Category: Filme

Unobtanium kann fliegen!

Von Boris, Fr, 18. Dez 2009 20:32

Ich bin ganz frisch aus der Nachmittagsvorstellung von Avatar (zu irgendwas muß der erste Urlaubstag ja nutze sein) und ich halte hiermit fest: Ich war ein großer Fan von James Cameron. Aliens ist einer der besten Actionfilme aller Zeiten. Terminator 2 hat ihn etabliert als jemanden, der neue Technik und nie dagewesene Effekte in einen Plot einbauen kann. Hut ab.

Aber mit Avatar hat er sein magisches Händchen für mich verloren. AvL wird jubeln – alles das, was er mir damals in Köln sagte, als wir aus dem Kino kamen, wo wir 20 Minuten aus dem Film sehen konnten, ist leider wahr. Aus der schönsten Optik, dem besten Setdesign, den irrsten Spezialeffekten holt Cameron in der Story nichts, aber auch gar nichts heraus.

Terminator 2 funktioniert, weil der Gegner ein Typ aus flüssigem Metall ist, was uns den ganzen Plot hindurch begleitet und was beim Showdown von essentieller Bedeutung ist. Avatar hat zwar 3 Meter hohe blaue Aliens und ein paar lustige, bunte Tiere, aber macht nichts draus. Und diesmal hat der Bösewicht den Powerloader, der mich, ehrlich gesagt, mit Ripley am Steuer deutlich mehr beeindruckt hat als hier.

Ganz klar, optisch bleibt es bei meinem “Das hast du noch nicht gesehen!”. Der Einsatz von 3D ist fantastisch und es gibt praktisch keine Szene, in der man durch technische Mängel aus der Story rausgeholt wird. Avatar ist in allen technischen Bereichen die neue Referenz. Nie sahen Aliens und ein fremder Planet so echt aus.

Aber der Plot? Ein üble Western-Geschichte mit bösen Cowboys und guten Indianern. Und einigen guten Cowboys, die den Indianern helfen. Keine einzige unerwartete Wende im Plot, alles nach Schema F und, für mich entscheidend, alles problemlos ohne all die Technik erzählbar.

Cameron hat nicht 14 Jahre gewartet, weil er eine tolle Geschichte erzählen wollte, sondern weil er dieses Bild von 3 Meter blauen Menschen (die evolutionär übrigens zu NICHTS auf Pandora passen, das nur so nebenbei) verwirklichen wollte. Weil er 3D-vernarrt ist und weil er der einzige Kerl auf der Erde bleibt, dem Filmstudios glauben, wenn er sagt “Für X Millionen Dollar baue ich euch einen kompletten anderen Planeten”. Selbst Spielberg hätte das Geld selber auftreiben müssen. (Lucas hätte den Film durch Merchandising-Rechte vorfinanziert…)

Was Cameron kann wie kein anderer, ist eine Actionszene so zu erzählen, daß man sie versteht. Warum sind die Flugdrachen alle so bunt? Weil wir in den letzten 20 Minuten niemals Probleme haben zu verstehen, wer gerade wo ist. Sozusagen das genaue Gegenteil zum letzten James Bond, wo ich auch nach wiederholtem Ansehen die Actionszenen einfach in der Chronologie nicht verstehe. Das Finale ist nicht nur schön anzusehen, es ergibt auch innerhalb der Welt von Pandora absolut Sinn. Und deswegen fiebert man im Kinosessel mit und verkrampft sich regelrecht in einigen Momenten. Kamera, Effekte, Schnitt und auch 3D at its best.

Das kann man aber vom ganzen Drumherum nicht behaupten. Wir erfahren niemals, was Jack vor seinem Pandora-Trip wirklich gemacht hat, außer das er wohl bei den Marines in Venezuela ein echt harter Knochen war und daß er querschnittgelähmt ist. Damit die zweite Hälfte des Films emotional funktioniert, müßte Jack irgendeine Hintergrundgeschichte haben, aber er bleibt ein Mann ohne Vergangenheit. Selbst sein Zwillingsbruder hat keinerlei Bedeutung – außer der McGuffin zu sein, der Jack nach Pandora und in den Avatar hinein bringt. Mir kommt Jack deswegen nur wie ein selbstsüchtiges Arschloch vor, das halt jede Chance nutzt, wieder laufen zu können. Die Wandlung vom Saulus zum Paulus kann man ihm nicht abnehmen, es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, außer daß es ihm halt Spaß macht, diesen neuen Körper zu haben.

Der große andere McGuffin des Films ist der, der mich allerdings so richtig richtig sauer macht, weil wegen einem coolen Effekt Cameron seinen ganzen Plot von vorne bis hinten ruiniert. Achtung, ganz leichter Spoiler ahead (aber in dem Film kann man nur die Plotlöcher spoilern, weil der Rest so vorsehbar ist). Also, nicht weiterlesen!

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