Jugendschutz-Kommentare

Von Boris, Sa, 12. Aug 2006 12:00

Daß die Jugendschutz-Diskussion sich im Kreise dreht, liest man gut an den knapp 50 Kommentaren, die mein letzter Beitrag zum Thema Jugendschutz hervorgerufen hat. Viel neues war nicht dabei, das lesenswerte (auch bei kontroversen Meinungen) hab ich freigeschaltet, mir und anderen aber das Lesen langer Pamphlete mit den ewig gleichen Meinungen erspart.

Dies hier ist mein privates Blog und hier wird, natürlich, meine private Meinung vertreten. Als Blogdikatator habe ich auch wenig Interesse, ewig und immer die gleichen Antworten auf die gleichen, in meinen Augen entweder blödsinningen oder totgekauten Meinungen zu geben. Deswegen hier in Kurzform meine Anmerkungen.

Man muß in Dead Rising / Saints Row / beliebiges anderes Spiel ja gar nicht die ganz brutalen Sachen, die du beschrieben hast, machen“. Wenn dem so wäre, macht mich das dann besonders wütend. Diese Programmierer bauen also extra menschenverachtende Sachen, die gar nicht notwendig sind, als Garnitur ein? Dafür hab ich kein Verständnis, denn das ist Brutalität um der Brutalität willen und nicht notwendiges Element, welches die Erzählung der Story vorantreibt.

Dead Rising ist doch lustig und nicht brutal“. Vielleicht ist genau dieses das Problem? Wesen auf brutale Weise töten macht Spaß? Ich habe volles Verständnis dafür, wenn die Jugendschutz-Behörden in Deutschland das hier nicht zulassen wollen.

In der Tagesschau werden viel brutalere Sachen gezeigt“. Die ist nicht interaktiv mit der Aufforderung an den  Zuschauer, diese Greueltat  per Controller jetzt auch zu versuchen. Ich hab auch noch nie 16-jährige in der S-Bahn sagen hören “Eh, hasse gestern krasse Tagesschau gesehen, ham se im Irak mit ner geilen Carbomb wieder sechs Homies durch die Luft gepustet.”

Die Software nicht zu bringen oder zu beschneiden fördert ja nur die Nachfrage der Kids nach den Uncut Versionen“. Was ist denn das für ein doofes Argument? Weil meine verschlossene Haustür dem Einbrecher sagt, hier gäbe es was zu holen, laß ich die Tür immer sperrangelweit offen? Das insbesondere im PC-Bereich die ultrabrutalen Sachen dann unter der Hand kopiert werden, mag ja sein, aber das ist dann gleich doppelter Gesetzesbruch. Die Antwort darauf muß dann ja wohl noch härterer Kopierschutz sein.

Jugendschutz schön und gut, aber Erwachsene sollen selbst entscheiden können, was sie spielen“. Das ist natürlich eine Gratwanderung ohne Gleichen, aber man sollte sich im Klaren sein, das eine totale Freigabe aller Veröffentlichungen interessante Nebeneffekte hätte: Neonazis dürfen dann auch beliebig sagen, was sie wollen, radikale Islamisten dürften frei zum Morden aufrufen, und so weiter. In keinem Medium gibt es die absolut “freie Rede”. Das im deutschen Wertesystem aufgrund der Vergangenheit in diesem Jahrhundert das Thema “Gewalt” ein sensibles ist, sollte man bitte akzeptieren. Nochmal ein Vergleich mit der Porno-Branche: Bei uns in Deutschland ist eine Menge Erotik in frei zugänglichen Medien erlaubt, Erwachsene haben sehr einfachen Zugriff auf “harte Pornos” – aber bei bestimmten Sexualpraktiken ist Schluß, die finden auch bei Beate Uhse nicht statt. In USA ist die freie Erotik wesentlich eingeschränkter. In Holland kommen Erwachsene umgekehrt auch an Sachen ran, die in Deutschland verboten sind. In Deutschland ist Postversand von harter Pornographie nicht möglich, die Österreiche schicken auch härteres Material problemlos per Post. Das sind nun mal die Regeln, im jeweiligen gesellschaftlichen Prozess aufgestellt. Erwachsene können in Deutschland nicht frei entscheiden, welche Pornos sie sehen, mit welcher Geschwindigkeit sie durch eine Tempo 30 Zone fahren und wieviel Geld sie dem Staat von ihrem Gehalt abgegeben wollen. Warum sollten Computerspiele ein regelfreier Raum sein? In Österreich ist dafür Tempo 130 auf der Autobahn, ohne Ausnahme.

Jeder, auch Kids, kennt doch den Unterschied zwischen einem Computerspiel und der realen Welt. Zombies gibt es nicht in echt“. Ach, die alte Nummer. Darum geht es auch nicht. Es geht mir, und da lese man mal meinen Blogeintrag genau, um die Tatsache, daß in den Spielen die Spieler für bestimmte Aktionen “belohnt” werden, die über eine bloße Gewaltdarstellung hinaus gehen. Und das (und nicht die reine Darstellung einer Blutlache) ist für mich deutlich zuviel. Es geht nicht um Zombies, es geht um “Stoß einen Unschuldigen vor die Zombies und mach ein Foto davon, das gibt Extra Punkte”. Und diese Verhaltensmuster, die kann es leider übertragen auch in der echten Welt geben: Hab Spaß an vollkommen unnötiger Gewalt. Sowas darf nicht vermittelt werden. Punkt.

So ein Spiel ist ein künstlerisches Gesamtwerk“. Nein, es ist ein kommerzielles Produkt, darauf ausgelegt, möglichst viel zu verkaufen. Viele Spiele stoßen bewußt und absichtlich an Grenzen des Geschmacks und der ethischen Systeme, um damit Kasse zu machen und nicht, weil dahinter ein Künstler sitzt, der der Gesellschaft eine “Aussage” machen will. Wieviele Leute, die hier mit dem Begriff “Kunst” hantieren, können jeweils zehn berühmte Maler, Bildhauer, Aktionskünstler  und Komponisten des 20. Jahrhunderts nennen?

Zigaretten und Alkohol werden auch frei verkauft“. Ja, finde ich so auch nicht gut. In einer konsequenten Politik müsste es hier auch deutlich weiter gefaßte Werbe- und Vertriebsverbote geben.

Die Eltern sollen halt besser aufpassen“. Meine Rede. Sie tun es aber nicht, sonst hätten wir nicht diese Probleme mit Jugendlichen, wie sie wöchentlich in den Medien zu lesen sind. Über Gründe, Hintergründe und gesellschaftliche Verantwortung kann man lange reden, hier ist nicht der Platz dafür, aber es bleibt übrig, daß ein Abschieben auf die Eltern, damit man selber an moralisch fragwürdige Inhalte rankommt, heute ziemlich realitätsfremd ist.

Hostel und Hills have Eyes sind viel brutaler und trotzdem im Kino“. Siehe Tagesschau und Interaktivität und Abschreckung und moralische Bewertung und Aufforderung an den Spieler/Zuschauer.

Ich bin Österreicher/ich besorg mir die Version aus Österreich.” Gruß nach Austria und Glückwunsch, daß die Jugendschutzdiskussion (noch) nicht derart bei Euch angekommen ist. Vielleicht kann jemand anderer als ich mal in einem Forschungsprojekt nachweisen, das z.B. Jugendkriminalität oder Amokläufer-Quote in einem Land mit laxeren Jugendschutz-Bestimmungen auch nicht höher ist als bei uns. Das  könnte man dann mal tatsächlich als Argument anführen.  Und gegen den freien Warenverkehr in der EU kann man natürlich auch nichts machen. Da muß sich der Gesetzesgeber (siehe auch Pornos aus Österreich) schon mal fragen, wie denn das System auf einer Europäischen Ebene funktionieren kann. Das es Schlupflöcher gibt stellt aber nicht das System insgesamt in Frage.

Wieso darf die USK entscheiden, was ich spielen darf“? Weil in einer Demokratie immer eine(r) gewählt oder bestimmt wird, der stellvertretend für Alle entscheidet. Zum Beispiel den Mehrwertsteuersatz. Will hier einer freiwillig 19% zahlen? Die gewählte Regierung hat das aber bestimmt, und so funktioniert nun mal so was wie ein Staat. Die USK hat den undankbaren Job, die Standards der Länder (Jugendschutz ist Länder- und nicht Bundessache) bestmöglich umzusetzen und sie tut, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, einen hervorragenden Job. Die Tätigkeit der USK beschränkt sich ja nicht auf fünf brutale Spiele im Jahr, sondern auch um die spannende Frage, welche Spiele für einen sechsjährigen “erlaubt” sind. Ich glaube, daß auch so mancher bei der USK die Grauzone nicht gut findet, daß auch “Ab 18″ nicht alles erlaubt ist, weil die Möglichkeit der Indizierung mit ihrem anderen Wertecodex als die USK erhalten bleiben muß. Die würden wahrscheinlich  auch viel lieber einfach “Ab 18″ draufkleben und gut ist, statt im politischen Tretminefeld mehrerer konkurrierender Jugendschutz-Normen zu sitzen.

Man darf nicht denken, daß es in Deutschland lediglich zehn Politiker und zwanzig Leute bei der USK gibt, die Gewaltspiele verbieten wollen. Das ist falsch. Wenn man einer repräsentativen Gruppe der Bevölkerung Dead Rising zeigen würde und fragen würde, soll so was in Deutschland frei erhältlich sein, kann hier niemand mit Sicherheit sagen, ob die Hälfte der Befragten den Titel “zulassen” würden. Und so mancher Titel, den es hier schon “Ab 16″ gibt, würde den Repräsentativ-Test vielleicht auch nicht überstehen.

12 Antworten für “Jugendschutz-Kommentare”

  1. TheBard sagt:

    Vorab: Es ist schön, einen Beitrag zu lesen, in dem dieses sensible Thema nicht vollends realitätsfremd aufgenommen wird wie bei manchen Politikern, anderenfalls aber auch nicht in reiner “Ich darf doch entscheiden, was ich spielen will” Polemik ausartet.

    Zu Dead Rising, Condemned etc.: Ich gebe zu, ich mag diese Spiele. Sicherlich nicht, weil ich Gewalt zum Selbstzweck cool finde, aber die Konzepte beider Games interessieren mich und die Umsetzung finde ich gelungen. Hier in Deutschland ist es mir aber nicht vergönnt, ohne weiteres an die Spiele heranzukommen. Ich habe großes Verständnis dafür, dass Jugendliche von derartigen Inhalten ferngehalten werden müssen, aber das momentane Bewertungs- und Vertriebskonzept finde ich äußerst mängelbehaftet.

    Es gibt bekanntermaßen die Indizierung und die Beschlagnahmung. Indizierte Titel sind “besonders stark _jugend_gefährdend” und gehören auf keinen Fall in Kinderhände. Das finde ich gut und wichtig und da stehe ich auch voll hinter. Beschlagnahmte Titel enthalten Inhalte, welche auch für Erwachsene nicht erlaubt sind, meist auch aus gutem Grund. Diese werden dann vollends aus dem Verkehr gezogen.

    Doch sieht die Realität leider so aus, dass selbst Titel, welche eigentlich für Erwachsene geeignet sind (wie Condemned und Dead Rising, aber auch DVDs wie Starship Troopers oder The Rock), de facto selbst von Erwachsenen nicht mehr im Laden gekauft werden können. Und damit habe ich ein Problem. Wieso muss ich mir eine DVD, von der Vater Staat sagt, dass ich sie legal kaufen darf, aus dem Ausland importieren? Irgendwas läuft doch da falsch.

    Ich finde es bemerkenswert, dass die Xbox 360 ein funktionierendes und universelles Altersschutzkonzept hat. Großes Lob dafür. Und von einem wirtschaftlichen Standpunkt aus ist ein Verzicht auf den Vertrieb von Toptiteln wie Condemned und Dead Rising sicherlich auch nichts, was man gerne macht, zumal vor allem DR einer der ersten richtigen Systemseller Titel (mit Ausnahme von PGR3) zu sein scheint. Und obwohl es für erwachsene, an diesen Titeln interessierte Gamer recht unbequem ist, finde ich diese getroffene Grundsatzentscheidung für einen funktionierenden Jugendschutz beeindruckend und löblich.

  2. pac sagt:

    Toll! Ich mag diese viel zu brutalen Spiele und Filme auch nicht. Ich seh auch nicht, warum Kinder das dann sehen sollten. Die sagen zwar alle, daß es ihnen in ihrer Kindheit nicht geschadet hat, mal einen Horrorfilm gesehen oder ein Gewaltspiel gespielt zu haben (bis ich Volljährig war waren Gewaltspiele Mortal Kombat und dieses 3DO Prügelspiel, PC mit DOOM und Quake hatte ich nicht, nur Konsolen).
    MK hab ich nicht gekauft, nicht gespielt. Horrorfilme in echt nicht geschaut, außer paar wenigen, Gesichter des Todes wollte ich auch nicht sehen, aber ich denke die Gewaltanimes haben gereicht. Urotsukidoji und Crying Freeman, Akira und Bubblegum Crisis. Lachhaft aus heutiger Sicht, damals das härteste was ich kriegen konnte.

    Ich finde deine Einstellung gut, ich finde die USK gut, ich finde es nicht unbedingt gut, daß Importe generell nur für Volljährige sein sollen, daß der Versand dieser etwas schwierig ist und das ich auf meinen PS2 Spielen sitzen bleibe, weil die niemand will und ich sie nicht bei ebay anbieten darf. Manhunt hab ich aus Neugier gekauft, aber angewiedert und gelangweilt recht früh wieder weggelegt. Und diesen Sommer im Hof verbrannt.

  3. Rizzo sagt:

    Erstmal ein Dank dafür, daß Du meinen Kommentar für lesenswert hälst. Daaanke !!!

    Und bevor die Befürchtung auftaucht, ich würde hier jetzt wieder jeden Punkt auseinander nehmen wollen und mich dabei auf wiederholende Aussagen stütze, will ich nur sagen, daß ich zum größten Teil mit diesen Aussagen konform gehen kann.

    Im Kern bleiben die Kritikpunkte der deutschen Insellösungen, der fehlende klare Linie bei USK, FSK und Konsorten und des Generationskonfliktes ( “Hippie Musik ist für den Verfall der Jugend verantwortlich.”).

    Uups, war das jetzt ne Wiederholung?

    Thema für mich erstmal abgeschlossen… bis zum nächsten mal.

    MfG Rizzo

  4. Maniac007 sagt:

    Hallo Boris,

    ich lese sonst eher nur passiv mit, aber hierzu möchte ich auch mal einen Kommentar abgeben.

    Ich stelle den Sinn eines funktionierenden Jugendschutzsystems nicht grundsätzlich in Frage, aber deine Kommentare zum Argumenten “Jugendschutz schön und gut, aber Erwachsene sollen selbst entscheiden können, was sie spielen” und “Wieso darf die USK entscheiden, was ich spielen darf” ist hanebüchen!

    Im Gegensatz zur Meinungsäußerung von radikalen Islamisten oder Geschwindigkeitsbeschränkungen sind Computerspiele ein Vorgang, bei dem keine anderen Personen direkt beeinflußt werden.

    Gesetze sind dazu da das Zusammenleben zwischen Menschen zu regeln, aber nicht, was jemand alleine in seiner Freizeit macht ohne das Dritte davon betroffen sind. Auch in den USA darf man Pornos in seinen eigenen vier Wänden gucken, ohne das der Staat eingreift.

    Das ist ja auch gerade das verfassungsrechtliche Problem mit dem Politiker wie Beckstein wohl noch zu kämpfen haben…

  5. flynn sagt:

    Boris, ich muss ehrlich zugeben, dass ich Probleme habe zu unterscheiden was hier als inoffizielle MS Pressemitteilung, (in)offizielle Auskunft über MS Produkte oder private Meinung läuft. Ich würde hier lieber nur deine Privatmeinung, losgelöst von Xbox Aufregern und Co. lesen. Das nur imho als Verbesserungsvorschlag.

    Zum Thema: Ich denke es schadet der Diskussion das hier zwei Dinge vermischt werden, die hier zwar interagieren aber eigentlich doch separat sind: Jugendschutz und Zensur (nicht wertend gemeint). In Sachen Jugendschutz sind wir einer Meinung. Der Kram gehört nicht in Kinderhände.

    In Sachen Zensur vertrete ich eine laxere Einstellung als du, denke aber nicht dass das ein Thema ist das sich eignet um in den begrenzten Möglichkeiten eines Blogs diskutiert zu werden, das führt nur zu Totschlagargumenten ala Islamisten, Nazis und Kinderschänder.

  6. Hier ist alles mein privates Zeugs. Wenn hier mal auch Informationen zu Xbox 360 drinnen stehen, ist das mein privater Service. Aber danke, daß meine Privatmeinung interessanter scheint.

  7. Refrakt sagt:

    Also es ist erstaunlich, was leute reinlesen, wenn man seine persönliche Meinung schreibt. Trotzallem möchte ich hier einmal meine Meinung noch einmal wiederholen, die ich in dem vorigen Eintrag zu diesem Thema schon geschriebne habe.

    Ich bin zwar im Gegensatz zu Boris kein Vater, lebe einfach nur seit 3 Jahren in einer festen Beziehung, ohne Kinder. Meine Freundin und ich mögen (bis auf wenige Ausnahmen) die gleichen Filme und die gleichen Spiele. Aber, wir stellen unsere ab 18 Geschichten ausser Reichweite, wenn schon ihr 16 jähriger Bruder zu Besuch kommt. Genauso, sollten Eltern von Minderjährigen Kindern auch verfahren. Und es ist egal ob das Kind die Software in der Schule von einem Freund bekommt, oder au dem Internet runterlädt, Eltern haben dafür zu sorgen,daß ein “Kind” diese Software nicht nutzen kann.

    Ich hoffe ehrlichgesagt, daß die Kindersicherungsoption von Eltern genutzt wird, dann sind wir evtl. endlich mal dieses leidige Thema los.

    Warum muß ein politisches System überhaupt Software zensieren? Ganz einfach, weil das gesellschaftliche meist auf voller Linie versagt hat.

  8. xaan sagt:

    Eine kurze Anmerkung zum Argument, Zigaretten und Alkohol werden auch frei verkauft. Als ich das letzte mal im Laden war, gabs für beides noch eine Altersbeschränkung. Zigaretten und Bier-/Weingetränke ab16, harte Spirituosen ab18. Ganz harte Dinge wie etwa Absinth waren bis vor kurzem in Deutschland überhaupt nicht erlaubt.

    Ich kann hier keinen großen Unterschied zur Alterskennzeichnung von Videospielen erkennen. Allenfalls, dass alkoholische Getränke nicht indiziert werden können. Aber wie man am Beispiel Absinth sieht, gab es durchaus auch hier schon Vergleichbares.

  9. Superfrog sagt:

    Zum Thema Gewalt:

    Inwiefern diese in Spielen (oder generell) anstößig oder unterhaltsam ist, bleibt wohl Geschmackssache eines jeden einzelnen. Solange entsprechende Inhalte nicht gegen Gesetze oder Menschenrechte verstoßen, also LEGAL sind, kann ich nicht nachvollziehen, warum ich als mündiger Bürger unter den hiesigen Jugendschutzbestrebungen (die ich im Kern prinzipiell voll und ganz unterstütze) zu leiden habe. Fakt ist: An indizierte aufgrund von fehlenden USK-Ratings nicht angebotene Titel kommt Otto Normalbürger ohne Insider-Kenntnisse nur sehr schwer oder gar nicht heran. Das ist eine Form von Zensur, die ich nicht tolerieren will. Eine gesetzliche Freigabe ab 18 Jahren (die bitteschön auch überall streng einzuhalten ist) muss für Spiele und Filme die Obergrenze im Sinne des Jugendschutzes bleiben – alles, was darüber hinaus geht, ist Bevormundung und freiheitliche Einschränkung erwachsener Konsumenten.

    Zum Thema Dead Rising:

    Dieses Spiel nimmt sich offensichtlich nicht ernst und ist gleichermaßen Satire wie Hommage an Zombie-Klassiker von Romero und Co., die (zugegeben extrem) überzeichnete Gewaltdarstellungen beinhaltet. Entweder mag oder toleriert man so etwas oder eben nicht. Ich akzeptiere die Skepsis und die Abscheu vieler Leute bei dieser Thematik, kann aber nicht nachvollziehen, dass eben diese Menschen anderen Leuten den Spaß an der Sache absprechen und/oder ihn als krank abhandeln wollen. Gewalt ohne Augenzwinkern im Kontext der Story (wie zum Beispiel bei Saint’s Row) finde ich wesentlich bedenklicher als extrem übertriebene Spatter-Festivals in Spiel und Film.

    Gruß,

    Matthias

  10. Azazel sagt:

    Hallo Boris !

    Ich “kenne” dich nun schon fast ne halbe Ewigkeit ! Glaube das war noch zu 64`er Zeiten (Happy Computer ?) und der guten alten “Power Play”. Interessant zu sehen wohin es die Schreiber von damals verschlagen hat :-) .

    Zur Diskussion möchte ich im Grunde gar nichts sagen, allerdings würde mich persönlich interessieren was du von der “Resident Evil” Reihe hälst sofern du die Games gespielt hast. Gewalt kommt ja auch dort, in sehr großem Maße vor, allerdings finde ich das die Reihe auch eine tolle Story (sofern man das Horrorgenre mag) aufweisen kann.

    Gruß
    Azazel

  11. Wataru2001 sagt:

    “Wenn dem so wäre, macht mich das dann besonders wütend. Diese Programmierer bauen also extra menschenverachtende Sachen, die gar nicht notwendig sind, als Garnitur ein? Dafür hab ich kein Verständnis, denn das ist Brutalität um der Brutalität willen und nicht notwendiges Element, welches die Erzählung der Story vorantreibt.”

    Don Quichote gegen die Windmühlen auf beiden Seiten: Ich persönlich schaue mir gerne mal einen Horrorfilm an. Darunter auch Zombie/Gedärmfresserfilme ala George A. Romero (Dawn of the Dead, Day of the Dead, etc).

    Wenn man kein Fan dieser Filme ist kann ich das gut verstehen, allerdings sind Zombiefilme wirklich relativ harmlos. Kein Mensch würde auf die Strasse gehen und Gedärme essen, weil er einen solchen Film gesehen hat. Demnach finde ich diese Filme (aufgrund der extrem überzeichneten Gewalt) auch nicht wirklich schlimm für Menschen über 18 Jahren (da sind die ELTERN gefragt, nicht die Behörden => Unterlassene AufsichtsPFLICHT).

    Wesentlich schlimmer finde ich Dinge, die die Kinder tagtäglich im Fernsehen sehen. Ich frage mich da ernsthaft warum ein Film wie Men in Black ab 12 ist (Mensch wird gehäutet und danach als “Kostüm getragen” und weitere Geschmak-Massaker) und im Vormittagsprogramm laufen. Oder Matrix um 20:15 Uhr? Na ich weiß nicht…

    Genau so geht es mir mit “Sex and the City” und ähnlichen “harmlosen” Sendungen. Extreme Gewalt mag schocken, ist aber eben offensichtlich und demnach auch mit Kindern / Jugendlichen diskutierbar. Versuch das mal mit Szenen des “alltäglichen” Lebens, wie bei Sex and the City…

    Der moralische Verfall verläuft eben “Bottom-Up” und nicht “Top-Down”…

  12. Azazel sagt:

    Ganz einfach:
    Matrix & Co. werden, sofern sie FSK 16 sind, wenn sie um 20.15 laufen um einige Szene gekürzt.
    In “MIB” wird zwar eine Person gehäutet was aber nicht zu sehen ist. Desweiteren sind Figuren, Story und Ambiente mit viel Witz gespickt und überzeichnet so das es auch Leute ab 12 oder sogar darunter verstehen. Es spritz kein Blut, keine Menschen werde “sichtbar” getötet.
    “Sex an the City” ist ein anderes Thema, jedoch sind auch hier keine Grundlagen für eine höhere FSK Einstufunge zu finden. Die Themen scheinen für einige antößlich zu sein (sind so aber schon auf jedem SChulhof zu finden) und nackte Tatsachen gibt es auch hier nicht.
    Romeros Zombie Filme sind ebenfalls keine bloßen Gewaltfilme. Zumindest die ersten 3 (Night, Dawn & Day) beinhalten eine gehörige Portion Sozialkritik (welche sich im 2004 Remake von “Dawn” nur schwer finden läßt) und zeigen die so toll als “gedärmfresser Szenen” bezeichneten Szenen nur im geringen Maße.
    Auch ich mag solche Filme aber “Dead Rising” zeigt Gewalt einzig und allein aus vermarktungsgründen und um Konsumenten durch den Gewaltgehalt zu ziehen. Verstehe da Boris schon wenn er sich zb darüber beschwert das Menschen absichtlich getötet werden müssen nur um ein tolles Foto zu bekommen. Das Problem ist hierbei auch noch das dieses Handeln ohne Konsequenzen bleibt. Sicher gibt es solche Szenen auch im ein oder anderen Film, dort bekommt der Übeltäter (hier als der Photograf) früher oder später die Quittung und kommt nicht ungeschoren davon.
    Solche Szenen gibt es auch in Romeros Filmen nicht, höchstens ins billigen Zombieproduktionen und denen war das sterben des Genres Ende der 80`er ja auch zu zuschreiben.

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