Polaris

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Zur Abwechslung mal wieder ein Buchtipp: Polaris von Jack McDevitt hatte ich mir im Mai in USA mal blind eingesteckt und bin hellauf begeistert. An sich nur ein simpel gestrickter Science-Fiction-Mystery mit manchmal zu schablonenhaften Charakteren, aber mit Tempo und Ideen, einem spannenden Rätsel und einer glaubhaften Lösung (auf die man kommen kann, aber trotzdem noch ein paar Überraschungen erlebt).

Die Grundidee: Vor über 60 Jahren verschwand die Besatzung des Raumschiffs Polaris spurlos. Noch dazu handelte es sich um einige der fähigsten Wissenschaftler des Universums. Das Rätsel wurde nie gelöst und jetzt endlich werden einige der Überbleibsel aus dem Raumschiff auf einer Auktion versteigert. Ein Antiquitätenhändler wird dabei in einen Strudel von Ereignissen gerissen, an deren Ende natürlich auch die Aufklärung des sechzig Jahre alten Puzzles steht.

Die anderen Bücher um Alex Benedict, den intergalaktischen Antiquitätenhändler, hab ich bei Amazon gerade bestellt. Achja, da ich in Englisch lese, kann ich nichts zur Qualität der hier verlinkten Übersetzung sagen.

Digital Lifestyle

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Als ich neulich in einem Interview mal wieder gefragt wurde, was ich denn so unter dem “Digital Entertainment Lifestyle” verstehe, kam ich auf die Idee, mal wieder eine alte Schwarte aus dem Keller zu kramen: Being Digital von Nicholas Negroponte war vor gerade mal elf Jahren, 1995, das “Standardwerk” der populären Literatur, das uns aufzeigen sollte, wo die Welt der Zukunft hingeht. Vom Autor war ich damals so überzeugt, daß ich ihn zusammen mit Gregor Neumann für “Hyper” als Kolumnisten engagierte.

Dieser Führer in die Zukunft liest sich heute, gerade mal eine Dekade später, als trauriger Beweis, daß Zukunftsforschung eher was mit Glücksspiel zu tun hat (oder Negroponte doch keinen Schimmer hatte). Den Rest des Beitrages lesen »

Aus der Buchhandlung

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Wer gedacht hat, in Deutschland wäre das Sudoku-Fieber ausgebrochen, hat sich noch nicht in einer US-Buchhandlung umgesehen. Hier gibt es tatsächlich hunderte von Sudoko-Büchern. Das wird allerdings noch von der Zahl der Poker-Bücher übertroffen. Ganze Regalwände von Titeln über das richtige Power-Pokern - und keiner stellt die Frage “Wenn der Autor wirklich so gut pokern könnte, würde er dann Bücher schreiben oder in Vegas am Tisch viel Geld machen?”.

Und die Menge der Da-Vinci-Code-(Sakrileg)-Bücher, die hier rumliegen, entspricht in etwa 10% des südamerikanischen Regenwaldes. Soviel Papier hat ein einzelner Autor seit Jahrzehnten nicht mehr bedruckt.

Captains Chair und Hendrix Gitarre

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Samstag in Seattle und noch nix beruflich zu tun: Also ab ins Freizeit-Programm. Punkt Eins auf der Liste ist das seit 2000 eröffnete Experience Music Project, ein Museum rund um moderne Musik mit einem gewissen Fokus auf Seattles berühmtesten Musiker, Jimi Hendrix. Seit 2004 gibt es einen Anbau, das Science Fiction Museum, welches sich, na klar, mit meiner Lieblings-Literatur beschäftigt. Rockmusik und Aliens, einen besseren Tag kann man sich doch gar nicht wünschen.

Das EMP ist allerdings zumindest zur Zeit eine langweilige Kiste mit überhöhten Preisen. Die Zahl der zugänglichen Exponate ist klein und wirr ausgewählt. Die Ausstellung der Musik des pazifischen Nordwestens, insbesondere des ganzen Grunge, ist natürlich vollständig wie auch der Hendrix-Bereich. Die Sonderausstellung zu den Anfängen des Hip Hops war sogar richtig klasse und informativ. Aber dann ist, ei der Daus, das Museum auch schon wieder zu Ende. (Die Bob Dylan Retrospektive war jetzt nicht so mein Ding). Dann gibt es noch einen, sicher sehr guten, “interaktiven” Bereich, in dem man Drums, Keyboard und Gitarre im Schnellverfahren lernen und sogar seine eigene CD aufnehmen kann, nur ist der Bereich am Samstag natürlich hemmungslos überlaufen. Ich saß schließlich verwirrt auf einer Bank, blätterte verzweifelt im Plan und fragte mich “Das kann doch nicht alles gewesen sein?” Ich hatte im Hinterkopf, hier hätten auch Jazz und andere Musikstile ein zu Hause, das beschränkte sich aber auf die Möglichkeit, an PCs von Compaq zwei alte Ella Fitzgerald Platten anzuhören.

Selbst der Museumsshop ist Müll. Es gibt keinen gescheiten Katalog, das Buch zur Hip Hop Ausstellung war vergriffen und der Focus lag eindeutig auf T-Shirts statt auf Hintergrundmaterial. Gut, das “Museum” steht in den USA, aber irgendwie wäre mir mehr Background und weniger Touri-Kommerz im Muesumsladen lieber gewesen.

Während man vom Shop des Science Fiction Museums das Gleiche sagen kann, ist das Museum selbst eine echte Wucht. Wer in der Gegend ist und nur ein bißchen Interesse an SF hat: HIN GE HEN! Was hier an Exponaten rumsteht ist unschlagbar, Requisiten aus allen möglichen Filmen, Buch-Erstausgaben, selbst gebaute Modelle und zwei gigantische HiDef-Video-Installationen. Bei der einen kann man verblüffend einen Raumflughafen mit Raumschiffen von der Kanonenkugel zum Mond bis zum Planet Express aus Futurama an- und abdocken sehen. Die andere zeigt den Blick aus dem Fenster aus das Los Angeles von Blade Runner, die Welt der Matrix oder das futuristische Ambiente der Jetsons und durch eine geschickt platztierte Leinwand wirkt das Bild fast dreidimensional, so als ob man wirklich aus dem Fenster sehen könnte. Mein Lieblingsexponat ist das Original-Manuskript von Neal Stephensons Quicksilver-Trilogie: Ein mannshoher Berg Papier, denn Neal hat die knapp dreitausend Seiten mit der Hand geschrieben. Uff!

Leider darf man im Science Fiction Museum nicht fotographieren (und wird auch aktiv durch die Mitarbeiter daran gehindert) - ein Foto vom Original-Captain-Kirk-Sessel oder echten Kostümen vom Planet der Affen hätte ich hier gerne online gestellt.

Der Dan Brown Code

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Ich bin immer unberechtigt aber verwegen stolz darauf, nicht die totalen Mainstream-Bücher zu lesen, sozusagen ein wenig Bestseller-Autismus. Dementsprechend hab ich immer noch kein Harry-Potter-Buch gelesen. Ich hab auch ein zwiegespaltenes Verhätnis zu Techno-Thriller: Jagd auf Roter Oktober ist ein brillantes Buch, leider hat Clancy danach nix Gescheites mehr auf die Reihe bekommen - ich hab sogar das handsignierte Red Storm Rising (Microprose hatte die Lizenz und ich traf Clancy in Las Vegas Januar 1986 1987 (danke, Gregor) für eine halbe Stunde, wenn ich mich recht erinnere) irgendwann mal zu gut aufgeräumt. Hebt die Titanic, bei allem wissenschaftlichen Blödsinn, war irgendwie cool, aber Dirk Pitt wurde auch von Band zu Band absurder. Mein heimlicher Tip für einen guten Techno-Thriller, den kaum einer kennt: “Vertical Run” (Der Schacht) von Jospeh Garber. Quasi Die Hard (Eins) Hoch Zehn. Gibts praktisch umsonst (nur Versandkosten) bei diversen Amazon-Marketplace-Händlern.

Genauso vehement wie gegen Harry Potter hab ich mich auch gegen Dan Brown und den Da Vinci Code gewehrt. Ein derart erfolgreiches Buch kann ja dann wohl doch nicht so gut sein. Zu Weihnachten hat mir dann aber meine Frau einfach Meteor (Deception Point) geschenkt. Ich kann jetzt zwar nicht völlige Begeisterung mitteilen, aber Junge, der Brown versteht sein Handwerk. Die Handlung ist mit Sicherheit präzise mit einer Tabellenkalkulation ausgerechnet: Bis Seite 100 laß ich den Leser zappeln, auf Seite 110 denkt er “Achja, OK, so geht es aus, lesen wir trotzdem mal weiter” und dann präsentier ich ihm diese Lösung schon auf Seite 120 als Fakt und hab noch 380 gemütliche Seiten übrig, um trotz nur eines einzigen richtigen Plot-Twists die Spannung ganz gut oben zu halten. Character Development aufs notwendigste reduizert, schnelle “Schnitte” zwischen den Handlungsebenen, ständige kleine Cliffhanger. Handwerklich große Klasse. Nur eines hätte er sich schenken sollen: Die blöde Bemerkung, daß die ganze Technologie im Buch schon existieren würde -  was bei den diversen Waffen der Delta Force auf keinen Fall stimmt, insbesonde beim Mikro-Aufklärungs-Flugzeug. Ist doch keine Schande, lustige Technik halbwegs glaubwürdig zu erfinden, wenn’s dem Plot dient.

Nur eins kapier ich nicht ganz: Die deutsche Übersetzung macht auf mich im großen und ganzen einen sauberen Eindruck, aber wer läßt sich da die deutschen Titel einfallen? Der Name “Meteor” nimmt logischerweise das erste kleine Rätsel schon vorweg, während der Original-Titel, Deception Point, den unvermeindlichen Verdacht, worum es geht, vorweg nimmt, aber gleichzeitig in Frage stellt. Warum der Da Vinci Code hier Sakrileg heißen muß, ist mir auch unklar, und Digital Fortress kommt als Diabolus im deutschen Titel auch ziemlich doof weg. Naja, den Verkäufen tut es keinen Abbruch und ich werd mich wohl doch auch mal in den Da Vinci Code stürzen.

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