Der erste Trailer zu “Watchmen” ist da. OK, optisch SEHR beeindruckend (allerdings sieht inzwischen jeder zweite Film gut aus, heut kann man ja eigentlich alles rendern), aber ich kapier weiterhin nicht, wie Zack Snyder den Plot ohne kritische Verluste in zwei Stunden quetschen will. Mein Tip: Buch vorher kaufen, genießen und dann im Kino die schönsten Szenen aus dem Buch in Bewegung sehen. Und Dave Gibbons bringt rechtzeitig noch ein Buch über das Buch raus…
Nicht nur das, ärger ärger, am Freitag in den USA die nächste Staffel Monk anläuft und ich in Deutschland darauf warten muß, jetzt schickt mir Amazon auch noch eine “Das könnte sie interessieren” Mail – und Recht haben sie. Offensichtlich hat Monk in Deutschland eine große Fan-Gemeinde, daß die als Buch tatsächlich den armen Kerl nach good old Germany schicken…
Dem Cover halte ich zu Gute, daß nicht etwa Neuschwanstein oder Lederhosen oder sonstige totale Klischees abgebildet werden.
Buch bestellt, Inhaltsangabe folgt.
Aus London den “neuen” Bond mitgebracht: “Devil May Care”, geschrieben von Sebastian Faulks, aber angeblich im Schreibstil von Ian Fleming. Und den hat er wirklich getroffen - leider. Das Ding liest sich wie ein Relikt aus den sechziger Jahren. Man wird sehr ausführlich über Bonds Zigaretten-Vorlieben informiert und die exakten Markennamen aller Getränke. Dazwischen Fleming-übliche Ungereimtheiten: Zweimal bestellt Bond einen Americano – mal als Drink, mal als Kaffee – und es gibt nicht einen Kommentar dazu. Und putzig, wie sich Bond darüber aufregt, daß die Rolling Stones Drogen nehmen. Liest sich anachronistisch wie Fleming, also Mission erfüllt, aber heutzutage eben irgendwie nur skurill und eben kein moderner Thriller.
Ansonsten bietet der Plot die üblichen Bond-Plot-Probleme: Der Bösewicht will erst Bond umbringen, spielt dann aber seelenruhig eine Partie Tennis gegen ihn. Dann bringt er ihn wieder nicht um, weil er ihn noch braucht und erzählt seelenruhig und lange seine Pläne (immerhin gibt es ein Motiv, warum er meint, Bond immer alles erzählen zu müssen). Und glücklicherweise hat der Bösewicht auch einen anderen Plan, als den, von dem M meint, er würde ihn zum bisher gefährlichsten Gegner machen (“potentially the most dangerous man the Service has ever encountered”). Kleiner Spoiler (wirklich klein und vorsehbar): Es geht natürlich nicht um Drogen.
Diese Kurve kriegt der Roman noch, eine andere verfehlt er aber ganz und gar, die ich hier nicht mal andeuten kann, weil es sofort in einem Mega-Spoiler endet. Sagen wir nur mal so: Wer in Kapitel 12 nicht weiß, wie der Hase läuft, kauft auch Brücken in Brooklyn. Ein James Bond, der sich derart übers Ohr hauen läßt, sollte besser seine Lizenz zum Töten abgeben. Wer gut ist, kapiert es schon in Kapitel 9.
Eine kurzweilige S-Bahn- oder Flugzeug-Lektüre, und deutlich amüsanter für jemanden, der die Original-Bond-Bücher (nicht die Filme) kennt.
Best of 2007
Bücher, Fernsehen, Filme, Musik, Online Fundstücke, Random Noise, Software, Videospiele 12 Kommentare »Ich mag etwas spät dran sein, kann aber doch nicht lassen, die Welt von meinen persönlichen Favoriten des vergangenen Jahres zu informieren.
Am meisten gehörtes Album: “It won’t be soon before long” von Maroon 5. Brillant komponiert und produziert, ein echtes Pop-Juwel. Lieblingsstück: Wakeup Call. Text könnte von Johnny Cash sein:
Wakeup Call
Caught you in the morning
With another one in my bed
Don’t you care about me anymore
Care about me
I don’t think so
Six foot tall
Came without a warning
So I had to shoot him dead
He won’t come around here anymore
Come around here
I don’t feel so bad.
Das mit einer munter fröhlichen Pop-Melodei vorgetragen, daß selbst “Can’t Decide” von den Scissor Sisters nicht an diese Subversivität rankommt.
Beste Webseite des Jahres: Fernsehlexikon. Die Autoren lieben Fernsehserien. Und wer was liebt, darf auch richtig lästern. Insbesondere über Pro Mal sehen ob wir die Serie diese Woche noch senden 7. Die unregelmässigen Blog-Einträge sind oft der Höhepunkt meines RSS-Feeds-Lesens. Manchmal auch für echte Kalauer gut. Mein Lieblingsbeitrag ist dieser Gag hier, der mich im Büro wieder die Verlegenheit eines lauten Lachers gekostet hat.
Buch-Überraschung des Jahres: Die Geheime Benedict-Gesellschaft. Jeder darf dieses Buch lesen, denn es ist ein reines Kinderbuch. Man darf so lange lesen, wie man will, sofern man nicht vor dem Schluß aufhört. Verwirrt? In einem Plot, der Orwells 1984, Lucasarts Zak McKracken, Rowlings Harry Potter, Jason Bourne, die drei Fragezeichen und noch mehr verbindet, macht das tatsächlich Sinn. Ein Jugendbuch, das auch für Erwachsene hervorragend funktioniert. Vier hochbegabte Kinder legen einem Bond-gemessenen Superschurken das Handwerk. Dazu kommen ein Narkoleptiker, ein Mann ohne Gedächtnis, ein perfider Aufnahmetest, ein verflucht schneller Rollstuhl, ein teuflisches Wartezimmer und natürlich der “Notstand” - hach, in dem Buch wimmelt es von Ideen, Spannung, Witzen und eingestreuten Logikpuzzles. Herrlich!
DVD des Jahres: Blade Runner - The Final Cut. Ist sowieso einer meiner absoluten Lieblingsfilme und das 5-Disk-DVD-Set ist einfach ein Hammer. Mehr Blade Runner geht nicht. Auf HD-DVD sieht’s natürlich noch besser aus.
Film des Jahres: Hot Fuzz. Auch Anwärter auf DVD des Jahres (für die 2-Disk-UK-Version, die ich in Heathrow am Flughafen gekauft habe als der Film erst drei Wochen vorher in Deutschland im Kino gestartet war).
Fernsehen des Jahres: Switch Reloaded hatte einige brillante Momente, aber der Preis geht ganz klar an Heroes. Ich war erst skeptisch, dann aber vollkommen überzeugt von der ersten Staffel, die alles das richtig gemacht hat, was Lost in der dritten Staffel falsch machte. Keine Wiederholungen, Langeweile oder “wir strecken das mal ein bisschen um noch ein paar Folgen voll zu kriegen” Momente. Ein echter Schluß. Unerwartete Heldentode. Und der Mut, die Schundliteratur “Comic” einfach ernst zu nehmen. Ich geb’s zu, ich hab es nicht auf RTL2 gesehen, sondern das amerikanische HD DVD Box Set - aber auch ohne 1080p ist Heroes ein echtes Kleinod.
Bester Spielspaß des Jahres: Portal. Warum? Darum!
Beste Spielemusik und bestes Intro: PGR4. Wer nach den 7 Minuten Prodigy nicht den unbändigen Drang spürt sofort Kudos-Punkte zu sammeln, ist halbtot. Dabei bin ich gar kein Prodigy-Fan.
Größte Vorfreude (aus Zeitmangel immer noch nicht eingelöst): Mass Effect.
Die beiden “Macht ja Spaß!” Überraschungen des Jahres: Peggle von Popcap Games und Hidden Expedition: Titanic von Big Fish Games. Beides mit Spielprinzipien die so einfach sind, daß es jedem Spieletester weh tun müsste. Aber beide wahnsinnige Zeitfresser - jeweils entdeckt im Hotelzimmer, keine Xbox aber ein Laptop in der Nähe und geguckt, was es so an “Casual Games” gibt. Gerade das Titanic-Spiel, ein einfaches Suchbild ohne großartige technische Leistungen, hat mich in der “Wie? So spät schon?” Kategorie verblüfft. Natürlich gibt es Dutzende dieser “Hidden Object”-Spiele (man kann ja nicht immer nur Shanghai-, Bejewelled- und Zuma-Clones programmieren) und viele sind Müll, aber die Titanic mußte ich durchspielen. Es war wie verflucht…
Beste bedruckte Seite: 110 in Der Schrecksenmeister von Walter Moers. Da geht es um den Friedhof der nutzlosen Küchengeräte, eine Passage, die mir nach der jährlichen “Welches Küchengerät verschenk ich bloß?” Suche für Ehefrau und Schwiegervater (beides Küchenmenschen) sehr am Herzen liegt. Würd ich hier glatt vollständig zitieren, fürchte aber Verlagsanwälte und/oder Mythenmetz persönlich. Auch die Passage über die Weinverkostung, die vom banalen über das reale ins satirische und dann ins phantastische steigert, soll hier lobend erwähnt werden. Ein Buch, das reale Begriffe wie Wrasen so geschickt neben ausgedachten Wörtern wie Knilschbrömen verwendet, kann ja nicht schlecht sein.
Nützlichste Software: MediaMonkey 3 mit dem Tagging Inconsistencies Script. Endlich habe ich alle meine Audio CDs (weit über tausend - uff…) gerippt (auch die ganzen Exoten) und mit Media Monkey 3 auch die diversen Tagging-Probleme im Griff. Das Tagging Inconsistencies Script findet unter anderem unterschiedliche Schreibweisen von Künstlernamen (Sammy Davis Jr oder Sammy Davis, Jr.), alle Probleme mit “The…”, Doppelalben ohne Disknummer, und so weiter.
Steven Poole hat sein im Jahre 2000 veröffentliches Buch "Trigger Happy" über die Ästhetik und den Spielspaß von Videospielen experimental zum freien Download auf seine Webseite gestellt. Das Buch ist in vielen Strecken auch heute noch auf aktuellem Stand, auch wenn ich manchmal nicht mit ihm übereinstimme.
Natürlich sollte man das Buch eher kaufen, aber der PDF-Download kann da ja als erweiterte Leseprobe dienen.

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