Category: Filme

Monstermässiges 3D

Von Boris, Di, 10. Mrz 2009 23:54

Ich war spontan für ein verlängertes Wochenende in Berlin (mehr dazu im Laufe der Woche) und muß heute aber quasi das Ende meiner Berlin-Reise loswerden. Paramount Pictures war so freundlich, mich zur Deutschland-Premiere von Monsters vs. Aliens einzuladen. Besonders verlockend: Den Film nicht nur Wochen vor dem Kinostart zu sehen, sondern auch noch in 3D. Das Premierenkino war mit dem RealD System ausgestattet, von dem ich bisher nur gelesen, es aber noch nicht in Aktion gesehen hatte. RealD arbeitet mit Brillen, die auch bei Kopfbewegungen keine Geisterbilder zeigen sollen. Bisher hatte ich 3D-Filme im wesentlichen mit linear polarisierenden Brillen gesehen, bei denen jede Neigung des Kopfes zu Geisterbildern und damit schnell zu Kopfschmerzen führte.

Der Film: Gut bis sehr gut. Die beeindruckendste Sequenz (auch in 2D) läuft aber absurderweise in der Mitte des Films und nicht als Finale. Für Science Fiction Nerds hängt die Story ein wenig zu sehr auf Gigantica fest, ich würde deutlich mehr Dr. Kakerlake und B.O.B. sehen wollen, aber die Auftritte der Monster sind gut und rund. Im englischen Original (ich hab die Synchro gesehen) wird wahrscheinlich der von Stephen Colbert dargestellte amerikanische Präsident ein Brüller sein, der kam mir auf Deutsch etwas farblos. Und der Bösewicht kommt irgendwie zu kurz. Kurzurteil: Kann “Monster GmbH AG” nicht schlagen, aber Dreamworks wird von Film zu Film besser. Lohnt sich.

Das 3D: Kurz gesagt – Uff! Ich hab viele 3D-Sachen gesehen, sowohl Dokumentationen wie auch Themenpark-Installationen, aber in Sachen Plastizität ist Monsters vs. Aliens ein neuer Standard (Bolt habe ich verpaßt). Es gibt eine Reihe von Szenen mit unglaublicher Tiefe, beispielsweise wenn Kampfjets das Alien-Raumschiff angreifen und man die Rauchfahnen der Raketen sieht. Die (wenigen) Weltall-Szenen wirken auch grandios, weil man die Tiefe des Alls erahnt. Und anders als bei vielen 3D-Produktionen hat man nicht das Gefühl, das einfach nur platte Objekte in verschiedenen Schichten erscheinen. Charaktere wirken dreidimensional und plastisch. Ein ähnlich gutes 3D-Erlebnis hatte ich erst einmal, beim IMAX-Film “Magificent Desolation“.

Dazu kommt, daß die 3D-Projektion natürlich digital ist und man jedes einzelne Haar extrem scharf sieht und das Bild zwischen Frames nicht einen Millimeter wackelt, was den 3D-Effekt noch weiter verstärkt.

Wer Monsters vs. Aliens in 3D sehen will: Der Heise Verlag führt eine halbwegs aktualisierte Liste von 3D Kinos in Deutschland (wobei das Colosseum in Berlin noch fehlt).

http://www.heise.de/ct/3D-Kinos-in-Deutschland-Oesterreich-und-der-Schweiz–/hintergrund/meldung/120148

((Durch die Seitenumstellung bei c’t gerade jetzt funktioniert der Link, und auch die bisher benamsten Alternativen, nicht.))

Ich kann mir jedenfalls sehr gut vorstellen, Computer-Animierte Filme ab sofort nur noch in 3D zu sehen. Ob auch Real-Filme das hinkriegen? Nun, James Cameron verspricht für seine Produktion Avatar, das zu beweisen. Ich bin mal sehr gespannt.

Watch the Watchmen

Von Boris, Do, 5. Mrz 2009 11:07

Gestern abend in einem nur zu 2/3 gefüllten Kino (schlechtes Vorzeichen?) eine Preview von Watchmen gesehen. Wer hier öfters reinschaut weiß: Ich liebe das Buch und ich hatte Angst, daß Zack Snyder es versaut. Bin nicht der größte 300 Fan.

Er hat es nicht versaut.

Der Film ist, trotz knapp drei Stunden Länge, eine Art “Readers Digest” Version des Buchs, bei der konsequent fast alle Subplots entfernt wurden, was aber der Übersicht dienlich ist. Gefühlt fehlt das halbe Buch – aber man vermisst es während des Anschauens nicht. Es wurde auch am Ende gefummelt, aber überraschenderweise gibt die Film-Version fast noch mehr Sinn, obwohl sie wohl nur gemacht wurde, um die Zahl der Charaktere und Handlungsstränge zu reduzieren. Der Schlüsselsatz ist noch da (“Ich habe es vor 35 Minuten getan.”) – als ich den das erste Mal vor fast zwanzig Jahren las, sagte ich “Uff!” und klappte erstmal das Buch zu.

Also, mit diesen Änderungen am Plot bin ich einverstanden – alles andere hätte in einem Fünf-Stunden-Film geendet, den keiner ohne Comic-Kenntnis verstanden hätte.

Ein bisschen schade finde ich aber die Anpassungen an das moderne Publikum. Der Splatter-Anteil wurde, meiner Ansicht nach ohne wirklichen Grund, deutlich erhöht. Das fängt bei Details an (in Kampfszenen sieht man mal einen brechenden Knochen aus dem Fleisch stoßen), führt bei Rorschach zu einer fiesen Charakteränderung (wie er mit dem Kindesentführer umgeht – die Comic-Variante ist viel besser, aber leider halt durch die ollen Saw-Filme entwertet) und Snyder macht für mich die letzte “Sterbeszene” im Film kaputt; für einen letzten Splatter-Effekt, den die handelnden Personen nicht verdient haben.

Aber, hey, das ist Jammern auf hohem Niveau. Hier kann man wirklich erst den Film gucken und nachher zur Vertiefung das Buch lesen und kommt beide Male nicht zu kurz.

Das einzig wirklich nervige, dafür kann Zack Snyder nix: Mittelmässige Kopie in einem analogen Kino. Die im Quicktime-Trailer knackig scharfe Mars-Sequenz wird da auf der Leinwand zu einer billigen Matsche, die einen schon fragen läßt, warum man Eintrittsgeld zahlen soll, statt sich einfach eine DVD (ich rede nicht mal von Blu-Ray) zu kaufen.

Kinorückblick 2008

Von Boris, Mo, 5. Jan 2009 17:23

Ich war viel zu wenig im Kino. Und hab noch weniger darüber gebloggt, obwohl ich das eigentlich gerne mache. Deswegen hier im Schnelldurchlauf und ohne richtige Reihenfolge ein Checkup einiger meiner ungebloggten Kino-Besuche 2008. Maximal einen Absatz pro Film.

The Dark Knight. Bringen wir es hinter uns, zur Steinigung bitte hinten anstellen: Der war gut, aber bei weitem nicht so toll wie alle sagen. Um genau zu sein – der Joker ist auch meiner Meinung nach untoppbar, aber Batman (ich hack mich mal in alle Handys der Stadt) ist ne Lachnummer, unfreiwillig. Und in den letzten dreißig Minuten kippt der Film ganz seltsam um – erst wird haarklein dargestellt, wie “böse” auch die normalen Menschen unter Druck sein können, und dann wird die Fähren-Nummer typisch amerikanisch aufgelöst und sogar die Bösen Buben sind auf einmal Gut…

Ironman. Spannungsabfall: Ich liebte bei aller Absurdität (Herzoperation und Quantenphysik in einer staubigen Höhle in Afghanistan) die erste halbe Stunde und den sehr, sehr zynischen Tony Stark. Dann war er nur noch gut. Das Finale fand ich sterbenslangweilig. Lag vielleicht am Jetlag (in USA gesehen).

Tropic Thunder. Extrem komisch. Insbesondere weil, wenn man denkt “Das ist jetzt zu eklig…” (Ich sag nur Regisseur) dann setzt er noch einen drauf und noch einen… Und der extrem böse Monolog von Downey Jr. zum Thema “Gewinn einen Oscar in dem du…”, der in den USA für Empörung sorgte, außer natürlich bei den wirklich Betroffenen, die wahrscheinlich den Zynismus nicht gegen Behinderte, sondern gegen die Vermarktungsmaschinerie tatsächlich verstanden.

Wall-E. Keiner rendert schöner als Pixar. Wall-E ist der moderne Buster Keaton – einfach unglaublich. Der Plot ist der löchrigste, den Pixar jemals verfilmt hat (da könnte man sooooolche Abhandlungen schreiben), aber es stört nicht, denn man kann sich an den Bildern einfach nicht satt sehen. Und am Sound nicht satt hören. Oscar bitte für Ben Burtt. Muß man in einem Kino mit Digital-Projektion sehen.

Eagle Eye. Au Backe. C-Movie Drehbuch mit A-Movie Production Values. Der ganz große Haken: Der Film nimmt sich und seinen Plot ernst. Als Parodie würde der wahrscheinlich sogar funktionieren. So wie Indiana Jones beispielsweise, wo jede Szene sagt: He, ist nur ein Film, wir wollen nur ein bisschen Spaß haben.

Shine a Light. Großer Film, der leider auch zeigt, daß Mick Jagger schon mal eine bessere Stimme hatte. Bitte nicht auf DVD gucken, der gehört in ein Kino mit guter Tonanlage. Hätte mir aber mehr Hintergrundinfo gewünscht. Die ersten zehn Minuten deuten nur an, wie primadonnenhaft die Stones Marty und Team behandelt haben müssen.

Brügge sehen und sterben. Mein Film des Jahres. Noch nicht gesehen? DVD bitte sofort im gut sortierten Fachhandel kaufen. Mehr hier.

Ein Quantum Film

Von Boris, Do, 13. Nov 2008 11:58

Lange nix mehr über Filme geschrieben, dabei hab ich doch Meinungen zu Dark Night, Tropic Thunder und anderen Filmen des Sommers. Aber jetzt muß ich schnell noch was loswerden zu der 007-Spätvorstellung die ich mir gestern noch gegeben habe. Das Quantum Trost ist zwar nicht wirklich grottig, aber trotzdem ein absolut schaler Actionstreifen ohne Seele und ohne guten Regisseur oder Cutter. Die Actionszenen sind alles dröge Verfolgungsjagden, die Neues nur zeigen, wenn man es mit einem bisher technisch nicht möglichen Spezialeffekt (Kamerafahrt hinter dem durch ein Glasdach stürzenden Bond) machen konnte. Bond läuft über Dächer, Hotels und zum Schluß durch ein absurdes menschenleeres High-Tech-Hotel in der Wüste. Die Action ist auf Kameraeinstellungen und “cooler Look” optimiert, macht aber teilweise keinen Sinn. Es ist unmöglich, in der Gerüst-Szene in Siena zu kapieren, wer nun warum wo ist. Sie will verzweifelt eine toll konstruierte Szene sein, die hoffnungslos versagt. Selten hat mich eine Autoverfolgungsjagd so kalt gelassen wie die ersten zehn Minuten. Es gibt in den Actionszenen nicht eine Einstellung, die dem Zuschauer mal einen Überblick verschafft, sondern nur die ständigen 0,3-Sekunden-Schnitte wie in den Bourne Filmen, nur eben nicht so gut wie in den Bourne-Filmen. Und bitte erklär mir einer, warum am Ende irgendwas wirklich aufgeklärt sein sollte? Greene war doch nicht der Kopf der Organisation sondern auch nur ein weiterer Handlanger so wie White (der ja immer noch lebt). Ist im nächsten Film ein Mr. Blue dran? Und dieses leere High-Tech-Hotel mit Explosiv-Stoffen auf jeder Etage macht mich wirklich fertig. Was für ein Setting sollte das sein? Das toppt Venedig als “blödsinnigstes Finale eines Bond-Films” problemlos.

I’ll make it in three.

Von Boris, Do, 13. Nov 2008 11:38

Einer der eher beneidenswerten Aspekte meines Jobs (und ja, es gibt auch nicht so tolle) ist die Tatsache, daß man immer wieder mal auf Events und Präsentationen eingeladen wird. Die meisten Sachen kann ich aus Zeitgründen gar nicht machen, aber die Einladung von gestern war unmöglich auszuschlagen: Ob ich nach Köln kommen könnte, damit mir JJ Abrams ein paar Ausschnitte aus dem nächsten Star Trek Film zeigen kann? Vielen Dank an die Deutsche Telekom, ein wichtiges Meeting genau auf den Nachmittag zu legen, so daß ich sowieso nach Bonn mußte. Der perfekte “Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden” Tag. Weiter lesen 'I’ll make it in three.'»

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