Category: Software

Der Zweck heiligt eben nicht die Mittel

Von Boris, Mo, 31. Mai 2010 22:25

Oh, was so ein Tweet doch für böse Kommentare auslösen kann. Als ich mich darüber mokierte, daß einige deutsche Online-Medien wieder unreflektiert von einer “offiziellen Xbox-Version” der XBMC Software redeten, wo doch die Entwickler nur mit geklauter Dokumentation und geklauter Software rumgehackt haben, gab’s gleich Schelte über Microsoft, mangelhaften Mediensupport und daß man es halt selber machen muß, wenn der Konsolenhersteller es offensichtlich nicht kann.

Absurd ist, daß kein Einziger eingesprungen ist (wie gesagt, auch Medien wie golem.de nicht) um mal klarzustellen, das in den Anfangstagen von XBMC die Programmierer mit einem nicht rechtmässig lizensiertem Compiler rumexperimentierten und, weil sie genau wußten, daß die ausführbaren Programme Microsoft-Libraries enthalten und damit urheberrechtlich höchst problematisch sind, nur den Source Code im Netz veröffentlichten und auf eine Piratengemeinde hofften, die das Kompilat schon irgendwie unter die Leute bringt. Darf ein Handwerker, nur weil er schöneres Parkett verlegen kann, das Werkzeug dafür beim Obi um die Ecke klauen?

Ich hör schon wieder die ewigen Mahner, das Kopieren von Software sei ja nun mal kein Diebstahl weil die Software ist noch da, und ich antworte wie üblich – ja, aber das Geld das man bezahlt hätte, ist nun mal nicht da, das hat man geklaut oder zumindest betrogen oder sonstwas denn dem rechtmässigen Inhaber FEHLT tatsächlich was, was ihm zusteht.

Noch dazu haben die ersten Versionen des XBMC dazu aufgefordert, sich bei Software von Apple und Real Networks zu bedienen, indem man DLLs von Quicktime und Realplayer auf die Xbox transferieren sollte. Inzwischen braucht XBMC das nicht mehr, weil dank FFMPEG eine große Entwicklerschar Nachbauten der diversen Codecs liefert – und über die lizenzrechtliche Situation dieses Codes zerbreche ich mir nicht den Kopf.

Man kann sich noch so trotzig auf den Kopf stellen und sagen “Ich will aber!” – wenn Microsoft beschließt, die Entwicklungsumgebung für Xbox 1 nicht offen anzubieten, aus welchem Grund auch immer, ist der Wunsch nach besserer Medienwiedergabe nicht die Berechtigung, sich die Entwicklungsumgebung unlizensiert zu beschaffen und Microsofts Willen zu unterlaufen. Der Zweck heiligt hier nicht die Mittel, da bin ich nicht diskussionsfähig.

Naja, was solls, XBMC in der aktuellen PC-Fassung und sein Bruder Boxee laufen eh viel runder, wenn man sich die zum Beispiel auf einem kleinen Atom-PC mit Nvidia ION Grafik installiert. Für den Preis, den damals eine Xbox gekostet hat, gibts eine Universalkiste mit WLAN, HDMI, HD-Playback, zigmal größerer Festplatte, und, und, und. Oder alternativ Streaming-Geräte wie den WDTV Live von Western Digital, mit denen man sich auch praktisch alle Mediendateien angucken kann, für weniger Geld als eine gut erhaltene und gemoddete Xbox kostet. Was reg ich mich also auf…

Achja – über dieses Wort “offiziell”, darüber hab ich mich aufgeregt.

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