Hab mich gerade lang und breit mit ein paar Leuten aus dem Xbox 360 Technikteam unterhalten, die die PS3-Ankündigung auseinandernahmen. Allgemeiner Konsens: PS3 ist bei Spielen keinesfalls schneller als Xbox 360.
Dazu muss man erstmal sagen, das Sony auf der E3 ein paar echt geile Videos zeigte sowie Demos, die auf einer Hardware laufen, die gar nichts mit PS3 zu tun hat. Entwickler haben wohl seit zwei Monaten PS3-ähnliche Hardware aber zwei Monate reichen nie im Leben zur Programmierung eines lauffähigen Demos aus. Auf Xbox 360 laufen hingegen auf der Messe knapp ein Dutzend Spiele, auf real exisitierender Hardware (dem Xbox 360 Entwicklerkit), welches nur etwa ein Drittel der Leistungsfähigkeit der fertigen Konsole hat. Sprich, die finale 360 ist drei mal schneller. Und, im Gegensatz zu Sony, kann hier jeder Besucher die Spiele am Stand angucken.
Sony redet viel über die Leistungsfähigkeit seines CELL-Chips. Aber das CELL-Konzept ist für Spiele-Entwickler, sagen wir mal diplomatisch, nicht optimal. Es gibt einen Prozessor und sieben Hoch-Leistungs-Coprozessoren, mit eigenem RAM und eigener Programmiersprache, mit dem System nur durch einen relativ kleinen Flaschenhals verbunden. Als Spieleprogrammierer muss ich mir also sieben Mini-Programme, die mein Spiel unterstützen, ausdenken und kann die in, zugegeben irrsinniger Geschwindigkeit, auf den SPEs laufen lassen. Die Haupt-CPU wartet indessen auf die Ergebnisse, die die SPEs liefern, und füttert diese laufend mit Daten aus dem System-RAM. Sony nennt das Dirigent, ich nenn das eher Kindermädchen für sieben hungrige Babys.
Bei Xbox 360 gibt es hingegen drei vollwertige CPUs, die auf das gleiche RAM zugreifen und voneinander unabhängig jeden beliebigen Programmcode laufen lassen können. Während auf den ersten Blick der Prozessor nur die halbe Geschwindigkeit zu haben scheint, kann der Programmierer das Teil aber tatsächlich voll ausfahren, eben ohne sieben Bälle jonglieren zu müssen. Daher ist für den Spieleprogrammierer Xbox 360 das leistungsfähigere System.
Wenn man natürlich 48 Videostreams gleichzeitig dekodieren möchte, greife man bitte zu Cell. Der Anwendungsbereich ist allerdings begrenzt…
Achja, lustig auch, das PS3 sieben statt acht SPE haben soll ("One for redundancy"). Hier auf der Messe wird darüber geredet, daß das in Wirklichkeit heißt, das Sony in der PS3 kaputte Prozessoren einbauen könnte. Wenn bei der Herstellung ein SPE kaputtgeht, müsste der Chip nicht weggeschmissen werden, sondern dann würde der entsprechende SPE einfach abgeschaltet. Wäre aus wirtschaftlichen Gründen clever, aber wer will eine Konsole, bei der von Anfang an der Prozessor wissentlich kaputt ausgeliefert wird? Ob die Theorie stimmt, wird sich allerdings noch zeigen, offiziell hab ich von Sony nix gelesen.


Man hat mir heute zugeflüstert, das einer der acht Cell-SPEs für den Kopierschutz reserviert ist, daher die Beschränkung auf sieben; das hätte nix mit Defekten zu tun.
Mei, Boris. This sucks. Und du weisst es. Schau: Was interessiert uns User und Produktmanager welche Maschine wie hoch getaktet ist? Nur Freaks die ein SQL auf ihrer Konsole brauchen interessiert es. Zunächst einmal ist dieser Blog was diese Dinge angeht ein bisser unglaubwuerdig - aber ich muss gerade reden
Lass die 360 “schneller” sein! Und? Lass die PS3 “schneller” sein! Und? Niemanden interessiert, welcher Chip wie heisst und was damit theoretisch alles möglich ist - es geht um den Spielspass. Den habe ich heut noch mit PS One oder Game Boy. Kann man einen Game Boy überhaupt in Mhz messen? Ich weiss es nicht. Warum werden viermal (?) soviele PS2 in der Woche wie Xbox’en verkauft? Wohl kaum weil einer der beiden schneller getaktet ist.
Ich traue beiden Konsolen viel zu (360 und PS3) - glaube jedoch dass ich trendtechnisch auf der sicheren Seite bin, wenn ich behaupte, die PS3 wird weit mehr Gamer anziehen. Ich lasse mich überraschen.
Wie auch immer - lange Rede kurzer Sinn: Das rumgebashe auf angeblich vorgerenderten PS3-Games oder schwächelnden Chips ist super befremdlich.