RTFM

Aufreger 33 Kommentare »

Man sollte meinen, bei Microsoft arbeiten nur hochintelligente Leute. Nun, vielleicht hochintelligent, aber dann manchmal doch ein wenig abgelenkt. Denn obwohl es in dem Readme zur NXE-Beta (auf der eine Menge Microsoft-Mitarbeiter weltweit sind) zig mal drinnen stand, das XXX noch nicht geht, YYY bis zum 19. mit Inhalten gefüllt wird und ZZZ automatisch verschwindet, sobald alle LIVE-Nutzer mit NXE arbeiten, sind auf der internen Mailing-Liste inzwischen jeden Tag mehrere Leute die sich über XXX, YYY oder ZZZ (oder Kombinationen) beschweren, meistens auch noch mit den Worten beginnend “Ich hatte bisher keine Zeit, hier mitzulesen, aber weiß jemand ob…” Ja, verflucht nochmal, 90% der mehreren tausend Leute, die deine Mail gekriegt haben, wissen das, weil sie die eine wirklich wichtige Mail gelesen haben.

Das trifft aber nicht nur Microsoft-Mitarbeiter. Die Zahl der Leute, die NXE im Preview-Programm erhalten haben und genau die eine Sache (Festplatte bitte nicht auf eine andere Konsole stecken) gemacht haben, obwohl es nun wirklich klar in einer kurzen Mail zu diesem Thema stand ist erschreckend.

Überhaupt stelle ich fest, daß immer weniger Menschen einer Gebrauchsanleitung irgendeine Form von Beachtung schenken. Ja, es gibt natürlich ganz miese Exemplare, trotzdem sollte man aber doch einen Blick reinwerfen.

Oder, um einen Begriff aus den Neunzigern wieder aufleben zu lassen: RTFM, was früher “Read the friendly manual” hieß (wobei man das “friendly” durch ein anderes Wort mit F und ing ersetzen kann, das man in amerikanischen Rap-Songs oft hört, auf MTV aber ausgeblendet wird), und heute mit Read The Friendly Mail adaptieren.

Schwarmintelligenz heißt umgekehrt nicht, jede Menge Leute anzumailen, wenn man mal was nicht weiß, sondern erstmal zu gucken, ob man die Information nicht schon längst hat. Der Schwarm ersetzt nicht das eigene Gehirn.

Wer noch ähnliche Geschichten hat, darf sie gerne in die Kommentare schreiben.

Dextrose

Aufreger, Fernsehen 50 Kommentare »

Wenn nicht nur in den Kommentaren dieses Blogs, sondern auch auf vielen anderen TV-Seiten, die Serie “Dexter” gelobt wird, dann kann ich das nach Ansehen der ersten drei Folgen sehr gut verstehen. Handwerklich ist Dexter wirklich sehr schön. Toll, das dem typischen deutschen Tatort-Regisseur, der irgendwann mal gelesen hat, wenn alles Blau eingefärbt wird hätte das auch Atmosphäre, ein kunterbuntes Miami entgegengesetzt wird, bei der selbst in Nachteinstellungen alles leuchtet und satte Farben reizen. Kamera, Schnitt und einige der Schauspieler sind Weltklasse.

Der Plot allerdings ist zum davonlaufen, aus zweierlei Gründen. Fangen wir mit der eher noch verschmerzbaren Sache an, dem Setting und der inneren Logik. Da informiert man uns fröhlich, daß das Morddezernat nur 20% Aufklärungsquote hat. Das mag daran liegen, daß man sich zwar einen ständigen Blutspritz-Experten und auch sonst tolle Laborratten hält, es bei den ermittelnden Detektiven aber eher sparsam angeht. Die Polizisten sind klischeehafter als in anderen Serien, da hilft auch nix, zwischendurch mal Spanisch zu reden, um das Lokalkolorit durchscheinen zu lassen. Die Rollenverteilung Guter Chef/Böse Chefin/Durchgeknallter Kollege/Aufrichtiger Detektiv etc. kommt direkt aus dem Krimischablonenbuch. Das konnte N.Y.P.D. Blue ja schon besser. Dexters “coole Sprüche” waren schon in der dritten Folge abgenutzt, weil sie immer dem gleichen Muster folgen. Und die Tatsache, daß die Polizei ständig im Dunkeln tappt, während Dexter nachts jeden Fall nach 48 Stunden “löst” (oder seiner Schwester (ebenfalls Cop) die Tipps zusteckt, damit diese Karriere machen kann), läßt die Truppe dann erst recht als Volldeppen dastehen.

Und das führt gleich zu Punkt Zwei, der mir extradick im Magen liegt. In all der technischen Raffinesse und der klischeehaften Charakterzeichnung liegt eine nicht vertretbare moralische Botschaft: Todesstrafe, Lynchjustiz und Folter, alles kein Problem, wenn es nur einen richtig bösen Buben (oder Frau) trifft. Auch wenn der Form halber Dexter sich selber auch mal als Monster bezeichnet, geht es (zumindest in den ersten Folgen der Serie) ganz klar drum, daß nur dank Dexter der “Abschaum” aus dem Verkehr gezogen wird, weil Polizei und Gerichte das nicht können und uns nicht beschützen. Selbstzweifel? Keine Spur, insbesondere weil Dexter ja durch Pflegepapa Harry, selber ein Cop, auf diese Reise geschickt wird. Die in der dritten Folge gegebene vorläufige “Legitimation” für Dexters Verhalten ist durch und durch verkommen. Ein Cop schickt seinen Pflegesohn nicht etwa zum Psychologen, sondern zum Ausweiden der noch lebenden Jagdbeute und danach als Racheengel auf die Jagd nach “Bösen Menschen”. Mit irgendwelchen absurden Begründungen, warum das eigentlich eine gute Sache sei. Und nicht etwa nur hinterrücks mordend, sondern mit dem Instrumentarium eines Baumarkts die hilflos gefesselten “Täter” folternd.

Ich weiß nicht, ob es Absicht der Serienmacher und Regisseure ist, den Zuschauer durch all die Technik, Sprüche von Dexter und Sidestories so einzulullen, daß ihm gar nicht auffällt, wie hier ein selbsternannter Richter, Folterer und Henker in Personalunion als eigentlich netter Kerl dargestellt wird, ohne den die Welt noch schlechter wäre. Parallelen zur amerikanischen Politik schenke ich mir.

Der Plot als Computerspiel wäre übrigens automatisch indiziert und auch auf DVD dürfte Dexter eigentlich gar nicht in den freien Handel kommen: In die Liste jugendgefährdender Medien aufgenommen werden solche Medien, “in denen Gewalthandlungen wie Mord- und Metzelszenen selbstzweckhaft und detailliert dargestellt werden oder Selbstjustiz als einzig bewährtes Mittel zur Durchsetzung der vermeintlichen Gerechtigkeit nahe gelegt wird“.

Mögliche Indizierung hin oder her: Ich für meinen Teil nehme Abschied vom bunt fotographierten Miami und der schmissigen Musik der Exil-Kubaner und lasse Dexter ab sofort links liegen, denn ich kann nichts positives daran finden, wie hier Gewalt verherrlicht wird. Mit dieser verkommenen Moralität kommt kaum ein Computerspiel mit.

XNA Community Games Verzögerung

Aufreger, Xbox 360 23 Kommentare »

Da die Kollegen im Gamerscore Blog heute zeigen, wie die XNA Community Games funktionieren werden, muß ich hier traurig hinterher schieben, daß dieser Kanal in Deutschland nicht zum Start verfügbar sein kann. Das hat komplizierte Gründe (die definitiv nichts mit dem Thema “Jugendschutz” zu tun haben) an denen das Team in Redmond fieberhaft arbeitet. Es ist allen im Team klar, daß wir auch in Deutschland baldmöglichst Zugriff auf die Community Games bekommen sollen, wobei wir aber schon von ein paar Wochen (oder mehr) Wartezeit reden. Vielleicht kann ich in den nächsten Tagen die Details posten. Das ganze Thema ist top frustrierend und zeigt den Menschen, die in der Materie drinnen stecken, nur wieder, was für ein bescheuerter Platz Deutschland für einen Online-Dienst eigentlich ist - wie man auch am Thema “Google Bilder Suche” gerade erzählt bekam.

Loudness Wars und Metallica

Aufreger, Musik 13 Kommentare »

Wer viel Musik hört, der kennt den Effekt: CDs scheinen Jahr für Jahr lauter zu werden und wer seine Anlage so einstellt, daß ein aktuelles Album erträglich klingt, kriegt aus einer zehn Jahre alten CD nur noch flachen Pappkarton-Sound.

Wer mehr dazu wissen will, kann sich zum Beispiel auf Wikipedia informieren (wobei der englische Artikel etwas besser ist als der deutsche).

Jüngstes Opfer scheint Webseiten zufolge das neue Metallica-Album zu sein, welches beim Mischen und Mastern wohl so laut gedreht wurde, daß es hörbare Clipping- und Verzerrungs-Effekte geben soll. Soweit so gut. Lustig wird das Ganze durch Fans welche behaupten, die downloadbare Version in Guitar Hero III wäre besser ausgepegelt und hätte all diese unerwünschten Klangeffekte nicht. Weswegen jetzt einige Leute versuchen, die Version aus dem Download zu rippen, um eine vernünftige Version des Albums zu bekommen.

Sag noch mal einer, Musikspiele hätten keinen Einfluß auf die Musikindustrie.

Mail von Larry

Aufreger, Xbox 360 17 Kommentare »

Aus meiner Inbox kommt eine Mail von Larry "Major Nelson" Hryb nach dem Motto "Was haste jetzt wieder gesagt?" - er zitiert eine Mail aus Australien:

Wondering if you could give some insight on your next blog to the comment by Xbox Product Manager Germany Boris Schneider-Johne?

His comment regards load times from Hard Drive won’t be any quicker for the majority of 360 games with the new Fall (our Spring) update?

One of the most things I was looking forward to.

Ich hab im Golem-Interview gesagt:

Wir erlauben dem Kunden jetzt, Spiele auf Festplatte zu installieren - das ist optional, das muss man nicht machen. Aber wenn ich es mache, dann laden diese Spiele schneller, weil ein DVD-Laufwerk mit Seek-Operationen halt ab und zu mal Ladezeiten hat. Es gibt prominente Beispiele, etwa Project Gotham Racing 3, eines der ersten Spiele für Xbox 360. Da waren die Ladezeiten sehr lang, die reduzieren sich gewaltig. Aktuelle Spiele sind schon optimiert, da ist der Gewinn relativ gering.

Beim "Stille Post Spiel" der Internet-Medien wurde dann daraus auf einmal "daß die meisten 360 Spiele nicht schneller laden". Hab ich aber nicht gesagt. Aber es ist für die Kotakus der Welt einfacher, die einmal falsch gemachte Übersetzung zu zitieren, statt irgendwo mal nachzufragen.

So here is a quotable, original, english language reply:

Some games will load a lot faster. Modern games that are optimized for fast DVD access won’t gain as much. For final numbers you have to wait until the update is available.

WP Thema & Icons by N.Design Studio. Deutsch: S.Breuker
Einträge RSS Kommentare RSS Log in