Plot Confusion

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Wer “Casino Royal” noch nicht gesehen hat, lese bitte einen anderen Beitrag. Ist ja nicht so, daß hier jetzt unvorhersehbare Geheimnisse verraten werden, aber bevor man sich von meiner Meinung infizieren läßt, sollte man den Film gesehen haben - denn schlecht ist er nicht.

Nur zu lang, im letzten Drittel einfach nur krampfhaft verzweifelt durchkonstruiert und, am Ende des Tages, deutlich weniger wert als in manchen Kritiken beschrieben. Da wird dann immer erzählt, man würde in dem Film sehen “wie Bond zu 007 wird”, es wird gar das Wort “Charakterentwicklung” immer wieder benutzt.

Die Charakterentwicklung kann man spoilerfrei wie folgt zusammenfassen: In den ersten zehn Minuten tötet er zwei Menschen und schon beim zweiten Mord ist Bond ein kaltschnäuziger Killer ohne Skrupel. Dann kommt eine Verfolgungsjagd nach der anderen bei denen Bond meistens versucht, die Nicht-Ganz-So-Bösen Schergen nicht geradewegs umzubringen, beim Tod der echten Bad Guys aber diabolisch grinst. Gegen Ende wird dann eher konfus getötet und ganz zum Schluß - man sage mir jetzt bitte den charakterlichen Unterschied zum Schwarz/Weiß-Bond vor den Credits.

Die Actionszenen sind alle etwa 20% zu lang und werden im Verlauf der Handlung eher langweiliger und konfuser. In Venedig war mir nie klar, wieviele Gegner Bond jetzt eigentlich hat. Einige Dialoge sind wunderbar geschliffen (Bond vs. Lynd), einige hingegen nur vorhersagbarer Füllstoff (Bond vs. M).

Was ich allerdings mag: Die Titelsequenz fand ich grafisch sehr hübsch (aber sie hat keine nackten Frauen mehr!), Richard Branson als Mini-Auftritt (wer hat’s auch gesehen?), die optische Qualität der Spezialeffekte und die Tatsache, daß nicht immer alle Plotelemente haarklein erklärt werden sondern daß man, in den ersten zwei Dritteln zumindest, nicht andauernd für dumm verkauft wird und manche Sachen einfach wirken läßt.

Was ich nicht mag: Die verzweifelte Handlungs-Konstruktion am Ende, die selbst Bond dann doch nicht kapiert (”Die Schlampe…”), den einen oder anderen “Hier fehlen drei Minuten” Schnitt (zum Beispiel direkt vor der Duschszene muß was fehlen), den österreichischen Akzent des Dealers beim großen Spiel und dann das Kartenspiel selbst.

a) Männer in Dinner Jackets spielen nicht Texas Hold’em. Ja, das ist eine beliebte, strategische Poker-Variante, aber das falsche Spiel für Bond und LeChiffre.

b) Kartenkombinationen, die bis zum Ende des Universums nicht nochmal vorkommen können. In der entscheidenden Runde drei Full House und ein Straight Flush auf dem Tisch? Und sogar in aufsteigender Reihenfolge?

c) Täusch ich mich oder geht Bond in der letzten Runde All In obwohl er doch nur Le Chiffres Einsatz matchen müsste? Denn nur wenn er jetzt schon mehr Chips als Le Chiffre hätte, kann die Runde abschließen, und er setzt alles, was er hat.

Aber ich will auch nicht mein Geld zurück. Das ist ein guter Bond-Film (vergleicht man mal mit der letzten Brosnan-Katastophe “Stirb an einem anderen Tag”) und insbesondere ein “anderer” Bond-Film, der sich an die Vergangenheit erinnert, aber nicht darin schwelgt und einen eigenen Weg geht. Ich freu mich auf Craigs zweiten Auftritt als 007. Dann aber bitte mit deutlich weniger Mobiltelefonen, die bei Casino Royal ja das Einzige sind, was den Plot an sich vorantreibt.

22 Antworten to “Plot Confusion”

  1. fg Holo sagt am December 7th, 2006 um 0:27

    also ich fand den bond mal wieder mehr erfrischend als die letzten mit dem angestaubtem brosnan!

    die szene im zug wo er sich mit dem mädel das wortgefecht liefert ist einfach nur der hammer gewesen, da hat das ganze kino gebrüllt!

    das ende ist leider auch sehr kurios muss ich sagen und irgendwie zu schnell alles auf einmal!

    craig selber halte ich für einen extrem geilen bond der auch schon in layer cake sehr gut gespielt hat!

  2. Justus sagt am December 7th, 2006 um 0:48

    Wow! Du schaffst es fast, den Film “schlecht zu schreiben” - auch wenn du ihn gut fandest. :-) Es stimmt, der Film ist lang, aber ich fand jede Minute sehenswert und die Action-Sequenzen waren genial und meiner Meinung nach keinesfalls überlang. In Sachen Charakterentwicklung gebe ich dir allerdings Recht - da ist nicht viel. Macht aber nix! Meiner Meinung nach der genialste Bond seit langem.

  3. alien1972m sagt am December 7th, 2006 um 1:04

    moin

    also was mir noch viel mehr aufgestossen ist war das die geschichte ja erklären sollte wie bond zu bond wird also lange in der vergangenheit spielt aber lauter moderne dinge zu sehen sind.

    man haette es wenigstens ein bissel in die vergangenheit verlagern können.

    die anderen details sind wir einer meinung und ich habe Branson nicht gesehen.

  4. Jak sagt am December 7th, 2006 um 1:04

    hab den film zwar nicht geguckt, aber zum pokern kann ich dir ein wenig aufschluss geben…also zu c) mein ich…
    wenn er bei seinem all-in (wo er mehr chips hat als der gegner) verlieren sollte, hat er nur soviele chips verloren wie der gegner gesetzt hatte. mit dem all-in signalisiert man nur, dass man halt das maximum bietet.
    hoffe, das hilft dir ein wenig weiter dies zu verstehen. :)

  5. Rikibu sagt am December 7th, 2006 um 1:20

    Also ich kann mit dem Daniel Craig als Hauptdarsteller nix anfangen. Passt nicht, wirkt auf mich einfach nur komisch…

    Sind dir unlogische Sachen im Film aufgefallen?
    Da solls ja einige Fehler geben, einma ne Autotür die offen ist, ist in ner späteren Szene geschlossen usw.

  6. Winkeladvokat sagt am December 7th, 2006 um 11:41

    Bin selbst leider noch nicht dazu gekommen, “Casino Royale” zu sehen, habe den Text daher nur überflogen. Aber wenn Du Dich im letzten Absatz auf die letzte Brosnan-Katastrophe beziehst, meinst Du dann tatsächlich “Die Welt ist nicht genug”? Über den lässt sich zwar durchaus streiten (für mich ist er trotz Denise Richards der beste Brosnan-Bond), der tatsächlich Letzte im doppelten Sinne war aber doch “Stirb an einem anderen Tag”, oder? Übrigens einer der wenigen Filme, bei denen ich ein ums andere Mal auf die Uhr gesehen habe - verlassen würde ich einen Kinosaal aus Prinzip nicht ;-)

    Wie auch immer, an dieser Stelle nur ein Tip: “The Departed” ist grandios. Zwei Szenen sind zwar relativ missraten, können den Gesamteindruck aber nicht trüben.

  7. fool4u sagt am December 7th, 2006 um 12:27

    also mir hat er gefallen und hoffe jetzt das er auf HD-DVD rauskommt :)

  8. Boris Schneider-Johne sagt am December 7th, 2006 um 13:50

    Ja, natürlich war der Schmelzwasser-Film “Stirb an einem anderen Tag”. Hab’s geändert, danke sehr.

    Auf Bond in HD-DVD muß man lange warten. Sony hat MGM gekauft und der “Ocean Club” im Bond-Film verwendet ja auch vier Blu-Ray-Recorder um das (nicht hochauflösende) Videosignal der Security-Kameras aufzunehmen. Außerdem nutzt Bond intensiv Sony-Ericcson-Handys, Sony Laptops und eine Sony Cybershot ist auch zu sehen. Zu guter Letzt hielt sich lange das Gerücht, Sony würde eine Blu-Ray-Version von Casino Royale mit der PS3 bundeln.

  9. Murke sagt am December 7th, 2006 um 15:03

    Also hab ihn mir gestern reingezogen, fand ich eigentlich ganz nett im allgemeinen.

    ich als microsoft-anhänger konnte natürlich den massiven einsatz von sony-produkten nicht verstehen, es gibt wesentlich bessere handys, laptops als in dem film zu sehen waren.

    der akzent vom dealer ist wirklich grässlich. mit einem hauch vom wienerischen und dann doch wieder hochdeutsch.

    alles in allem ein guter film aber sicherlich kein meisterwerk :)

    achja der eine bank-vertreter der bond dann überweist, war der cheuffeur aus “arme millionäre” falls es einem aufgefallen is…

  10. DraMaticK sagt am December 7th, 2006 um 15:13

    Das Product Placement war wirklich ekelhaft penetrant. Vor allem die völlig überflüssige Fahrt im dem Ford und das ständige Hantieren mit der kompletten SE-Modellpalette. Für das Name-dropping der Uhren sind bestimmt auch nochmal ein paar $ extra geflossen.

    Filmisch hat mich insbesondere der Schluß genervt. Unlogisch und gezwungener Plottwist.

  11. gonknoggin sagt am December 7th, 2006 um 15:38

    Für ein Bundle “PS3 + Casino Royal Blu-ray” ist der Launch wohl, selbst in Europa, zu früh dran. Passender wäre da ein Bundle “Casino Royal (Kino) und ‘ne PS3″ dazu *g*

  12. gunatm sagt am December 7th, 2006 um 17:51

    @Boris

    Soviel hätte ich in den Anfang nicht reininterpretiert, aber wenn man es unter diesen Gesichtspunkten sehen möchte. Man würde nicht von einem Tag auf den nächsten 00-Agent werden und auf Meuchelmord-Missionen geschickt werden. Das Unreife und Jungenhafte (nennen wir es Testosteron-geladen überheblich) hingegen hat mir sehr gut gefallen. Ich kann mir vorstellen, daß einige das letzte Drittel als zu langsam empfanden, aber mir geht die Super-Schurken-Nummer im Klicki-Bunti-Outfit a la “tommorow never dies” sehr auf den Geist, und hier werden zumindest die Böswichte endlich wieder in glaubhafte Sphären heruntergeholt. Vom Neuanfang sehe ich den Film als eine Mischung aus “Goldeneye” (, der damals hätte der Neuanfang werden können) und Liebesgrüße aus Moskau. Deine Kritik finde ich nicht komplett gerechtfertigt, aber man muß Daniel Craig schon lobend hervorheben, da er aus einer doch recht konstruierten Handlung das beste herausholt. Ich hätte nie gedacht, daß jemand überhaupt versuchen würde diesen Stoff zu verfilmen.

    ps: Hier muß ich nochmals eine Lanze für “Liebesgrüße aus Moskau” brechen, daß sich auch auf der alten XBox toll spielt.

  13. fool4u sagt am December 7th, 2006 um 18:35

    was die Casino Royale HD-DVD angeht, ich kann warten - viel länger als Sony lieb ist ;)

  14. erale sagt am December 7th, 2006 um 19:01

    Ich glaube, dass die BluRay-Disc schon staub angesetzt hat, bis die PS3 in Europa auf den Markt kommt ;)

    Den Film fand ich anfangs auch sehr gut, den Schluss zu hektisch und teils auch verwirrend. Was wurde denn aus Bonds kleinem Freund? Der Aussage von Eva Green nach könnte man ja meinen er könne nur noch seinen kleinen Finger nehmen ;) Aber das ist ja eigentlich auch nicht so wichtig.

    Das schöne Auto kam auch kaum zum Vorschein. Und nach einer halben Minute Verfolgungsjagd wars auch schon kaputt. Aber daran kann man auch erkennen, dass sich dieser Bond von den alten deutlich unterscheidet. Daniel Craig hat Bond endlich mal einen Charakter verpasst.

    Das mit dem österreichischen Akzent hat mich irgendwann auch gestört. Am Anfang hatte der doch gar keinen oder? Und später kam der Akzent immer wieder sporadisch durch. Sehr nervig…

  15. DUC sagt am December 7th, 2006 um 21:56

    Ich fand den Film auch sehr gut. Bisher der beste Bond-Film für mich. Da das Ganze realistischer gestaltet wurde und mal nicht ein durchgenknallter Irrer die Welt bedroht. Bond hat diesmal echte Gefühle, er kann auch bluten und ist nicht mehr der “Alles allein Könner”. Auch die Handlung war um einiges anspruchsvoller als bei den Vorgängern. Ach ich finde Casino Royale einfach super!

    Nur das Produkt Placement ging mir auf den Keks. Gegen den Ford hab ich ja nichts einzuwenden, immerhin gabs bisher in jedem Bond Film ein Auto das immer ein wenig im Rampenlicht stand. Nur diese Sony Werbung war doch stark übertrieben. Labtops hier, Blu-Ray Player da. Aber auch kein Wunder wenn die den Film finanzieren.
    Mich grausts es schon vor für Spider-Man 3, Peter Parker (der ärmste Student New Yorks) zockt PS3. *g*

  16. DrElch2 sagt am December 7th, 2006 um 23:12

    Also ich fand den Film super (wie gesagt viel besser als alle Brosnan Filme, bis auf den wirklich guten Goldeneye, aber es war ja der selbe Regisseur am Werk).

    Eine Charakterentwicklung war doch sehr wohl da, vom zunächst grünschnäuzigen Killer der aus Überzeugung für die Gerechtigkeit kämpft aber auch den “Kick” genießt, zu dem Mann der sich verliebt und den Job aufgeben will um seine “Seele” zu retten und zuletzt dem tief erschütterten Bond der nicht mehr aus Gerechtigkeitssinn kämpft sondern zu der herzlosen Maschiene James Bond wird (deswegen auch die “Schlampe”, in dem moment tötet er seine Gefühle ab).

    Im making of hat man auch gesagt dass die tragische LoveStory der einzige Grund ist warum aus Bond der einzig beste Agent der Welt werden kann => um der Beste in diesem Job zu werden darf man keine Gefühle haben.

    Und zuguter Letzt, die Szene in der Dusche ist Genial und wer dabei nicht irgendwas (egal was) empfindet dem is nicht mehr zu helfen ^^

  17. dr.troy sagt am December 8th, 2006 um 18:00

    Unter der Rubrik “Film und Fernsehn” hab ich auf meiner Seite auch noch ein paar Goffs zu CR

    http://www.da-blog.de.vu

  18. sevenredseven sagt am December 10th, 2006 um 20:41

    Schade dass Sony seinen Aibo nicht mehr herstellt. ;)

  19. Falcon sagt am December 18th, 2006 um 2:40

    Ich hoffe, dieser Bond floppt ohne Ende. Leider siehts momentan nicht so danach aus.
    Ich kann diesen absoluten *********** und unpassenden neuen Bond-Darsteller nicht ausstehen. Und wenn die Gerüchte wahr sein, im zweiten Teil Bond Homosexuell werden zu lassen (oder auch nur angedeutet) können die mir sowieso gestohlen bleiben.

    Verdammt, ich will Brosnan zurück! Der war absolut passend.

  20. Tiuri sagt am December 24th, 2006 um 21:35

    @Falcon:
    Meines Wissens nach ist die Rede von einer homoerotischen Szene, gegen die Craig angeblich nichts einzuwenden hätte. Nix da von wegen Bond wird gay! Soweit würden die Produzenten nie gehen, wäre auch ziemlich unpassend da Bond nunmal als Frauentyp etabliert wurde und dies zu dem Charakter einfach dazu gehört.
    Sollte Dein Einwand natürlich nur kommen weil du homophob bist, dann tust Du mir einfach nur leid. ;)

    BTW: Ich fand Brosnan als Bond auch klasse!

    Gruß,
    Thommy

  21. retro sagt am January 12th, 2007 um 1:04

    Wer das Buch (und damit Ian Fleming’s “echten” Bond) kennt, wird von Casino Royale begeistert sein.

    Wer Austin Powers sehen will, wird halt von dem Bond weniger haben und sollte bei Roger Moore bleiben.

  22. ro sagt am February 10th, 2007 um 0:08

    Hab ihn dann auch endlich gesehen und muss sagen, dass ich recht begeistert war. Das Ende war das gleiche wie im Buch beziehungsweise im ersten Film. Für mich hätte M auch einen neuen Schauspieler bekommen können.

    Und ja, er hatte Momente von “Liebesgrüße aus Moskau” (best Bond so far) und auch den Bourne-Filmen, in der der Held auch noch glaubwürdige Aktionen hinbekommt, die nicht Roger-Moore-mäßig überzogen wirken.

    Ich mochte übrigens Timothy Daltons zwei Filme. Den letzten Brosnan habe ich bis heute nicht gesehen.

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