Die Wohnzimmertour (2002/2003)

Problem: Du bist der Underdog. Du hast noch nie zuvor eine Spielkonsole auf den Market gebracht und es gibt schon drei Platzhirsche. Du hast null Credibility. Und ein schlankes Budget. Wie kriegst du die Weltpresse, zumindest aber mal die deutschen Videospielredakteure dazu dich ernstzunehmen?

Lösung: Mach das genaue Gegenteil von Hochglanz. Keine Promis, kein feines Buffet. Geh dahin wo die Redakteure sind und sei einer von ihnen. So authentisch wie möglich.

Die Xbox Wohnzimmertour, die Sabine Reinhart und ich federführend mit anderen Kollegen gestalteten, war eigentlich die einfachste PR-Tour überhaupt. In den Städten mit der höchsten Journalistendichte (Hamburg, München, Berlin) suchten wir eine große Studenten-WG und mieteten deren eingerichtete Wohnung für eine Woche. Dann bauten wir dort so viele Xbox-Konsolen wie möglich auf, bestellten Bier und Pizza und luden drei Tage hintereinander von 18 bis 22 Uhr alle zum Spielen ein. Und wer Interviews und konkretere Infos wollte, konnte tagsüber Termine dafür haben.

Das Konzept hat so brillant funktioniert, daß wir die Tour insgesamt drei Mal wiederholten, Xbox Live integrierten und das Format dann sogar von anderen Videospiel-Herstellern übernommen wurde. Danach war Xbox in Deutschland in den Redaktionen als kompetenter Konsolenanbieter gesetzt. Der persönliche Kontakt bei Bier (für mich O-Saft bitte) und Pizza ist auch 20 Jahre später immer noch mein persönliches PR-Highlight.

Spätere Versuche, mit aufwendigen Xbox Live Lounges und B-Promis noch mehr Aufmerksamkeit zu generieren schlugen insgesamt betrachtet fehl. Mein Learning daraus bleibt: Gute PR geht dahin, wo der Journalist ist.

Das letzte Update dieses Artikels war am 4.2.2022