Social Gaming?

Von Boris, Mi, 25. Jan 2006 08:46

Mein Interview mit Working Title und einige der kurzen Aussagen darinnen brachten eine interessante Diskussion mit Philipp (“Harlekin”) aus Österreich in Gang, aus der ich kurz entschlossen einige Blog-Beiträge bauen werde. Ich starte dann mit meiner Weltsicht zu ein, zwei Gaming-Themen, dann ist in den Kommentaren die Bühne für Eure Meinungen offen. Und da ich nicht (noch mehr) als Besserwisser gelten will, lege ich mir sogar die Regel auf, Eure Kommentare nicht weiter zerreden zu wollen. Anders aus gedrückt: Ich hab nur einen Schuß, den Original-Post, um meine Weltsicht darzustellen. Und trotzdem werde ich nicht zehn Stunden an einem Beitrag feilen, sondern einfach runterschreiben, was mir zu dem Thema durch den Kopf geht.

Eine These, die ich zur Zeit gerne benutze, ist, daß das Videospielen immer mehr in den Bereich des “Social Gaming” geglitten ist, ohne daß wir es richtig gemerkt haben. Social Gaming bedeutet dabei nicht unbedingt, daß man sich online gegenseitig die Köpfe einhauen muß. Mit der massiven Verbreitung von Playstation und Co hat sich vielmehr eine Spielkultur entwickelt, bei der man, im Gegensatz zum PC, mit Freunden zusammensitzt und das Spiel ein Hintergrundgeräusch für eine Zusammenkunft ist.

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Nun kann man gleich als Erstes dagegen halten, daß schon bei Atari 2600 die komplette Clique gemeinsam vor dem Schirm saß, weil nur einer das Gerät hatte. Damals hatte Videospielen aber immer noch einen deutlich exotischeren Charakter als heute und es waren eher die Tech-Freaks, die sich versammelten, eben wegen des Geräts.

Der große Wechsel, gerade bei den Jugendlichen, könnte im Zeitalter von Gameboy und Pokemon eingetroffen sein. Pokemon machte Social Gaming wichtig, denn die Kids spielten im Prinzip Single-Player-Spiele, brauchten aber den Erfahrungsaustausch und die Hilfe anderer, um wirklich an alle Wesen zu kommen.

Ein Beispiel, daß mir bei Gamer-Hausbesuchen im Rahmen der Marktforschung immer wieder unter gekommen ist, ist die Tony-Hawk-Reihe von Activision. Viele Teenager spielten Tony Hawk mit Freunden, obwohl das Teil gar keinen richtigen Multi-Player-Modus hatte. Trotzdem saßen vier und mehr Jungs (seltenst Mädchen) vor dem Fernsehschirm und kommentierten gegenseitig die Leistungen, versuchten gemeinsam mehr Punkte rauszuschlagen und fanden immer wieder die Brücke zwischen Spielgeschehen und dem, was sie tatsächlich auf ihren Skateboards können.

Der entscheidende Unterschied zwischen Space Invaders auf Atari 2600 und Tony Hawk auf Playstation ist, daß es nicht mehr um geile Technik und Punkte geht, sondern um die dargestellten Inhalte, ihren Bezug um wirklichen Leben, und daß  sich die Plattform “Konsole” vom Zweck der Zusammenkunft zu einem reinem Medium, das gar nicht mehr richtig wahrgenommen wird, wandelte.

Eines der Probleme mit Social Gaming ist natürlich der Begriff “Social” – denn mit dem deutschen Sozial, das umgangssprachlich eher für Almosen, Hartz IV und andere unerstrebenswerte Dinge steht, hat das nun mal gar nix zu tun. Social steht eben für gemeinschaftlich, zusammen, miteinander. Und das Technologie eine in diesem Sinne soziale Komponente hat, sieht man spätestens beim Handy. Wer in bestimmten Altersgruppen nicht ständig per SMS erreichbar ist, ist out. Ähnliches habe ich auch schon in anderen Gruppen gesehen: Wer zu Hause als einziger keine Spielkonsole hat, wird von der Clique eben nicht besucht.

Social Gaming ist ein Spielablauf, der den Spieler nicht isoliert und unerreichbar in eine Welt versetzt, sondern eine Art zu Spielen, bei der Menschen irgendwie dabei sind. Das kann als Zuschauer sein, kann aber eben auch als echter Mit- oder Gegenspieler sein.

Und nur mit Social Gaming wird das Videospielen richtig groß. Größer als jetzt. Denn jeder, der es toll findet, allein gegen eine Maschine zu spielen, ist seit zehn Jahren mit an Bord. Die Leute, die noch nicht Videospiele spielen, warten nicht unbedingt auf neue Inhalte (wobei ich ein anderes Mal gerne mit meiner Krimi-These komme). Sie wollen Spiele, bei denen das Spiel ein Medium ist welches auf welche Art und Weise auch immer, andere Menschen einbindet.

Videospiele können im “Single-Player-Erlebnis” niemals mit dem Fernseher konkurrieren. Der bietet nämlich die Stories und Emotionen, ohne daß ich mich anstrengen muß (und am Ende des Tages ist der Mensch faul).

Und natürlich gibt es weiterhin die Single Player, die Hard Core Spieler, die Videospiel-Besitzer seit zwanzig Jahren. Diese “Kernzielgruppe” wird ja nicht verschwinden. Menschen, die nächstelang aufbleiben um allein, ganz allein, Metal Gear Solid durchzuspielen. Nur sagen alle Zeichen, daß diese Gruppe nicht mehr signifikant größer wird. Die Industrie ist hier am Anschlag angelangt und es kommt der Punkt, wo die Spiele für diese Gruppe Menschen vielleicht nicht mehr aufwendiger gemacht werden können, weil es keine zusätzlichen Käufer mehr dafür gibt.

Social Gaming, von Tony Hawk über Eyetoy und Buzz, über Backgammon auf Xbox Live und sogar einem Frag-Fest in Halo, ist der Wachstumsmarkt, um beim Marketingspeak zu bleiben.

19 Antworten für “Social Gaming?”

  1. Philk sagt:

    Hi Doc,

    Bei Konsolen sehe ich diese Entwicklung ähnlich positiv, was das gemeinsame Erleben eines Spiels und seine soziale Komponente angeht.
    Leider arbeitet die Pc-Spiele Industrie genau in die andere Richtung.
    Ich spiele selbst z.b. World of Warcraft, obwohl es ein sehr gutes MMORPG ist, hat man nicht diese soziale Komponente, man sitzt ja doch alleine vor seinem Rechner und es würde auch nicht wirklich Spannung aufkommen jemandem stundelang dabei zuzusehen.

    Für Pc Spiele würde ich mir mehr Kommunikation der Menschen untereinander wünschen, genauso wie es die Konsolen vormachen.

    Gerade diese fehlende Kommunikation mit der “Außenwelt” macht MMORPGs auf dem PC so gefährlich für die jüngere Zielgruppe.

  2. mik sagt:

    Mit einem ähnlichen Thema beschäftige ich mich gerade im Rahmen meiner Diplomarbeit über “Pervasive Gaming”. Und ich denke das die Erfahrungen die man zukünftig mit Handhelds und Handys – und den damit möglichen Übertragungsmöglichkeiten – macht, sogar noch über das von dir Beschriebene hinausgehen. Das man über das Spielen neue Leute, neue Orte kennenlernt. Schon heute zeigen Spiele wie das jap. Mogi Mogi das Leute bereit sind von ihren alltäglichen Routinen wie dem Weg zur Arbeit abzuweichen und Umwege in Kauf nehmen, um virtuelle Gegenstände einzusammeln. Gerade Pervasive Gaming, also Schlagworte wie Location based und Context aware, deuten doch an das Spiele den Weg in unseren Alltag finden werden, so wie es die Konsole vom Kinderzimmer ins Wohnzimmer geschafft hat.

    Weitere Aspekte die man mit dem großen Wort “sozial” auch erschlagen kann, sind imho auch die Steigerung des Selbsbewustsein oder die Vermittlung von Wissendurch Spiele.
    Auch da für gibt es wissenschaftliche Bemühungne. Und auch da können Spiele in zukunft denke ich immer mehr leisten.

  3. covus sagt:

    Ich sehe nicht warum der PC eine Ausnahme in dieser Entwicklung sein soll oder warum sich die PC Welt gar in die Gegenrichtung entwickeln soll. Für den PC erhält man immer noch die breiteste Auswahl an Spielen. Darunter finden sich Sachen wie WoW (siehe Beitrag von Philk) aber auch Spiele wie Worms mit denen ich mehr Zeit mit Kollegen verbringe als mit den meisten Konsolenspielen. Von (privaten) LAN Partys mal ganz abgesehen. Der Vorteil der Konsole in diesem Bereich ist einzig und allein das Wohnzimmer, das wars dann aber auch. Und wenn MMORPGs wie Final Fantasy XI auf die XBOX360 kommen, dann ist wohl die Konsolenwelt genauso “gefährlich” wie die PC Welt ;)

  4. soulrise sagt:

    Dem Artikel braucht man eigentlich gar nichts mehr hinzufügen.
    Neben dem klassischen Offlinemultiplayer haben meine Kumpels und ich auch sehr oft Singleplayertitel zusammen gezockt. Gerade Tony Hawks bot sich da an, weil nach zwei Minuten (für eine Runde) das Pad weitergereicht werden konnte.

    Bei anderen Spielen wurde das Pad halt nach dem erfolgreichen Abschluss eines Levels oder nach dem Bildschirmtod weitergereicht.

    Nach dem Lesen des Artikels frage ich mich, ob sowas nicht auch über Xboxlive möglich wäre.

  5. scarface sagt:

    diese entwicklung freut mich. ich persöhnlich will nicht nur singleplayer spiele. mittlerweile ist das gaming aus der ach so verpöhnten ecke rausgekommen, und findet langsam den weg zu den gruppen, die früher im leben nicht dran gedacht hätten mal ein pad in die hand zu nehmen. ( damit meine ich speziell Frauen, wie Zb. meine Freundin und deren Freundinnen, sogar die lieben “alten” Eltern sind sich nicht zu schade am samstag abend günther jauch mal günther jauch sein zu lassen, und trällern auch mal ein liedchen über singstar.) mittlerweile macht es diesen Gruppen Spass mit mehreren Leuten eye toy, karaoke revolution, dance dance revolution, oder andere multiplayer Spiele zu spielen. Und ich muss sagen mir auch … früher waren es brettspiele und heute sind die konsolen spiele auf dem besten weg dahin viele leute spielend zusammenzuführen..

  6. RickD sagt:

    Zur Meinung von covus:
    Oh doch, ich sehe hier den PC ganz stark außen vor. Warum? Weil man an der Konsole problemlos mehrere Gamepads anschließen und gemeinsam an einem Gerät spielen kann. Am PC gibts nur eine Tastatur und eine Maus. Klar gibts auch Gamepads, aber das ist dort exoten Hardware.
    Außerdem kann man sich an einer Konsole, vor dem Fernseher auf der Couch viel besser “versammeln” als am Schreibtisch, wo der PC in 99% der Fälle steht.
    Natürlich gibt es tolle Netzwerkspiele für PC, aber das ist doch wieder eher etwas für “Freaks”. Gerade Leute, die wenig mit Spielen zu tun haben, werden davon nicht angesprochen. Und außerdem ist der soziale Aspek ein ganz anderer wenn man wirklich gemeinsam vorm Bildschirm sitzt, als wenn man sich nicht sieht und nur übers Headset unterhält oder gar chattet.

  7. Daibo sagt:

    Für viele ist der PC immer noch eher ein Arbeitsgerät oder Werkzeug (weil man damit eben arbeiten kann, auch wenn man’s nicht muss), wohingegen Konsolen und Handhelds explizit zur Unterhaltung oder – bei Mobiltelefonen mit Schnickschnack – eben zur Kommunikation gedacht sind. Das macht sie für Nichtspieler zunächst mal “sozialer”, denke ich.

    Videospiele werden bestimmt noch viel weiter in Richtung Social Gaming gleiten, hinter dem Bildschirm vor allem durch gewisse Online-Live-Features gewisser X-Konsolen und vor dem Bildschirm durch gewisse neuartige Controller anderer Konsolen. :)

  8. retro sagt:

    Warum ich persönlich Konsolen immer den Vorzug vor PC-Gaming gab?

    Dead Or Alive oder Soul Calibur oder sonst ein Prügler, vier Freunde, mein Wohnzimmer, PAAAARTY!!!

  9. Huxi sagt:

    Ich finde jedes Spiel toll, bei dem Spieler auch miteinander spielen dürfen und nicht nur gegeneinander spielen können. Hoffentlich werden künftig auch Entwickler mehr auf solche Features setzen.

    Kameo ist da ein gutes Beispiel – Schade nur, dass es den kooperativen Spielmodus nicht über Xbox Live gibt. PDZ ist wunderbar in der Hinsicht und sogar Gaunlet macht tierisch Spaß mit anderen zusammen.

    World of Warcraft hat es als (erstes?) kommerziell erfolgreiche Online-Rollenspiel ebenfalls geschafft, Spielern ausreichend Inhalte zu geben, die nicht in PVP oder sonstwas gegen andere Spieler antreten möchten, sondern gemeinsam mit anderen Spielern etwas erreichen wollen.

  10. darthmole sagt:

    Boris, stimmt eigentlich ziemlich alles – so sehe ich das auch. Warte mal, stand in deiner Vita nicht ´Product Manager für Microsoft XBOX´ ;-)
    Die strategische Konsequenz hat NINTENDO da letztes Jahr wohl schon mit dem Startschuss für die REVOLUTION Konsole gegeben. Da decken sich die Ansätze mit dem PM von MS und der Konkurenz ja ganz gewaltig – aber ich würde auch lieber für einen US Konzern arbeiten… ;-)

  11. n385055 sagt:

    @Huxi

    Mich wundert es ehrlich gesagt schon sehr, dass der lang versprochene Xbox Live Coop-Modus von Kameo per Xbox Live Update noch nicht nachgereicht wurde, zumal es vor dem EU-Launch hieß, dass der Download spätestens zum EU-Launch auf dem Marketplace zur Verfügung steht.

    Soweit ich mich erinnern kann, hat Boris selbst eine dementsprechende Aussage getroffen, dass der Download 100% zum EU-Launch erhältlich ist. Komischerweise kann ich den Eintrag nicht mehr finden … ;)

    Egal, wie auch immer, wird schon seine Gründe habe, wobei ich ehrlich gesagt schon ein kurzes Statement dazu hätte, denn ich hab nie wieder etwas davon gehört oder gelesen.

  12. CerxiS.de sagt:

    Ist denn nicht gerade das das Konzept, welches Nintendo von “klein auf” verfolgt hat? Weshalb Nintendo trotz der starken Konurenz immernoch oben mitspielt?
    Ich denke schon!

    Weise Worte die du da zu Tage gelegt hast :)
    Deshalb will ich auch das die Street Fighter Annyversary Collection endlich Abwärtskompatibel wird ^^ oder Spiele wie Kung Fu Chaos ;)

  13. Ich hab nie was von Kameo Co-Op Live gesagt. Ehrlich. Hier gabs auch nie eine Liste versprochener Downloads. Gehört davon hab ich allerdings, und angeblich kommt das demnächst noch.

  14. retro sagt:

    @Huxi: ich möchte Dir von ganzem Herzem beipflichten.

    z.B. fand ich den Co-Op von Splinter Cell eine echte “Revolution”.

    Ich möchte ich Zukunft auch mehr “miteinander” als “FPS/RTS-gegeneinander” sehen!

  15. n385055 sagt:

    @Boris

    Ich habe mir zumindest eingebildet, dass ich etwas in dieser Richtung in Deinem Blog gelesen habe, aber ich kann mich auch irren. Wenn dem so ist, dann entschuldige bitte.

    Ich hoffe trotzdem noch auf das Coop-Live-Update, aber bin auch schon sehr gespannt auf das kommende Dashboard-Update, welches ja gerüchteweise Montag erscheinen soll, was ich aber für eher unglaubwürdig halte. Kannst Du etwas dazu verraten?

  16. Wiesel sagt:

    Ich sehe das auch so. Der Onlinemodus gewinnt auch auf der Konsole immer mehr an Bedeutung. Die only Singleplayer Garde stagniert.

    Bei uns (4 Leute) war eigentlich der große und sicherlich aus letztendlich ausschlaggebende Grund, der geniale Onlinemodus der Xbox360, vorher schon Xbox. Wir treffen uns dort wenn wir uns nicht im Real-Life treffen können und reden einfach nur ab und zu oder zocken zusammen.

    Nur alleine um jeder für sich Zuhause zu spielen, hätten wir uns keine Xbox oder Xbox360 gekauft.

  17. iob sagt:

    Mich wundert das ehrlich gesagt auch das es schon seit jahren KEINE guten Coop Spiele gibt. Auf dem Pc ist das sowas von Mangelware – Doom und Quake, Systems Shock 2, Diablo und das war es dann au schon. Für Konsolen sah es da einige Zeit besser aus (Contra, Halo, Mario Kart) aber so der Hit ist es da auch nicht. Wie gerne würde ich Jade Empire Diablo Like zu zweit durchzocken, wer braucht da schon den Npc Teammate? :-)

    Gegeneinander ist oft nicht so toll, weil derjenige der die Konsole besitzt oftmals zu gut ist… Streetfighter schockt halt nicht wenn der eine die Moves aus dem FF kann :) .

    Zum Thema Onlinerollenspiele: Everquest hat den Coop Mode quasi erfunden – da kam man später nur weiter wenn man schon suchthaft 40-60 Leute hatte die sich 3 mal die Woche zum Drachenschlachten verabreden – WoW hat das ganz gut kopiert. Der Trick bei WoW besteht jetzt daran, dauernd neuen Content nachzuwerfen damit die Hardcorespieler auch bei Laune gehalten werden… :)

  18. Captain Future sagt:

    Sie sind definitiv noch nie an einer LAN Party gewesen, anders lässt sich die Lobhudelung der Konsolen gegenüber dem PC nicht beschreiben. Mit Spielen wie Flatout, Serious Sam etc. kann man die geilsten Gaudies haben. Am besten ist man eben in beiden Lager zu Hause, Konsole wie PC und dann braucht man solche dummen Vergleiche auch nicht.
    Und grad mit Xbox Live, geht man doch den Weg der Internetanonymität. Ein Grund wieso ich heute nicht mehr gerne Online mit unbekannten zocke, sondern nur noch mit Leuten die ich auch privat kenne. Das ist Social Gaming, und nicht das Spielen mit Leuten aus aller Welt mit denen man weder Freizeit noch Lebensweise teilt.

  19. Gregor.Neumann sagt:

    >> Social Gaming ist ein Spielablauf, der den Spieler nicht isoliert und unerreichbar in eine Welt versetzt, sondern eine Art zu Spielen, bei der Menschen irgendwie dabei sind. Das kann als Zuschauer sein, kann aber eben auch als echter Mit- oder Gegenspieler sein
    (…)
    >>Und nur mit Social Gaming wird das Videospielen richtig groß. Größer als jetzt.
    (…)
    >> Und natürlich gibt es weiterhin die Single Player, die Hard Core Spieler, die Videospiel-Besitzer seit zwanzig Jahren. Diese “Kernzielgruppe” wird ja nicht verschwinden.

    Hmmm, das wäre ein wenig wie die Unterscheidung zwischen Boxen und Social Boxen. Während sich Hardcore-Boxer mit Begeisterung die Nase platthauen, geht es beim Social Boxen um die Atmosphäre, die man auch als Zuschauer mitbekommt?

    Ich glaube, die Unterscheidung kann man sich sparen, denn der Sport ist derselbe. Was Nische und Massenphänomen voneinander unterscheiden sind Wahrnehmung und Präsentation. Das “Event” auf Neogermanisch.

    Wie Du richtig bemerkst, konnte man schon früher gemeinsam Spaß haben, zum Beispiel indem man abwechselnd die Level von Loadrunner gespielt hat. Oder Pong gegeneinander. Oder zusammen Adventures gelöst hat. Das war Social Gaming, auch wenn es die Eltern nicht geglaubt haben. Trotzdem blieben Videospieler eine Randgruppe.

    Was sich meiner Meinung nach geändert hat, ist die Einstellung zum Thema. Videospiele sind kein Kinder- und Freak-Thema mehr. Familienväter wie wir sind damit aufgewachsen und haben keine Berührungsängst. Der Rest ist normale menschliche Psyche: Wir sind zumeist Herdentiere und was man zusammen macht, macht mehr Spaß.

    >>Videospiele können im “Single-Player-Erlebnis” niemals mit dem Fernseher konkurrieren.

    So wie der Fernseher nicht mit dem Kino konkurrieren kann oder ein gemeinsamer Fernsehabend vs. Single-Player-TV. Oder Fußball live im Stadion vs. Multi-User-Fußball-TV vs. Allein-vor-de-Glotze-Sportschau-TV.

    Social Gaming ist eine richtige Beobachtung mit der falschen Bezeichnung. 90 Prozent aller Spiele haben eine “soziale” Komponente. Sie bringen Menschen zusammen, damit sie Spaß haben. Videospiele litten lange unter dem Vorurteilt, sie seien für die 5 Prozent der Bevölkerung gemacht, die keine Lust haben, mit anderen zu spielen. Und siehe da: Computer vereinsamen nicht automatisch und machen Menschen nicht zu seelenlosen Wesen, auch wenn man sie alleine spielen kann (nicht muss). Ergo spielt man auch mehr am Computer zusammen, auch Enkel und Opa, Mama und Tochter etc. etc.

    Kurz: Videospiele nehmen als eine Präsentationsform ihren natürlichen Platz in der Gesellschaft ein. Als Spiel, aber nicht als Social Game. Das ist ein Pleonasmus.

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