Reiseerlebnisse

Von Boris, Sa, 1. Apr 2006 20:02

Gestern abend eine lustige Flugreise gehabt. Von Dublin nach Frankfurt und dann nach München. Erstes Problem: Dublin hat Freitags den Verkehrsinfarkt per se, den Flughafen zu erreichen ist fast unmöglich, also für eine recht kurze Strecke drei Stunden eingeplant. Immerhin eine Stunde gebraucht. Dann hat die Maschine aus Frankfurt kommend Verspätung, (eine Stunde Verspätung) dann läßt uns die Flugsicherheit nicht vom Boden (weitere Stunde Verspätung). Zwei Stunden zu spät ist natürlich eigentlich an einen Weiterflug aus Frankfurt nicht mehr zu denken, die letzte Maschine nach München wäre ja schon eine Stunde weg. Kurz vor der Landung macht der Pilot aber eine erfreuliche Durchsage: Der Flug nach München wird noch erreicht, denn wir sitzen schon im Flieger – der wird von Frankfurt aus mit neuer Crew nach München weitergeschickt. Also Abflug am gleichen Gate wie Ankunft, A 19.

Beim Aussteigen merken wir aber, daß wir nicht auf A 19 sind, sondern auf B 48. Nun ist der Fraport dank einiger nicht ganz so intelligenter Umbaumaßnahmen im Augenblick für Fußgänger ein netter Hindernislauf, den wir aber gerne annehmen – denn in dreißig Minuten soll es ja weitergehen. Geschätzte Distanz zwischen beiden Gates: Etwa zwei Kilometer bei bestenfalls dreissig Minuten bis Abflug. Zweimal verlaufen, dann ist die Sicherheitskontrolle schon zu – zum Glück haben aber die Kollegen in der Spezialkontrolle für Rollstullfahrer noch auf. Hechelnd an A 19 angekommen, hat der Flieger aber  noch mehr Verspätung und wir Zeit zum Luftholen.

Dann kommt die freudige Nachricht, daß wir in den Bus einsteigen können. Bus? Richtig, der Bus fährt die zwei Kilometer zurück zu B 48 wo tatsächlich immer noch die Maschine von vorhin steht, die uns freudig aufnimmt. Der Pilot fliegt dann  mit einem Affentempo (noch nie einen so schnellen Approach gehabt) nach München und setzt um 0:28 Uhr auf. Zwei Minuten bevor der Flughafen aufgrund von Lärmschutzgesetzen schließen muß. (Das der am weitesten von einer Großstadt entfernte Flughafen Deutschlands derartig strikten Lärmschutz verordnet bekommen mußte, soll uns hier nicht weiter kümmern).

Und, logisch, obwohl ich mit Umwegen mit dem selben Flugzeug weitergeflogen bin, ist mein Koffer in Frankfurt ausgeladen worden und dort liegengeblieben. Ein freundlicher Kurier hat ihn mir gerade, knapp zwanzig Stunden nach der Landung, gebracht. (In diesem Sinne ein Lob an die Gepäckverfolgungs-Seite der Lufthansa – konnte mir jederzeit ansehen, ob sie meinen Koffer schon gefunden haben und per Mail Suchtipps geben).

Da ich doch noch irgendwie nach Hause kam, kann ich das Ganze amüsiert sehen. Während der zweiten Etappe hat unser Team zumindest viel hysterisch gekichert. Den Super-Clou gabs dann aber (leider?) doch nicht: Während wir vier Münchner noch weiterdurften, mußte unser österreichischer Kollege Thomas K. in Frankfurt übernachten. Richtig absurd wäre es geworden, hätte unser Flug die Landezeit in München verpaßt und wäre nach Wien umgeleitet worden – wo Thomas eigentlich hin wollte.

15 Antworten für “Reiseerlebnisse”

  1. dragoon sagt:

    kollege thomas k. ist gerade eben wieder in wien angekommen (etwa 24 stunden später als geplant). ich sag euch, ihr habt echt etwas verpasst. soviel spass wie am flughafen frankfurt hatte ich schon lange nicht mehr. ich könnte hier eine mindestens ebensolange geschichte über meine erlebnisse in frankfurt schreiben, machs aber kurz mit nur einem einzigen zitat (mitarbeiterin einer großen fluggesellschaft, nachdem ich zwei stunden am transfer center in der schlange gestanden hatte und es mittlerweile 1:00 uhr nachts ist): “der nächste flug nach wien würde morgen um 8:50 uhr gehen, da sind aber alle economy plätze schon voll ebenso bei der nächsten maschine. business wäre noch frei, aber da kann ich sie nicht hinsetzen, denn sie haben ja economy gebucht (stimmt, so ein upgrade auf einem inner-europäischen 1-stunden flug als entschuldigung für den ärger wäre auch zu viel verlangt; da lässt man die business sitze lieber leer). ich setze sie jetzt mal auf die warteliste und sie sind dann einfach morgen um 7:00 uhr wieder hier am flughafen.”
    den rest erspar ich euch, ihr könnt euch aber denken, dass ich natürlich keinen platz in den ersten beiden maschinen bekommen habe…

    diesmal gilt’s wirklich: nie wieder dublin.

  2. Noctem sagt:

    Die Erlebnisse kann ich bestens nachvollziehen, aber was ich mich wirklich frage, warum schickt eine bekannterweise am Hungertuch nagende Firma ihre Mitarbeiter economy und nicht business!?
    Bezieht sich eher auf den Kommentar Deines Kollegen (?).

    Ansonsten, sehr schöne Seite.
    Wenn ich hier lese denke ich immer an alte Zeiten, mit Power Play und Lucasfilm Adventures.

  3. EvilMonkey sagt:

    sehr amüsant zu lesen. hatte bisher noch keinen flugstress in diesen ausmassen. aber schön das du’s mit humor genommen hast. das machen leider nur wenige menschen.

  4. Oh, die Zeiten der Business Class sind lange vorbei. Microsoft läßt seine Mitarbeiter schon seit Jahren nur in Ausnahmefällen Business fliegen. Auch auf Langstrecken fliege ich grundsätzlich Eco und da sogar die preiswertesten Tarife ohne umbuchen und so.

  5. mafr sagt:

    Bin noch nie geflogen. Was gibts denn alles? First, Business, Economy? Dann wäre Economy ja die 3. Klasse? Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Muss die Xbox Abteilung wirklich zusammen mit dem gemeinen Pöbel fliegen? Nach dem gelungenen Europa, USA und Australi 360 Start? Ihr seid doch keine Japaner? :) ))

  6. Erzengel sagt:

    Da kann ich ja froh sein, dass der Zero Hour Launch Trip den mir Microsoft in die USA spendiert hat, reibungslos abgelaufen ist. :)

  7. Quandoz sagt:

    das erinnert mich an die seite nach Seatle… warum frankfurt chicago, wenn man einen kleinen umweg nach London nehmen kann? egal, gut, dass ihr wieder in Deutschland seit und antworten könnt :)

  8. retro sagt:

    oh ja, Frankfurt ist derzeit wirklich witzig, wenn man es nicht eilig hat.

    Schön, dass Du drüber lachen kannst!

  9. Muvon53 sagt:

    Das ist ja mal ein amüsanter Bericht ^.^
    Zum Glück ist ja doch noch alles gut gelaufen :)

  10. RickD sagt:

    Oh oh, du machst mir ja Mut. Ich flieg Ende des Monats nach Dublin. Und dann auch noch mit Ryanair. Das wird ja dann doppelt spaßig.

  11. Retrofanboy sagt:

    @RickD: Warum? Ryanair habe ich sehr angenehm in Erinnerung…

  12. RickD sagt:

    Bin noch nie Ryan geflogen und hab schon sehr gemischte Erfahrungsberichte mitbekommen. Insbesondere was Service und Kulanz im Problemfall betrifft. Naja, ich lass mich überraschen. Wird eh ein Chaos Trip: Nix Hotel buchen oder so, Auto mieten und auf eigene Faust die Insel erkunden.

    Es ist nur erstaunlich, wie sich der ursprünglich angegebene Flugpreis (1 cent für hin!) aufsummiert, wenn man erstmal alle Gebühren draufgeschlagen hat.

  13. pac sagt:

    Lustig.
    Ich hab Ende 2004 auf dem Weg nach Tokzo den Kellner im Flugzeug von London nach Tokzo gefragt, wann wir endlich abheben würden.
    Dabei waren wir schon irgendwo in der Nähe von Finnland. Ja.
    Ich hab dann gesagt, ich hätte nen Scherz gemacht…
    hat er mir nicht geglaubt.

  14. ro sagt:

    @Erzengel: Ich bin zur Zero Hour mit dem Auto gefahren, auf Nummer Sicher gegangen. ;)

    @Thomas & Boris: Jungs, in Frankfurt muss man doch immer an den diametral gegenüberliegenden Flugsteig laufen, das ist doch nix Neues. Und warum bucht MS immer noch Lufthansa? Einen viel lausigeren Service gibt es doch kaum noch.

  15. Duncan_Idaho sagt:

    Oh, oh…. da kenne ich auch noch einige schöne Gesichten die ich mit United beim Flug nach und von Amerika erlebt habe.

    Hinflug war im Sommer 1999… lief eigentlich alles recht gut bis ich in den Staaten ankam…. den dort sah ich meinen Koffer zum letzten Mal im gleichen Flugzeug verschwinden wie meinereiner…. Als ich nach 18 Stunden Flug von Stuttgart aus in Austin,Texas ankam wartete ich erst einmal vergebens auf den Koffer. Glücklicherweise hatte ich schon vorher ein Zimmer angemietet und konnte sofort eine feste Adresse nennen an der mein Koffer abgegeben werden sollte. Dummerweise waren sämtliche Körperpflegeuntensilien im Koffer gewesen (geistige Notiz: nächstes Mal Handgepäck)… United hielt es auch nich für notwendig mir eines der üblichen Notpakete auszuhändigen…. also erst mal mitten in der Nacht ein Taxi gesucht (War übrigens das einzige Mal, daß ich einen Terminal jemals so leer gesehen habe) und glücklicherweise meinen Vermieter wach vorgefunden (sagte ich schon, daß mein Flugzeug Verspätung hatte?)… Der Koffer kam übrigens deri Tage später an…. er hatte nur einen kleinen Umweg über Orlando, Florida und den gesamten Süden der USA genommen…. war den Leuten von United anscheined recht peinlich… so richtig erklären warum wollten sie es jedenfalls nicht.

    Eigentlich hätte mich das schon auf das folgende vorbereiten sollen… aber es kam noch besser.

    Rückflug ein Jahr später (Sommer 2000). Flug schon Monate vorher gebucht.

    Zuerst wurde ich vom Chemiesuchgerät angpiept: “Sorrry Sirrr, we´ve got to check your bagpack for bombs!” Nach der dritten kopfschüttelnden Untersuchung meines Rucksacks entschuldigte er sich und meinte, daß wohl die Kombination Schweinelederrucksack und antike Bücher wohl sein Gerät zum Spinnen gebracht hat.

    Weiter zum Schalter. “Sorry Sir, but we´ve changed the max. allowed suitcase weight. We informed you about this two weeks ago” Nie was erhalten… aber ich wollte mal nicht so sein… also Koffer aufmachen und alles Übergewichtige in eine bereitgestellte Kiste umgepackt. “Geht die Papp-Kiste auch nicht kaputt?” “Sir! We pride ourselves….blablabla”

    OK…. Flug von Austin nach Houston. “We are sorry… but because of the weather we can´t make the direct flight to Washington and have to land in Houston!” Also in Houston gelandet… eine Stunde im Flieger rumgelümmelt und dann wieder abgehoben.

    Flug nach Washington.
    “Because of the weather landing will be postponed….. All connecting flights will wait for you.”

    Mit 1 1/2 stündiger Verspätung landen wir also auf dem Dulles-Airport. Unser Anschlußflug steht wirklich noch. Allerdings haben wir nur noch 5 Minuten Zeit durch die Tür zu gehen. Wer Dulles kennt, weiß das dieses Gebäude sehr lang ist…. Wir sind mit unserem Flug am einen Ende des Gebäudes gelandet…. und wie nicht anders zu erwarten wartet der Anschluß genau auf der gegenüberliegenden Seite…. vorsichtigen Schätzungen nach knapp 1 1/2 Meilen Fußmarsch… welche durch Umbauten auch noch zu einem netten Hindernisparcours wurden…. also rannte unsere Truppe aus knapp 10 Leuten die nach Europa wollten los (ein jeder mit etwa 10 Kilo Gepäck behangen). Der Sprint war weltrekorverdächtig…. leider schlugen sie uns die Tür genau vor der Nase zu. “Connecting Flight? We were never informed.”

    Neben mir stand eine “very british” Engländerin…. als die Leute uns erklärten das der nächste für uns mögliche Flug erst in 4 Tagen gehen würde und United auch nicht die Hotelkosten übernehmen würde… sah ich diese Enländerin plötzlich in einem ganz anderen Licht: Nie mehr vorher und nacher sah ich jemanden so zur Schnecke gemacht worden. Die sprachliche Eleganz war immer noch very british… aber absolut ohne jegliche coolness die man den Briten ja sonst so nachsagt. Der Mann am Schalter war nach dieser etwa 5minütigen “Behandlung” nur noch ein Schatten seiner selbst (eine reife Leistung bei einem Bär von einem Mann der vorher vor Ego nur so strotzte).

    Man einigte sich darauf, daß wir den nächsten Flug nach London bekommen würden und von dort dann nach Frankfurt statt Stuttgart fliegen würden. Essensgutscheine und Telefonkarten wurden uns ausgehändigt und wir genossen die kulinarischen Einrichtungen (Gutscheine waren für Burger King und Konsorten…;))

    Knapp drei Stunden später waren wir auf dem Weg nach London…. In Heathrow angkommen erfuhren wir, daß wir eine halbe Stunde hatten unseren Flugsteig zu erreichen…. einer meiner Mitreisenden meinte das sei ja noch genug Zeit… armer Irrer… es war übrigens Montag.

    Nur knapp kamen wir bei unserem Flugsteig an und erfuhren, daß wir unser Handgepäck so nicht mitnehmen durfte, da es zu schwer sei…. (Pikanterweise hatte United uns nicht gesagt, daß sie uns bei einer anderen Gesellschaft ihres Verbundes für unsgebucht hatten und diese völlig andere Gepäckbestimmungen haben.) Also erneut umgepackt.

    Endlich in Frankfurt angekommen sahen wir alle einer Horde Zombies ähnlicher als Menschen (kein Wunder bei 48 Stunden unterwegs… Schlaf war nicht wirklich möglich gewesen) und mußten uns noch dem deutschen Zoll stellen…. Was erstaunlich glatt ging angesichts unserer bisherigen Oddysee.

    Auf jeden Fall war dies ein prägendes Erlebnis…. welches ich sonst nie mehr so erleben durfte….. ich bin ja auch seitdem nie mehr mit United geflogen…

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