Zweihundert Minuspunkte an den deutschen Filmverleiher UIP Universal. Wie kann man einem derart perfekten Film wie “Hot Fuzz” einen derart hirnrissigen deutschen “Untertitel” geben? Nehmt ins Kino einen Filzstift mit und radiert die Unterzeile “Zwei xxx Profis” bitte auf allen Plakaten aus. Das hat dieser Film absolut ganz und gar nicht verdient.
Nick Angel ist der beste Police Officer in London; mit 400% mehr Verhaftungen als der Durchschnitt ist er aber nicht der Liebling der Truppe, sondern der Störenfried, der es unmöglich macht, daß jemand befördert wird. Also wird er befördert - nach Sandford, einer gemütlichen britischen Kleinstadt mit der Verbrechensrate Null.
Andere Filme würden diese Vorgeschichte in einer halben Stunde erzählen und dann langsam auf Touren kommen. Hot Fuzz hat das Thema kompakt, witzig und komplett in gut zehn Minuten abgehandelt. Das ist nicht nur mutig, dieses Tempo hält auch an. Mit zwei Stunden hat der Film theoretisch schon Überlänge aber, und das ist heutzutage ja fast einmalig, nicht einen einzigen Durchhänger.
Denn kaum ist Nick zwei Tage in Sandford, steigt dort die Quote mysteriöser Unfälle mit Todesfolge ganz massiv an. Und aus der bis dahin netten britischen Komödie wird ein Slasher/Horror/Cop/Buddy-Movie, der weiterhin schreiend komisch bleibt und in einem der famosesten Shoot-Outs aller Zeiten endet, der von John Woo bis Sergio Leone so ziemlich alles zitiert, was im Kino mal geschossen hat. Wohlbemerkt, zitiert und nicht plump und doof parodiert. Hot Fuzz macht sich nie über andere Filme lustig, sondern nutzt sie nur als Basiswissen, um Gags darauf aufzubauen.
Irrsinnige Liebe zum Detail, knackiger Schnitt, schöne Dialoge (selbst in der deutschen Synchro), klasse Schauspieler bis hin zum absolut brillanten Timothy Dalton als Supermarkt-Besitzer und möglicher (?) Bösewicht des Films - das nähert sich schon fast der Perfektion. Dazu noch die Erkenntnis, daß nichts in diesem Film Füllstoff ist und das selbst absurde Gags des ersten Drittels gegen Ende logisch und komisch wieder aufgenommen werden. Bitte anschauen!
Cornetto?

Ja, mein Lieblingsthema: deutsche Filmtitel und Taglines
Als ich die Tagline letztens im Kino auf einem Plakat gesehen habe, musste ich auch erstmal zehn Minuten Luft ablassen.
Leider läuft er hier in Hannover (noch) nicht in Originalton, deshalb werde ich auch die DVD warten müssen (kommt ja als Import meine ich schon bald raus).
Freue mich nach dem wahnsinnigen Trailer aber tierisch drauf.
Das Paradebeispiel schlechter deutscher Filmtitelübersetzungen ist IMO nachwievor “Zwei glorreiche Halunken”. Ich frage mich bis heute, wie die auf den Titel gekommen sind.
Vielen Dank für die Öffentlichmachung meiner Meinung zu diesem höchst seltsamen Untertitel
Der ist mir schon negativ aufgestoßen, als ich im TV durch Zufall ins Making Off geschaltet habe.
Ich bin schon ganz gespannt auf diese Mischung von Humor und Action.
Und das Paradebeispiel für die schlechteste deutsche Tagline dürfte die von “Unlucky Monkey” sein, die da lautet “Des Wahnsinns fette Beute” ^^
Deutsche Filmtitel sind doch eine Wonne. Einer meiner absoluten Lieblinge in diesem Bereich ist definitiv der Bud Spencer Streifen “Sie nannten ihn Mücke”.
Der Film heisst im Original nämlich “Lo chiamavano Bulldozer” - und man muss nicht unbedingt der Sprache mächtig sein, um erahnen zu können, dass es hierbei eine leichte Divergenz zwischen den Titeln gibt
Schöne Grüße aus Österreich. Bei uns hatte (laut österreichischem Internetrundfunk) der Verleih Verständnis und hat den Untertitel auf: “Zwei Bad Boys räumen auf” geändert.
“Heisse Bullen” (Jaja, 1:1 Übersetzungen…) hätte vermutlich zu Missverständnissen geführt.
Und 300 Minuspunkte an Dich Boris, dafür dass Du verpasst hast, dass es UIP nicht mehr gibt. Nennt sich jetzt UPI - Universal Pictures International.
Das aber nur am Rande, die Tagline ist wirklich das allerletzte. Marketingtechnisch ist allerdings auch die Beibehaltung des Originaltitels eine fragwürdige Entscheidung… Der Durchschnitts-Cineplex-Geher kann sich unter “Hot Fuzz” wohl kaum etwas vorstellen.
Zum Film selbst:
An “Shaun of the Dead” kommt “Hot Fuzz” nicht annähernd ran, so schlecht wie der besch… deutsche Untertitel suggeriert, ist er aber nicht. Der Film ist hochgradig albern und hat einige Längen, macht aber vor allem dank der sympathischen Hauptdarsteller durchaus eine Menge Spaß - wobei er im Original noch an Unterhaltungswert gewinnen dürfte, ich habe leider nur eine wirklich fürchterlich (!) synchronisierte Fassung gesehen.
Leider - und daher rühren auch einige der Längen - empfand ich zahlreiche der Anspielungen und Zitate schlicht als platt und völlig überreizt. Das gilt vor allem für die extrem drögen Schießereien - bei denen übrigens praktisch niemand getroffen oder gar ernsthaft verletzt wird, etwas überraschend, nachdem “Hot Fuzz” an einigen Stellen Splattereffekte auffährt, die eines indizierten Zombie-Streifens würdig wären…
Hauptschwachpunkt ist jedoch die einfach einen Tick zu abgefahrene Story. Bezog “Shaun of the Dead” seinen brüllend komischen Witz am Anfang durch die vergleichsweise subtile Überzeichnung der Alltagssituationen durch den Austausch lebender gegen untote Protagonisten, fährt “Hot Fuzz” in Punkto Gesellschaftskritik ziemlich abstruse Geschütze auf - von einer “logischen” Auflösung würde ich daher nicht reden wollen, lediglich einer “konsequenten” (und wenig überraschenden).
Egal, nicht jede Komödie kann so clever sein wie “Shaun of the Dead”. Solange ein Großteil der Gags sitzt und die Hauptdarsteller derart sympathisch fesseln wie hier, steht einem vergnüglichen Kinoabend nichts im Weg.
…und ich stimme Winkeladvokat natürlich überhaupt nicht zu - ich sortiere die Filme genau anders herum und finde Hot Fuzz gerade in der Handlung deutlich besser als Shaun (der im dritten Akt doch arge Schwächen hat).
Und bei JEDER Kino-Schießerei wird nie jemand verletzt. Genau das wird hier doch einfach nur wiederholt.
Und ich habe nicht eine Länge in dem Streifen gesehen. Im Gegensatz zum “Ende der Welt” (siehe Post der letzten Woche) fand ich in Hot Fuzz nicht eine einzige überflüssige Minute. Selbst die Nebenhandlung, wie sich Danny und Nick einander annähern, ist so was von auf den Punkt… da können sich zehn US-Movies dicke Streifen von abschneiden.
Und die drei Splatter-Szenen sind pointiert perfekt eingesetzt, knapp und knackig und schneller vorbei als man hingucken kann - da find sogar ich Blut-Gegner sie passend.
Die Krönung sinnlos-dummer deutscher Filmtitel ist immer noch “Cradle 2 The Grave”, der in Deutschland kurzerhand in “Born 2 Die” umbenannt wurde…
Apropos sinnlos dumm: “Ich glaub`, mich tritt ein Pferd”. Heißt im Original “National Lampoon`s: Animal House”. Nun ja.
Ich fand den Film mehr als gut, hat man wieder richtig spass gemacht zu gucken.
Aber der ultimative Filmtitel ist:
Original: The Page Turner
Deutsch: Das Mädchen, das die Seiten umblättert
@ Superfrog:
“Born 2 Die” ist definitiv ein guter Vorschlag, noch besser finde ich aber die Übersetzung eines Dolph Lundgren-Klassikers:
Da wurde “Black Scorpion” in Deutschland zu “Red Scorpion”
HiHi
oder umgekehrt…
Vielleicht sollte man den Filmtitelübersetzern mal Google Translate geben und denen die Baukastensoftware wegnehmen.
Ich denke mal, die sitzen vor einem Userinterface ähnlich einer Slotmachine.
Es gibt dann der Reihe nach:
[Artikel oder Zahl] [verrücktes Adjektiv] [Person(en) oder Ding(e)] [Ort oder Tat]
Dann noch ein Hebel, der munter durch die Datenbank randomt. Da kommt bestimmt ein Deutscher Filmknüller bei raus:
“Zwei” “irre” “Typen” “auf dem Highway”
“Zwei” “Nasen” “Tanken Super”
“Zwei” “Glorreiche” “Halunken”
“Drei” “Damen” “vom Grill”
etc. etc…
Und wenn das doch nicht so gemacht wird, unbedingt so eine Software schreiben und an die Verleiher teuer verkaufen! Natürlich geschickter verpackt…
Der deutsche Titel von Black Eagle (mit Jean-Claude van Damme) ist übrigens…… Red Eagle.
Auch schön finde ich den Film “A Man Apart” mit Vin Diesel.
Dessen deutscher Titel lautet: “Extreme Rage”
Englische Titel in andere, auch für den deutschen Normalkinogänger verständliche, ebenfalls englische Titel umzuwandeln ist dann auch die Krönung des Schwachsinns.
Ja, ich glaube bei Filmen kommen wir (also Boris und ich) nicht so furchtbar schnell auf einen gemeinsamen Nenner. Muss ja auch nicht sein. Bin übrigens auch der Meinung, dass “Shaun” im dritten Akt nachlässt - allerdings weniger heftig als eben “Fuzz”. Da wir uns aber schon bei der Bewertung des grundsätzlichen Storygerüsts uneins sind, müssen wir da nicht versuchen, uns gegenseitig vom Gegenteil zu überzeugen
Nur zur Schießerei: Also bei den meisten Kinoschießereien, die ich kenne, wird höchst oft gestorben, nur die Helden selbst werden eben nie getroffen. Hier sind zersprungene Marmeladengläser oder Blumentöpfe aber das höchste der Gefühle, trotz inflationären Munitionsverbrauchs. Als satirische Überzeichnung unrealistisch langer Schusswechsel sicher eine ganz nette Idee, nur eben leider über (gefühlte) 20 Minuten und mehrere Schauplätze gezogen und damit leider deutlich zuviel des Guten.
Die Splattereffekte (und ich zähle die “Kirche im Rachen” dazu
) sind übrigens auch meiner Meinung nach passend eingesetzt - und auch durchaus lang genug, um ausreichend hingucken zu können :))
Da in Punkto menschlicher Annäherung übrigens US-Movie-Bashing mitschwingt, möchte ich für Komödien aus Hollywood noch schnell ne Lanze brechen: “Sideways” ist sowas von auf den Punkt, da wären die Messer lange stumpf, bis sich “Hot Fuzz” genügend Scheiben abgeschnitten hätte. OK, der Vergleich hinkt, anderes Untergnere. Aber trotzdem
“A Man Apart” wollte ich auch gerade “lobend” erwähnen. Diese Titelmetamorphose ist in der Tat die Krönung des Schwachsinns.
Immer wieder ärgern könnte ich mich auch über “Home Improvement” -> “Hör mal wer da hämmert” …
Wie wärs mit “Schlappe Bullen beißen nicht” (Dragnet) oder “Ich glaub’ mich knutscht ein Elch” (Stripes).
Na ja, “Hot Fuzz” ist großartig als Bruckheimer-Parodie, “Shaun…” ist nach “Brain of the Dead” die beste Zombie-Parodie, aber halt eine ganze Ecke schräger.
Nein, nein. Ich meine schon “Red Scorpion” mit DOLPH. Guckst du hier: http://www.imdb.com/title/tt0098180/
Trotz desaströser Besetzung der Nachvorstellung (sechs Leute, inklusive mir) konnte auch ich keine Minute gähnreizauslösenden Leerlauf ausmachen. Das Tempo ist enorm, die Liebe zum visuellen und akustischen Detail grandios, die Charaktere und deren Schauspieler ein Traum. Meine Erwartungshaltung nach Shaun und Trailer war hoch und wurde weit übertroffen. Nach den hohlen, effektüberladenen Drittversions-Millionenschinken der letzten Wochen (Spinnenmann & Weltendepiraten) eine Wohltat. Ach ja, der Untertitel mag später wertvoll für die DVD-Verleihzahlen sein, dafür ist er pures Kinogift. Bin auf das Universal-Statement gespannt…
ich habe bis jetzt auch nur gutes davon gehört, aber der untertitel hat mich bis jetzt abgeschreckt da rein zu gehen… aber werde es wohl trotzdem versuchen.
apropo untertitel: dodgeball -> voll auf die nüsse - was soll das?
apropros originalfassung:
die englische dvd ist schon draußen und für unter 20 EUR zu haben.
Klingt gut, wenn man den Untertitel ignoriert.^^
Ich finde das alles nicht so verwerflich wie “Stirb Langsam 4.0″. Das tut weh.
Wobei ich (ohne den Film gesehen zu haben) Stirb Langsam 4.0 für witziger, treffender und insbesondere nicht so dumm-patriotisch wie “Live Free or Die Hard” halte.
hört sich ja gut an, was ich hier über hot fuzz zu lesen bekomme. ins kino werd ich dann aber nicht gehen, da gebe ich mir den film lieber auf hd-dvd
als dümmsten dt. titel hab ich da noch “ghettogangz - die hölle vor paris” im kopf. original titel: banlieue 13
“Hot Fuzz” hat mir sehr gut gefallen, allerdings würde auch ich “Shaun of the Dead” vorziehen. Aber das ist Geschmackssache, besser als so vieles was aus Hollywood kommt sind BEIDE Filme allemal.
Hat irgendwer Peter Jackson in dem Film erkannt? Hab gelesen er hat einen Cameo-Auftritt, soll aber verkleidet sein (als Santa?).
Ach ja, und wenn wir schon bei fragwürdigen deutschen Filmtiteln sind - wie wäre es mit diesen:
Young Sherlock Holmes –> Das Geheimnis des verborgenen Tempels
This Island Earth –> Metaluna 4 antwortet nicht
Airplane –> Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug
Meet the Fockers –> Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich
A Time to Kill –> Die Jury
Vacation –> Die schrillen Vier auf Achse
Batteries Not Included –> Das Wunder in der 8. Straße
Blast from the Past –> Eve und der letzte Gentleman
A Walk to Remember –> Nur mit Dir
The War –> Das Baumhaus
The Long Kiss Goodnight –> Tödliche Weihnachten (wovon eine Fortsetzung kommen soll hab ich gelesen - ohne Geena Davis! *tze*)
Oder englische Titel die andere englische Titel bekommen haben:
Deep Rising –> Octalus
Reindeer Games –> Wild Christmas
Waxwork II - Lost in Time –> Space Shift
Recht aktuelles Beispiel:
Pirates of the Caribbean –> Fluch der Karibik
^^
LG,
Thommy
Also bei Meet the Fockers finde ich den deutsche Titel aber besser.
Ergibt nur keinen Sinn aus Greg’s Sicht von “ihre Schwiegereltern” zu sprechen, niemand würde das so sagen. Eher “meine Eltern”, nes pas?
Öhm, wird das nicht etwas off-topic!? *Boris schuldbewusst anguck*
Hi,
also dann werde ich mir Hot Fuzz, aufgrund der meist positiven Kritik hier auch mal anschauen. Ich hatte ja etwas Zweifel.
Wo hier alle beim Thema komische Übersetzungen sind. Die schlimmste Filmtitelübersetzung ist doch mit Abstand die von ‘Gone In 60 Seconds’, die da lautet ‘Nur noch 60 Sekunden’. Erstens; falsch übersetzt, zweitens der Titel überhaupt nichts mit dem Film zu tun!
Auch nicht schlecht finde ich die deutsche Übersetzung von ‘The Rundown’. Achtung, jetzt auf deutsch: ‘Welcome To The Jungle’. Super.
Grüße
Halt, einen habe ich noch:
‘The Big Bounce’ auf deutsch: ‘Hawaii Crime Story’.
Gibt es da eigentlich namensrechtliche Probleme, dass die alle umbenannt werden? Oder gehört das einfach dazu, dass hier ein Film anders lauten muss als im Original?
Danke für den Hinweis Boris.
Der Untertitel weckte bei mir direkt negative Assoziationen mit diversen “Meisterwerken” deutscher Filmkunst aus den 80ger und frühen 90ger Jahren, oft mit Mike Krüger und Thomas Gottschalk in den Hauptrollen.
Ich hatte daher nach kurzem Blick auf das Plakat beschlossen, diesen Film möglichst zu ignorieren. Kann ja niemand ahnen, dass der gut ist, bei dem Titel.
Stirb Langsam 4.0 war ürsprünglich auch im Original als “Die Hard 4.0″ geplant. Und da bin ich mit Boris weil ich den Titel auch passender finde als “Live Free or Die Hard” - vor allem wenn man an den Plot denkt (der wiederum gefährlich nach Klischees riecht - aber ich hoffe das Beste).
So ganz kann ich die Aufregung um die “Eindeutschung” von Filmtiteln nicht verstehen - halte ich sie aus Sicht der Verleiher doch für absolut nachvollziehbar, auch wenn man den diversen Marketingabteilungen in Einzelfällen durchaus vorhalten muss, sich - gerade was die Taglines betrifft - ein wenig zu sehr auf die angepeilte Zielgruppe einzuschießen.
“Zwei abgewichste Profis” ist so ziemlich das übelste Beispiel der letzten Monate, geht aber durchaus konform mit den Vorstellungen von Herrn Steinschultes Truppe über die potenziellen Zuschauer.
Ansonsten finde ich es durchaus verständlich, dass man auf jenen (großen!) Teil des Publikums Rücksicht nimmt, der mit Originaltiteln entweder gar nichts anfangen kann oder sich die Zunge beim Versuch zerbricht, sie auszusprechen (wer die Freude hatte, in der Schlange für “The Descent”-Karten zu stehen, weiß wovon ich spreche
). Insofern ist es auch völlig nachvollziehar, englische Titel durch solche zu ersetzen, die zwar ebenso englisch sind, sich jedoch potenziell bekannterer Ausdrücke bedienen. Übrigens schon aufgefallen, dass Arthouse-Filme der Umbennenung erheblich seltener anheim fallen als Mainstream-Ware? Ein Schelm, wer denkt, da stecke Methode dahinter
Tatsächlich zählen zahlreiche der hier angeprangerten Titel zu jenen, die ich - vom Verleiherstandpunkt gesehen - als absolut vertretbar ansehe, zumal die Änderung umso vertretbarer ist, wenn schon der Originaltitel gründlich daneben war, siehe z.B. “The Long Kiss Goodnight” oder - um ein etwas aktuelleres Beispiel herauszugreifen - “Tenacious D in The Pick of Destiny”. Ein Film, der übrigens schlicht und ergreifend rockt.
Gerade “Fluch der Karibik” zähle ich zu dem Musterbeispielen hervorragender Titelanpassung an den deutschen Markt. Kurz, griffig und eine gute Symbiose aus “Pirates of the Caribbean” (der nur von einer sehr begrenzten Zahl deutscher Disneyland-Besucher mit dem dazugehörigen Ride assoziiert werden dürfte) und “The Curse of the Black Pearl”. Was dann aber dort völlig in die Hosen ging, war die Entscheidung, die Betitelung im Zuge der Fortsetzungen umzukrempeln und anzupassen. So wurde im Zuge der Evolution aus “Pirates of the Caribbean - Dead Man’s Chest” ein “Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2″, gefolgt von “Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt”. Die Übernahme des kompletten Originaltitels wäre dann der nächste logische Schritt für Teil4
Auch “Ghettogangz” ist passend gewählt - und nicht nur weil der Film tatsächlich völliger Mist ist. Frag doch den Durchschnittsdeutschen einmal, was ein “Banlieu” ist…
@Tiuri: Doch, “Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich” ist korrekt, schließlich ist die Rede von den Fockers. Beim ersten Teil heißt es hingegen “Meine Braut, ihr Vater und ich”, mit Bezug auf DeNiro.
@Boris:
Shaun of the Dead hat Schwächen im 3. Akt? Das kann ich nicht unterschreiben.
Der 3. Akt ist eine unglaublich gute Hommage an die besten Zombie-Filme. Nur weil hier die Lacher ausbleiben ist es kein schwacher 3. Akt. Man hat hier einen richtigen Horror-Film aus der Komödie gemacht, was ich für richtig hielt. Ansonsten hätte man auch Simon Pegg gegen Leslie Nielsen austauschen können und hätte dann “Horror Movie” (im Stil von “Epic Movie” oder “Scary Movie”) gehabt.
Ein Zombie-Film ohne Spannung ist eben kein richtiger Zombie-Film und das haben die Autoren brilliant bewiesen.
P.S.: Und der Epilog von Shaun war so genial, dass man in Amiland daraus alleine jetzt einen Film gemacht hat.
(siehe FIDO, http://www.imdb.com/title/tt0457572/)
Danke für den Filmtipp - wirklich coole britische Komödie, kann mir aber irgendwie nicht ganz vorstellen, dass der Charme in die deutsche Synchro übertragen wurde. Na ich werds wohl nie rausfinden
@Winkeladvokat:
Mir ist schon bewusst dass sich “ihre Schwiegereltern” auf die Fockers bezieht, aber der deutsche Titel wird aus Sicht von GREG “gesagt” und wer spricht von seinen Eltern schon in der Form “die Schwiegereltern meiner Frau”? Jetzt klar was ich meine?
Young Sherlok Holmes hatte übrigens die deutsche Tagline auch im englischen ursprünglich als Titel. Nur war es dämlich, dann den eigentlichen Titel bei der Eindeutschung wegzulassen.
Hier noch ein paar super Beispiele für deutsche Filmtitel:
Gridiron Gang = Spiel auf Bewährung
3000 Miles to Graceland = Crime is King
American Meltdown = Angst über Amerika
Crash = L.A. Crash
Playing by Heart = Leben und Lieben in L.A.
Besonders tragisch wenn man Filme sucht die man vor Ewigkeiten mal gesehen hatte, aber den Titel nicht mehr kennt und dann recherchiert.
Huch da habe ich noch einen wichtigen vergessen:
The Boondock Saints = Der blutige Pfad Gottes
Danke für deinen Bericht Boris, habe mir den Film heute im Kino angesehen! Ganz großes Tennis mit vielen Lachern. Hätte mir den Film dank der bescheuerten Tagline sonst nie angeschaut!
hab mir den film nun auch angesehen, die darsteller mussten mich direkt an “shaun of the dead” erinner, da hatten die beiden auch die hauptrolle. vom kaliber her ähnlicher film.
fand den film an sich sehr rund, hat mir gefallen. scheinbar wurde mit dem “untertitel” versucht den film als 0815 Komodie zu kennzeichnen, den dieser britische humor mit den doch teilweisen lustig-brutalen gewaltstellen ist nicht jedermans kost.
gesamtnote 2 (wer diesen film mochte und “shaun of the dead” nicht kennt, bitte sofort nachholen
)
Danke Boris, für diesen Filmtipp. Schön finde ich, dass zumindest ich mich seit Happy Computer Zeiten auf Deinen Geschmack verlassen konnte. Wo es den Strahlemann-Daumen gab, hab ich bedenkenlos blind zugreifen können. So auch hier.
Hot Fuzz ist einfach genial. Vom Motiv her erinnert es auch ein wenig an Ausgerechnet Alaska (auch noch eine seltsame Deutsche Umtitelung von “Northern Exposure”). Der Stadtmensch der mal gerade überhaupt nichts mit den leicht tumben Dorfeigenheiten anfangen kann.
Ich freue mich wirklich schon auf die DVD, mit hoffentlich Englischer Tonspur.
Ein Ex-Studienkollege hat sich bisher kategorisch geweigert wegen dem grottigen Untertitel ins Kino zu gehen. Er überlegt es sich nach meiner Schilderung nochmal und ich werde nochmal mit reingehen, bloß um zu sehen, ob mir irgendwelche Feinheiten entgangen sind. Dann aber am Kinotag…
Danke! Ich habe mich weggeschmissen vor Lachen! Ohne diesen Super-Tipp wäre ich nicht so direkt auf diesen Film zugesteuert. Danke schön. Ich habe Tränen gelacht.