Captains Chair und Hendrix Gitarre

Von Boris, So, 12. Feb 2006 16:52

Samstag in Seattle und noch nix beruflich zu tun: Also ab ins Freizeit-Programm. Punkt Eins auf der Liste ist das seit 2000 eröffnete Experience Music Project, ein Museum rund um moderne Musik mit einem gewissen Fokus auf Seattles berühmtesten Musiker, Jimi Hendrix. Seit 2004 gibt es einen Anbau, das Science Fiction Museum, welches sich, na klar, mit meiner Lieblings-Literatur beschäftigt.  Rockmusik und Aliens, einen besseren Tag kann man sich doch gar nicht wünschen.

Das EMP ist allerdings zumindest zur Zeit eine langweilige Kiste mit überhöhten Preisen. Die Zahl der zugänglichen Exponate ist klein und wirr ausgewählt. Die Ausstellung der Musik des pazifischen Nordwestens, insbesondere des ganzen Grunge, ist natürlich vollständig wie auch der Hendrix-Bereich. Die Sonderausstellung zu den Anfängen des Hip Hops war sogar richtig klasse und informativ. Aber dann ist, ei der Daus, das Museum auch schon wieder zu Ende. (Die Bob Dylan Retrospektive war jetzt nicht so mein Ding). Dann gibt es noch einen, sicher sehr guten, “interaktiven” Bereich, in dem man Drums, Keyboard und Gitarre im Schnellverfahren lernen und sogar seine eigene CD aufnehmen kann, nur ist der Bereich am Samstag natürlich hemmungslos überlaufen. Ich saß schließlich verwirrt auf einer Bank, blätterte verzweifelt im Plan und fragte mich “Das kann doch nicht alles gewesen sein?” Ich hatte im Hinterkopf, hier hätten auch Jazz und andere Musikstile ein zu Hause, das beschränkte sich aber auf die Möglichkeit, an PCs von Compaq zwei alte Ella Fitzgerald Platten anzuhören.

Selbst der Museumsshop ist Müll. Es gibt keinen gescheiten Katalog, das Buch zur Hip Hop Ausstellung war vergriffen und der Focus lag eindeutig auf T-Shirts statt auf Hintergrundmaterial. Gut, das “Museum” steht in den USA, aber irgendwie wäre mir mehr Background und weniger Touri-Kommerz im Muesumsladen lieber gewesen.

Während man vom Shop des Science Fiction Museums das Gleiche sagen kann, ist das Museum selbst eine echte Wucht. Wer in der Gegend ist und nur ein bißchen Interesse an SF hat: HIN GE HEN! Was hier an Exponaten rumsteht ist  unschlagbar, Requisiten aus allen möglichen Filmen, Buch-Erstausgaben, selbst gebaute Modelle und zwei gigantische HiDef-Video-Installationen. Bei der einen kann man verblüffend einen Raumflughafen mit Raumschiffen von der Kanonenkugel zum Mond bis zum Planet Express aus Futurama an- und abdocken sehen. Die andere zeigt den Blick aus dem Fenster aus das Los Angeles von Blade Runner, die Welt der Matrix oder das futuristische Ambiente der Jetsons und durch eine geschickt platztierte Leinwand wirkt das Bild fast dreidimensional, so als ob man wirklich aus dem Fenster sehen könnte. Mein Lieblingsexponat ist das Original-Manuskript von Neal Stephensons Quicksilver-Trilogie: Ein mannshoher Berg Papier, denn Neal hat die knapp dreitausend Seiten mit der Hand geschrieben. Uff!

Leider darf man im Science Fiction Museum nicht fotographieren (und wird auch aktiv durch die Mitarbeiter daran gehindert) – ein Foto vom Original-Captain-Kirk-Sessel oder echten Kostümen vom Planet der Affen hätte ich hier gerne online gestellt.

4 Antworten für “Captains Chair und Hendrix Gitarre”

  1. Squall sagt:

    ….se…se…se…sechsundzwanzig Dollar?????
    Hi Boris, sag uns bitte daß 26,95$ Eintritt ein Scherz sind…

  2. AchimH sagt:

    Hmmm, danke für den schriftlichen EMP-Beweis. Ich kämpfe jedensmal mit mir ob ich mir das antue oder nicht und bislang hat mich der hohe Preis immer verschreckt. Nach deinem Bereicht werde ich wohl auch weiterhin draussen bleiben.

  3. freitag sagt:

    Neal Stephenson schreibt seine Bücher mit der Hand? Wow. War das hier eine Ausnahme wegen dem historischen Thema oder macht der das immer so?

    Ziemlich komisch jedenfalls für jemanden, der so mit dem Cyberpunk-Genre verbunden ist.

  4. Scumm sagt:

    So komisch finde ich das nicht. Der Arbeitsprozess eines Autors hat nicht zwingend was mit dem Inhalt seiner Werke zu tun.

    Auch wenn Hohlbein seine Texte von Hand schreibt, wird er wohl kaum bei seiner Hexer-Reihe auf Schreibmaschine und bei den neuzeitlichen Sachen auf PC umgestiegen sein.

    Naja, als Beispiel für einen Autor ist Hohlbein sowieso nicht sonderlich gut zu gebrauchen.

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