Category: Achtung! Ironie!

Instant Gratification

Von Boris, Di, 11. Mai 2010 13:31

Ich muß zugeben, daß ich die Menschheit als solche nicht in ihrer Gesamtheit verstehe. Am großen Massenexperiment Twitter merke ich gerade aber, daß folgende zwei Grundprinzipien den menschlichen Charakter zumindest teilweise beschreiben:

  • Jede Kritik wird grundsätzlich als persönlicher Angriff und nicht als Sachkritik gesehen.
  • Jeder macht sich so wenig Arbeit wie möglich. Außer er ist zu einem Thema fanatisch.

Vor 45 Minuten fragte mich jemand (mit 18 Tweets in seiner Timeline und der lediglich mir folgt) ob ich seine an mich gerichteten Tweets sehen würde – weil ich ja nicht antworte. Nur war in seinen bisherigen Tweets nix, was eine Antwort gerechtfertigt hätte (ich seh Twitter als Broadcast mit eingeschränktem Feedback und nicht als Dialog-Medium. Für echten Dialog gibt es EMail, hat sich da glänzend bewährt). Parallel dazu fragt mich ein anderer Twitterer, wann es denn wieder Kugelblitz-Kanal-Folgen gibt.

Da ich oft versuche, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, antworte ich also dem Twitter-Universum (und dem einen insbesondere) “Ja, ich sehe alle @dreisechzig Tweets aber antworte nicht auf alle. Bin kein Ersatz für eine Suchmaschine…”, wobei sich der zweite Teil allgemein an alle richtet, die mich per Twitter zu Themen beharken, ohne mal vorher woanders (zum Beispiel auf meiner Webseite) nachzuschauen. Oder denken, das Themen, die nirgendwo im Internet stehen (wie das Release-Datum von “Project Natal”) mir per Twitter-Frage entlockt werden können.

Der Erfolg meiner vermeintlich so effektiven Aktion: Der eine, der mich nett antwitterte, ist jetzt beleidigt, weil er denkt, ich hätte seine Tweets nicht richtig gelesen und ihm das persönlich vorgeworfen und drei andere machen leidlich lustige Witze über mich und Suchmaschinen. Außerdem kriege ich heute Tweets, wo jemand aufgefallen ist, daß ich bei Microsoft arbeite, aber ein Iphone habe, jemand wissen will, ob für Natal Fitness-Spiele erscheinen werden, und ein anderer fragt, was man bei Star Tours ändern will. (Das erste steht seit Ewigkeiten in meinem Blog, das zweite kann ich aus bekannten Gründen nicht beantworten und das dritte kann man auf diversen Disney-Seiten lesen). Aus edukativen Gründen antworte ich einfach nicht. Vielleicht sollte ich einen Auto-Antworter für “letmebingthatforyou.com” einrichten.

Vielleicht ein Beispiel zur Erklärung

Von Boris, Fr, 12. Jun 2009 17:18

Die Bemühungen von der lieben Zensursula und neuerdings der Bild-Zeitung, die Leute zu verleumden, welche den absurden Plan einer “Kinderpornosperre” nicht unterstützen, sondern BESSERE LÖSUNGEN haben wollen, regen mich auch über tausende von Kilometern hinweg auf.

Frau von der Leyen, vielleicht darf ich ihnen ein einfaches Beispiel geben. Bitte gehen Sie nach Köln und versuchen Sie von Köln aus, mit dem Auto nach Düsseldorf zu fahren. Die perfiden Kölner, in ihrer Art beleidigt zu sein auf Altbier und den Fakt, daß Düsseldorf statt ihrer die Landeshauptstadt ist, haben nämlich eine Düsseldorf-Sperre aufgebaut, indem sie auf praktisch allen Autobahn-Schildern so wunderbare Städte wie “Oberhausen” anzeigen, aber tunlichst alle Wegweiser Richtung Düsseldorf abgeschafft haben. Ihre sogenannte “Netzsperre” via DNS Redirect ist genau der gleiche Zinnober. Sie wollen nur die Schilder an der Autobahn abmontieren.

Dummerweise gibt es aber Straßenkarten, Navigationssysteme, die deutsche Bundesbahn und den öffentlichen Nahverkehr, die alle Strecke und Wege nach Düsseldorf anbieten. Schlimmstenfalls läßt man sich einfach vom Rhein flußabwärts treiben.

Der Plan der Kölner würde nur aufgehen, wenn sie endlich am Kernforschungszentrum Jülich eine handliche Atombombe bauen würden und Düsseldorf von der Landkarte tilgen. Dem stehen sicher ethische Gründe entgegen, aber nur so wird man Altbier los und kriegt das Landesparlament in den Kölner Dom evakuiert.

Frau von der Leyen, verflucht nochmal, suchen sie die Server mit illegalen Inhalten und lassen sie diese vom Netz nehmen. Das ist die ECHTE Strategie, um Kinderpornographie zu bekämpfen. Schnappen Sie sich die Leute, die solche Inhalte auf die Server stellen, und lassen sie Staatsanwälte und Gerichte das volle Spektrum ihrer rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen. Niemand in der Internet-Gemeinde wird da auch nur einen Funken Gegenwehr leisten, sondern ihnen HELFEN, diese Leute zu finden und dafür zu sorgen, daß sie solchen Schaden nicht mehr anrichten können.

Aber eine Infrastruktur bauen zu wollen, die a) gar nicht funktioniert und b) nur die Begehrlichkeiten von größeren Idioten als ihnen (“Oh, da kann man sicher auch Killerspiele sperren!”) weckt, ist ein so absolut hirnverbrannter Plan, daß ich mich frage ob ich ihre restliche Familienpolitik genau so ernst nehmen darf oder ob sie da mehr Sachverstand zeigen.

Andererseits: Vielleich sollen wir Sie einfach diese DNS-Redirects bauen lassen und auch alle anderen kritischen Seiten sperren lassen, damit Sie und Herr Schäuble sich sicher fühlen. Und wir kaufen uns alle Premium-Accounts bei OpenDNS und lachen einfach nur über ihre Wegweiser-Versteck-Politik. Aber heimlich, damit sie nicht merken, daß das Internet ganz anders funktioniert als Ihnen das irgendein Staatssekretär erklärt hat.

Zum Schluß ein Disclaimer: Ich bin in Grevenbroich geboren, wo man eher dem 1. FC Köln zujubelt, und habe jahrelang in Neuss und Düsseldorf gelebt, daher darf ich mir meinen kleinen Vergleich erlauben, also bitte keine Hass-Kommentare aus NRW.

Liebe Innenminister

Von Boris, Fr, 5. Jun 2009 13:48

Da ihr sicher keine Zeit habt, mein ganzes Interview auf dem Elektrospieler zu lesen, vielleicht hier nur einen entscheidenden Ausschnitt:

Elvis Presley hatte in vier US-Staaten Auftrittsverbot, weil seine Hüftbewegungen die Jugend zur Unzucht verleiten würden. Das hat nur noch mehr Jugendliche dazu gebracht, seine Platten heimlich zu kaufen. Digitale Inhalte verbieten zu wollen, ist völlig nutzlos. Dann kommen sie halt als Kopien auf die Festplatten. Ein Verbot hat mit Jugendschutz nicht die Bohne zu tun; die Jugend lacht sich da nur eins.

Falls ich es Euch nochmal langsam erklären soll, ich bin noch bis Sonntag früh in Deutschland, bevor ich in das Land der Waffennarren und Busenhasser (sprich: Die USA) fliege. Natürlich freu ich mich am Ende des Tages auf die Rückkehr in meine Heimat, in der Darstellungen von erotischen Inhalten nicht so verfehmt werden wie die von Gewalt. Aber meint ihr nicht, ihr übertreibt mit euer Verbots-Forderung ein bißchen und habt in Wirklichkeit gar keine Ahnung von dem, was ihr da beschließt?

Intelligenztest

Von Boris, Fr, 6. Mrz 2009 14:20

Vor gut einem Jahr bat mich unsere Personalabteilung, ein paar Fragen über das Arbeiten bei Microsoft zu beantworten. Heute kam eine Mail, ob der Text auf der Webseite immer noch aktuell sei und ich war baff erstaunt, daß man mich als Testimonial benutzt, um Leute über das Arbeiten bei Microsoft zu informieren. (Noch verblüffter war ich allerdings über die Knappheit der Antworten anderer Leute).

Nach dem Motto “Heute noch nichts lustiges gezwitschert” packe ich den Link auf meinen Twitter. Sogar ohne TinyURL. http://www.microsoft.com/germany/careers/perspektiven/mitarbeiter_berichten.mspx

Was ist die erste Reply?

@dreisechzig mal ne frage. iniativbewerbungen an microsoft. Habe bis jetzt nicht richtige internet-seite gefunden. kannst du helfen ??? thx

Ja, das ist der kleine Intelligenztest bei Microsoft, ob man es fehlerfrei schafft, zum Beispiel in die Suchbox auf der Webseite das Wort “Bewerbung” einzugeben. Wem das nicht gelingt, der sollte sich besser auch nicht bewerben. Ehrlich.

Daß das als Reply auf einen Tweet kam, in dem ich den Link sogar gepostet hatte, war neu. Ansonsten krieg ich das einmal im Monat nur als E-Mail (“Wo kann ich mich bewerben, ich find die Seite nicht”). Ich bin immer versucht, nur “Pech!” zu antworten, statt brav den in zwei Sekunden findbaren Link zu posten. Die Personalabteilung kann sicher nach wissenschaftlicheren Kriterien die Bewerber sortieren als ich mit meinem Zynismus.

Am Rande nochmal die Erwähnung, daß ich Twitter nicht als Dialogmedium sehe. Feeds mit “@a Ja, ich komm gleich mit zum Essen”, “@b Du, das weiss ich selber nicht” und “@c Oh, das ist lustig” schmeiß ich gleich wieder raus, weil das ähnlich Sinn macht wie in der S-Bahn allen Gesprächen rund um einen herum (auch den Telefonaten) zuzuhören. Kostet nur Lebensenergie und verbrät Nervenzellen. Ich glaube auch nicht, daß meine treuen Follower Dinge wie “@XYZ Nimm doch mal die Suchfunktion" lesen wollen.

Ja, ich LESE die @replies aber ich schreibe keine. So gut wie keine.

Konjunkturprogramm

Von Boris, Di, 9. Dez 2008 17:00

Ich frage mich, warum bescheuert investierende Banken und Autofirmen mit offensichtlich falscher Produktpalette bei ihrer Regierung wahrscheinlich erfolgreich um Geld betteln, eine der wichtigsten Branchen allerdings unbeachtet bleibt?

Der Computerpresse, insbesondere der Computerspielepresse, geht es schlecht. Siehe hier.Oder hier. Dieses Internet-Dingens war ja auch nicht vorherzusehen oder die Tatsache, daß irgendwann Leser keine Testwüsten mehr lesen, weil der klassische Spieletest eh ein Auslaufmodell ist und jeder sowieso nur World of Warcraft spielt.

Ich fordere also zinslose Milliardenkredite und Staatsgarantien für Bravo Screenfun und Co. Sonst sind Arbeitsplätze in Gefahr! Und die Zulieferindustrie erst, die zahlreichen freien Autoren! Sollen die für Webseiten ohne Werbeeinnahmen umsonst schreiben? Wer soll dann noch ein Gegengewicht zur Bayerischen Landesregierung herstellen? Frau Merkel! Handeln sie jetzt!

Panorama Theme by Themocracy