“Unrated” geht einfach nicht

Von Boris, Mo, 24. Jul 2006 00:56

Einige Kommentar-Schreiber haben es ja schon richtig erraten und erklärt, hier aber nochmal in epischer Breite: Für Spiele ohne USK-Rating kann die Xbox nicht einfach ein “Unrated” einführen, damit die Spiele doch auf den Markt kommen können. Denn daß ein Spiel kein Rating hat, kann viele verschiedene Gründe haben.

  • Der Publisher hat das Spiel nie bei der USK eingereicht, aus Faulheit oder Sparsamkeit (kostet ja Geld). Dann kann das Spiel theoretisch jede beliebige Altersfreigabe haben, nur praktisch keine. (Und gegen diesen Fall richtet sich im Rest der Welt die “Kein Spiel ohne Altersfreigabe”-Regel auf Xbox 360).
  • Das Produkt fällt in die Kategorie “Infoprogramme” und braucht gar kein USK-Rating (kommt wahrscheinlich auf Xbox nicht vor, aber sei zur Sicherheit mal erwähnt).
  • Dem Spiel wurde von der USK eine Altersfreigabe verweigert – dann ist es beinahe “Ab 18″, aber eben nur so lange bis
  • die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien  den Titel indiziert oder
  • die Staatsanwaltschaft den Titel beschlagnahmen läßt
  • oder das Spiel ist ein reiner Download-Titel, der nie auf Disk erscheinen wird (Beispiel Handygame) – da fühlt sich die  USK auch nicht zuständig, da nur Spiele gerated werden, die auf Datenträger verkauft werden könnten. (Ist bei Xbox Live Arcade natürlich tricky, aber da kommen ja ab Herbst auch Disk-Versionen, und daher rated die USK auch hier).

Und da die Xbox einer Disk ohne Altersfreigabe niemals ansehen könnte, aus welcher der Gruppen sie stammt, kann man auch nicht einfach “Unrated = 18″ sagen, denn es könnte sowohl für Kinder geeignet wie auch sogar für Erwachsene verboten sein. Da Indizierung oder Beschlagnahme nach der Veröffentlichung stattfinden könnten, die Altersfreigabe für den Jugendschutz aber in den Diskdaten enthalten sein muß, sind entsprechend gefährdete Titel einfach nicht in das Jugendschutz-System einzubinden.

10 Antworten für ““Unrated” geht einfach nicht”

  1. Souljumper sagt:

    Verständnisfrage:
    Wenn ich ein Spiele hab, das mit “ab 18″ eingestuft wurde und dieses nachträglich Beschlagnamt wird(z.b. Manhunt), dann kann ich das Spiel trotzdem weiterspielen auf meiner Konsole?! Oder schiebt Microsoft dann bei einem späteren Update eine Änderung nach, die verhindert das besagtes Spiel dann auf meiner Konsole startet(z.B. wenn im Gamertag angegeben ist, dass ich in Deutschland lebe)?

    Nein oder, ich mach mich zwar strafbar, aber Microsoft ist das “egal”?!

  2. Manhunt hat keine “Ab 18″. Der Titel wurde der USK nicht vorgelegt und in Deutschland nicht veröffentlicht.
    Ich halte es für extrem unwahrscheinlich, daß die USK jemals einen Titel derart wohlwollend bewertet, daß ein Staatsanwalt danach jemals eine Beschlagnahmung anstrengen würde.
    Und nein, die Altersfreigaben eines Spiels können nicht nachträglich geändert werden, die sind auf der Disk eingebrannt. Daher kommt ja auch die ganze Problematik hier.

  3. Rikibu sagt:

    Dann hoffe ich mal für Microsofts Weihnachtsgeschäft und für die Spieler, das Gears Of War mindestens eine 18er Freigabe bekommt und es keine Prüfverweigerung gibt. Falls doch, kann man sich schon hierzulande auf die Krüppelversion freuen oder das Game kommt hier gar nicht – und vor allem darauf das Microsoft die Vorlaufzeit zu anderen Mitbewerbern in meinen Augen softwaretechnisch so gut wie nicht genutzt hat.
    Sorry, das musste ich jetzt mal sagen… bin etwas frustriert, warum man diese Vorlaufzeit einfach so verstreichen lässt. Ich hatte mir ein kontinuierliches Feuerwerk und ständige Belieferung von Software erhofft.

  4. NS6 sagt:

    Hm das ist sehr informativ von dir Boris, aber warum muss DE immer das Schlusslicht sein bei sowas? Sehen wir es doch mal so, die Games bekommen immer zu erst die anderen, meist USA vor irgendwelchen anderen Ländern. So auch mit Chromehounds. Vor dem Relase in den USA ging da garnix, damit sich faire Europäer ja keinen Vorteil erspielen können, und nach dem Relase in den USA macht das Game keinen Spass mehr weil andauernd irgendwelche Wartungen da sind, welche angeblich nichts mit SEGA zutun haben.
    Ok, da gehört zwar nicht zum artikel, aber es nervt.

    Zur USK, also die ist sowas von lahm, da ist meine Oma ja mit 80Jahren noch schneller, und die trägt Glassbausteine in ihrer Brille. Gnaaa…
    Sind die ganzen Publisher etwa der Meinung das es nicht lohnt für DE nen Spiel an die USK zu geben, oder was ist da los? Da hätte ich mir auch kein 360 kaufen müssen, nur um dann wieder auf die geilsten Games verzichen zu müssen nur weil die USK es mal wieder nicht hinbekommt, oder irgendein Publisher zu dämlich ist dazu.

    …bin ich vom Thema abgekommen…. ?

  5. DerOutlaw sagt:

    @NS6:
    Deine Kritik an den Publishern und der USK versteh ich jetzt nicht so ganz.
    Die USK macht auch nur ihren Job, ihre Vorgaben bekommt sie aus der Politik.
    Und ich finde eigentlich, dass sie ihren Job unter den gegebenen Voraussetzungen recht gut macht. Die Anzahl der Titel, denen ein Prüfsiegel verweigert wird hält sich ja doch arg in Grenzen. Ebenso wie die Anzahl an Titeln, bei denen durch Veränderungen am Spiel, das Spiel selbst drastisch verändert wird, nur damit es in Deutschland erscheinen kann.

    Und was genau stört dich am Verhalten der Publisher?

    Es ist halt nun mal so, hierzulande stört man sich an allzuviel (gelegentlich sinnloser) Gewalt, in den USA an “nackten Tatsachen”, siehe den HotCoffee Mod für GTA:SA oder die Änderung des Ratings für Oblivion hoch auf “Mature” unter anderem wegen eines 3rd-Party (!) Nacktmods.

  6. quickie sagt:

    @NS6

    Habe ein Jahr in Australien verbracht, was dort zum Thema Jugendschutz los ist, lässt Deutschland harmlos erscheinen… Dort wurde z.B. Marc Eckos: Getting Up indiziert… *kopfschüttel*

  7. t1l0 sagt:

    Dass Spiele wie Dead Rising überhaupt in so eine Situation kommen können, find ich lachhaft. Da gehört ein 18ner Stempel drauf, und fertig. Für Erwachsene wirds ja kaum zu “schlimm” sein *mitdenAugenroll*

    Naja, immerhin bleiben uns unsere deutschsprachigen Nachbarländer, also kommen wir Deutschen ja trotzdem noch recht einfach an solche Spiele.

  8. Souljumper sagt:

    >Und was genau stört dich am Verhalten der Publisher?

    Verbraucherschutz?!? wer informiert den Verbraucher das diese Version nicht die ist, die er aus previews o.ä. kennt? i.d.R niemand. im schlimmstefall kauft man sich ein spiel das gar nicht seinen erwartungen entspricht. z.b. quake4.

    hab viele freunde die sich weniger mit der thematk beschäftigen und sich dachte, da mach ich nichts falsch….von wegen, ätsch bätsch. kein blut und nutzloser onlinemodus.

    wenn dann richtig(uncut) oder gar nicht.

  9. DerOutlaw sagt:

    >Und was genau stört dich am Verhalten der Publisher?

    >>Verbraucherschutz?!?

    Na wenn NS6 es so gemeint hat, okay.
    Natürlich wäre es schön vom Publisher, auf der Packung darauf hinzuweisen, dass das Spiel geschnitten wurde. Wieviel geschnitten wurde und was das für Konsequenzen hat, hätte z.B. im Falle von Quake4 auch nicht unbedingt aus einem “Achtung, geschnittene deutsche Version” Aufkleber geschlossen werden können.

    Zumal ich die Vermutung habe, dass große Handelsketten so einen Aufkleber nicht unbedingt gerne sehen würden, da ihnen das wohl einige Kunden vergraulen würde.

  10. Rizzo sagt:

    Vielleicht bin ich ja zu blöd, das hier zu kapieren, aber ich steig da irgendwie nicht durch.
    Meiner Meinung nach ist es doch so, daß Medien ohne Alterfreigabe generell nur an Erwachsene verkauft werden dürfen, weil es ja jede Freigabe bekommen könnte und man daher erstmal von der schärfsten Freigabe ausgeht —> ohne Freigabe ab 18, weil höher geht es in Deutschland ( noch ) nicht.

    Indiziert bedeutet ja immer noch nicht, daß es verboten ist, es ist immer noch für Erwachsene ganz legal überall zu erwerben. Die verbundenen Werbeeinschränkungen haben doch nichts mit eingebauten Jugendschutzsystem der 360 zu tun —> das Spiel wird ab 18 Freigegeben, weil eine Indizierung praktisch nichts anderes ist.
    Gerade beim Thema Indizierung halte ich die vorgehensweise von MS als sehr schlecht, denn durch die Nicht-Veröffentlichung von möglichen Indizierungskandidaten entsteht immer wieder das Mißverständnis, daß ein indizierter Titel verboten ist, was er aber nicht ist. Egal ob nicht freigegeben oder indiziert, drückt dem Spiel ein ab18 Siegel auf und keiner kann sich beschweren. Ich versteh da ehrlich gesagt nicht die Problematik. Condemned kann ich trotz Indizierung immer noch spielen und, oh Schreck, es ist nicht mal die deutsche Version ( weil es die bekanntlich gar nicht gibt ) .

    Und was passiert denn, wenn z.B. Condemned in Deutschland beschlagnahmt werden würde, was ja rechtlich möglich ist, denn es muß ja nicht offiziell auch hier erscheinen. Wird es dann auf deutschen Konsolen gesperrt ?

    Diese Art der Firmenpolitik halte ich für den größten Blödsinn, den man sich ausdenken kann, denn rechtlich spricht nichts dagegen auch Medien ohne Alterfreigabe hier in Deutschland zu veröffentlichen, denn in jedem Fall dürfen die nur noch an 18jährige verkauft werden, ob ab 18, ohne Freigabe oder indiziert… Daß das deutsche Jugendschutzsystem daran schuld ist, ist klar, aber MS muß es ja nicht künstlich verschärfen, in dem man bestimmte Titel gar nicht mehr veröffentlicht. Die Gefahr einer Beschlagnahmung ist ohnehin sehr gering, ich kann mich kaum an eine handvoll Titel erinnern, die das Schicksal ereilt hat.

    Ich bin gespannt, wie bei GoW gehandelt wird, aber egal was kommt, als mündiger erwachsener Bürger dieses Landes kann ich es ja, wie viele andere Spiele auch, aus Österreich beziehen, ohne rechtliche Probleme befürchten zu müssen – es ist eben nur kundenunfreundlich…

    MfG Rizzo

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