Neben siebzehn Anfragen, wie denn HD-DVD ohne HDMI ginge (nimmst du Suchfunktion mit HDMI oben links und guckst du dann hier) gab es eine Reihe durchaus interessanter Kommentare zum Thema HD-DVD. Eine Reihe davon war aber recht unqualifiziert zum Thema “Digital Rights Management”. Die hängen sich alle an dem Faktor auf, das die Filmstudios die digitalen Daten auf den Disks weiter schützen wollen. Und das vielleicht nicht zu Unrecht: Die Bildqualität eines guten HD-Signals kann sogar für eine Kinoprojektion benutzt werden, wie Premiere mit HD-Fußball-WM im Kino bewies. Daß die Studios Bilder in der Qualität nicht frei rumlaufen lassen können, ist doch logisch.
Der ständig im Raum stehende Vorwurf, Microsoft würde mit dem DRM-Modell den Kunden gängeln, kann ich nicht nachvollziehen. Fakt Eins: Wenn Windows nicht die volle Kopierschutzkette von HD-DVD unterstützt, dann darf unter Windows HD-DVD nicht abgespielt werden. Ohne Unterstützung gar kein Playback. Fakt Zwei: Microsoft hat beim Einstieg in HD-DVD durchgesetzt, daß die wichtigsten Szenarien, bei denen Kunden die Daten legal kopieren wollen, auch unterstützt werden. Streaming ist möglich, die lokale Kopie auf eine Festplatte (ja, in HD) ist möglich (sogenanntes “Managed Copy”) und das Kopieren auf einen Portablen Player wird auch unterstützt - noch in der Theorie (die Software ist nicht da) und mit der Einschränkung, daß Studios diese Funktion mit einer zusätzlichen Gebühr belegen können, aber sie können sie nicht grundsätzlich ausschalten. Das sind alles Sachen, die mit einer normalen DVD nur gingen, wenn man (illegal) den CSS-Kopierschutz der Scheibe ausschaltet. HD-DVD ist also ein Fortschritt in der legalen Nutzung der Medieninhalte. Das Blu-Ray-Lager steht diesen Nutzungsformen eher skeptisch gegenüber - da haben die Studios bei jedem Feature die Möglichkeit, es für jeden einzelnen Film abzuschalten.
Diskussionen über Nutzen von Hybrid-Disks (”Wer braucht das?”, “Kostet mehr”, “Ich hasse Flipper”) sind natürlich irgendwo interessant, aber wichtig war mir, daß die Hybrid-Disk bei Blu-Ray technisch nicht geht, weil die DVD-Hälfte der Scheibe auf einer völlig anderen Maschine gefertig werden muß als die BD-Hälfte.
Sehr spaßig die Witzbolde, die meinten, über MPEG-4 diskutieren zu müssen, weil ich das ja mal für Xbox 360 abgelehnt hätte. Lesen Sie hier. Ist was ganz anderes als eine vernünftige, standardisierte MPEG-4-Implementation auf einer offiziellen Scheibe.
Das mehr Studios Blu-Ray unterstützen, ist auch heute ein eher theoretisches Argument: Für HD-DVD gibt es viel mehr lieferbare und angekündigte Disks und bei manchen Studios (Disney?) ist für Blu-Ray alles andere als die Top-Hits angekündigt. Wen interessiert Disneys Dinosaurier-Film? Die Pixar-Sachen, die wären was für HD! Ja, das Format mit der besseren Software wird gewinnen. Aber dieses Rennen ist sowas von offen. Von den Lieferlisten für das Jahr 2006 kann niemand den Erfolg eines Formats ausmachen.
Thema 50 Gigabyte Scheibe bei Blu-Ray: Soweit mir bekannt (man korrigiere mich gerne) gibt es noch nicht mal einen konkreten Zeitplan, wann denn nun Double-Layer-Pressungen überhaupt möglich sind. Es geht zur Zeit nur bei den BD-Recordables, die kosten aber auch ein Vermögen. Das technische Problem des Zusammenklebens zweier gepresster (!) Schichten bei Blu-Ray scheint nicht trivial zu sein und wird mittelfristig die Kapazität bei Filmen einschränken.
“Blu-Ray setzt zur Zeit noch auf MPEG-2, weil deren Authoring-Software noch nicht die neuen, besseren Codecs unterstützt. Die nächsten Blu-Ray-Filme werden besser“. Sorry, da muß ich dann hysterisch lachen, denn in letzter Konsequenz bedeutet daß ja wohl, das Sony sein eigenes Format überhaupt nicht im Griff hat: Launchen, bevor die Authoring-Software fertig ist, aus politischen Gründen auf den qualitativ schlechteren Codec setzen, und so weiter. Das ist ein klares Gegenargument und keine Entschuldigung.
PS3 bietet mehr Speicher für Spiele auf der optischen Disk. Stimmt. Die Einzigen, die bisher massiv nach mehr Speicher geschrieen haben, sind aber die japanischen Hersteller von Rollenspielen mit stundenlangen Video-Rendersequenzen. Ich glaube, da kann man Multi-Disk-Spiele, bei denen alle paar Stunden gewechselt wird, verschmerzen. Bei anderen Spielen ist es eher unrealistisch, daß die an Umfang immer weiter zunehmen, denn es kann schlicht und einfach kein Publisher bezahlen, noch mehr Content in ein Spiel zu packen. Das GTA-Beispiel (”noch mehr Musik”) geht zum Beispiel gar nicht - die Musikrechte wären irgendwann unbezahlbar.
Oh, eines zu “Kein HDMI”: Zum Thema “Dann gehen nach 2011 erscheinende Filme auf meiner Xbox 360 nicht mehr” - hmm, wenn HD-DVD im selben Tempo wie DVD vorwärts kommt, gibt es dann doch schon längst den 100 Euro Player bei Aldi, mit Features, die den dann fünf Jahre alten Xbox-Player alt aussehen lassen. Nicht, daß ich was gegen Xbox 360 hätte, aber in fünf Jahren sieht die HD-Video-Welt ganz anders aus - und keiner kann heute sagen, wie.
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