Der Dan Brown Code

Von Boris, Di, 10. Jan 2006 01:44

Ich bin immer unberechtigt aber verwegen stolz darauf, nicht die totalen Mainstream-Bücher zu lesen, sozusagen ein wenig Bestseller-Autismus. Dementsprechend hab ich immer noch kein Harry-Potter-Buch gelesen. Ich hab auch ein zwiegespaltenes Verhätnis zu Techno-Thriller: Jagd auf Roter Oktober ist ein brillantes Buch, leider hat Clancy danach nix Gescheites mehr auf die Reihe bekommen – ich hab sogar das handsignierte Red Storm Rising (Microprose hatte die Lizenz und ich traf Clancy in Las Vegas Januar 1986 1987 (danke, Gregor) für eine halbe Stunde, wenn ich mich recht erinnere) irgendwann mal zu gut aufgeräumt. Hebt die Titanic, bei allem wissenschaftlichen Blödsinn, war irgendwie cool, aber Dirk Pitt wurde auch von Band zu Band absurder. Mein heimlicher Tip für einen guten Techno-Thriller, den kaum einer kennt: “Vertical Run” (Der Schacht) von Jospeh Garber. Quasi Die Hard (Eins) Hoch Zehn. Gibts praktisch umsonst (nur Versandkosten) bei diversen Amazon-Marketplace-Händlern.

Genauso vehement wie gegen Harry Potter hab ich mich auch gegen Dan Brown und den Da Vinci Code gewehrt. Ein derart erfolgreiches Buch kann ja dann wohl doch nicht so gut sein. Zu Weihnachten hat mir dann aber meine Frau einfach Meteor (Deception Point) geschenkt. Ich kann jetzt zwar nicht völlige Begeisterung mitteilen, aber Junge, der Brown versteht sein Handwerk. Die Handlung ist mit Sicherheit präzise mit einer Tabellenkalkulation ausgerechnet: Bis Seite 100 laß ich den Leser zappeln, auf Seite 110 denkt er “Achja, OK, so geht es aus, lesen wir trotzdem mal weiter” und dann präsentier ich ihm diese Lösung schon auf Seite 120 als Fakt und hab noch 380 gemütliche Seiten übrig, um trotz nur eines einzigen richtigen Plot-Twists die Spannung ganz gut oben zu halten. Character Development aufs notwendigste reduizert, schnelle “Schnitte” zwischen den Handlungsebenen, ständige kleine Cliffhanger. Handwerklich große Klasse. Nur eines hätte er sich schenken sollen: Die blöde Bemerkung, daß die ganze Technologie im Buch schon existieren würde –   was bei den diversen Waffen der Delta Force auf keinen Fall stimmt, insbesonde beim Mikro-Aufklärungs-Flugzeug. Ist doch keine Schande, lustige Technik halbwegs glaubwürdig zu erfinden, wenn’s dem Plot dient.

Nur eins kapier ich nicht ganz: Die deutsche Übersetzung macht auf mich im großen und ganzen einen sauberen Eindruck, aber wer läßt sich da die deutschen Titel einfallen? Der Name “Meteor” nimmt logischerweise das erste kleine Rätsel schon vorweg, während der Original-Titel, Deception Point, den unvermeindlichen Verdacht, worum es geht, vorweg nimmt, aber gleichzeitig in Frage stellt. Warum der Da Vinci Code hier Sakrileg heißen muß, ist mir auch unklar, und Digital Fortress kommt als Diabolus im deutschen Titel auch ziemlich doof weg. Naja, den Verkäufen tut es keinen Abbruch und ich werd mich wohl doch auch mal in den Da Vinci Code stürzen.

21 Antworten für “Der Dan Brown Code”

  1. Erzengel sagt:

    Ich lese gerade “The Beach”, da ich auch nach Thailand abhaun will :) Ist auch sehr genial wenn man mit dem Thema was anfangen kann.

  2. DarkVamp sagt:

    Freut mich das Du das Buch magst… Ich bin eigentlich nicht gerade ein fleisiger Leser und außer “Lord of the Rings” und einigen wenigen andere habe ich kaum was in meinem Leben gelesen. Aber als ich mal einigen Wochen im Krankenhaus verbringen musste und mir meine Kollegen METEOR schenkten fing ich wieder an zu lesen und konnte nicht mehr aufhören. Nun verschlinge ich gerade “Illuminati” und “Sakrileg” liegt bereits bereit… Danke Dan :-)

  3. Mendorian sagt:

    Harry Potter war die ersten drei Bücher übrigens garnicht mal schlecht; ich habe vorgestern den Half Blood Prince beendet, und inzwischen bin ich nur noch enttäuscht. Mit den arg pubertierenden Zwergenzauberern erinnert das mehr an Dawson’s Creak als an Harry Potter. Detaills werden weggelassen, charaktäre verhalten sich nicht mehr wie in den anderen Teilen gewohnt bzw. wie erwartet. Man merkt das Frau Rowling von Potter weg will.

    Wenn der Herr Johne mal in Richtung Fantasy gehen will, kann ich wärmstes Terry Pratchett, Marion Zimmer Bradley und alles aus der Bibliothek der Fantastischten Literatur empfehlen. Insbesondere Pratchett mit den immer hintergründig oder offen und urkomisch gesellschaftskritischen Discworld-Büchern hab ich da in’s Herz geschlossen. Allerdings nur auf Deutsch… Harry Potter auf Englisch ist kein Problem, aber wenn man Discworld im Original ließt kommt man leicht in Versuchung einen Kurs in Alt-Englisch zu belegen.

  4. scarface sagt:

    gegen harry potter habe ich mich genauso gewehrt.die filme waren ok, aber die bücher werde ich niemals lesen. ausser jeffrey deaver bücher habe ich ehrlich gesagt , nicht so viel gelesen. Mein momentaner tipp ist das schon was ältere “die letzten ihrer art” von douglas adams. dort geht er mit einem Forscher auf grosse Reise um vom Auserben bedrohte Tierarten zu besichtigen. einfach witzig zu lesen, wie douglas adams aus seiner sichtweise das erlebte erzählt… hat zwar nicht wriklich hiermit was zu tun, aber wollte ich einfach mal so in den raum werfen…

  5. darkvader sagt:

    Ohne deine diesmal nicht enttäuschten Erwartungen zu hoch schrauben zu wollen – ich fand Meteor sogar noch das schwächste Buch von ihm.
    Also viel Spass mit Sakrileg :-) .

  6. Noctem sagt:

    Du solltest auf jeden Fall vor dem Da Vinci Code das Buch Angels and Demons lesen (Deutsch :Illuminati).
    Das spielt zeitlich vor dem Da Vinci Code und ist meiner Meinung nach auch um Welten spannender.

  7. Shi Con sagt:

    Im Gegensatz zu darkvader fand ich Meteor am besten. Mir liegt dieser ganze Kirchenzirkus aber auch einfach nicht sonderlich. Die Kirche kommt mir zu gut weg. Kritik ist nur dann da, wenn storydienlich. Nichtsdestotrotz schreibt der Dan Brown tatsächlich sehr spannende Bücher. Popcornkino in Buchformat. Auch ich kann Dir die anderen also auf jeden Fall nur empfehlen, Boris.

  8. Ranor sagt:

    Zum Thema Titelübersetzungen:

    Irgendwie kriegen wir das in Deutschland nie gebacken, Titel von Büchern, Filmen oder von Serienfolgen (ganz schlimm: Babylon 5) auch nur halbwegs zu übersetzen. Furchtbar!
    Auch ganz schlimm ist der Untertitelungswahn.

  9. Icewolf sagt:

    Ich muss auch sagen das ich Meteor als mit das schwächste Buch vom Dan Brown halte. Hab digital fortress durch Zufall mal als englisches Taschenbuch gefunden und es war irgendwie mal was anderes von ihm. Aber durchaus spannend. Die DaVincie Bücher find ich aber trotzdem noch die besten, auch wenn sie Main Stream sind.

    Harry Potter ist ebenfalls nicht schlecht und ich verschling die Bücher sehr gerne, aber trotz allem seh ich diese doch eher als “leichte Kost” an.

    Vor allem da im Bereich Fantasy momentan eine ganz andere Serie wirklich herausragend ist – “Song of Ice and Fire” – leider bisher nur das erste Buch gelesen, da das zweite als Taschenbuch (und in englisch) einige Wochen Lieferzeit hat/hatte. Scheint in Deutschland auch noch nicht so bekannt zu sein, aber wurde schon mir von vielen Leuten aus England und den USA wärmstens empfohlen, und es ist wirklich sehr gut, vor allem die Entwicklung der unterschiedlichen Charaktere.

    Der erste Teil ist als englisches Paperback auch sehr günstig bei Amazon zu bestellen:
    A Game of Thrones

    cu starside
    Ice

  10. Icewolf sagt:

    PS: ja, eindeutig Illuminati vorm DaVinci Code lesen, ist der direkte Vorgänger!
    Und “Der Schacht” werd ich mir wohl mal bestellen, brauch eh wieder was Lesestoff.

    PPS: http://www.librarything.com/ – nett um die eigenen Bücher zu verwalten.

  11. Erzengel sagt:

    Lest mal von David Eddings die Belgariad Saga. Ist das Beste das ich je gelesen habe.

    http://www.literaturschock.de/buchserien/000014

  12. Chris sagt:

    Meteor ist wirklich das schwächste Buch von Dan Brown. Illuminati und DaVinci Code sind wirklich gut. Man darf nicht zuviel erwarten. Ist wie bei einem Actionfilm, nicht soviel nachdenken sondern einfach mal das Hirn abschalten und sich gut unterhalten lasssen.

  13. Wuerfel sagt:

    Danke für den Tipp mit Der Schacht … habe ich gleich mal bestellt. Ich bin normalerweise auch kein großer Bestseller-Fan. Diabolus ist ganz spannend geschrieben, Sakrileg konnte mich aber nicht so überzeugen. In den Pseudo-”Geschichtsbüchern” von Lincoln/Baigent/Leigh (Der heilige Gral und seine Erben) wurde das Thema irgendwie spannender und ausführlicher angegangen. Auf diesen Recherchen scheint der Roman dann auch aufgebaut zu sein.

    Von allen Bestseller-Romanen finde ich immer noch “Eine Billion Dollar” von Andreas Eschenbach am besten.

  14. RickD sagt:

    Auch ich halte Meteor für das schlechteste Buch von Dan Brown.

    Ich möchte, wo wir ja grad dabei sind, aber auch noch eine Buchempfehlung loswerden:
    Nämlich Cryptonomicon von Neal Stephenson.
    Ein Buch, das ich mehr oder weniger aus Versehen gekauft habe, das mich aber umsomehr tief beeindruckt und fasziniert hat.

    Ansonsten finde ich Illuminati und Eine Billion Dollar trotz Bestseller-Status hervorragend.

  15. Falcon030 sagt:

    Irgendwie sind Dan Browns Romane das gedruckte Äquivalent zu EA’s Sportserien.
    Das Konzept bleibt von mal zu mal gleich, es gibt ein paar neue Namen, ein finsterer Killer agiert im Hintergrund, der Schurke ist zum Schluss der, bei dem man es nicht gedacht hätte(spätestens nach dem zweiten Roman aber doch denkt, weil sich der Aufbau einfach zu sehr ähnelt) und der Schluss läuft regelmäßig nach dem Schema “Du hast noch dreissig Sekunden zur Entschärfung der Bombe” – was dan 2 Sekunden vor Ablauf des Timers auch klappt.
    Es ist ganz so, als hätte der gute Mr. Brown regelmäßig Drehbuchvorlagen statt eigenständiger Bücher geschrieben.
    Ich hab sie natürlich auch alle gelesen und halte Diabolus / Digital Fortress für das schlechteste, einfach, weil hier kein Dreh mehr wirklich überraschen kann.
    Meine Empfehlung dagegen:
    “Fleisch ist mein Gemüse” von Heinz Strunk.
    Selten dämlicher Name, aber selten so gut amüsiert.

  16. forcekeeper sagt:

    Da Vinci Code ist nicht schlecht,
    allerdings würde ich Angels and Demons den
    Vorzug geben.

  17. helldriver sagt:

    Bei “Der Schacht” kann ich Boris nur zustimmen. Absolute Empfehlung für jeden der auf spannende Bücher steht.

    Meteor fand ich im Vergleich zu Sakrileg und Illuminati nicht so prall aber immer noch deutlich besser als Diabolus. Das hab ich nicht fertig gelesen …

  18. sevenredseven sagt:

    Von Dan Brown kenne ich nur Illuminati. Auch wenn die Schnitzeljagd durch den Vatikan sehr spannend und hoch interessant ist, was die Actionszenen angeht, so habe ich noch nie solch unrealistischen Blödsinn gelesen. Die unkaputtbare Hauptfigur kombiniert sich von einer lebensgefährlichen Situation in die nächste. Und mit jeder weiteren Szene wird es abstruser. Sind die anderen Dan Browns da besser?

  19. ro sagt:

    Zum Da Vinci Code gab’s bei mir vor ein paar Tagen eine eher ernüchternde Diskussion. Ansonsten gestehe ich, dass ich Vertical Run vor Jahren von einem Freund geschenkt bekam, es aber ungelesen im Voralpenland einlagern musste. Wie die erste 24-Staffel eines anderen Freundes. ;)

  20. retro sagt:

    Besteller-Autismus… daran leide ich allerdings auch – schon in der Schule fand ich so manches “klassische Werk der Weltliteratur” weniger passend – weil meistens der Zeitbezug fehlt.

    Ich hab auch noch kein Harry Pothead Buch gelesen – hauptsächlich weil ich mir nichts davon verspreche und mich die Themen wenig interessieren. Ich hab mal 30 Minuten von einem Film im TV gesehen, scheint ja halbwegs gut gemacht zu sein, aber alles was SO GROSS beworben wird, interessiert mich fast nicht.

    Um Haaresbreite hätte ich mir z.B. deshalb LOTR nicht angesehen – ich hab dann einfach gesagt: ich geb’ kein Geld dafür aus und bin dreimal von fanatischen Fans ins Kino gezerrt/eingeladen worden – drum überhaupt hab ich die Trilogie doch gesehen und mich königlich gelangweilt.

    Letztes Beispiel war King Kong: *göööäääähn*

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