Und noch ein neues Internet-Gerücht: Das Xbox 360 Netzteil verteilt angeblich Stromschläge von bis zu 100 Volt. Danke an alle, die mir entsprechend gemailt haben. Um der Sache wirklich auf den Grund zu gehen, hab ich gestern nacht mit Tim Calland geredet, der als Techniker im Xbox-Team insbesondere für die Zusammenarbeit mit nationalen Prüfbehörden, wie beispielsweise dem TÜV, mitverantwortlich ist. Die kurze Nachricht: Alles ungefährlich, nicht verrückt machen lassen, das Netzteil trägt ein TÜV GS-Zeichen (wie auch viele andere Prüfsiegel) und ist sicher, die 100 Volt sind kein Problem.
Tim hat es mir auf Englisch erklärt und trotz technischem Background kann sich hier jetzt ein Übersetzungsfehler einschleichen, die die echten Techniker sicherlich in einem Kommentar korrigieren werden (vorab schonmal Danke!). Fehler in dieser Beschreibung sind auf meinem Mist gewachsen, die ist keine offizielle Microsoft-Erklärung.
Es ist in vielen elektrischen und elektronischen Produkten völlig normal, ein Spannungspotential von 100 Volt und mehr zwischen “anfaßbaren” Teilen und der “Erde” zu haben. Dieses Potential nennt man Leerlaufspannung, was bedeutet, daß diese Spannung nur anliegt, wenn kein Strom fließt.
Xbox 360 ist komplett auf das Risiko von Stromschlägen durchgetestet. Strom ist nicht gleich Spannung. Auch wenn eine Leerlaufspannung anliegt, ist die einzig entscheidende Größe der Strom, der durch eine Person hindurchfließen kann, wenn sie das Gerät berührt. Diesen Strom nennt man Berührungsstrom. Den kann man mit einem besonderen Meßinstrument auch messen - das “Touch Current Meter” mißt normgerecht exakt, welcher Strom durch den menschlichen Körper fließen würde, wenn man die Metallteile des Geräts berührt.
Weltweit gibt es in den elektrischen Sicherheitsvorschriften sehr klare Standards, welche Schutzleiterströme ein Elektronikgerät maximal austeilen darf. Die internationalen Sicherheitsstandards IEC/EN 60950-1 und IEC/EN 60065 legen fest, daß dieser Strom maximal 3,5 Milliampere oder 3.5 tausendstel eines Amperes betragen darf. Die durch Prüfstellen durchgeführten Messungen ergeben, daß bei Xbox 360 0,4 Milliampere, also gerade mal ein Achtel des Grenzwertes, gemessen werden. Laut Wikipedia sind diese 0,4 Milliampere für die meisten Menschen nicht mal spürbar, geschweige denn gefährlich. Das Netzteil und die Konsole tragen das GS (Geprüfte Sicherheit) Zeichen des TÜV Rheinland, die sicherlich genau diesen Effekt untersucht haben werden (gehe ich stillschweigend mal von aus).
Ich habe spaßeshalber mal andere elektrische Geräte zu Hause untersucht. Mein digitaler Festplatten-Videorecorder (Markenprodukt eines namhaften Herstellers) hat ebenso hohe Spannungen am Antenneneingang liegen, mein Fernseher hat ähnliches an der Scart-Buchse.
Wichtig ist auch, daß dieser ungefährliche Effekt sofort verschwindet, wenn Xbox 360 mit einem Fernseher/Monitor verbunden ist (wie ebenfalls viele Leute berichten).
Microsoft nimmt die Sicherheit seiner Kunden sehr ernst. Wer meint, sein Netzteil sei defekt und entspricht nicht meiner Beschreibung hier, sollte den Support unter 0800 181 2968 anrufen und sich dort weiter beraten lassen.
Die c’t hat Xbox 360 in den Klimaschrank eingesperrt. 15 Stunden bei 35 Grad Umgebungstemperatur später: Immer noch stabiler Betrieb. Danke nach Hannover für den Test - ich weiß, ich war hier nicht immer nett zu Euch…
Hiermit bestätige ich durch nochmaliges privates Ausprobieren: Halo 1 läuft gar nicht mit dem VGA-Kabel, Halo 2 im Online-Modus auch nicht - besser gesagt, das Update/Download-Programm läuft nicht mit dem VGA-Kabel; ohne Update darf man aber nicht online. USA ist alarmiert und guckt sich das Problem zur Zeit an.
Und einige Spiele wie zum Beispiel PGR3 wurden nie gegen die nachträglich dazugekommene Auflösung von 1280 mal 1024 getestet - die war “damals” noch nicht im Pflichtenheft. Auch hier sind alle beteiligten Personen inzwischen alarmiert - wie man’s fixt, weiß noch keiner.
Das manche Spiele bei einem HiDef-Monitor (also VGA oder HD Fernseher) auf einer 16:9 Auflösung und damit gegebenenfalls schwarzen Balken bestehen, ist von den jeweiligen Entwicklern wohl beabsichtigt - das Spiel ist für 16:9 optimiert. Bei allen Xbox 360 Spielen ist 16:9 Standard und 4:3 optional - d.h. Balken auf 4:3 Displays sind explizit erlaubt.
Update: Es gibt eine logische Erklärung! Alle VGA-Modi sind grundsätzlich 60 Hz-Modi. Halo 1 besteht in der PAL-Version aber auf 50 Hz und kann deswegen auf VGA nicht laufen. Das trifft auch einige andere (Original Xbox) Spiele: Wenn sie PAL-60 nicht unterstützen, gibt’s Probleme mit dem VGA-Kabel in der Emulation auf 360.
Provisorium, bis es einen richtigen Fix gibt: Wenn man im Dashboard beim VGA-Kabel auf 640 x 480 stellt, laufen bei mir zumindest die Xbox-Emulations-Spiele wie sie sollen; bei höheren Auflösungen gibt es teilweise Probleme, wie schon geschildert. Ebenso ist PGR3 bei fast allen Auflösungen im richtigen Seitenverhältnis, nur bei der vermaledeiten 1280 mal 1024 nicht. Ich weiß, Hin- und Herschalten ist keine Lösung, aber immerhin ein Notbehelf.
Ohne Kenntnis dessen, was die Kollegen in USA tatsächlich tun: Ich vermute sehr stark, daß das Problem durch einen Software-Patch gelöst werden wird. Wie ich aber die Approval-Prozesse kenne, wird das nicht innerhalb von Tagen sondern wahrscheinlich von Wochen gehen. Man patcht ja nicht leichtfertig die Systemsoftware.
Vielen Dank für die vielen Einzelreports über Fehlfunktionen mancher Spiele bei Einsatz des VGA-Kabels. Alles gesammelt, alles weitergeleitet. Einiges hab ich auch selber verifiziert, wie den PGR3-Bug bei 1280 mal 1024. Wenn ich Antwort aus USA habe, melde ich mich.
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