Es war nicht alles eitel Sonnenschein im letzten Jahr. Außerdem macht es jedem im Internet mehr Spaß zu lästern als zu loben. Daher hier meine, für manchen vielleicht überraschende, Worst of Liste für das abgelaufene Kalenderjahr.
Worst thing that could happen: Die Xbox Live Ausfälle seit Ende Dezember. Extrem unangenehm - was ich so höre, wurden tatsächlich viele Leute in Redmond aus dem Urlaub gerufen, um dem Problem auf den Pelz zu rücken. Nein, ich hab keine Detailinfos zu dem Thema, sorry. Das Thema muß ich Major Nelson lassen.
Musiknerv #1: Wenn ich noch einmal auf Schul- oder Kindergartenveranstaltungen “In der Weihnachtsbäckerei” von Rolf Zukowski hören muß, schreie ich. Sehr laut.
Fast genausowenig ertrage ich Roger Cicero. Sorry, meilenweit entfernt von Harry Connick Jr und Michael Buble. Ein einziges gutes Stück (Zieh die Schuh aus) auf der ganzen Männersachen-CD. Und der Hut ist langsam sehr albern.
Verpaßte Gelegenheiten: Sowohl Marcus Miller wie Maceo Parker waren im Herbst in München und ich konnte nicht hin.
Die größte Filmenttäuschung: Oceans 13. Elf hatte einen Plot. Zwölf war eine lustige Nummernrevue mit Leuten, die zumindest cool aussehen. Dreizehn verhaut alles: Weder klappt der Plot (mit sooooo dicken Löchern), noch stimmt die Ausstrahlung der Charaktere. Der Film hinterließ drei, vier Lacher und mehrere große Fragezeichen: Wie haben die Jungs jetzt eigentlich selber Geld verdient, nachdem sie alles in die Finanzierung der Aktion gesteckt haben und sich Geld leihen mußten? Aber das ist steigerbar denn:
Lausigster Plot des Jahres: Halo 3. Bitte nicht falsch verstehen. Halo 3 ist ein brillantes Spiel. Ich mag die Action im Singleplayer-Modus. Der Multiplayer-Modus rockt mit Features und Balance alles andere weg. Aber die Handlung…
Wie schon mehrfach in diesem Blog erwähnt, sind die Entwickler von Bungie ein ziemlich schräges Volk. Wie schon bei Halo 2 war der “Plot” von Halo 3 so geheim, daß selbst Leute, die das Produkt bei Microsoft vermarkten sollen, schlichtweg im Dunkeln gelassen wurden. So wurde Halo 2 blind als “Master Chief rettet die Welt” vermarket (leider rettet er gar nix und haut mitten im Spiel ins Weltall ab) und Halo 3 dann noch konfuser als “Master Chief ist unser Held/Erlöser”. Und auch dieses Versprechen wird nicht eingelöst.
Es fängt damit an, daß einfach Handlung zwischen Halo 2 und 3 fehlt. Selbst wenn man Halo intensiv kennt, kapiert man nicht, warum MC in Afrika vom Himmel fällt. Irgendwann hab ich dann mal gelesen, daß wohl ein Comic die Ereignisse zwischen 2 und 3 erzählen wird, der aber erst nach dem Spiel rauskam/kommen wird. Gutes Timing…
Auch diesmal rettet der Master Chief nicht die Erde oder die Menschheit, sondern wieder mal nur eine Militärbasis mit lauter Militärnasen. Ich sehe nicht einen einzigen Zivilisten oder irgendeine Backstory, sondern bestenfalls Ruinen einer Stadt. Dann gibt es eine Reihe unmotivierter Seitenwechsel (wer kämpft wann gegen wen?) und unverständliches Kauderwelsch von Cortana und einigen Forerunner-Computerterminals. Und das theatralische Ende wird dann nach dem Abspann nochmal aufgeweicht. Man könnt ja vielleicht doch ein Halo 4 machen…
Ganz ehrlich: Es lohnt sich nicht, sich über die deutsche Synchronisation zu beschweren. Auf Englisch macht die Handlung auch nicht mehr Sinn. Ich hab’s ausprobiert.
TV-Outsourcing-Katastrophe: Lauras Stern. Zur Erklärung: Vor vier Jahren produzierte eine deutsche Zeichentrickfirma dreizehn Zehn-Minuten-Episoden von Lauras Stern, basierend auf den Kinderbüchern von Klaus Baumgart. Irgendwer kam dann auf die Idee, noch mehr Folgen machen zu lassen, die auch seit kurzem im Kika laufen. Statt des deutschen Produktionsteams scheinen sich aber laut Vor- und Abspann Italiener um die Produktion und Koreaner um das eigentliche Zeichnen gekümmert zu haben. Und viele der Geschichten haben nicht mehr den Charme des Originals; stattdessen wird in fast jeder Folge Harry Ballwanz zum gemeinen Gegenspieler von Laura und Tommy aufgebaut. Es hat den Eindruck, als ob hier aus einer tatsächlich ziemlich deutschen Geschichte eine international vermarktbare Massenware werden sollte. Geht aber auch bei Erwachsenen:
Serien, die nicht besser sondern schwächer werden: House. Als in Ermangelung neuer exotischer Krankheiten der gute Doktor im Hirn eines Kindes rumpiekt, um dort eine Halluzination einer Entführung durch Aliens auszulösen, damit die Nervenzellen des zweieiigen Zwillings, der durch blöde Zellteilung in das Kind “integriert” wurde, zu veröden (ja, das ist genauso konfus wie mein Satzbau) hab ich mich gefragt, warum die im Abspann ernsthaft “ärztliche Berater” nennen. House hat sein Potential an Krankheiten in den ersten zwei Staffeln ausgeschöpft, muß aber weiterhin jede Woche einen “Keiner weiß was ihm fehlt” bieten - und diese Hälfte der Serie ist ausgelutscht, wenn auch die Konflikte zum Thema Schmerzmittelmißbrauch noch etwas Spannung aufrecht erhalten. Und House’ Sprüche waren auch schon besser.
Verbots-Visionen für gewaltverherrlichende Spiele von unwissenden Politikern. Wenn schon Verbote, dann bitte für alles was Jugendliche rein theoretisch und unbewiesen gefährden könnte: Alkohol, Horrorvideos und Experimentiersendungen im Fernsehen, die jedem Deppen zeigen, wie man Handyakkus explodieren läßt oder mit anderen leicht erreichbaren Materialien höchstmöglichen Schaden anrichten kann. Ein “Herstellungsverbot” für Waffen auf deutschem Boden wär auch nicht schlecht. Daß ihr bei einem etwaigen Spiele/Medienverbot dann wie in China auch das Internet absperren müsst, ist euch schon klar, liebe Innenminister? Ich wünsche viel Erfolg.
Ich bin eindeutig für Jugendschutz - mehr als manchem Videospieler recht ist. Aber in Ermangelung von Sachkenntnis, Menschenverstand und Allgemeinbildung tatsächlich “Verbote” zu fordern ist ein diplomiertes geistiges Armutszeugnis für den Fordernden.
Mogelpackung des Jahres: Rayman Raving Rabbids 2 für Nintendo DS. Angeblich mit 36 Minispielen (oder sogar 60 - je nach Rechenweise). Nur leider sind sechs davon nur unterschiedliche Musikstücke und auch sonst viele Spiele irgendwie identisch, so daß gefühlt bestenfalls 10 Spiele übrigbleiben. Dabei waren mir die Hasen doch sooooo sympathisch als Charaktere. Das Modul gehört übrigens auch zum nächsten Worst of:
Blödestes technisches Feature: Das Mikrofon am Nintendo DS. Und Spiele, die sich nicht auf einen “Kein Mikro”-Modus einstellen lassen. So kann man diverse Titel in der S-Bahn / im Flugzeug nicht spielen. Glaubt ihr ernsthaft, ich spiele DS zu Hause auf der Couch?
Unmusikalischstes Musikspiel: OK, ich bin nicht der Superheld bei Guitar Hero. Aber auch ich kann erkennen, daß Boogie von Electronic Arts mit Takt und Rhythmus bestenfalls rudimentär zu tun hat. Und wer hatte die Schnapsidee, dieses unrasierte Monster im 70er-Jahre-Disko-Look als Covermotiv zu nehmen?
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