Sky Captain und die Welt der Unlogik

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Gestern mit Toni den Film “Sky Captain” gesehen. Wusste schon aus diversen Kritiken, daß Handlung und Dialoge so/so sein sollen, aber die Optik wär ja so klasse. Hier meine Warnung: Weder das eine noch das andere ist wirklich wahr.

Die Handlung ist ein einziger Schmelztiegel aller Paradoxa und Unlogika der Actionfilmgeschichte, daß da eigentlich nur Absicht hinter stecken kann. Und wenn ich eines hasse, dann ist es innere Unlogik in einem Film (die Grundprämisse darf weit hergeholt sein, wenn sie dann nur konsequent durchgezogen wird. Gutes Beispiel: Gremlins). Hier einige der gröbsten Hämmer. Keine Angst, ist nahezu spoilerfrei, wer wirklich nix wissen will, einfach nach der Liste weiterlesen.

  • Zeit: Polly geht abends um acht ins Kino, danach erfolgt der erste Angriff. Als nächstes sehen wir Sky Captains Basis in hellem Tageslicht, das erbeutete Ding ist schon da, und trotzdem reden alle von “heute” als Tag des Angriffs. (Tag und Nacht wechseln sowieso ständig unlogisch in dem Film).
  • Ort: Meinetwegen ist in der Nähe von Manhattan ein Alpen-Gebirge mit Sky Captains Basis mitten im Tal. Aber wie kriegt man dann das “erbeutete Ding” innerhalb von Stunden dahin?
  • Bewegung: Flugzeuge rasen mit unglaublicher Geschwindigkeit durch die Strassen Manhattans. Von außen deutlich zu sehen. Sobald die Kamera im Flugzeug ist, haben die Akteure viele Sekunden Zeit, um auf ein Hindernis in 100 Metern Entfernung zu reagieren. Und eher noch mehr Zeit, um auf entgegenkommende Gegner zu reagieren.
  • Geometrie: Manhattan hat ein rechtwinklinges Straßensystem. Im Film sind alle Straßen schnurgerade. Trotzdem will Polly “links abbiegen”, weil das eine Abkürzung sei?
  • Funktechnik: Sky Captain muss mit seinem Flugzeug das “sendende” Flugzeug verfolgen, damit Dex das Signal nicht verliert. Nur kreisen direkt über Dex Kopf Dutzende von feindlichen Flugzeugen, die offensichtlich das Signal auch so empfangen können.
  • Funktechnik 2: Wie kann das Signal aus Nepal gesendet werden, wenn später im Film festgestellt wird, dass in Nepal seit Jahren keiner mehr war?
  • Die Aktentasche: Wie kann in der Aktentasche Material über die jüngsten Raubzüge enthalten sein? Wieso hat Polly nicht vorher in die Tasche geguckt? Und wieso weiss sie dann urplötzlich diese Details über Totenkopf und seine Assistentin?
  • Temperaturen: Polly müsste in Nepal eigentlich erfrieren mit den Klamotten, die sie da anhat, als sie aus dem Flugzeug steigt. Aber es gibt nicht mal ein Frösteln. Noch nicht mal dampfenden Atem, wenn ich mich recht erinnere.
  • Klamotten: Woher haben die Mönche eine komplette, perfekt sitzende Fliegermontur für Sky Captain?
  • Sprachkünstler: Wieso sagt der letzte Überlebende seinen letzten Satz auf einmal auf Deutsch/Englisch?
  • Die Luftbasis von Frankie: Früher im Film wurde gesagt, daß alle militärischen Resourcen aufgebraucht seien - und Frankie hat noch nie was von den diversen Ereignissen gehört? Und dann weiss sie auf einmal alles über die Insel, inklusive der Bucht, in der man am besten landen kann? Woher???
  • Geographie: Wenn ich auf einer Insel an einem Strand stehe (sprich auf Höhe des Meeresspiegel), dann etwa 45 Sekunden laufe, ist es unmöglich, vor einer zwei Kilometer tiefen Schlucht zu stehen.
  • Showdown 1: Wenn in wenigen Minuten alles zerstört wird, es nur einen einzigen Fluchtweg gibt, wo suche ich dann den Bösewicht: Klar, am anderen Ende der Anlage in seinem Büro.
  • Showdown 2: Wenn in wenigen Minuten alles zerstört wird, nehme ich mir trotzdem die Zeit, die imposante Architektur der Höllenmaschine in Ruhe zu betrachten.
  • Showdown 3: Wenn in wenigen Minuten… naja, erstmal küssen. Streiten. Und sich beim Kämpfen Zeit lassen.
  • Showdown 4: Und wenn ich der Bösewicht wäre, würde ich einfach die Brücke einziehen. Oder, fünf Minuten später, die nächste Brücke einziehen!
  • Vom Anfang zum Ende: Wenn dem Bösewicht nur ein handliches Ding fehlt, um seinen Plan durchzuführen, würde ich es dann einfach rasch vernichten, es wirklich sicher verstecken oder auffällig um die halbe Welt schmuggeln und grundsätzlich da aufbewahren, wo der Bösewicht es finden könnte (wie zum Beispiel in meinem Labor)? Aber dann wäre der Film ja zu Ende bevor er angefangen hat…

Da ein und der selbe Mensch Buch und Regie zu verantworten hat, sollte man den nie wieder an ein Buch und/oder Regiestuhl lassen. Als Setdesigner oder Kameramann hat er Karrierechancen. Aber Paramount hat ihm schon wieder ein neues Projekt im gleichen Stil gegeben.

Und um auf den Look zurückzukommen: Der wär ja ein paar Minuten lang wirklich cool. Aber der Film ist im großen und ganzen absichtlich verschwommen und immer leicht überbelichtet und mit Glanzlichtern ausgestattet. Senkt natürlich die Produktionskosten, denn es wurde in niedriger Auflösung gerendert und dann weichgezeichnet. Bei mir löste das aber nach einer Stunde Kopfweh aus. Der Film hätte “scharf” grandios aussehen können.

Und ich sach noch zu Toni “Ne, nicht die Tempelritter, der soll wieder mal so typisch unlogisch sein…”

11 Antworten to “Sky Captain und die Welt der Unlogik”

  1. Ben sagt am November 24th, 2004 um 17:59

    Also ich war ja schon von Van Helsing begeistert und bin es auch jetzt schon vom Sky Captain. Irgendwie schon komisch, dass mich die Liste der “Fehler” erst recht auf den Film “scharf macht”;).

  2. Bjarne sagt am November 24th, 2004 um 18:08

    Ich versuchs mal zu erklären, aber da ich den Film noch nicht gesehen habe bitte ich um nachsicht, wenn ein paar Fehler mach.
    Grundsätzliches zu Anfang: Auch wenn ein Ort und eine Zeit auf der Erde die Rahmenhandlung geben - es ist alles Fiktion, nicht die Erde wie wir sie kennen, desshalb sollte auch alles erklärbar, denn unsere Naturgesetze, Regeln, Normen, etc. funktionieren dort nur bedingt.

    Zeit (Tag-Nacht-Wechsel): Vielleicht ist in dieser Welt dieser Wechsel nicht wie auf der uns bekannten Erde oder es wird in verschiedenen Zeitzonen gespielt.

    Ort: Warum geht der Sky Captain nicht aufs Klo? Muss ein Film eigentlich immer alle Fragen beantworten? Sie habens halt geschafft.

    Bewegung: Seit wann ist eine Minute im Film eine Minute in unserer Wirklichkeit? In Filmen wird Zeit häufig manipuliert um etwas sichtbarer zu machen. Vielleicht vergeht die Zeit im Flugzeug einfach langsamer.

    Geometrie: Nun, seinen wir mal ehrlich. Wenn sie gerade aus geflogen wären, dann wären sie vielleicht gar nicht am Ziel angekommen (unendlich langer Weg), dann wäre ein erreichen des Ziels durchaus als Abkürzung anzusehen.

    Funktechnik: weil die Feinde über Dex auch das Signal über den Sky Captain empfangen.

    Funktechnik 2: rufumleitung? Automatisches zeitgesteuertes Signal? Manchmal irrt man sich und es war doch wer in Nepal?

    Die Aktentasche: hier muss ich wohl erstmal den Film sehen.

    Temperaturen: Ich weiß jetzt nicht ob im Film Schnee liegt, aber grundsätzlich ist Nepal gar nicht so kalt.

    Klamotten: Irgendein Sretchmaterial? Villeicht haben die mehr als eine Größe auf Lager?

    Sprachkünstler: Darf er nicht eine Sprache seiner Wahl verwenden? Vielleicht ist er etwas verwirrt, dann wechselt man hin und wieder schon in seine Muttersprache.

    Die Luftbasis von Frankie: vielleicht hat sie’s in der Zwischenzeit im Lexikon nachgeschlagen… und da wäre ja noch die ominöse Aktentasche, die ja Material über alles zu enthalten scheint.

    Geographie: Vielleicht ist die künstlich. Wenn du mir genug Kohle gibst, dann bau ich dir so eine Schlucht irgendwo hin.

    Showdown 1: Von wo wurde die Zerstörung eingeleitet? Vom Büro? Weiß der Böse, dass alles den Bach runter geht? Ich habe hier zu wenige Informationen

    Showdown 2: Klar, sowas sieht man nicht alle Tage, und wenn ich weiß wanns Bums macht…

    Showdown 3: küssen - dafür gibts wohl nie einen Falschen Moment.
    Streiten - Probleme sollte man nicht auf die lange Bank schieben.
    Beim Kämpfen Zeit lassen - wenn der verfluchte Gegner sich gleich tot auf den Boden legen würde, dann ginge es wirklich sehr viel schneller.

    Showdown 4: Ich habe angst. Wenn du der Bösewicht wärst, dann wäre die Welt untergegangen. Zum Glück bist du einer der Guten. Darum gewinnt das Gute ja immer. Die schlauen sind immer die Guten.

    Vom Anfang zum Ende: mmh, hab wieder zu wenige Informationen. Möglichkeiten:
    Wenn mir nur ein Nagel zur Zerstörung der Welt fehlt, versteckst du alle, und ich schnitz mir einen neuen…

    Fazit: das ist alles Fiktion, es ist ein Film. Ein Film muss nicht, kann nicht alles beantworten. Jede fiktive enthält zwangsläufig scheinbare Inkonsitenzen, die man sicher beseitigen könnte, was aber zu aufwändig ist und warscheinlich die Länge und Spannung des Films negativ beeinflusst. Logik und Phantasie sind nicht äquivalent.

  3. Boris Schneider-Johne sagt am November 24th, 2004 um 18:20

    Jede Geschichte sollte in sich selbst konsistent sein. Es sind beliebige Startbedingungen erlaubt, danach sollte aber alles ein geschlossenes System ergeben. Und das funktioniert hier nicht, hier werden ohne Not die eigenen Regeln und Logikstränge ständig gebrochen. Und das macht mir den ganzen Kinoabend madig.
    Your Mileage May Vary.

  4. mactec sagt am November 24th, 2004 um 19:10

    thema unschärfe: und ich dachte schon, dass der film ausgerechnet nur in dem kino so unscharf war, in welches ich mal wieder gegangen bin.

    thema unlogik: na das der film jedweder logik trotzt hab ich eigentlich schon vorher vermutet.

    ich fand ihn aber dennoch sehr unterhaltsam. der sound war klasse (da hat fast das kino gebebt), auch sonst fand ich die bilder und ungetüme/maschinen alle sehr cool. das setting hat mich alles ein wenig an das spiel crimson skys erinnert … gleich mal wieder raus kramen ;-)

    grüße
    stefan

  5. Bjarne sagt am November 24th, 2004 um 19:51

    “[...] hier werden ohne Not die eigenen Regeln und Logikstränge ständig gebrochen.”

    In Filmen, Büchern etc. werden eigene Regeln und Logikstränge grundsätzlich nie gebrochen, sollte dies jemanden so erscheinen, so hat dieser nur nicht die Regeln und Logik erkannt und versucht nur seine eigenen Regeln und Logiken auf das Werk zu projezieren. Das Haupproblem sind wohl die unzähligen impliziten Regeln, die nicht mit bekannten Regeln übereinstimmen und jede Inkonsistenz, konsistent machen. Man kann das auch mit wohlwollender Interpretation umschreiben.

  6. Boris Schneider-Johne sagt am November 24th, 2004 um 21:47

    OK, Bjarne, und auch dieses Blog spielt nur nach meinen Regeln, die nicht jeder erkennt :-)

  7. Roland sagt am November 24th, 2004 um 22:14

    Anfangs wollte ich die angemerkten Kritikpunkte noch erklären. Dann beim Weiterlesen gemerkt: Hier wird nur noch eine Meinung weiter vertieft und festgefahren. Ich glaube, Du mochtest den Film einfach nicht. ;)

    Alle Punkte sind nämlich beliebig auf jeden James-Bond-Film anzuwenden. Stören uns allgemein die “talking bad guys”? Die Gauner, die am Ende des Films an die Spitze eines Gebäudes rennen, um von diesem hinab zu stürzen?

  8. Boris Schneider-Johne sagt am November 25th, 2004 um 11:12

    Nochmal an alle, insbesondere die, die den Film noch nicht gesehen haben: Hier wird Minute um Minute reihenweise die INTERNE Logik des Films gebrochen und verwurschtelt. Das der Endgegner gerne lange faselt - meinetwegen. Aber der macht nicht derart eklatante Fehler. Die Helden auch nicht. Nochmal das Beispiel (Spoilerfrei kaum zu erklären): Die Welt geht gleich (jetzt gleich!) unter. Es gibt einen einzigen, vom Bösewicht vorbereiteten Ausweg. Alle Fakten liegen auf dem Tisch. Trotzdem suchen die Helden in voller Absicht den Bösewicht woanders (und haben natürlich Recht). WARUM?

  9. Boris Schneider-Johne sagt am November 25th, 2004 um 15:33

    Und zum Thema “Räuber auf die Spitze des Gebäudes”: Es ist eine psychologisch getestete Tatsache, das Menschen tatsächlich grundsätzlich nach oben flüchten. Muss was mit Säbelzahntigern und Bäumen zu tun haben…

  10. Roland sagt am November 26th, 2004 um 10:13

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  11. Roland sagt am November 26th, 2004 um 10:13

    Nochmal an alle, insbesondere, die den Film noch nicht gesehen haben: Trotzdem reingehen! ;)

    Wenn die Welt jetzt gleich unter geht, warum sollte man dann nicht versuchen, das zu verhindern und nicht den einzigen Ausweg nutzen, der einem das eigene Überleben sichert, doch nicht der restlichen Weltbevölkerung?

    Wenn Polly sagt “hey, das hier ist eine Abkürzung”, warum nicht? Vielleicht ist sie in der Stadt mit dem Schachbrettmuster immer nur Auto gefahren und hat so ein paar Einbahnstraßen umfahren gelernt?

    Was ich sagen will: Ich ärgere mich auch über Logik-Bugs. Sage nur Lee Majors als Pilot eines Weltraumflugzeugs. Aber bei Sky Captain fallen die, so vorhanden/gefühlt wirklich nicht ins Gewicht. Hey, Roger Ebert gibt vier Sterne. ;)

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