstanden…” usw.

    Eben deswegen ist es wichtig, dass Tester über die Spiele schreiben, die sie interessieren und die sie selbst freiwillig spielen würden. So kann man eher ausschließen, dass Spiele aus dem hochnäsigen Blickwinkel des Elfenbeinturms unterbewertet werden. Und das ist zugegebenermaßen ziemlich schwer.
    Wie bewertet man Casual-Spiele wie WiiSports oder WiiFit richtig? Sicher ist die erste Euphorie beim ersten Anspielen groß, da man wie beim ersten Kontakt mit Videospielen Neuland betritt, doch wich bei mir diese nach 2 Stunden gähnender Langeweile der Erkenntnis, dass von der Grafik über die Steuerung bis zum Gameplay rein gar nichts passt, sich stattdessen hunderte Kritikpunkte aufdrängen. Bei meinen Neffen herrscht hingegen, ebenso wie bei deren Freunden und Bekannten, die uneingeschränkte Begeisterung. Und dieser Hiatus zieht sich durch die ganze Gaminggemeinde, wie man in den vielen Flamewars rund um NonGames im Netz lesen kann. Fazit für mich: Eine gerechte Bewertung von Casualspielen wie WiiSports ist durch erfahrene Spieler kaum möglich, da diese eine komplett falsche Klientel darstellen. Deren teils vernichtende Kritiken sind aber absolut richtig, weil sie dem normalen Hardcore-Gamer eine Orientierung bieten.
    Andersherum würde wohl viele Casualgamer Spiele wie Call of Duty mit ganz anderen Augen sehen und schon wegen der herausfordernden Steuerung und des hohen Schwierigkeitsgrades Abzüge geben.

    2. 93,778% + x Spielpass
    Warum um himmelswillen vergeben Testzeitschriften unter den eigentlichen, oft ausführlichen Test, eine Note oder Prozentwertung.
    Ganz einfach: “Weil wir Menschen stinkefaul sind.” Und ich ergänze: “Weil wir Videospieler größtenteils Männer sind.”
    Uns interessieren Zahlen, weil wir so schön Informationen zusammenpacken und abspeichern können. Wir könnten uns auch den Text durchlesen und unseren Freunden von der “atemberaubenden Vegetation, dem brachialen Effektgewitter und den realistisch anmutenten Charaktermodellen” (also wie eine Frau von ihrer letzten Beinenthaarung) vorschwärmen, aber nö: “10 Punkte bei Gamestar in Grafik – Leck mich fett! Das muss flocken!” oder “92% bei Gesamt – Boah, das ist 3 mehr wie das anner! Ich reiß gleich den Media Markt ab.”
    Zahlen helfen uns Informationen besser zu fassen und Rangordnungen zu erstellen. Dass das in der Kunst schwer möglich ist, interessiert dabei nicht. Wir kriegen das doch schon in der Schule beigebracht, dass man selbst geschriebene Geschichten und gemalte Bilder bewertet bekommt. (Übrigens die Mona Lisa kriegt von mir nur ‘ne 3-. Die Grafik ist jetzt nicht so prall! Das kann der besser…). Und es werden Charts der besten Filme und Lieblingssongs erstellt. Auch hier wird Kunst bewertet und nummerisch geordnet. Wieso dann nicht auch von vorneherein Spiele bewerten? Die Bewertung ist nur ein nacktes Fazit, eine Zusammenfassung der Fakten unter einem hoffentlich dazu vernünftigen Test. Für die Dummies, Faulen und Prozentschrubbler. Natürlich fällt das Vergeben der Noten vielen Testern schwer, aber viele Leser wollen halt nicht darauf verzichten.
    Man sollte die Note nicht als Götze verehren, sondern als Fußnote mit einem lange erläuterndem Text verstehen.

    Wenn wir schon Testsysteme haben, wäre mir es aber recht, wenn man sich auf ein oder zwei beschränken würde. Manchmal liest sich die Erklärung eines neuen Systems wie die Bedienungsanleitung zu einer Waschmaschine. Das von der ComputerBILD finde ich sogar krankhaft deutsch. Die wollen es allen recht machen und nehmen sogar Serviceleistungen wie die Supportnummer des Herstellers in die Gesamtwertung rein. Es ist zwar löblich das Gesamtprodukt zu bewerten, aber ist das Spiel schlechter, weil die Telefonnummer des Supports 1,50€ kostet?

    Das Zehner-System ist doch schon ausreichend, das Schulnotensystem bieten sogar 15 Bewertungen. Bei 100 Prozent oder Punkten verliert man doch den gesamten Überblick oder wieviel schlechter ist jetzt ein Egoshooter, der ein Prozent mehr hat als sein Vorgänger, der aber schon vor 2 Jahren rauskam, aber damals schlechtere Grafik und schlechteren Sound hatte? Zudem werden die 100 Prozent praktisch nie vernünftig genutzt. Die Ausrede das alle Spiele im Durchschnitt besser geworden sind und im Mittel ca. 75% bekommen, lasse ich nicht gelten.
    Ob man jetzt wirklich jeden Aspekt eines Spieles mit einer Unternote abhacken muss, halte ich auch für ziemlich bedenklich. Einfache Spiele wie Tetris benötigen keine aufwendige Grafik oder Soundkulisse, geschweige denn eine ausgefeilte Story. Das Spiel wird wegen seiner inneren Werte gespielt.

    3. Bessere Tests
    Gute Tests sollten, nein müssen, wie Boris schon schrieb die Emotionen vermitteln, die man empfand während man spielte, denn nur so kann man dem Spieler vermitteln, wieso man ein Spiel mag und er eventuell kaufen sollte. Natürlich müssen die Unzulänglichkeiten eines jeden Spieles drin vorkommen und wo sie sich eventuell besonders frustig äußeren. Das subjektive Empfinden sollte als Chance erkannt werden und deswegen besonders betont und vorgehoben werden. Die einzelnen Kritikfelder Gameplay, Story und Gameplay kann man auch dort nebenbei abhandeln.
    Zum Glück gibt es schon einige Plattformen, die das beherzigen. Einige wurden hier schon erwähnt und ich hoffe es werden noch mehr.

  62. KlaasDeJung sagt:

    Ich gestehe, ich lasse mich von dem Punkte-Prozente-Wahn beeinflussen. Ich gestehe, das ich zuerst die Wertung studiere. Und so bin ich somit im Besitz der absoluten Musthaves, die mich doch nicht berührten und fesselten.
    Wenn ich dann ein Spiel anzocke, dann mach ich ein ROI d.h. 1 Stunde Spaß/Unterhaltung = 20 Euro (mein persönlicher Freizeitstundensatz)

  63. ahmet_iscituerk sagt:

    Für den einen sind Tests wichtig und für den anderen halt nicht. Wer sich da nur auf eine Seite versteift ist entweder zu arrogant, zu blöd oder einfach nur zu engstirnig.

    Sinn und Unsinn der Testsysteme kann man für sich persönlich erörtern, aber das war es dann auch. Für jeden Leser, der die Prozentwertung verteidigt, findet man mindestens genau so viele Zehnerwertung- und Schulnoten-Fans.

    Interessanterweise lehnt der größte Teil der mir bekannten Leserschaft eine Abschaffung von Wertungen ab. Fast immer scheinen die Leser nach dem Aufschlagen des Magazins als allererstes zu den Wertungskästen zu blättern.

    Natürlich ist auch da wieder wichtig, über welche Leserschaft wir reden. Ein PC Games-Leser wird die Frage anders beantworten, als ein Gee-Abonnent. Wer hat denn nun recht? Die Antwort lautet: Beide.

    Mich wundert allerdings, dass dieser Blog-Eintrag so hohe Wellen verursacht. Jeden Tag schreiben Millionen von Menschen über irgendwelchen Scheiß, der sie begeistert oder aufregt. Das Recht sollte man Herrn Schneider-Johne auch zusprechen. Ich bin ja auch nicht seiner Meinung, fand seine hochgelobte Monkey Island-Synchro scheiße und bin auch sonst kein Fan von ihm, doch trotzdem sollte er unbescholten seine Meinung kundtun dürfen.

  64. Chräcker sagt:

    Meine erst gelesene Spieletests waren eine feste Rubrik in “Happy Computer”, also noch vor PowerPlay-Zeiten. Zu der Zeit damals gab es eine Zeitschrift namens ASM.

    Während die Happy-Computerrubrik eine Heftbeilage und dann ein eigenständig auftretenes Heft wurde, bemühten sich gerade Ihr doch als deren Gründerväter, löblicherweise, um ein gewisses redaktionelles Niveau und “seriös ausgerichteten” Stil. Dies führte dann nach und nach über die Jahre dazu, daß die Spieletest in diese gelackte 80-100% und “wir tun kaum einem weh”-Schiene glitt. Was gab es da nicht alles für Experimente, mit Fotos, Wertungsbalken, Kästen und sonst was.

    Die ASM führte ich deswegen an, weil sie damals im Gegensatz noch eine eher anarchige rotzige, sicherlich auch mehr an Schulzeitungsstil erinnernde Schreibe hatte. Damals war es schon so: will man eine ausgetesete, vielleicht auch weichbalancierte, Bewertung haben, las man PowerPlay und die Blätter, die folgten.

    Wollte man mal eine subjektivierte Meinung haben, schaute man auch mal in die ASM.

    Womit ich ausdrücklich, Boris, die Arbeit Eurer Gründerjahre nicht bemängeln will, aber es sind doch Eure Steine, die immer noch im Fundament der heutigen, ja zu recht gescholtenen, Presse stecken.

    Mittlerweile haben wir das Internet, und ich mache es heute so: ich suche mir subjektive Meinung von Meinungsträgern, deren “Subjektivität” ich einerseits traue und auch deswegen anderseits mit meinem Wunsch gut abgleichen kann. So auch die von Dir verlinkten Videos von Heinrich und Jörg.

    Anderseits schaue ich mir, jaja, die Negativkritiken bei einem großen Internethändler an, nicht selten um zu staunen, was man so alles bemängeln könnte, mir aber wurscht sein würde.

    Man stoppelt sich so seine Kaufentscheidung fern der Printmedien zurecht. Schade für die Zunft. Aber je nun, was nutzt es mir sonst? Immerhin kaufe ich noch eine Zeitschrift pro Monat. meistens habe ich DA aber nach dem Durchblättern sogar vergessen, welche Spiele alle vorgestellt wurden.

  65. Marc sagt:

    Ich sehe das ganze nicht so dramatisch wie BSJ. Letztendlich ist man doch als Käufer doch sehr dankbar für die Bewertungen. Ich hatte mich da vor ein paar Monaten schon mal mit auseinander gesetzt: Spielespaß – Bewertung von Spielen.

  66. tintifax sagt:

    Wozu gibt und gab es solche Zeitschriften/Review Seiten? Nämlich damit mir jemand anderes sagt wie das Spiel ist, bevor ich selbst Geld dafür ausgebe.

    Das wird aber bald nicht mehr notwendig sein! Auf dem iPhone gibts den Appstore, wo es zu fast allen Spielen gratis Testversionen gibt. Die XBox360 geht ja genauso in diese Richtung: Ich lad mir aus dem Netz eine gratis Testversion, und schau selbst wie das Spiel ist.

    Ein Magazin wird in Wirklichkeit mehr eine Seite von Selbstdarstellern sein, allerdings wird Mittelfristig kein Mensch mehr Spiele kaufen ohne sie selbst getestet zu haben, insofern werden Magazine an Einfluss massiv verlieren.

  67. OldDaddy sagt:

    Ein auf mich zugeschnittenes Test-Magazin hätte pro Spiel
    6 verschiedene ganzspaltige Testermeinungen und eine
    zweispaltige Pro- und Kontraliste. Die PC PowerPlay war
    auf dem richtigen Weg.
    Sowas gibt es auch im Internet (Leser-Reviews), aber wer hat
    die Zeit, sich da durchzuwühlen und nach Schreibern auf
    gleicher Wellenlänge zu suchen? Auch ein guter Hobbytester
    auf meiner Wellenlänge kann nicht alles pünktlich zum
    Erscheinungstermin testen – deshalb die bezahlten Profis!

    Videos finde ich als Mittel zur Kaufentscheidung übrigens ungeeignet – ein Driver 3 sah ja im Video richtig toll und spielbar aus. Dafür sind Demos sind wichtig – oft sind es schon kleine Mängel bei der Bedienung, die mich abschrecken – auch solche Mängellisten liefert kein Spielemagazin. Klar, wie auch – man testet ja nicht die Verkaufsversion.
    “Nein, die Fehler in Demonworld machen wir alle noch raus.
    Versprochen!”

    Die Zeitverzögerung bei Printmedien macht sie für den
    Spieletest ungeeignet – vielleicht müssen wir wirklich
    wieder in Richtung Happy-Computer. Vielleicht sind wir
    da auch schon und das heisst GEE oder Edge.

  68. noerknhar sagt:

    Das “beste” Bewertungssystem hat immernoch ‘xboxfront.de’. Da werden nicht nur bunte Balken gemalt, nein, dazu wird die Bewertung auch noch in Prozent, Punkten (bis 10) UND Schulnoten hingeflanscht.
    Ich liebe es!

  69. michierp sagt:

    Da bin ich aber froh, dass ich nicht der Einzige bin dem das so geht… Manche Bewertungen sind einfach nur total hirnrissig und bringen dem Leser überhaupt nichts… schönes Beispiel übrigens aus der CBS!

  70. Falcon030 sagt:

    Kann ich nur unterstützen. Ich wünsche mir einen Spielejournalismus, der weg von Tests hin zu Besprechungen geht.
    Die dürfen dann gerne subjektiv gefärbt sein – wenn ich weiß, dass derjenige, der da schreibt, in bestimmten Bereich das gut findet, was ich auch gut finde, reicht mir das.
    Wie will man denn ein Spiel auch objektiv testen?
    Welche objektiven Maßstäbe will man da anlegen?
    Prüfen, wie effizient eine Routine programmiert ist?
    Wenn man schon Spiele als Kulturgut versteht und propagiert, dann sollte man sie auch wie eines behandeln und sie nicht in ein Korsett zwängen, das vielleichtfür einen Vergleich von Akkuschraubern taugt.
    Bei einer Bücherbesprechung geht ja auch kein Kritiker hin und vergibt zum Abschluss eine Note zwischen 1 und 100.
    Vielleicht hat das Buch als Medium den Vorteil, dass da mittlerweile gesellschaftlich akzeptiert ist, dass jeder ein Buch anders wahrnimmt und es sich einfach einer objektiven Bewertung entzieht.
    Noch ein Wort zu der mittlerweile gängigen Praxis, ein Preis-/Leistungsverhältnis aus Kaufpreis und Spieledauer zu ermitteln:
    Gräßlich!
    Ich will Spaß mit einem Spiel haben. Gegebenenfalls emotional berührt und intellektuell gefordert werden (kann, muss aber nicht). Ob ein Spiel sieben Stunden bis zum Ende braucht oder 100 ist mir dabei egal. Wenn mich die 100 Stunden langweilen, hab ich doch auch nichts davon.
    Also nochmal: Wer will, dass ein Spiel ein Kulturgut sein soll, darf es nicht behandeln wie einen Staubsauger.
    Sonst wird es auch nie mehr sein als ein Staubsauger.

  71. Will sagt:

    Ich lese sehr gerne die GEE, die ja ganz ohne Bewertungen auskommt und Spiele nur in Textform kritisiert. Die EDGE gibt es bei uns ja leider nicht. Ich hatte mal eine Ausgabe irgendwo her, die mir auch gut gefallen hat.

    Ich sehe aber gerade das mit der 10-er Skala nicht ganz so: die ungleichmäßige Verteilung ist nicht die Schuld der Skala, sondern der Tester. Warum muss denn ab 6 Punkten abwärts schon alles schlecht sein? 1-3 Punkte schlecht, 4-6 Punkte Durchschnitt, 7-9 Punkte gut und 10 Punkte ausgezeichnet/perfekt scheint mir eine ausgewogene Verteilung zu sein. Man muss halt alle Punkte der Skala nutzen, sonst könnte man die unteren Punkte auch abschneiden und eine 3-Punkte-Skale benutzen.

    Filme werden übrigens auch oft mit Punkten bewertet, z.B. mit 5-Punkte-Skalen.

  72. Bash sagt:

    Eins vorweg: Du kannst heute schon jeden Spieletest so haben, wie Du ihn willst. Beachte einfach die Zahlen in den Wertungskästen nicht. Wenn Du ‘ne Gamestar aufschlägst hast Du nämlich beides. Den c’t-artigen, reinen Texttest inklusive + und – in den Wertungskästen. Schau einfach nicht auf die Zahl. Fertig. Damit bist Du dann aber auch in der Minderheit. Denn der gemeine Kunde will Schwanzvergleichs-Zahlen. Bevor Du Tests ohne Wertungszahlen verlangen kannst, müsstest Du Dein Zielpublikum ändern, da liegt der Hund begraben.

    Denn leider kommt mir Dein ganze Text vor wie die unterschwellige Erklärung dafür vor, warum Spielehersteller Knebelverträge unterschreiben lassen – damit am Anfang die Metacritic-Wertung hoch ist. Prima. Würde man also gar keine Wertungszahlen mehr schreiben, müsste man auch keine Knebelverträge bzw. Beeinflussung der ersten Tests mehr vornehmen.

    Wer’s glaubt wird selig.

    Die Spieler (!) verlangen aber doch nach Wertungskästen, sie wollen Zahlen, weil sie nicht dazu bereit sind, Tests zu lesen. Sie wollen nur eine Schulnote und dann eventuell noch + und – im Wertungskasten. Diskussionskultur über Spiele gibt es doch heutzutage gar nicht. Das ist ungefähr so als würde man sagen, dass Computer bitte nicht mehr nach FPS sondern nach Spielgefühl bewertet werden sollen.

    Jeder, der heute schon Spieletests und die Meinungskästen der einzelnen Tester liest, bekommt doch genau das, was Du gerne hättest. Eine genaue Beschreibung des Spiels. Und wenn er genau aufpasst findet er alsbald einen Tester, der SEINER Meinung am ehesten entspricht. Wenn man dazu noch die Redaktions-Diskussionen auf den Heft-DVDs als Video anschaut, findet man das noch viel eher heraus. Nur macht das doch keiner. Das ist Arbeit, und die will sich keiner machen. Eine Zahl ist doch viel “schöner”.

    Ich verstehe auch hier, was Du sagen willst. Für DICH ist das eine Qual, wenn ein Produkt einfach mit einer harten, nackten Zahl bewertet wird. Jede dieser Zahlen lässt sich fast 1:1 in Verkaufszahlen übersetzen. Ich als aktiver Leser würde nicht im Traum daran denken, mir meine Spieletipps (= Spiele, die gut sind) auf Metacritic zu besorgen. Diese Schund-Webseite bildet meine Meinung nicht ab, deshalb ist sie für mich tabu.

    Aber: Spielemagazine ohne Wertungskästen mit Zahlen drinnen verkaufen sich nicht. Die Diskussion gab’s schon in der ASM (oder im ASM, um mal die uralte Diskussion wieder anzufangen ;-) ). Petra Fröhlichs Kommentar fand ich dazu auch nicht passend. Was hat das mit “Mut” zu tun? Auch das glaube ich nicht. Mich kann ihr Text auch nicht überzeugen. Ich wette, jeder Spieleredakteur auf dieser Welt würde sich wünschen, der Leser würde sich seine Meinung über den Artikeltext bilden. Die Qualen, die jede Redaktion bei “wichtigen” Spielen durchmacht, spiegelt das doch extrem gut wieder. “Geben wir jetzt eine 91 oder doch lieber eine 94 oder gar eine 89?!”. Als ob nicht jeder Spieleredakteur genau wüsste, wie das ist, wenn er selbst eine andere Meinung zu einem Spiel hat als der Kollege, der zwei Meter gegenüber am anderen Tisch sitzt.

    Wer aber ein Magazin ohne Zahlen rausbringt, kann die Zeitung gleich einstellen. Der Kunde will das so. Spieler sind zu faul, Tests komplett zu lesen. Das Gleiche gilt für Anleitungen – sonst wären heute nicht alle Spiele in diesen “tollen” DVD-Hüllen.

    Schafft lieber Blisterpacks ab. Die gibt’s immer noch. Viel größeres Problem.

  73. PhilB sagt:

    Beim Thema Einflussnahme der Spieleindustrie auf die Spielepresse im letzten Blogpost war ich ja (wie viele andere) nicht deiner Meinung. Hier ist dem nicht so, ich bin auf jeden Fall dafür lieber gut geschriebene Kritiken zu veröffentlichen als Zahlen. Ein Grund warum ich z.B. die c’t gerne lese.

    Um aber dennoch einmal auf das vorherige Thema zurückzukommen: So wie ich das sehe hat Jörg Luibl in seinem Kommentar das ganze System kritisiert, also nicht nur die Spieleindustrie, sondern auch das was in diesem Wertungssystem aus der Presse geworden ist. Immerhin will die Industrie ja die Zahlen unter den Tests, und wenn die Presse die Vorabversionen haben will muss sie das Spiel sprichwörtlich mitspielen.

    Man könnte also Fragen: Wieviele Spielehersteller würde es freuen, wenn es keine Zahlen mehr unter Tests gäbe sondern nur noch “Meinungen”?

  74. Manzbuur sagt:

    Ein System ohne Wertung in Form eine Zahl oder dergleichen wäre fatal! Der Konsument müsste sich für jedes Spiel durch ellenlange Texte pflügen, um letztendes eine Kaufentscheidung zu treffen. Kein Spieler würde mehr durchblicken, welches Spiel denn jetzt gut es… Eine Bewertung in Form von Sternen, Prozenten oder Punkten ist unausweichlich und notwendig – damit der PC-Spiele Markt für KÄUFER transparent bleibt. Würde die Presse auf solche Werteskalen verzichten, hätte Sie der PC-Spiele-Industrie in die Hände gespielt, da durch weniger Transparenz diese mehr Einflussmöglichkeiten durch Werbung, Hype etc. auf die Käufer hat. Eine Bewertung ist deshalb im Sinne der Käufer und für Verkäufer ein Graus, da sie der freien Meinung ausgesetzt ist und somit über wenig Möglichkeiten der Beeinflussung von Kaufverhalten hat. Wer sagt, eine Wertung sei “sinnlos” hat wohl die Zusammenhänge noch nicht erfasst. Zudem lassen sich viele Käufer mit Hilfe von Metacritic schon seit Jahren erfolgreich beraten. Die Wahrscheinlichkeit eines Fehlkaufs ist durch die angeblich “sinnlosen” Bewertungssysteme nicht nur bei mir sehr gesunken. Dies gilt auch bei “Sternebewertungen” von Büchern auf Amazon!

    Im Übrigen bestätigt die obige Schreibe auch wieder meine These: Hier ist ein Lobbyist am Werk!

  75. Zecher sagt:

    Die GEE hat in einer der letzten Ausgabe positiv über ein Hidden Objects Spiel berichtet (weiß den Namen jetzt nicht mehr). Diese Zeitschrift vergibt auch keine Wertungen für Spiele.
    @ Boris: Schau dochmal rein. Der Retroanteil ist auch sehr hoch. Das dürfte Dich als Veteranen freuen.

  76. ronnymiller sagt:

    Der Spieletest ist tot, das 100er System leider noch nicht

    Als Boris die PC Player in den 90ern umstrickte, weil er schon früh den Unsinn darin erkannte, ein Spiel “testen” zu können, scheiterte er grandios. Der Videospieler war noch nicht bereit, für Sterne. Das “Internet von heute” war damals ja auch noch Science Fiction und Spielezeitschriften irgendwie wichtig.
    Das die 100er Skala keinen Sinn mehr macht, haben auch die Zeitschriften Macher von heute längst erkannt und versuchen ihren Lesern die Wertung zu entschlüsseln. Einzelwertungen für Spielmerkmale, Zusammenzählen von Einzelmeinungen oder Spielspaßzeitkurven – kein Heftchen, ohne eigenen “Wertungscode”. Jeder für sich, mehr oder weniger bekloppt. Manchmal nachvollziehbar, manchmal hinrissig.
    Der beknackteste von allen verkauft sich immmer noch am besten, weil er den Wahnsinn so verschlüsselt hat, dass man ihn gar nicht verstehen muss: Am Ende steht nämlich dann doch nur eine simple Schulnote! Skala 1 bis 6. Alles andere ist geschickte Augenwischerei – hauptsache, die Rechnung geht irgendwie auf.

    Dem Fazit von Boris möchte ich unbedingt zustimmen. Denn nicht nur die Wertungen sind oft absurd – der “Test” isses.
    Der Filmkritiker hats begriffen, der Buchkritiker und der Musikkritiker hats auch begriffen – eine Kritik zu einem medialen Kunstwerk, stellt nur nur eine Meinung dar.
    Könnte man Qualität von Kunst mathematisch errechnen, hätten die Studiobosse allesamt ausschließlich Mathematiker in ihren Marketingbüros sitzen und ihre Produkte hätten alle verdiente 100er Wertungen.

    Spieletester? Nein, Spielekritiker müssen her. Boris hats gesagt: Kritiker müssen her, die ihre Empfindungen beschreiben können und in originelle und ausdruckstarke Texte packen, statt den gleichen Schmonzes immer wieder zu schreiben.
    Jeder “Test” liest sich doch im Grunde gleich (schlecht):
    Weil ich die aktuelle Gamestar gerade hier liegen hab, zitiere ich mal einfach ein bischen aus den Meinungskästen, der eigentlichen Spielekritik.

    XY zu XY: treibende Action…perfekt inszenierte Skriptsezquenzen…spielmechanisch brillanter Shooter…

    XY zu XY: spielt sich sehr dynamisch…die grafische und atmosphärische Inszenierung sind immer wieder packend…grafisch und spielerisch fesselnder…

    XY zu XY: Die Charaktere sind einprägsam…die Handlungstränge spannend…die Technik vom Feinsten.

    XY zu XY: Deren charmante Helden suchen ihresgleichen…die Technik ist stimmig, aber schwach…

    Gähn!

    Kurz: Je nach Genre, wird jeder Meinungskasten mit der üblichen Abhandlung von immer gleichen Pro/Contra Punkten angereichet. Aufgefüllt von Spieletestfloskeln, die von den Machern offenbar kaum noch wahrgenommen werden. Dazu gehören die von mir meist gehassten “frischen Waffen und Karten”, die tolle “Spielmechanik”, die “angestaubte Technik” und mein Favorit – das gefürchtete “enthüllt”.

    Der Artikeln in Zeitschriften hebt sich journalistisch nicht mehr ab, wirkt oft und gerade bei langjährigen “Testern” geradezu amateurhaft oder eingeübt.
    Ich behaupte: Das kann jeder, der einigermaßen geradeaus schreiben kann. Die meisten “Tests” könnte ich auf diese Weise sogar schreiben, ohne mehr als 10 Minuten gespielt zu haben.

    Der Leser will das so! Wird gerne behauptet. Offenbar nicht, sonst wären die Auflagen nicht im Raketentempo vernichtet worden. Das Internet liefert die gleiche (miese) Qualität im Dutzend kostenlos und hin und wieder sogar mal einen guten Artikel, ebenso kostenlos. Für Lau isses mir prinzipiell egal. Ich muss nur noch selektieren.

    Die Wertung lässt sich nicht abschaffen. Nichtmal ändern. Weil die Industrie sie fordert und der Spieler sie sehen will. Aber nicht als Kaufentscheidung, sondern als Kaufbestätigung. Als Bestätigung für die eigene gute Wahl und den eigenen guten Geschmack. Die Wertung ist keine Wertung des Spiels mehr, sondern nur eine Wertung des eigenen Geschmacks. Der kann der gegebenen Zahl enstprechen oder widersprechen – aber die Spieletestwertung ist der Vergleichswert.

    Die Wertung kann man nicht abschaffen.

    Ich teile mit Boris aber die große Hoffnung, dass gerade die Printjournalisten, die Profis unter den “Testern” – sich endlich als Kritiker bekennen und statt mehr oder weniger guter Tests, lieber eine echte Kritik schreiben – und darunter steht dann eine Wertung – egal, in welcher Währung. Ganz pur, ganz schlicht – ein Ergebnis.

    Damit mir auch das Lesen wieder Spaß macht.

  77. El_Mariachi sagt:

    Das Problem mit den Spieletests ist doch folgendes…

    “Würde keine leicht verständliche Wertung am Ende eines Seitenlangen Reviews stehen, dann müsste der Leser den ellenlangen Text ja wirklich lesen”!

    Wer hat denn heutzutage noch Zeit? Also zum Reviews lesen? ;)

    Gruß
    EL

  78. Flat Eric sagt:

    Ein wunderbarer Artikel! Die GEE sollte auf jeden Fall in dem Zusammenhang genannt werden, sie läßt die Bewertung in Punkten einfach weg und läßt den Leser entscheiden, ob das Geschreibsel zu einem Kauf bewegt oder ob nicht.

    Alles andere wurde ja hier schon in den Kommentaren genannt.

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