Category: Filme

Es regnet Klopse

Von Boris Schneider-Johne, Do, 4. Feb 2010 21:07

Ich hab’s zwar schon getwittert aber: “Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen” ist ein herrlich unsinnig komischer Film. Man kennt mich ja als Wetterer gegen die Unlogik in Filmen, die sich ernst nehmen. Wolkig… nimmt sich nicht eine Sekunde ernst und schöpft deswegen sein Humorpotential voll aus. Egal wie absurd eine Idee ist, sie wird weitergesponnen und alle Charaktere steigen einfach darauf ein (die #1 Regel von gutem Improv-Theater).

Mein Lieblingsbeispiel: Erfinder Flint hat eine Maschine, die aus Wasser Essen macht. Die Maschine heißt: “Flint Lockwood Diatonic Super Mutating Dynamic Food Replicator”, abgekürzt “FLDSMDFR”. In jeder anderen Komödie würde irgendein Charakter jetzt sagen, daß man da einen besseren Namen braucht. Aber in diesem Film versuchen einfach alle, diesen Namen mitten im Dialog auszusprechen (zum Beispiel Flitzimdöfrö…) und das auch nicht seltsam zu finden. So macht man Running Gags, bei denen Boris japsend im Kinosessel liegt. Ich könnte noch mehr zitieren, aber das nimmt den Spaß beim Angucken weg, also keine Spoiler.

Und wenn im großen Finale Flints Vater vor die größte Aufgabe seines Lebens gestellt wird, sind alle Nerds in uns glücklich über die perfekte Darstellung eines Telefongesprächs, das jeder von uns schon mal hatte. Nur eben nicht in diesem Zusammenhang.

Unobtanium kann fliegen!

Von Boris Schneider-Johne, Fr, 18. Dez 2009 20:32

Ich bin ganz frisch aus der Nachmittagsvorstellung von Avatar (zu irgendwas muß der erste Urlaubstag ja nutze sein) und ich halte hiermit fest: Ich war ein großer Fan von James Cameron. Aliens ist einer der besten Actionfilme aller Zeiten. Terminator 2 hat ihn etabliert als jemanden, der neue Technik und nie dagewesene Effekte in einen Plot einbauen kann. Hut ab.

Aber mit Avatar hat er sein magisches Händchen für mich verloren. AvL wird jubeln – alles das, was er mir damals in Köln sagte, als wir aus dem Kino kamen, wo wir 20 Minuten aus dem Film sehen konnten, ist leider wahr. Aus der schönsten Optik, dem besten Setdesign, den irrsten Spezialeffekten holt Cameron in der Story nichts, aber auch gar nichts heraus.

Terminator 2 funktioniert, weil der Gegner ein Typ aus flüssigem Metall ist, was uns den ganzen Plot hindurch begleitet und was beim Showdown von essentieller Bedeutung ist. Avatar hat zwar 3 Meter hohe blaue Aliens und ein paar lustige, bunte Tiere, aber macht nichts draus. Und diesmal hat der Bösewicht den Powerloader, der mich, ehrlich gesagt, mit Ripley am Steuer deutlich mehr beeindruckt hat als hier.

Ganz klar, optisch bleibt es bei meinem “Das hast du noch nicht gesehen!”. Der Einsatz von 3D ist fantastisch und es gibt praktisch keine Szene, in der man durch technische Mängel aus der Story rausgeholt wird. Avatar ist in allen technischen Bereichen die neue Referenz. Nie sahen Aliens und ein fremder Planet so echt aus.

Aber der Plot? Ein üble Western-Geschichte mit bösen Cowboys und guten Indianern. Und einigen guten Cowboys, die den Indianern helfen. Keine einzige unerwartete Wende im Plot, alles nach Schema F und, für mich entscheidend, alles problemlos ohne all die Technik erzählbar.

Cameron hat nicht 14 Jahre gewartet, weil er eine tolle Geschichte erzählen wollte, sondern weil er dieses Bild von 3 Meter blauen Menschen (die evolutionär übrigens zu NICHTS auf Pandora passen, das nur so nebenbei) verwirklichen wollte. Weil er 3D-vernarrt ist und weil er der einzige Kerl auf der Erde bleibt, dem Filmstudios glauben, wenn er sagt “Für X Millionen Dollar baue ich euch einen kompletten anderen Planeten”. Selbst Spielberg hätte das Geld selber auftreiben müssen. (Lucas hätte den Film durch Merchandising-Rechte vorfinanziert…)

Was Cameron kann wie kein anderer, ist eine Actionszene so zu erzählen, daß man sie versteht. Warum sind die Flugdrachen alle so bunt? Weil wir in den letzten 20 Minuten niemals Probleme haben zu verstehen, wer gerade wo ist. Sozusagen das genaue Gegenteil zum letzten James Bond, wo ich auch nach wiederholtem Ansehen die Actionszenen einfach in der Chronologie nicht verstehe. Das Finale ist nicht nur schön anzusehen, es ergibt auch innerhalb der Welt von Pandora absolut Sinn. Und deswegen fiebert man im Kinosessel mit und verkrampft sich regelrecht in einigen Momenten. Kamera, Effekte, Schnitt und auch 3D at its best.

Das kann man aber vom ganzen Drumherum nicht behaupten. Wir erfahren niemals, was Jack vor seinem Pandora-Trip wirklich gemacht hat, außer das er wohl bei den Marines in Venezuela ein echt harter Knochen war und daß er querschnittgelähmt ist. Damit die zweite Hälfte des Films emotional funktioniert, müßte Jack irgendeine Hintergrundgeschichte haben, aber er bleibt ein Mann ohne Vergangenheit. Selbst sein Zwillingsbruder hat keinerlei Bedeutung – außer der McGuffin zu sein, der Jack nach Pandora und in den Avatar hinein bringt. Mir kommt Jack deswegen nur wie ein selbstsüchtiges Arschloch vor, das halt jede Chance nutzt, wieder laufen zu können. Die Wandlung vom Saulus zum Paulus kann man ihm nicht abnehmen, es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, außer daß es ihm halt Spaß macht, diesen neuen Körper zu haben.

Der große andere McGuffin des Films ist der, der mich allerdings so richtig richtig sauer macht, weil wegen einem coolen Effekt Cameron seinen ganzen Plot von vorne bis hinten ruiniert. Achtung, ganz leichter Spoiler ahead (aber in dem Film kann man nur die Plotlöcher spoilern, weil der Rest so vorsehbar ist). Also, nicht weiterlesen!

Weiter lesen 'Unobtanium kann fliegen!'»

Vorhersagen

Von Boris Schneider-Johne, Mo, 29. Jun 2009 17:31

Fazit nach drei Wochen USA (Halbzeit!): Nichts haben die Amis so wenig im Griff wie ihr eigenes Wetter. Die Wettervorhersage war in den letzten Wochen schon auf 24 Stunden so gut wie nie richtig. Am Freitag war ein bewölkt-regnerisches Wochenende angekündigt, weswegen ich mir eine Fahrt zum Vulkan St. Helens verkniffen habe (immerhin knapp vier Stunden mit dem Auto). Prompt haben wir hier ein 100% sonniges und knallheißes Wochenende. Jetzt habe ich einen leichten Sonnenbrand im Nacken.

Dafür habe ich im EMP/SFM die original Ernie & Bert Puppen gesehen, bei Eddie Bauer Poloshirts zu einem unverschämten Preis (und dann noch der niedrige Dollar) gekauft, Pläne für den Independence Day (gefolgt von meinem Geburtstag) gemacht und mich Sonntag abend im Kino abgkühlt – mit “The Hangover”. Normalerweise stehe ich nicht auf Komödien mit “Erwachsenen-Witzen”, aber dieser Film ist ein kleines Meisterwerk. Politisch völlig inkorrekt werden hier absurde Situationen aufeinandergestapelt, daß man in den letzten zehn MInuten nur noch hysterisch lacht. Von Timing und Situationskomik erinnert es an einen guten Blake-Edwards-Film. Nur eben streckenweise viel geschmackloser. Aber nie wurden olle Schoten so überzeugend in Szene gesetzt. Da lache ich sogar über Pinkel-Witze. Empfehlenswert.

Faszinierend und logisch

Von Boris Schneider-Johne, Fr, 17. Apr 2009 22:01

Disclaimer vorweg: Dieser Blogpost enthält keine Spoiler. Und die Bemerkung, sich weitere Artikel von anderen Leuten zu “Star Trek” nur dann durchzulesen, wenn sie auch Spoiler-frei sind. Es lohnt sich, nicht alles vorher zu wissen, wenn man sich Star Trek im Kino ansehen will.

Denn die Truppe um JJ Abrams hat eines geschafft: Einen “Reboot” der alten Fernsehserie zu erschaffen, der sogar Sinn ergibt. Man kann aus dem Kino gehen und sagen: “Logisch, daß jetzt alles ein bisschen anders ist”. Das Drehbuch ist aus der alten Sam Goldwyn-Schule: “Mit einem Erdbeben anfangen und dann langsam steigern”. Die Jokes sind lustig – sogar in der deutschen Übersetzung. Die Charaktere erleben dramatisches. Die Actionszenen sind gut ausgedacht und brillant geschnitten. In gut zwei Stunden Laufzeit gibt es kaum Leerlauf – man wünscht sich eher bei der Erklärung der “Backstory” im zweiten Akt eine kurze Verschnaufspause. Und ILM hat ein paar Spezialeffekte herbeigezaubert, die man so im Kino noch nicht gesehen hat. Und Zachary Quinto als Spock… rulez! Kann man nicht anders sagen.

Vielleicht war deswegen die Schauspieler-Truppe, die gerade um die ganze Welt reist um den Film zu präsentieren, bei der Premiere in Berlin so gut gelaunt. Schon draußen auf dem roten blauen Teppich wurde viel gewitzelt. Im Kino betätigte sich JJ Abrams als Beatboxer und unterlegte den Auftritt aller Schauspieler rhythmisch. Karl Urban (Pille), der manierlich deutsch spricht, nutzte das Kino für flachste Witze mit und über John Cho (Sulu). Einen Stapel Bilder vom blauen Teppich findet der geneigte Leser in meiner Fotogalerie.

Weil es kurz nach dem Filmstart auch ein Spiel namens “Star Trek D.A.C.” auf Xbox Live Arcade geben wird, gab es die schöne Gelegenheit, bei der Premiere nach vielen Jahren mal wieder den Journalisten zu geben und sich einen Presseausweis zu besorgen. Von IDG Entertainment konnte ich mir Toni “Raumschiff Gamestar” Schwaiger als Kameramann ausleihen. Und so standen wir unter anderem sardinengleich gequetscht zwischen RTL, ARD und Reuters am blauen Teppich, waren vormittags im Hotel der Stars und nach dem Film auf der Premierenparty. Ein lustiges kleines Video dazu wird in den nächsten Wochen (noch vor dem Filmstart) auf Xbox LIVE erscheinen.

Sieh mal doppelt

Von Boris Schneider-Johne, Do, 12. Mrz 2009 18:15

clip_image002

clip_image001Was will uns der Blogger jetzt damit wieder sagen? Nun, am 20. März startet auf dem Xbox Live Videomarktplatz ein Experiment. Der brandaktuelle Thriller “Der Mann, der niemals lebte” (DiCaprio, Crowe, Regie: Ridley Scott)erscheint dann (zeitgleich mit der DVD) gleich vier Mal im Download-Menü: Sowohl die SD- wie die HD-Version kann man dann wahlweise auf Englisch oder Deutsch downloaden. “Originalversionen” war ein vielfach gewünschter Verbesserungs-Vorschlag der Xbox Live Community in Deutschland und deswegen wird es mit einem top-aktuellen Film ausprobiert. Anhand der Download-Zahlen kann das Team dann ablesen, wie interessiert das Publikum wirklich an einer englischsprachigen Version ist und die Weichen für die nächsten Monate (und Filme) stellen.

Panorama Theme by Themocracy