Wir lieben Werbung

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Eine große deutsche Supermarkt-Kette hat sich als Werbespruch “Wir lieben Lebensmittel” auf die Fahne geschrieben. Sowas darf man nur machen, wenn man es auch ernst meint, also versucht, in der Qualität der Ware, die man liebt, zu glänzen.
In den Werbespots dazu wird das Ganze dann deutlich relativiert. Ging es im ersten (mir bekannten) Spot nur darum, daß die Einkaufstüte nur angeschnallt den Parkplatz verläßt, zeigt Spot Nummer Zwei, was wirklich gemeint ist: Verträumt schaut der Marktleiter zur attraktiven Kundin. Doch die ist gar nicht gemeint, sondern die schief stehende Dose Hühnersuppe neben ihm im Regal, die dann gerade gerückt wird. Das Regal ist jetzt super sauber. (Wehe, ein Kunde nimmt eine Dose raus).
Zwei wesentliche Anmerkungen zu dieser Werbestrategie:
a) Wenn man schon sagt, daß man Lebensmittel liebt, dann bitte nicht eine No-Name-Dosensuppe. Die fällt zwar technisch gesehen auch unter Lebensmittel, mehr Liebe würde ich aber der Präsentation von frischem Gemüse widmen. Aber die Fertiggerichte nehmen auch hier deutlich mehr Quadratmeter ein als die liebenswerte Frischware.
b) Claims muss man leben können. Ein kurzer Blick in die Filliale dieser Ladenkette bei mir am Ort läßt keinerlei fortgeschrittene Liebe zu den Lebensmitteln erkennen. Zumindest nicht im Sinne von “Wir können das besser als andere”. Die Mitarbeiter/innen sind zwar relativ gesehen noch im oberen Freundlichkeitsdrittel anzutreffen, aber wie in jedem deutschen Supermarkt halt ausgebeutete Kassen- und Einräumkräfte, denen man die Liebe zum verkauften Produkt gar nicht vorschreiben mag.
Wahrscheinlich haben sich wieder sehr sehr teure Consultants und Agenturen dieses “Wir lieben Lebensmittel” Konzept für viel Geld einfallen lassen. Aber, in Abwandelung eines anderen Werbespruchs: Neue Werbekampagne: 10 Millionen Euro. Gesunder Menschenverstand: Unbezahlbar.

Eine Antwort to “Wir lieben Werbung”

  1. Herr Bert sagt am June 20th, 2005 um 21:53

    Tag der Herr,
    feiner Beitrag soweit, ich gestatte mir aber folgende Anmerkungen:
    Die No-Name-Dosensuppe ist meiner Meinung nach notwendig, um nicht unbeabsichtigt für andere Produkte die Werbetrommel zu rühren. Weiterhin verfügt die Dosensuppe in besagtem Werbespot wesentliche Vorteile gegenüber zum Beispiel einer Reihe Putenbrustfilets:
    Man erkennt die Pointe (Dose linksgerichtet-Dose gerade)
    Es wirkt wesentlich appetitlicher (gerade für unsere vegetarisch und veganisch lebenden Freunde)
    Die Dosen lassen sich besser in die Bildkomposition einfügen, der Bildaufbau lenkt durch die immer gleichen Dosen die Aufmerksamkeit auf das vermeintliche Objekt der Begierde, die Frau.
    Zu den Claims, die lebbar sein sollten:
    Welche Firma kann behaupten, Ihren Slogan zu leben?
    Das Fremdwörterbuch bezeichnet einen Slogan als “Parole”. Also eine Leitlinie, nach der sich im Idealfall eine größtmögliche Menge von Leuten richtet, sich daran orientiert.
    Letztendlich bleibt zu sagen, dass Werbung meist ein bestimmtes Bild der Unternehmen/Produkte an die Öffentlichkeit transportiert, aber in den seltensten Fällen eine Unternehmensphilosopie…

    Grüße,

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