Ist es News oder ist es Selbstbefriedigung?

Von Boris, Di, 20. Apr 2010 17:04

Ich brauche hier nicht auf die diversen Webseiten zu verlinken, die Story über Story vom verlorenen Iphone V4 bringen. Mich interessiert eher die Frage: Was würde ich tun, wenn ich dieses Objekt gefunden hätte?

Klar, die Verlockung ist groß, daraus eine große Nummer zu machen. Zum einen kassiert man bei vielen Lesern Ruhm und Ehre, zum anderen treibt es die Seitenabrufe nach oben und das bedeutet nun mal: Mehr Geld dank mehr Anzeigen.

Moralisch ist es aber falsch und, auf lange Sicht, auch kontraproduktiv. Ein wirklich armes Schwein (der Apple-Mitarbeiter, der das Telefon verloren hat) hat einen Fehler gemacht. Ginge es hier um Dokumente, die zum Beispiel beweisen, daß eine Firma jemanden bestochen hat, oder um Umweltsünden, um ein Verbrechen gar, dann gäbe es keine Frage – das ist etwas von öffentlichem Interesse im Sinne als es zum Beispiel den Steuerzahler betrifft. Aber hier geht es um eine Information, die die Welt nicht verbessert oder aufklärt. News über ein neues Iphone sind nicht wirklich “wichtig”. Es gibt hier kein “Die Öffentlichkeit muß unbedingt informiert werden!”, hinter dem sich ein Journalist verstecken könnte.

Würde ich das Iphone finden, würde ich natürlich einen persönlichen Vorteil rausschlagen. Finderlohn muß sein, aber den kann man auch kassieren, indem beide Seiten das Gesicht wahren. Steve Jobs Email-Adresse ist bekannt. Dem kann man “Ich hab Euren Prototypen gefunden, was krieg ich dafür?” schicken.

Wäre ich Chefredakteur einer Zeitschrift oder Webseite, und jemand böte mir das “gefundene” Telefon für Geld an, ich würde es natürlich kaufen. Aber nicht, um daraus eine Story zu machen, sondern um mir das Geld von Apple wieder zu holen und bei deren PR-Abteilung für die Zukunft als zuverlässiger Partner, der den Mund halten kann, vielleicht früheren Einblick in Produkte zu bekommen. Oder mal ein Interview mit Steve Jobs. Oder zumindest eine Kiste Macbooks als Finderlohn für die Redaktion. Erfolgreich ist man auf lange Sicht nur, wenn man vertrauenswürdig ist.

Mit der Story sind, bis auf uns neugierige Leser, alle Beteiligten auf lange Sicht unglücklich. Der Mann, der des Telefon verloren hat, sowieso. Alle, die die Story geschrieben haben, gelten jetzt in der Industrie als “verbrannt” – denen kann man nicht vertrauen, die werden so schnell nicht mehr vorab über neue Produkte informiert oder zu Pressegesprächen eingeladen. Den Apple-Fanboys wurde eine grandiose “Steve-Show” versaut, denn das nächste PR-Event ist jetzt keine Überraschung mehr. Und Apple muß neu planen, wie man denn das Produkt nun vorstellt.

Aber für eine solche Überlegung braucht man Lebenserfahrung, langfristiges strategisches Denken und ein bißchen Moral. Vor zwanzig Jahren hätte ich vielleicht auch anders reagiert. Und wäre heute vielleicht ein verbitterter kleiner Autor, dem der angeblich große Scoop in Wirklichkeit ein Klotz am Bein wurde. Denn ein Iphone ist kein Watergate.

68 Antworten für “Ist es News oder ist es Selbstbefriedigung?”

  1. Veno sagt:

    Die ersten klugen und durchdachten Worte, die ich zum Hype der letzten Tage zum iPhone 4G lese. Danke!

    • zapper sagt:

      So ganz kann ich den Artikel nicht nachvollziehen. Journalisten verarbeiten JEDE Information, die sie kriegen können. Das ist nun einmal ein Naturgesetz und auch ihre Aufgabe. Und sie veröffentlichen besonders gern Informationen, die auf öffentliches Interesse stoßen. Wenn das Interesse an diesem Gerät in der Öffentlichkeit nicht vorhanden wäre, dann würde auch niemand eine Schlagzeile daraus machen. Die Wichtigkeit einer Schlagzeile erkennt man nicht an der Schlagzeile selbst, sondern am Echo, das sie bei ihren Lesern hinterlässt. Der Vergleich mit Watergate ist absolut irreführend, da er ja impliziert, dass es eine moralische Rechtfertigung für die Verbreitung gewisser Nachrichten bedürfte. Andersherum sollte man sich allerdings fragen, welche moralische Legitimation es denn bitteschön geben sollte, Informationen bewusst zurückzuhalten. Letzten Endes werden damit immer die Interessen von Teilgruppen der Gesellschaft geschützt, die sich durch ihren Informationsvorsprung vor der Öffentlichkeit einen Vorteil verschaffen wollen. In diesem Falle ist es Apple – in anderen Fällen vielleicht der Papst oder Bischof Mixa. Wer soll die Maßstäbe der moralischen Rechtfertigung denn festsetzen? Wer soll denn entscheiden, was “wichtig” ist? Der Journalist? Ich meine, dass dieser möglichst “sine ira et studio” – und so effektiv wie möglich – berichten sollte. Dass Watergate zu einem Skandal geworden ist, liegt ja daran, dass die Rezipienten der Medien die Faktenlage für skandalös hielten. Die moralische Einschätzung der Journalisten spielt hierbei eine nachrangige Rolle, sie haben lediglich Tatsachen dargestellt. Medien entstehen nicht aus moralischen Gründen, sondern wegen des Informationswillens der Öffentlichkeit. Eine moralische Qualität erlangen sie erst dort. Egal, um welches Thema es geht (man stelle sich nur einmal kurz vor, die Watergate-Journalisten hätten Richard Nixon vor der Veröffentlichung zunächst gefragt, ob sie den Kram veröffentlichen sollten – das wäre paradox).
      Eine andere Frage ist es natürlich, wie Apple mit dem Mitarbeiter umgeht, der das Ding paddeligerweise verloren hat. Eine Kündigung würde ich persönlich für unstatthaft halten, da ja offensichtlich keine Absicht vorlag. Bei Lichte betrachtet könnte Apple diese “Panne” – sofern es denn überhaupt eine war und nicht ohnehin eine lancierte Aktion – sogar durchaus im Sinne der eigenen Werbung nutzen – das wäre doch einmal etwas anderes als die regelmäßig wiederkehrende “Steve-Show”. Also: Worin besteht eigentlich (utilitaristisch argumentiert) der “Schaden” für das Unternehmen?

      • Boris sagt:

        Nun, eines der ersten Dinge, die man damals als Journalist gelernt hat, ist die Filterfunktion des Journalisten und der Medien. Sie sortieren, priorisieren und filtern all die Nachrichten, die am Tag eintreffen, um dem Leser/Zuschauer zu geben, was “wichtig” ist. Also ist deine Frage klar zu beantworten: Ja, der Journalist entscheidet, was “wichtig” ist – das ist sogar sein täglich Brot! Und in diesem speziellen Fall haben die beteiligten Journalisten meiner Ansicht nach falsch entschieden. Auch wenn ein kleiner Teil der Leser nach dieser eigentlich sinnlosen Information lechzt, haben sie sich selbst auf lange Sicht ein Bein gestellt.

        • zapper sagt:

          Ok, mit der Filterfunktion gebe ich dir Recht. Das ist glaub ich das Medien-Modell von Noam Chomsky, oder? Worauf ich aber bestehen möchte, ist, dass man als Nutzer/ Rezipient von Medien ja nicht vollkommen der Willkür der Journalisten ausgeliefert ist, sondern trotzdem zu einem hohen Maß selbst entscheiden kann, welche Art der Berichterstattung man “konsumiert”. Letzten Endes richten sich die Journalisten bei der Auswahl dessen, was sie schreiben, nach dem, was sie vom Markt aufgrund bisheriger Erfahrungen erwarten. Und somit erhält jede Gesellschaft auf Dauer die Medien, die sie verdient.

          • Boris sagt:

            Ich brauch dazu keinen Chomsky, ich hab das so auch an der Deutschen Journalistenschule in München gelernt; ist allerdings auch schon 20+ Jahre her.

  2. jot sagt:

    “Ich hab Euren Prototypen gefunden, was krieg ich dafür?”
    ‘nen iTunes Gutschein über 15 Euro… herzlichen Glückwunsch, das wäre vermutlich sogar noch verdammt großzügig von Apple…

    Mitleid? Nicht mit Apple. Vielleicht ein kleines bisschen mit dem armen Tölpel, der es verloren hat – wenn es nicht sowieso Absicht war um die Gerüchteküche mal wieder brodeln zu lassen… man hat ja wegen dem Störrauschen vom nutzlosen iPad und verbannten Pulitzer-Preisträgern aus dem Marktplatz kaum noch was vom Killerprodukt iPhone gehört…
    Wenn ich eine Mail an Jobs geschrieben hätte, würde der Typ wohl eher seinen Job verlieren, als wenn jetzt so ein großer Medienhype entsteht (und der Typ zwangsläufig ein kleines bißchen mit in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit rückt – da kann man ihn nicht einfach entlassen).

  3. Jan sagt:

    nicke zustimmend.

  4. Sermon sagt:

    Ich kann mich Deiner Meinung nur zu 100 % anschliessen und Deinem Posting ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Wie die ganze Situation von Gizmodo abgewickelt und vermarktet wurde – das zeugt jetzt nicht unbedingt von gutem Journalismus und hat für mich eher “Sun”- oder “Bild”-Niveau. Was dem ganzen noch die Krone aufsetzt ist das Ausforschen des bedauernswerten Apple-Mitarbeiters (sofern er den Prototyp denn wirklich unabsichtlich in der Bar verloren hat) …

    Erinnert mich entfernt jetzt so ein bisschen an diese ganze “Infocom” und “Hitchhiker’s Guide To The Galaxy 2″ Sache, welche vor einiger Zeit (sehr zum Unmut mancher Beteiligter) aufgedeckt wurde.

    Und ja, ich hätte auch lieber das iPhone bei einer der nächsten Apple-Keynotes von Herrn Jobs vorgestellt bekommen. Naja, zumindest weiss ich jetzt, dass Apple für’s neue iPhone Micro-SIM-Karten verwendet, was einen Release hier in Österreich sicherlich verzögern wird … diese Dinger hat nämlich bis dato kein einziger Mobilfunk-Anbieter im Programm.

  5. SUB ZER0 sagt:

    Mhh. Ich glaube das Problem ist das viele bei Apple immer den Eindruck haben das es zur coolen Marketing Strategie gehört das vor dem eigentlichen Release fast, beinahe Prototypen irgendwo gezeigt werden. Ich war total überrascht, dass das iPhone jetzt tatsächlich echt sein soll.

    Trotzdem denke ich auch Ehrlichkeit fährt vor. Und dann auch gerne ohne eingeforderten Finderlohn. Ich denke jede große Firma würde sich von alleine erkenntlich zeigen.

    Wenn ich mal ne Xbox 720 irgendwo finde kriegste ne E-Mail von mir, grins.

  6. Thantor sagt:

    Ich glaube nicht, dass das Fertige I Phone so aussieht. Auf den Bildern sieht es einfach nicht aus wie ein Fertiges Apple produkt. Für ein Fertiges Apple Produkt ist es einfach zu Kantig und zu leicht zu öffnen :D .

  7. Grow sagt:

    Da stellt sich doch ganz natürlich die Frage:
    Was hättest du gemacht, wenn du einen Playstation 4 Prototypen gefunden hättest?
    Bei Sony auf vertrauenswürdiger Partner gemacht?

    • Boris sagt:

      a) Als Journalist? Klar.
      b) Als Microsoft-Mitarbeiter? Erst recht. Alles andere wäre Industrie-Spionage – und strafbar.

  8. BongoUser sagt:

    Zitat: PR-Event ist jetzt keine Überraschung mehr. Und Apple muß neu planen, wie man denn das Produkt nun vorstellt.

    So gerne ich die News über das neue iPhone gelesen habe so recht hast du auch mit deinem Artikel.

    Ich rege mich immer wieder mal auf weil man sich nicht an Embargos hält und die Apple Events sind im Vergleich wirklich was besonderes ….
    So macht man sich keine Freunde/Parnter für die Zukunft.

  9. Bash sagt:

    “Nicht darüber berichten” ist vielleicht falsch ausgedrückt.

    Ich würde darüber berichten dass ich es gefunden habe und von Apple ein Interview rausleiern oder sonstwas.

    Das Verhalten von Gizmodo erinnert mich so frappierend an Produktanfragen von manchen Webseiten. “Hallo wir sind die mit der dicken Hose gib uns mal Umsonst-Muster für nen Test” und wenn man dann “Nein gibt’s nicht wir haben ein Kontingent und das ist vergeben” antwortet dann reagieren sie patzig bis zum Erbrechen.

    Ich denke Du schätzt Gizmodo und Engadget falsch ein. Das sind von Natur aus Leute die Erlkönige jagen. Ich finde die ganze DIskussion hat diese Qualität von Insekten-Sammlern mit ihren Nadeln. Keiner von uns würde sich Hirschkäfer aufspießen und in einem Glaskasten an die Wand hängen. Für die ist das aber ganz normal und sie sind (berechtigterweise) der Ansicht, dass sie so oder so weiter machen werden.

    • Boris sagt:

      Kann man. Aber nach Occams Rasiermesser halte ich die Theorie “Da hat wirklich einer ein Telefon verloren” für viel glaubhafter als “Apple plant die Weltverschwörung zusammen mit Gizmodo”.

    • hdgamer sagt:

      Ich sehe die “n-tv” Version als deutlich glaubhafter an. Alleine die Tatsache, dass in deinem Blog was drüber geschrieben wurde ist schon wieder ein Pluspunkt für Apple – bisher hatte ich vom ganzen Vorgang nix gewusst und jetzt weiss ich: es kommt ein neues Iphone, es hat ne Frontcam …
      Iphone News auf heise & co lese ich mir nichtmal durch (nicht dass nicht gerne ein Iphone hätte – nur interessieren mich die News nicht wirklich).
      Modernes Marketing reicht von Guerilla bis hin zu solchen Geschichten und Apple wird sicherlich noch genug zu erzählen haben (und wer weiss, wer sich jetzt eher für die eigentliche Präsentation interessiert!).
      Ich hasse diese “in 10 Tagen bringen wir eine News” (oft inkl. Countdown) News die heute gerne mal in Marketingabteilungen ausgeheckt wird um bereits vor der News das Interesse aufzubauen – dann doch lieber vor dem großen Striptease ein wenig Haut zeigen und so Medieninteresse aufbauen.

  10. Znegil sagt:

    5,730,804 views haben sie bis jetzt mit ihrer Nachricht erreicht und wohl auch das sie im Ansehen der meisten Leser gestiegen sind weil sie solche Infos haben. Sie werden dadurch eine gewaltige Anzahl neuer Leser bekommen haben welche durch Werbung viel einspielen werden.
    Moralisch falsch, Marktwirtschaftlich richtig.
    Auch wenn ihnen viele Firmen nicht mehr so stark trauen, wenn wieder mal jemand etwas “findet” rate mal wo sie das abgeben?

  11. Stockfisch sagt:

    Ich glaube ja nicht, dass es ein Unfall war. Apple war schon immer gut, sich und ihre Produkte in Szene zu setzen. Nichts anderes ist da geschehen.

    • Brendelino sagt:

      Ähhh nein, nicht so. Das war ausnahmsweise mal kein “virales” Marketing… Und schon gar nicht nach dem “Ähhh Hallo, jetzt ist gut, wir hätten gerne den Prototypen wieder”

  12. Ringkeeper sagt:

    Ich hätte mich auch direkt an Apple gewandt um mir die Rückgabe dann gut bezahlen zu lassen.
    Ich wollte schon immer ein paar Cinemadisplays…

  13. Malakay sagt:

    Was du in deinem Artikel mit Moral bezeichnest, ist nichts anderes als Kalkül. Man könnte auch eine moralische Verpflichtung der Zeitschrift ihren Lesern gegenüber als Argument ins Feld führen.

  14. scarface sagt:

    mal ehrlich, warum sollte ein mitarbeiter mit solch einem Prototypen spazieren gehen?? Ich habe fast jeden Tag mit Handy Prototypen zu tun, aber was müsste in meinem Kopf vorgehen, wenn ich mit solch einem Abends saufen gehen würde ??? Das war ganz klar Apple`s Absicht und wird für den Release im Juni noch einen drauflegen, da sonst keiner mehr Beifall klatschen wird.

    • Boris sagt:

      Genau aus dem gleichen Grund warum hier auf der Autobahn fast täglich “Erlkönige” von BMW fahren, mit diesen lustigen Spiralen beklebt (Photoshop-Schutz): Weil man so ein Gerät nicht nur einfach im Labor testen kann, sondern es auch unter realen Bedingungen ausprobieren muß. Ich hatte in der Vergangenheit auch immer wieder mal Produkte zu Hause, die weder auf dem Markt, noch überhaupt angekündigt waren, für einen frühen Test unter realen Bedingungen.

  15. OldDaddy sagt:

    Es war zu lesen, dass dieses Ding keine Zulassung hat, also darf es auch als Erlkönig nicht im Netz betrieben werden, so wie hier keine Autos ohne TÜV rumfahren dürfen. Da könnte es für Apple oder den Mitarbeiter noch von offizieller Seite richtig Ärger geben.

    Der (gute alte ?) Computerclub hatte doch vor langer Zeit
    auch einmal Spaß, damals noch mit der Post, weil die
    Geräte ohne Zulassung in der Sendung präsentiert haben.
    Erfüllte das nicht sogar Straftatbestand?

    • Boris sagt:

      Das ist natürlich Schwachsinn. Für eine FCC-Zulassung muß das Gerät ja unter realen Bedingungen getestet werden. Die Post hatte damals die Hoheit über ihre Leitungen, an die nur FTZ-zugelassene Geräte angeschlossen werden durften. Längst abgeschafft.

  16. dreamer sagt:

    Boris, ich schätze dich sehr als Journalist, und darum nimm’s mir bitte nicht übel wenn ich sage: Du gehst von einer veralteten Annahme aus, und ich (ein Kind der späten 70er, mediensozialisiert in den 80ern) erwische mich selbst noch häufig dabei. Früher war es tatsächlich so: Nur das, was Aufmerksamkeit verdient, bekam auch Aufmerksamkeit. Die Medien – allen voran das Fernsehen und das Web – funktionieren aber leider nicht mehr nach diesem Prinzip.

    • Boris sagt:

      Die Tatsache, daß heute so gehandelt wird, bedeutet noch lange nicht, daß es gut oder richtig ist.

      • Retrofanboy sagt:

        Und du entscheidet was “gut oder richtig” ist?

      • dreamer sagt:

        Natürlich ist es das nicht, da wird dir auf beiden Seiten – sowohl der des Journalismus als auch der der Leserschaft – jeder zustimmen.

        Allerdings ist in den letzten Jahren, und das sehe ich als das Hauptproblem, vor allem eine wirtschaftliche Regulation weggefallen: Im Web kostet es praktisch nur die Eigenleistung, zu veröffentlichen. Im Fernsehen und in den Printmedien wird bis zur Schmerzgrenze an den Kosten geschraubt.

        Mit dem traurigen Ergebnis, dass man keine Überlegung mehr anstellen muss, ob etwas “es wert” ist, darüber zu schreiben. Sondern nur noch, ob es eine Zielgruppe gibt. Und sobald es diese Zielgruppe gibt, wird sich jemand finden, der sie bedient, ungeachtet seiner journalistischen Fähigkeiten. Und genau diesen Fall kann man hier besichtigen.

  17. konsolenfan sagt:

    Der Beitrag ist wieder ein äußerst zweischneidiges Schwert und entbehrt nicht einer gewissen Doppelmoral. Einerseits wirfst du den Seitenbetreibern vor, für Klickzahlen, höhere Besucherzahlen und damit eventuell zu generierenden Einnahmen eine Story zu veröffentlichen, andererseits kommt man als aufstrebende Website nicht weiter, wenn man keine Zahlen vorweisen kann. Denn viele Publisher/PR- und Sales-Manager fragen nur nach Zahlen und nicht danach, ob man eine Story etc. “ehrlich” recherchiert hat. So ist doch die Ansage, du würdest das iPhone bei Apple gegen einen “Finderlohn” abgeben, statt einen Bericht zu veröffentlichen, doch eher rhetorischer Natur, die jeder mit sich selbst vereinbaren muss.

    • Boris sagt:

      Und da haben wir das Drama. Eine junge aufstrebende Webseite kann nicht mit Qualität punkten, sondern nur mit dramatischen Headlines. Das ist der Teil des Universums, in dem ich nicht leben mag (aber wohl nicht ausziehen kann). Eine Webseite mit grandiosen Abrufzahlen wird, wenn sie sich als nicht vertrauenswürdig darstellt, von “der Industrie” nie als Partner sondern als notwendige Übel (bei der Anzeigenschaltung) gesehen. Ich glaube immer noch, daß das mittel- und langfristig zu Probleme führen wird. Der Ruhm ist nur von kurzer Dauer.

      • konsolenfan sagt:

        Im Gegenteil, für uns ist das kein Drama, sondern jeden Tag eine neue, spannende Herausforderung. Und wir stellen zum Glück fest, dass sich ehrliche und gewissenhafte Arbeit langsam aber sicher rentiert, auch Dank Timo und einigen anderen sehr netten Kontakten.

  18. konsolenfan sagt:


    Bash:

    Das Verhalten von Gizmodo erinnert mich so frappierend an Produktanfragen von manchen Webseiten. “Hallo wir sind die mit der dicken Hose gib uns mal Umsonst-Muster für nen Test” und wenn man dann “Nein gibt’s nicht wir haben ein Kontingent und das ist vergeben” antwortet dann reagieren sie patzig bis zum Erbrechen.

    Und unter diesem Verhalten leiden diejenigen, die höflich bei einem Publisher anfragen, ehrlich sind, weil sie im Aufbau, jung sind oder sonstwie noch keinen großen Namen haben.

  19. rockstario sagt:

    Als Journalist bin ich bei diesem Thema gegenteiliger Meinung. Mein Interesse gilt meinen Lesern, nicht der PR-Abteilung eines Herstellers. Wenn ein öffentliches Interesse besteht und die Fakten sauber sind, dann spricht nichts, aber auch gar nichts gegen die Veröffentlichung. Mit diesem Grundsatz bin ich die letzten 15 Jahre gut gefahren und habe bislang keine Grund gesehen, davon abzuweichen. Soviel zum Grundsätzlichen, ob in diesem Fall alle Elemente und die Art der Berichterstattung notwendig waren, darüber lässt sich streiten.

    Fragwürdig finde ich an deiner Argumentation zwei Dinge: Was sind Themen, denen ein so hoher moralischer Wert innewohnt, dass eine Berichterstattung gerechtfertigt ist und wer entscheidet darüber (das Leserinteresse – zumindest bei iPhone wäre damit die Entscheidung schon gefallen -, Anzeigenkunden, PR der betroffenen Hersteller selbst, bei dem man natürlich vorher nachfragt, ob eine Veröffentlichung in seinem Sinne ist …)? Und welchen Rest an Glaubwürdigkeit behält ein Medium, wenn es auf einen Scoop zugunster einer Überraschungskiste voll mit Notebooks, Spielkonsolen oder Gummibären verzichtet?

    so long, rockstario

    • Boris sagt:

      Ich wiederhole meinen letzten Satz: Ein Iphone ist kein Watergate.
      Dein Interesse gegenüber deinen Lesern ist ein rein finanzielles.

      • rockstario sagt:

        Das Geld als Argument ist mir zu platt. Finanzielle Interessen hat jeder – Medien, indem sie Informationen und Aufmerksamkeit verkaufen, Hersteller, indem sie ihre Produkte verkaufen. Von Idealen allein kann niemand (über)leben.

        Damit führt die Diskussion zur Moral und dem journalistischen Ethos – auch wenn das arg philosophisch klingt. Kern des Ganzen ist Information. Wenn im konkreten Fall einem Unternehmen wie Apple, das Produktankündigungen in schöner Regelmäßigkeit zelebriert, gleichzeitig Geheimhaltung vor selbigen zur Doktrin erhebt, ein Prototyp abhanden kommt, ja dann ist das für ein Tech-Magazin berichtenswert. Denn deren Thema ist Technik, keine Aufklärung über politische Skandale – dafür gibt es andere Medien mit anderer thematischer Ausrichtung.

  20. gameothek sagt:

    Bevor ich an eine kalkulierte Aktion von Apple glaube – denke ich eher an einen Deal zwischen dem Iphone-Verlierer und der besagten Website. Ansonsten natürlich eine traurige Sache für mehrere Seiten.

    Als Betreiber eines Mini-Spielemagazins bin ich hin und her gerissen. Ja, jetzt mit 35 hätte ich wie Boris reagiert und mich über einen Finderlohn gefreut ;-)

    Aber auf der anderen Seite wäre da mein Teufelchen gewesen…und hätte mir immer wieder leise ins Ohr geflüstert “Besucher, Besucher, Besucher…” Über die dann enormen Besucherzahlen und bissl mehr Cents durch Werbung hätte ich mich natürlich auch enorm gefreut. Yes!

    Dennoch wäre eine Partnerschaft mit dem Hersteller/Publisher vorsichtig formuliert für den Popo :-(

    Also, lieber ehrlich sein bzw. sich melden und langfristig denken.

    Am Rande: Microsoft macht das übrigens super. Auch wir als besagtes kleines Spieleportal werden toll durch Timo & Co. untersützt und so erkenne ich ein langfristiges Interesse an einer Zusammenarbeit von beiden Seiten. Merci! ;-)

    • Boris sagt:

      Den Dank leite ich gerne an Timo weiter!

      • Hiya Hye sagt:

        “Und Apple muß neu planen, wie man denn das Produkt nun vorstellt.”
        Ach die werden sich da schon was einfallen lassen.
        Wieso schreibt man auf einen Prototypen was es eigentlich ist?
        Wäre so als wenn BMW auf den neuen getarnten 5er schreiben würde 250 KW 3,3 Liter Hubraum bestellbar Sommer 2012 etc.
        Ich denke das ist ein geiler Werbegag von Apple

  21. factorfuenf sagt:

    Grundsätzlich bin ich auch der Meinung wie Boris das eine gewisse Vertrauensbasis auch von ‘jungen aufstrebenden Websites o.ä.’ zu den ‘großen’ der Branche auf lange Sicht die bessere Alternative ist. Aufkaufen des iphones ist ok, zurückgeben mit der Option auf lange Sicht wesentlich mehr daraus zu schlagen aufgrund der Akzeptanz und evtl. Probemusterung mit kommenden Artikeln/Interviews whatever kommt aber klüger.
    Allerdings ist die Welt grundsätzlich leider erstmal schlecht und 99,9% aller suchen erstmal den schnellen Ruhm/Erfolg.
    Nachdenken und 2-3 Nächte drüber schlafen hätte eventuell in diesem Fall mehr gebracht.

    gruß aus Köln… f5

  22. reAL sagt:

    Als Privatmensch kannst du dir sicherlich mehr Moral in der Wirtschaft wünschen. Allerdings ist dies ein weites Feld, und kein Presse-Spezifisches Feld, wie du in deiner nonchalanten “Früher war alles besser” Art oft behauptest. Gerade ein Unternehmen wie Microsoft kann mit Stolz behaupten, ein sehr wirtschaftliches und profitables Unternehmen zu sein, besonders hohe moralische Maßstäbe werden auf dem Weg dahin aber nicht immer gegolten haben.

    So auch bei der iPhone Geschichte. Natürlich bringst auch MSN.de die Story, via PC Welt Kooperation und zeigt auch noch die von Engagdet gebrandeten Bilder:

    http://computer.de.msn.com/news/news.aspx?cp-documentid=153103846

    Wäre es nicht moralisch hilfreicher, im eigenen Unternehmen für diese Maßstäbe einzutreten, und zum Beispiel bei der MSN Redaktion anzufragen, warum die Geschichte übernommen wird?

    Langfristige Konsequenzen aus solchen Stories muss sich weder Engagdet noch Gizmono machen, eher im Gegenteil. Sie reagieren marktwirtschaftlich absolut richtig. Auch bei Informationen gilt: Angebot und Nachfrage.

    Die Nachfrage nach Apple-News ist extrem hoch, deswegen werden sie auch geliefert. Warum sollte dieses Konzept auch falsch sein?

    Jeder Journalist sollte in erster Linie über das Schreiben, was seine Leser interessiert und nicht was die PR-Abteilungen interessiert.

    Das Sympathiependel scheint bei dir berufsbedingt immer mehr zu Gunsten der PR-Seite auszuschlagen wobei du meiner Meinung verkennst, dass auf beiden Seiten nach den selben Maßstäben der Wirtschaftlichkeit gearbeitet wird.

    • Boris sagt:

      Der feine Unterschied – die “anderen” Medien, inklusive MSN, berichten über etwas was ein anderer ja schon öffentlich gemacht hat. Mir geht es um diese Erstveröffentlichung.

  23. raumich sagt:

    Ich hätte mich wohl auch eher bei Apple gemeldet, als damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Apple hätte mir dafür nichtmal Geld zahlen müssen. Die haben so viele schöne Produkte zu bieten, die hätten mich sozusagen, mit Naturalien bezahlen können. ;-) Auch gerne über mehrere Jahre hinweg.

    Ich glaube übrigens nicht an ein versehen des Mitarbeiters. Auch wenn “der Verlust” vielleicht nicht im Sinne von Apple war. Soviel unbeabsichtigte Unprofessionalität traue ich niemandem zu, der sich in so einer Vertrauensstellung zu einem Unternehmen befindet. Ich denke die Wahrheit steckt irgendwo dazwischen.

  24. Das ähnelt, wie schon der ein oder andere festgestellt hat, das nicht wirklich schöne Bild-Syndrom, das ich in letzter Zeit hier und da verstärkt bemerke. Diese Gier nach vermeintlichen Sensationen ist schlimm.

    Mir persönlich wurde zum Beispiel auch zu viel über den Eyjafjalla (das ist der auf Island ausgebrochene Vulkan) berichtet. Ok, es betrifft und beeinträchtigt die Menschheit, aber muss man deshalb darüber berichten, was wäre, wenn der Ausbruch in mehreren Wochen, mehreren Monaten oder einem ganzen Jahr noch nicht vorbei ist, oder das Spiele in Australien wegen der Sperrungen des Luftraums angeblich nicht zum Release erscheinen können? Antwort: Nein.

    Ich stimme dir bei deinem Blogpost zu 100% zu – es gibt Grenzen, die man nicht überschreiten sollte, allein aus menschlichen Gründen…

    • Dave Bowman sagt:

      Hallo, es geht hier nicht um die Privatsphäre von Herrn Jobs, sondern nur um ein verdammtes Handy.
      Apple wird sicher keinen Schaden daraus ziehen, dass der iPhone 4 Hype jetzt schon ein paar Wochen vorher losgeht.
      Die ersten Reaktionen auf das Teil sind ja durchaus positiv.

      Provokante These: Würde Apple seine Kunden nicht so abzocken (fehlende Anleitung und Netzteil beim iPod, Ausspionieren von Kundendaten usw), hätte es der Finder vielleicht wieder an Apple zurückgeschickt. So hat er die Chance genutzt einen asozialen Milliardenunternehmen ans Bein zu pinkeln.
      Microsoft hat sich in seiner Geschichte auch nicht immer fair verhalten, aber verglichen mit den Machenschaften von Google und Apple ist das noch nicht mal eine Randnotiz wert.

      • Boris sagt:

        Und eben weil es “nur um ein verdammtes Handy” geht, hätte man das nicht “aufdecken” sollen, meiner Meinung nach.

        • Dave Bowman sagt:

          Aber das ist doch überall im Internet so, dass Infos geleakt werden und dann alle darüber berichten.
          Bilder von der PS3 Slim gab es auch schon Monate vorher im Netz.
          Und wenns um Apple geht, schaltet bei einigen wohl der Verstand aus. Für die Enthüllung eines neuen Nokia Handys hätte wohl keiner Ärger riskiert.
          -
          Und Apple hat es sich selber zuzuschreiben, wenn sie ihre Prototypen nicht besser schützen.
          Aber Irren ist menschlich, Apple wird sicher in Zukunft besser aufpassen.

  25. SONICtheHedgehog sagt:

    Dieser ganze Applekult (Apple ist ja für die meisten Applekunden eine Religion) ist wirklich Wahnsinn.

    PR-technisch sind die angeblichen Gerüchte oder jetzt, dass “geklaute” Iphone” natürlich perfekt insziniert!
    Die “Journalisten” werden von Apple aber auch unglaublich gut “umsorgt”.
    “Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing” ist da ja an der Tagesordnung.

    Genau so schilmm, finde ich das Sponsoring von Apple.
    Seit einigen Wochen/Monaten sieht man z.B. in nahezu jeder Nachrichtensendung (ARD/ZDF, RTL, RTL2, n-tv…) Macbooks(sehr present platziert) stehen.

    Lustig finde ich auch folgende Werbesprüche für Imacs und Macbooks:

    - Ein Mac ist enorm Kompatibel (anm. ja zu Appleprodukten)
    - Ein Mac kennt keine Windows Viren (anm. Ja, aber Appleviren)
    - Ein Mac ist enorm fortschrittlich

    usw.

    Da kommt mir wirklich die Galle hoch.

  26. einkay sagt:

    Ich denke auch: Die Webseite hat sich und auch allen Apple-Fans keine Gefallen getan. Klar gehört die Jagd nach Gerüchten dazu, aber genau so freuen sich die Jünger ja immer wieder auf diese Präsentationen, zu den vorher nix bekannt ist. Ich kann grundsätzlich Journalismus auf Kosten anderer nicht ab: Hier wir dem Mitarbeiter und auch der Firma massiv geschadet und das für die reine Sensationslust – und ohne echte Rechtfertigung für eine Berichterstattung. Kann ich Boris nur zustimmen, das ist nicht meine Welt…

  27. dimo2 sagt:

    Hmm,
    Interessanter Aspekt, den ich so noch nicht beachtet hatte.
    Nur der “Schaden” für die Website dürfte sich langfristig glaube ich nicht sonderlich negativ auswirken.
    Dazu ist Gizmodo glaube ich zu etabliert.
    Dass es für die Beziehung zwischen Werbepartner und Website nicht unbedingt förderlich ist, ist klar….

    Zudem bleibt für mich immer noch die Möglichkeit, dass ganze ist ein mehr oder minder “geschickter” Marketingzug von Apple.
    Durch solche Leaks bringt man sich erstmal schön ins Gespräch, mehr sogar, als durch eine Pressemitteilung (nagut, hat Apple mit seiner treuen Gemeinde aber eigentlich nicht nötig).
    Außerdem, welche Firma rüstet die Mitarbeiter einfach so mit ‘nem hochgeheimen Prototyp aus?
    Empfangstests? Die macht man doch eher etwas “überwachter”, oder auf jeden Fall gibt man sowas doch nicht für den Privatgebrauch weg!

    Den selben Verdacht hatte ich auch bei Sony, als damals nicht nur die ps3slim, sonder auch die PSPgo geleakt wurde, letztere sogar durch ein Son-Video, welches ins Internet gestellt wurde, natürlich unabsichtlich…

  28. Dave Bowman sagt:

    Find das Ganze nun nicht so tragisch, das Apple dieses Jahr ein neues iPhone rausbringt war ja schon vorher bekannt.
    Und auf die Verkaufszahlen wird die Enthüllung wohl keine Auswirkungen haben und wenn nur einen positiven.
    Ganz persönlich finde ich die Verletzung der Privatsphäre von Menschen (wie es tagtäglich die Boulevardpresse tut) für deutlich unmoralischeren Journalismus als eine Exklusivstory über das iPhone 4.
    Dass Apple mit der besagten Website nichts mehr zu tun haben will, ist natürlich verständlich.
    -
    Als Rares Avatare für die Xbox 360 Monate vorher enthüllt wurden, hatte irgendwie keiner Mitleid mit Rare oder Microsoft. Da wurd sich lieber lustig über deren Unprofessionalität gemacht.
    Apple-Fanboys sind schon komische Menschen…

  29. Duncan_Idaho sagt:

    Das “Finden” solcher Sachen hat seit einigen Jahren schon einen gewissen Geschmack. Uns kam einmal bei einer Messe ein Handbuch abhanden, weil wir genau drei Sekunden nicht darauf aufgepasst haben. Kurz darauf gab es einen Bericht über dieses Buch von einer Quelle, die ganz sicher nicht ein Exemplar dieses Handbuches bekommen hat. Folge war, dass wir Handbücher praktisch nur noch eingeschweißt und angekettet oder hinter Glas auf Messen gezeigt wurden, wenn überhaupt. Ich will nichts unterstellen, hab aber selber schon ein paar Mal erlebt (zum Glück nur einmal bei uns, dafür aber bei Kollegen), das sogenannte “investigative Journalisten” nicht vor Diebstahl zurückschrecken, um an eine Story zu kommen.

    Wohin uns allerdings diese Art des Journalismus gebracht hat (Ich bin es meinen Lesern allein schuldig, egal mit welchen Mitteln und welche Grenzen ich dabei überschreite.), sieht man am deutschen Blätterwald. Das Niveau, auch bei ehemals hochqalitativen Publikationen, hat stark nachgelassen. Grad noch die c´t lese ich bei Computern, der Rest ist inhaltlich eher ein Witz. Und auch bei anderen Bereichen hat man nicht mehr die Qual der Wahl welches der vielen guten Magazine man lesen soll, sondern wie man unter all dem Müll der sich nur noch gegenseitig kopiert die wenigen Perlen noch finden soll.

  30. mafr sagt:

    Jetzt haben wir den Salat. Steve Jobs cancelt das iPhone 4G wegen dem Gizmodo leak!!!

    http://www.youtube.com/watch?v=hjhta_KmPkE&feature=player_embedded#at=77

  31. ChiefJudy sagt:

    Lebe ich irgendwie hinter dem Mond, weil ich die Story vom verlorenen iPhone gar nicht mitbekommen hätte, hätte ich diesen Post hier nicht gelesen (und dann danach gegoogelt)?

    …so wild kann’s irgendwie nicht gewesen sein, wenn keiner der Applejünger in meiner Umgebung groß davon redet.
    Und ich werde ein iPhone 4 haben, egal ob ich’s nun schon gesehen habe oder nicht.

    Zu diversen “Journalisten” heutzutage sag ich lieber nichts, sonst werd ich unangenehm, und das ist kein schöner Anblick ;) .

  32. ChiefJudy sagt:

    Verzeihung. Ich hab natürlich danach gebingt. *hust*

    :mrgreen:

  33. HomerNarr sagt:

    Solangsam geht mir der Apple Hype gewaltig gegen den Strich.

    Als Admin eines Applenetzwerks kenne ich die Dinger gut.

    OMG was für ein getue!
    Ich finde es auch unverschämt, das die Leute das Ding gleich auseinandernehmen als ob es ihnen gehören würde.

    Naja, Apple wirds nicht schaden, im Gegenteil die Leute überschlagen sich schon wieder, bevor das Teil überhaupt verkauft wird.

    Wobei, die neue Version gefällt mir besser als die Alte und warscheinlich werde ich mir die neue Version zulegen.

  34. HomerNarr sagt:

    Nachtrag:
    Und es schmeckt verdammt nach getürkter Aktion

  35. nostalgia sagt:

    Aber für eine solche Überlegung braucht man Lebenserfahrung, langfristiges strategisches Denken und ein bißchen Moral.
    ——
    Außerdem muss man dafür aber vermutlich auch selbst Angestellter eines Großkonzerns mit (selbstredend nur in der Vergengenheit und garantiert nicht in Bezug auf Spielekonsolen) manchmal fragwürdigem Geschäftsgebaren sein.

    Allen anderen dürfte es nämlich herzlich egal sein, ob irgendein Elektronikkonzern die Show zur Vorstellung seiner Produkte überarbeiten muss.

    Wie man in Hinblick auf die Apfelfirma ausgerechnet mit Moral argumentieren kann, erschließt sich mir auch nicht wirklich, aber vermutlich hat jeder so seine eigene Vorstellungen davon, was moralisches Handeln ist und wo selbiges angebracht ist.

    Den besten Satz im (recht losen) Zusammenhang mit der ganzen Sache gab es als Leserkommentar unter irgendeinem Artikel mit dem Titel ‘The Dark Side of Steve Jobs’ zu lesen. Er lautete: I didn’t know Steve Jobs had a bright side.

    • Boris sagt:

      Wir zwei reden nochmal, wenn du auch ein paar Jahre älter bist und im echten Leben stehst, statt im idealistischen Weltbild des “Großen Firmen tut nix weh, die sind selber schuld, daß sie groß sind”.

      • nostalgia sagt:

        Ha ha, gut zurückgekeilt, leider weit daneben, sehr weit sogar. Sorry.

        Zum einen habe ich meines Wissens nirgendwo geschrieben, dass großen Firmen nix weh tut, sondern, dass es mir egal ist, ob die Apfelfirma usw.

        Das ist dann doch etwas ziemlich anderes…

        Weiter lasse ich mich über den merkwürdigen Verein mit der glänzend weißen Obercool-Fassade und dem in seltsamem Kontrast dazu stehenden pathologischen Kontrollfreak-Inneren jetzt mal nicht aus. Dazu gibt es ja tausendundeine Geschichte.

        Was das, ‘wir reden noch mal, wenn du ein paar Jahre älter bist’, sei gesagt, dass ich vermutlich 3-4 Jahre jünger sein dürfte als Du (meinetwegen lieber Sie), und auch – danke der Nachfrage – ganz gut im ‘echten Leben’ stehe. Zum Glück beruflich seit vielen Jahren selbständig, was etwas größeren Freiraum für unbeeinflusste eigene Meinungen lässt.

        Da dieses Leben auch regelmäßigen Kontakt mit allerlei kleinen und mittleren (Achtung, liebevolle Ironie) Konzerndrohnen aus Produkt- und sonstigen Marketingabteilungen beinhaltet, sei noch die abschließende Bemerkung erlaubt, dass ich mir nicht ganz sicher bin, ob man derartige Tätigkeiten sinnvoller Weise als ‘echtes Leben’ bezeichnen sollte.

        Aber das ist natürlich Geschmacksache.

        • Boris sagt:

          Geschmackssache ist sicherlich nicht, daß auch ein Richter in Kalifornien meinte, ein offensichtlich Apple geklautes, unveröffentlichtes Telefon einfach zu kaufen, eine Woche zu behalten, auseinanderzunehmen und ausführlich darüber zu berichten, zumindest mal eine Hausdurchsuchung wert ist. http://gizmodo.com/5524843/police-seize-jason-chens-computers
          Ich empfehle nochmal Selbstkalibrierung – geht es hier um eine Geschichte, die tatsächlich das Interesse der Öffentlichkeit verdient, oder ist es eine Story, die nur dafür geschrieben wurde, möglichst viele Klicks zu bekommen?
          Wenn man einer Firma unlauteres Geschäftsgebahren nachweisen kann – dafür sind Journalisten da. Aber es ist nicht deren Job, Firmen auszuspionieren um früher als alle anderen einen Scoop über ein Produkt zu haben. Das ist nicht Journalismus.

          • nostalgia sagt:

            Wenn man die Tatsache, dass irgendeinem kalifornischen Richter (da müsste speziell in den USA auch man erste mal schauen, ob dessen letzer Wahlkampf nicht zufällig von Apple oder irgendeinem Industrieverband gesponsort wurde) etwas missfällt, zum Maßstab für guten Journalismus machen würde, dann gäbe es wohl keinen investigativen Journalismus. Aber das nur am Rande, hat mit dem vorliegenden Fall nicht so wahnsinnig viel zu tun.

            Spannender finde ich schon die Feststellung, so etwa wäre nicht die Aufgabe der Journalisten. Wer legt das fest? Das ist sicher nicht einfach zu beantworten, klar ist aber eines: Ganz bestimmt steht es nicht der Marketingabteilung irgendeines Konzernes zu, darüber zu befinden, was Journalismus ist und was nicht. Das muss wohl letztlich jede Zeitung/Publikation für sich selbst definieren. Unter Inkaufahme möglicher Konsequenzen. Dass dabei wirtschaftliche Überlegungen (in diesem Fall mehr Klicks) eine – oft sicher die entscheidende – Rolle spielen, ist ja wohl selbstverständlich.

            Erst recht im Bereich, nennen wir es mal, Enthusiasten-Presse, die meiner bescheidenen (Leser-)Meinung nach im Normalfall überhaupt nur bedingt als Journalismus durchgeht. Das allermeiste in diesem Bereich funktioniert ja eher nach dem System sowjetischer Staatspresse. Und das auch und vor allem zum Nutzen, derer, über die berichtet wird. Aber wem erzähle ich das. Verkürzt: Die Partei (ein Konzern) veröffentlicht eine Verlautbarung (Pressemitteilung) und selbige wird kommentarlos weitergetragen. Vermutich ist das aus Marketingsicht dann “richtiger” Journalismus, oder?

            Dagegen erscheint mir das Fotografieren eines Telefonprototypen, ehrlich gesagt, geradezu als pulitzerpreisverdächtige Sternstunde des Journalismus. Erst recht bei einer Firma, die ihrerseits nur allzu gerne mit den Medien spielt.

            Und zum Schluss: Die Empfehlug mit der Selbstkalibrierung gebe ich gerne zurück: Zu viele eigentlich grundsympathische Marketingmenschen sind schon Opfer ihrer eigenen Propaganda geworden.

  36. Sicho sagt:

    Ich bin selbst in der Mobilfunkbranche tätig (und nein, nicht als “einfacher” Verkäufer o.ä.) und weiss was für Auflagen Apple Providern usw. auflegt, wenn diese Testsamples u.ä. vom iPhone bekommen …
    Von daher bin ich ziemlich sicher, dass es sich um einen “controlled leak” handelt, vor allem, da der Engineer angeblich seinen Job behalten hat.

    Auch früher galt schon das Motto: “Man sollte nicht immer alles glauben was man liest/sieht.” ;) Gesunde Skepsis hat noch keinem geschadet.

  37. Dave Bowman sagt:

    Interessanter Artikel auf SPON, der ebenfalls auf das Thema eingeht:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,691202,00.html

    Wie positiv Microsoft und EA auf ein Mal dastehen, Apple, ActivisionBlizzard und UbiSoft sei Dank.^^
    Fehlt nur noch, dass Obama den dritten Weltkrieg anfängt, dann ist selbst George W. Bush wieder rehabilitiert. ;-)

  38. Jürgen sagt:

    Ich habe kürzlich die Stellungnahme von Gizmondo gelesen: http://www.gizmodo.de/2010/04/21/apple-hat-das-neue-iphone-nicht-absichtlich-verloren.html

    Also, wenn ich eine solche Doppelmoral sehe, werde ich echt sauer. Siehe den Absatz: “Gray Powell opfern?”

    “…Was viel wichtiger ist: Glaubt ihr wirklich, dass Apple einen seiner Entwickler auf diese Weise opfern würde? Gray Powell ist ein echter Mensch – er ist noch jung und wird wohl den Rest seines Lebens damit verbringen, einen der größten Fehler in der Technikgeschichte auszubügeln. Apple mag gemein sein, aber sie sind niemals so diabolisch.”

    Nein, sind sie sicher nicht. Wirklich “gemein”, “diabolisch” und selbstgerecht finde ich es hingegen, dass Gizmondo höchst persönlich seinen Teil dazu beiträgt, die Zukunft dieses “echten, jungen Menschen” kaputt zu machen. Ihn für eine News zu opfern. Da kann man aber nix machen. Der Name wäre ja ohnehin publik geworden. Fragt sich nur, ob das nicht gerade an solchen Newsseiten wie Gizmondo liegt.

    Tja, aber so isses halt mit dem “DIGITAL LIFESTYLE TODAY AND TOMORROW”, wie es so schön bei Gizmondo im Claim steht.
    Konkrete Menschen und deren echtes Schicksal berühren im abstrakten, virtuellen Raum leider nichts und niemanden. Da zählt today eben nur die unglaublich wichtige Information, die tomorrow schon wieder ein alter Hut ist. Nur doof, dass Herr Powell noch sein ganzes junges Leben vor sich hat.

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