Atari im Spiegel

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Lobte ich vor ein paar Tagen noch den Stern-Online-Artikel zum C 64, muß ich jetzt schimpfen: Denn Spiegel Online will zwar lobenswerterweise dem Atari 2600 zum Geburtstag gratulieren (30 Jahre!), der Artikel hat aber diverse technische Fehler und ruft zum Schluß auch noch zum Raubkopieren auf. Wie konnte das denn passieren?

Das Atari 2600 ist nämlich weder die meistverkaufte Konsole der Welt (die Ehre gebührt Playstation 2), noch hatte es 32 KByte Betriebssystem (im 2600 steckt kein einziges ROM) und die Spielmodule waren zwischen 2 und 16 KB groß. Entgegen der Aussage im Artikel war das 2600 im ersten Jahr nicht wegen der wenigen Software ein Flop - eine Schwemme von billigsten Pong-Clones und Single-Game-Handhelds verstopfte einfach alle Kanäle und das 2600 war eines der wenigen Geräte, die das apokalyptische Weihnachtsgeschäft 1977 überhaupt überlebten. Die 128 Byte RAM waren nicht für "High Scores". Das war das komplette RAM des Geräts. Einhundertachtzundzwanzig Bytes für ALLE Variablen. Trotzdem haben die Kitchen-Brüder einen Space-Shuttle-Simulator dafür programmiert. Außerdem gab es deutlich mehr als 200 Spiele für das VCS (wenn man alle Drittanbieter einrechnet kommt man nahe an eintausend veröffentlichte Module). Und so lustig ein Emulator wie Stella auch sein mag: Der Aufruf, sich doch mal eben Centipede oder Space Invaders dafür zu besorgen, wird den heutigen Lizenz-Inhabern gar nicht schmecken.

15 Kommentare to “Atari im Spiegel”

  1. Strange says:

    sehr schöner thread zu den technischen details.

    mein atari 2600 liegt noch im keller, ob das teil noch funktioniert? ;-)

  2. darthmaul says:

    Tja, ein Blick auf Wikipedia hätte genügt und der Artikel hätte gepasst. Ist aber leider ein Übel unserer Zeit, dass heutzutage schlecht recherchiert wird. Lieber mal schnell “Copy & Paste” machen, als selber das Hinkasterl einzuschalten. Da ich selber so ein Gerät besessen habe, tut das natürlich doppelt weh, wenn man solche Artikel liest.

  3. skull77 says:

    Ich weiß nicht ob der Artikel bereits überarbeitet worden ist, aber ich kann nirgends lesen, dass der Autor behauptet es handle sich um die meist verkaufte Konsole der Welt. In dem Artikel steht lediglich, dass es sich um eine der erfolgreichsten Konsolen der Welt handelt, was ja auch zutreffend ist. Bei der Anzahl der Spiele schreibt der Autor dass wohl mindestens 200 Spiele entwickelt wurden, was deiner Aussage nicht wiederspricht.

    Über Stella kann man sich wohl streiten. Wenn man versucht, wie z.B. MS mit Uraltspielen, die heute jeder “gute” Programmierer alleine entwickeln könnte, für teures Geld an den Mann zu bringen, dann kann man sich über diese Aussage, die übrigens niemanden direkt zum Nutzen dieser Software aufruft, ärgern… Die Spiele sind knuffig und kurzweilig. Mehr aber nicht. Die Lizenzen sind im Großen und Ganzen wertlos. Ich würde diese Aussage eher als Information sehen, die der Autor wahrscheinlich bei wikipedia abgeschrieben hat…

  4. tinkengil says:

    Ist das jetzt deine Bewerbung für eine Stelle als freier Autor beim Spiegel, der in Zukunft solche Artikel verfassen wird? ;)

  5. hdgamer says:

    Boris du bist wirklich auf der anderen Seite angekommen - buhu - Centipede Raubkopierer. Viel schlimmer, dass sowas nicht längst Allgemeingut ist und Konzerne immer noch versuchen müssen jeden Cent aus diesen sauteuren Entwicklungen pressen müssen, damit die Programmierer und ihre Familien nicht verhungern.
    Dennoch Danke für die Interessanten Infos - dass der 2600 tatsächlich nur 128Byte Ram hatte, hätte ich nie gedacht.

  6. bleppo says:

    O ja, die bösen Raubkopierer. Das Boris dieses Unwort nachplappert finde ich enttäuschend. Eine Raubkopie gibt es nicht. Ein Raub ist “ist nach deutschem Strafrecht die Wegnahme (Besitzübergang) einer fremden beweglichen(!) Sache mittels Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben mit der Absicht, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen.”

    Diesen bescheuerten Begriff hat sich die kokssüchtige Führungsetage der Film- und Musikindustrie ausgedacht. Und hat damit eindeutig bewiesen, dass sie nichts von Rechtschreibung und Grammtik verstehen. Und das dieser Begriff jetzt - obwohl das Wort Schwachsinn ist - immer weiter verbreitet wird, finde ich bedenklich.

    Ausserdem bietet Atari selbst eine kostenlose Version von Centipede an: http://games.atari.com/playgames/arcade/centipede/centipede_400.jsp

    Darüber hinaus ist es doch möglich, dass Atari das Spiel als Public Domain freigegeben hat. Ist ja auch schon ein paar Monde alt, das Spiel. Das müsste allerdings erst durch Recherche herausgefunden werden.

  7. Den Begriff der Raubkopie gibt es seit den frühen 80er Jahre und dort im wesentlichen bei Kopien von Spielen auf Atari 800, C 64, ZX Spectrum und Co.

    Und natürlich kann man es semantisch auseinandernehmen, genauso wie Hundekuchen nicht aus Hunden gemacht werden, obwohl doch Erdbeerkuchen, Käsekuchen und Schokoladentorte aus Erdbeeren…

    Das Strafrecht ist kein Duden. Diebstahlskopie oder Urheberrechtsverletzungskopie klingt deutlich unhandlicher.

    Meine Tiraden auf die verkommene deutsche PC-Zeitschriften-Landschaft, die mir jeden Monat am Kiosk predigt, daß ich alles (Filme, Musik und Warez) “umsonst” downloaden kann, wenn ich nur ihr Heft kaufe (gepaart mit dem kleinen Textkasten daß das natürlich illegal sein könnte, es sei ein rein investigativer Artikel um auf Mißstände des Internets hinzuweisen) sind bekannt. Ein Medium wie der Spiegel sollte meiner Ansicht nach zu keiner noch so nichtigen Urheberrechts-Verletzung aufrufen, selbst wenn Centipede auf Ataris Webseite umsonst spielbar sein sollte.

  8. xXxsoccerxXx says:

    ich schließe mich hiermit skull an im artikel steht nur folgendes “Erst 1991, 14 Jahre nach ihrer Vorstellung, wurde die Produktion endgültig eingestellt. Keine andere Konsole konnte sich so lange der Gunst der Käufer erfreuen.”

    Da steht nicht das es die meistverkaufte Konsole ist, lediglich das Sie seit der Vorstellung 14 Jahre lang produziert wurde…Aber es soll dir vergeben sein ;-) Wollen ja nicht kleinlich sein….

    edit: aber beliebt ist nicht meistverkauft….aber eigentlich bin ich auch zu jung dafür um über diese konsole etc. zu urteilen ^^

  9. Der Artikel wurde wohl geändert, die Fotostrecke heißt aber immer noch “die beliebteste Videospielkonsole aller Zeiten”…

  10. bleppo says:

    @ Boris

    Hundkuchen ist ja der Ausdruck dafür, für wen, was oder für welchen Zweck dieser Begriff bzw. die Sache, die er beschreibt, da ist. Also Kuchen für Hunde. Erdbeerkuchen aus oder mit Erdbeeren. Könnten Erdbeeren Nahrung im menschlichen Sinne aufnehmen, könnte man auch Erdbeerkuchen für Erdbeeren verstehen. :-)

    Jedenfalls ist der Begriff Raubkopie nicht in Ordnung, auch wenn Strafrecht kein Duden ist. Richtig. Das mit dem Begriff wollten die GVU-Fritzen und ihre Kollegen aus Amerika so. Das die GVU hier strafrechtliche Begriffe etablieren will ist mehr als bedenklich, da eben diese Organisation mehrfach zweifelhafte Methoden angwandt hat und dies mit Sicherheit noch tut und darüber hinaus selbst Gesetze übertreten hat. Selbstverständlich weitgehend - von einem DUDU! der Behörden abgesehen - straffrei.

    Aber Raub ist im Strafrecht klar definiert. Einen Auszug der Definition hatte ich ja schon gepostet. Und wenn er strafrechtliche Relevanz haben soll, muss der Begriff auch strafrechtlich richtig ausgedrückt werden. Da kann man nicht mit Larifari kommen. Das muss stimmen. Die Mogule hätten wohl gern, dass illegales Kopieren oder Vervielfältigen gleichgesetzt wird mit Mord. Und sieht man sich das Strafmaß in den USA angesetzt wird an, scheint man es erreicht zu haben. Das ist das Perverse daran.

    Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich bin kein Befürworter illegalen Kopierens. Für Inhalte, die mich anpsrechen und die mich deswegen dazu bewegen, diese zu erwerben, gebe ich gern Geld aus. Aber der polemische Feldzug der Medienkonzerne, der gegen den Kunden geführt wird, ist einfach so nicht in Ordnung. Und das dort mit falschen Begriffen herumgespuckt wird, zeigt nur die tiefere Absicht. Es gibt in den USA Bundesstaaten, in denen das Kopieren von DVD´s schlimmer bestraft wird, als das Vergewaltigen einer Frau. Also genau das, was man mit “Raubkopie” erreichen wollte. Es ist ein schlimmes Vergehen bei dem Menschen unter Androhung für Gefahr für Leib und Leben schweben. Das ist eine Schieflage, die mit durch das Umherwerfen und Deuten von falschen Begriffen verursacht wurden ist. Und das darf nicht sein. Also hat die falsche Handhabe und Durchsetzung von unrichtigen und obendrein einfach blöden Begriffen eine tiefere Konsequenz und sollte deshalb abgeschaltet werden. Denn irgendwie haben es die Medienkonzerne geschafft, Richter und Behörden tatsächlich davon zu überzeugen, das also Menschen körperliche Verletzungen davontragen, wenn sich einer ne DVD für den Hausgebrauch kopiert.

    Es sollte ganz einfach illegale Kopie heissen. Oder von mir aus unlizenzierte Kopie. Da man ja nie den Film oder die Musik an sich erwirbt, sondern die Lizenz, diese angucken/anhören zu dürfen. Aber das klingt zu lahm. Nicht verbrecherich genug. Raubkopierer sind Verbrecher. Das mag gewiss auf organisierte “Kopierer” zutreffen, aber die GVU setzt mit ihren perversen Spots, wo die zwei Gefangenen im Gefängnis in sexueller Hinsicht über den Raubkopierer herfallen wollen, und diese meinem 13 jährigen Kind im Kino vorgesetzt werden, zeigt nur, welches geistes Kinder hinter dieser Kampagne stecken. Und ich sehe da eine Grenze überschritten, in der einfach mit dem falschen Maß gemessen wird.

  11. Wozu brauchte die Console auch mehr RAM ? Ich schätze mal (hab jetzt noch nie ein ATARI-Spiel aufgebrochen, erinnere mich aber das die auch ziemlich robust gebaut waren), das 4 bis 16 K Ram oder so direkt auf dem Modul verbaut waren.

  12. Lieber Bleppo, ich habe das Wort “Raubkopierer” schon 1984 in Artikeln verwendet und kann daher deine Argumentation, die Musikindustrie hätte diesen Begriff erfunden und forciert, überhaupt nicht verstehen.

  13. skull77 says:

    Erfunden evtl nicht, aber forciert ,im Sinne von Verstärkt, mit absoluter Sicherheit!! Vgl. die von Bleppo angesprochene Werbekampagne. Vorher war mir der Begriff “Raubkopierer” nicht so geläufig. Heute ist er in aller Munde. Falsch ist er aber dennoch, auch wenn er schon vor x Jahren verwendet wurde. Bleppo hat das schon ganz richtig beschrieben!!

  14. alexbohl says:

    Hi zusammen,

    ich persönlich finde ja “software pirate” oder “pirate copy” viel cooler,
    obwohl die Bezeichnungen genauso irreführend sind wie “Raubkopie(rer)”,
    wird doch eine schwerere Straftat suggeriert als die um welche es
    tatsächlich geht - nämlich eine unrechtmäßige Kopie. Das bezieht sich
    natürlich auf den einzelnen User der sich z.B. eine Kopie von BilderSchopp
    besorgt und damit seine Urlaubsbilder bearbeitet. Das wird ganz neben-
    bei bemerkt auch halboffiziell geduldet, da derjenige sich ohnehin kein
    Programm für 1000 EUR gekauft hätte und deshalb kein Umsatzverlust
    geschweige denn ein Schaden für die betreffende Firma entsteht. Wird
    dieser mal in einem Betrieb mit der Software arbeiten wollen werden entsprechende Originale gekauft. Somit ist der Standpunkt ganz klar:
    “wenn sie schon kopieren dann wenigstens unsere Software” (glaube
    dieses Zitat stammt sogar von Mr. Fenster persönlich im Bezug darauf,
    dass die meisten Chinesen Windows für Freewaren halten ;-)
    Aber ganz im Ernst… wer würde für jedes MAME-Rom auch nur 10ct
    zahlen? Das ist nice2have der alten Zeiten wegen (denke da an etliche
    durchzockte Nächte mit Bomberman oder Worms ;-) und die staunenden
    Gesichter immer wenn ein neuer Automat in der Spielo stand, aber ernsthaft
    spielen tut solche Sachen heute niemand mehr (und 2600er schon mal
    garnicht). Dazu ist die Auswahl an neuen, besseren Titeln viel zu gross
    und die Zeit zu knapp.

    off-topic:
    Weiss eh nicht wo die Leute die Zeit hernehmen zum Spielen, überall bloggen
    und Fotos machen, Ibäen, RSS-Feeds lesen, Chatten, Simsen, Telefon-Flatrate
    ausnutzen, Windows-Installieren, SPAM filtern, Soaps (inkl. 20min Werbung)
    schauen, Versicherungen und “5 Handyverträge plus PS3″ abschliessen,
    Billigflüge buchen, Teleshoppen, W@ppen für 10EUR/MByte, Solarbräunen,
    Fitness-Studio und Pilates anmelden, VorGerichtsvollziehern verstecken, Zeugen
    und Drücker abwimmeln, Ratenzahlungs- und Umschuldungsformulare ausfüllen,
    Kippen stopfen, 2nd Klamotten für die Kinder besorgen und dann auch noch
    zu arbeiten… sieht stark nach einer C9H13N-Blütezeit aus.

    Ganz nebenbei war die PSX1 2 deshalb so erfolgreich, weil es kein
    grosser Akt war die Spiele zu kopieren. Aus der simplen Kostenersparnis
    der CD als Datenträger wurde unverhofft ein genialer Schachzug, denn
    obwohl die “Kopierer” selten ein Spiel kaufen, so lassen sie sich trotzdem
    gerne Spiele z.B. zu Weihnachten schenken. Man muss kein Prophet sein
    um zu erkennen, dass eine Basis von z.B. 200 Mio. Konsolen mehr Umsatz
    durch Zubehör, Spiele, Accessories, div. Abos usw. erzeugt als 30 Mio.
    Geräte neben denen jeweils ein oder zwei Original-Module liegen (denn
    für die beiden Spiele reicht in der Regel der eingebaute Speicher für die
    Spielstände).

    Wie auch immer… wenn sich ein “PC-Heft” nur noch verkaufen läßt indem
    man vorgibt die geheimsten, illegalsten und tollsten Untergrund-Downloads
    vorzustellen, sollten sich die Redakteure ernsthaft Gedanken über ihre
    Nach-ALG1-Zeit machen. Irgendwann rafft nämlich auch der letzte Fan
    von “8x unterbelichteten 500-Vollversionen-DVDs” wo er noch überall
    einen 14 Tage Usenet-Testzugang herkriegt, dass die ultra-geheimen
    .TOrrents garnicht so geheim sind und man sich einen ugradefähigen
    2 Jahre alten Area51-RegCleaner auch als “Vollversion-nach-Registrierung”
    in die Haare schmieren kann.

    LG Alex

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